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Sant Jordi en Barcelona

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Der Brauchtitel „Sant Jordi“ ist katalanisch und gleicht dem spanischen „San Jorge“. In Barcelona wird der Brauch am 23. April, dem Namenstag des Hl. Georg, gefeiert. Der Brauch bezieht sich in diesem Artikel auf die Stadt Barcelona (Spanien) im Speziellen. Dort ist er unter dem katalanischen Namen bekannt, sodass im Folgenden „Sant Jordi“ verwendet wird.

Termin

Dieser Brauch ist am 23.04.2019.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Kurzcharakterisierung des Brauchs und dessen Turnus

Sant Jordi wird auch der „Tag der Verliebten“ genannt. An diesem Tag ist es in Barcelona Brauch, sich gegenseitig ein Buch und eine Rose zu schenken. Normalerweise beschenken sich Paare gegenseitig: Die Frau schenkt ihrem Freund, Geliebten oder Mann ein Buch. Der Mann schenkt seiner Freundin, Geliebten oder Frau ein Buch und eine Rose. Manchmal wird der Brauch in den Freundeskreis übernommen, sich gegenseitig zu beschenken. Aber auch kleine Kinder schenken ihren Müttern schon eine Rose. Jährlich sieht man am 23. April in ganz Barcelona viele Marktstände, an denen unzählige Bücher und Rosen in allen Farben verkauft werden. Man geht aus keinem Geschäft, das man betritt, ohne eine Rose wieder heraus und kommt abends mit einem ganzen Rosenstrauß nach Hause.

In Reiseempfehlungen im Internet stößt man unter anderem auf den Begriff „Rosenmarkt“ am „Plaça Sant Jaume“ (vgl. http://barcelona.de/de/barcelona-sant-jordi.html). Damit sind lediglich die Rosenstände gemeint, die in der ganzen Stadt aufgebaut sind.

Empirische Dokumentation

Bezug der nachfolgenden Informationen

Die nachfolgende empirische Beschreibung bezieht sich auf den 23. April im Allgemeinen. Im folgenden Interview, das am 12.05.2015 in Barcelona geführt wurde, informiert eine Spezialistin über den Brauch „Sant Jordi“:


Nachfolgend wird der Inhalt des Interviews noch einmal aufgegriffen:

Ablauf

In den frühen Morgenstunden ist ganz Barcelona mit Rosen in allen Farben geschmückt. Darüber hinaus sind in allen Straßen Barcelonas Bücherstände aufgebaut.

Als unverzichtbare Elemente des Brauches gelten die Rose und das Buch. Sant Jordi wird der „Tag der Verliebten“ genannt: Es ist üblich, dass die Frau dem Mann ein Buch und der Mann der Frau eine Rose und ein Buch schenkt. Auch Freunde beschenken sich untereinander, aber der Brauch findet häufiger zwischen Liebespaaren statt.
Alicia Sant Jordi.jpeg

Akteure

Das Fest geht sehr stark von der Bürgerschaft Barcelonas aus. Es gibt keine spezielle Kleidung für diesen Tag. Menschen jeden Alters und soziokulturellen Hintergrunds beteiligen sich bei Sant Jordi: Schon die kleinen Kinder schenken ihren Müttern eine Rose, die Großeltern ihren Enkeln und natürlich sich gegenseitig. In jedem Geschäft, das man betritt, bekommt man eine Rose geschenkt. Am Ende des Tages sieht man die Menschen mit einem großen Rosenstrauß.

Performanzraum, Kulissen, Requisiten

Sant Jordi wird in allen Straßen der ganzen Stadt gefeiert. Im Zentrum sind die meisten Leute, sodass dort auch mehrere Stände aufgebaut sind. Als Hauptschauplätze könnte man „La Rambla Catalunya“, „Las Ramblas“ und „El Paseo de Gracia“ sehen.

Als Dekoration dienen kleine Stände: Wie auf einem Markt platzieren alle Buchhändler ihre Bücher und daneben die Floristen ihre Rosen. Bücher und Rosen sind die einzige Dekoration: Ganz Barcelona gleicht einem Meer aus Rosen und Büchern.

Brauch- und Rollenverständnis

Der Wert des Festes veränderte sich nie, sondern blieb immer erhalten. Der 23. April war noch nie ein Feiertag. Die Einwohner Barcelonas gehen auf die Straßen, kaufen Rosen und Bücher. Es besteht keine Notwendigkeit darin, Sant Jordi zu einem Feiertag zu machen. Abends runden einige Familien den besonderen Tag mit einem Abendessen in einem Restaurant Barcelonas ab.

Die Medien zeigen in den Nachrichten, was den ganzen Tag über passiert: Bekannte Schriftsteller kommen in die Stadt. Um ihr gekauftes Buch signiert zu bekommen, nehmen die Barceloneses lange Warteschlangen in Kauf.
Der Brauch ist von besonderer Bedeutung: Er wird vor allem in Barcelona, aber auch in den anderen Städten Cataluñas gefeiert. Es ist sehr populär, sich an Sant Jordi zu beschenken. Die Menschen veranstalten das Fest aus ihrer Überzeugung heraus.

Organisation der Brauchveranstaltung

Die Barceloneses organisieren den Brauch selbst. Buchhändler und Blumenverkäufer bauen ihre Stände auf und bezahlen dafür eine Standgebühr. Einen offiziellen Organisator gibt es nicht. Der Brauch wird nicht aus öffentlicher Hand gezahlt, sondern durch jeden Einzelnen.
Jedes Jahr findet unter den Künstlern ein Plakatwettbewerb statt. Das Plakat des Gewinners wirbt mit Sant Jordi, Drache, Rose und Buch für das jeweilige Jahr. So variiert das Plakat von Jahr zu Jahr.

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte des beschriebenen Brauchs

Sant Jordi bezieht sich auf folgende Legende: In einem kleinen Dorf namens Montblanc lebte ein grausamer Drache. Der Drache fraß das ganze Essen der Bewohner und alle Tiere des Dorfes auf. Als er alles aufgefressen hatte, beschlossen die Menschen, ihm jeden Tag eine junge Frau zum Fressen zu geben. Eines Tages traf das Schicksal die Königstochter. Kein Mensch konnte den Drachen töten und die Prinzessin befreien. Doch dann kam der mutige Ritter Sant Jordi und tötete den Drachen für immer, wodurch er zum Helden wurde. Aus dem Blut des Drachen erwuchs eine Blume: Die Rose der Liebe (vgl. http://web.gencat.cat/es/web/sant-jordi/llegenda-i-tradicio/sant-jordi-i-el-drac/).

In der Literatur endet die Legende unterschiedlich: Ein Schluss besagt, dass Sant Jordi die rote Rose pflückt und sie der Prinzessin schenkt (vgl. http://ca.tales.land/grans-classics/4/la-llegenda-de-sant-jordi). Eine andere Version endet so, dass sich alle Bewohner des Dorfes Sant Jordi als Vorbild nehmen und dem christlichen Glauben beitreten (vgl. http://www.gencat.cat/cooperacioexterior/cce/recursos/present_sjordi_alemany.pdf). Sant Jordi ist seit dem Jahr 1904 der Schutzpatron von Cataluña und steht für den Sieg über das Böse.

Das Buch wurde aufgrund des „Tages des Buches“ zum Element des Brauches: Am 23.04.1616 verstarb der berühmte spanische Schriftsteller Cervantes, dem dieser Tag gewidmet wurde (vgl. http://santjordi.yaia.com/leyenda.html). 1995 erklärte die UNESCO den 23. April zum Internationalen Tag des Buches (vgl. http://santjordi.yaia.com/historia.html).

Aufgrund des gleichen Datums wurden viele Jahre später der „Tag der Verliebten“ und der „Tag des Buches“ zu „Sant Jordi“. Am 23. April wird das Fest der Verliebten, der Literatur und der Kultur gemeinsam begangen (vgl. http://barcelona.de/de/barcelona-sant-jordi.html).

Allgemeine Verbreitung des Brauchs

Der Brauch Sant Jordi ist vor allem für die Stadt Barcelona von besonders großer Bedeutung. In verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt hat der Drachentöter Spuren hinterlassen: Ein Beispiel ist das von Gaudí erbaute „Casa Battló“, dessen Dach an den Rücken eines Drachen erinnern soll (vgl. Sayrach, 2014, S. 252 ff.). Im Rathaus von Barcelona stehen vier verschiedene Skulpturen des Sant Jordi (vgl. Sayrach, 2014, S. 100-111.). Gegenüber am Regierungsgebäude „Palau de la Generalitat de Catalunya“ kann man außen ein Medaillon (vgl. Sayrach, 2014, S. 48-51.) und innen die „Capella de Sant Jordi“ (vgl. Sayrach, 2014, S. 58-67) bewundern.
Die Verbreitung des Brauches wurde in ganz Spanien durch die Regierung gefördert: Seit 1343 wird Sant Jordi in Valencia gefeiert, seit 1407 in Mallorca (vgl. http://www.gencat.cat/cooperacioexterior/cce/recursos/present_sjordi_alemany.pdf). Auf die Person des Drachentöters beziehen sich mehrere europäische Länder wie beispielsweise Litauen, Griechenland, Schweden, England und Portugal. (vgl. Sayrach, 2014, S. 38 f.). In Montblanc (Conca de Barberà, Tarragona), wo sich das Geschehen der Legende nach ereignet haben soll, feiert man eine Mittelalter-Woche, die „Setmana Medieval de Montblanc“. Dabei steht die Legende des drachentötenden Sant Jordi im Zentrum. Im Dorf erinnert das Tor „Portal de Sant Jordi“ an den Heiligen. Er soll nach seinem Sieg hindurch geritten sein (vgl. http://santjordi.yaia.com/historia.html).

Forschungsstand

Der „Tag der Verliebten“ und das „Rosenschenken“ haben ihren Ursprung im 15. Jahrhundert (vgl. http://barcelona.de/de/barcelona-sant-jordi.html). Am 23. April werden der Namenstag des Hl. Georg und der „Tag des Buches“ als Sant Jordi gefeiert.

Literatur

Buchquelle:
Sayrach, Narcís: Sant Jordi a Barcelona. Barcelona, 2014.

Internetquellen (Stand: 06.06.15):

http://santjordi.yaia.com/historia.html

http://web.gencat.cat/es/web/sant-jordi/llegenda-i-tradicio/sant-jordi-i-el-drac/

http://www.gencat.cat/cooperacioexterior/cce/recursos/present_sjordi_alemany.pdf

http://barcelona.de/de/barcelona-sant-jordi.html

Weblinks

http://www.elprincipat.cat/la-pervivencia-de-rituals-pagans-en-la-llegenda-cristiana-de-sant-jordi/

https://www.youtube.com/watch?v=RApMzux7i3g

https://www.youtube.com/watch?v=8auFa73nYpY

https://www.youtube.com/watch?v=kLf8gaf83Mk

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