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Ruethenfest in Landsberg

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Das Ruethenfest in Landsberg ist ein historisches Kinderfest, das in regelmäßigen Abständen in der Altstadt Landsbergs vom gleichnamigen Ruethenfestverein e.V. veranstaltet wird. Der Turnus wurde dabei auf vier Jahre festgelegt. 2011 ist es wieder soweit!

Termin

Dieser Brauch ist vom 17.07.2015 bis zum 26.07.2015.

Ablauf

Eröffnet und beendet wird das Ruethenfest vom Landsberger Bürgermeister auf dem Hauptplatz in der Altstadt.

Festzug

Den Höhepunkt einer jeden Festwoche bilden die Festzüge am letzten Samstag und Sonntag. Die Kinder, die dabei berühmte Persönlichkeiten und Ereignisse der Landsberger Stadtgeschichte nachspielen, tragen originalgetreue Kostüme. So etwas kenn man zum Beispiel auch vom Tänzelfest Kaufbeuren.

Die Anordnung der Festwagen ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts nahezu unverändert geblieben. Angeführt wird der Zug von Jungen und Mädchen, die mit Ruten in der Hand an den historischen Anlass des Festes erinnern. Des Weiteren folgen zahlreiche Fußgruppen, Spielmanns- und Fanfarenzüge sowie die klassischen Motivwagen: Der Blumenwagen versinnbildlicht die Blumenpracht des Frühlings. Der Rosenwagen steht für den Frühsommer. Der Spitalstiftungswagen würdigt die Stiftung des Heilig-Geist-Spitals durch Herzog Ludwig den Brandenburger im Jahre 1349. Der Bayertorwagen präsentiert ein Abbild des 1425 erbauten gotischen Bayertores. Der Herzog-Ernst-Wagen ist in Anlehnung an eines der vier Rathausfreskendekoriert. Auf dem Landsberger-Bund-Wagen zeigen Darsteller historischer Würdenträger den Abschluss des Landsberger Bundes von 1556. Der Kampfwagen erinnert an die vergebliche Verteidigung gegen die Schweden am 30. April 1633. Der Jungfernsprungwagen zeigt die Szenerie Landsberger Frauen flüchten sich vor ihrer Entehrung in den Tod. Der Dominikus-Zimmermann-Wagen ehrt den Stadtbaumeister Dominikus Zimmermann. Der Stadtwagen zeigt die Farben und das Wappen der Stadt. Der Bayernwagen bildetden Abschluss des Festzuges mit einer Darstellung der Schutzpatronin Bayerns, der Patrona Bavariae.

Ruethenfest3.jpg

Foto: Rosenwagen mit Blumenmädchen

Festspiel und mehr

Neben dem Umzug bietet die Festwoche den Besuchern ein Festspiel (seit 1905) und zahlreiche andere Unterhaltungsmöglichkeiten. Die von Fest zu Fest unterschiedlichen Attraktionen reichen vom Lagerleben, wie man es von Mittelalterfesten aus anderen Städten kennt, bis hin zu musikalischen Darbietungen.

Hintergrund-Infos

Festgeschichte

Der Name Ruethenfest in seiner Dialektschreibweise ist erst seit dem Neuanfang dieses Brauches im Jahre 1900 die offizielle Bezeichnung für das Fest. In der Zeit davor waren Begriffe wie Ritten-, Rietten- oder Riedenfest gebräuchlich. Der frühste urkundliche Beleg für ein Kinderfest in Landsberg ist ein Ratsprotokoll aus dem Jahre 1751.In der heute bekannten Form entwickelt hat sich das Fest ab dem Jahre 1880. Ab diesem Zeitpunkt wurde nicht nur der Begriff Ruethenfest als alleinige Festbezeichnung eingeführt, die Veranstaltung wurde auch einer Historisierung unterzogen. Von nun an dienten Motive der Stadtgeschichte als Vorlage für das Schmücken von Festwägen und die Kostümierung der am Festzug beteiligten Kinder.

Im Jahre 1900 bezogen die Veranstalter des Umzuges erstmals die vier Fresken des Landsberger Rathauses in die Gestaltung der Motivwagen mit ein. Diese Fresken stellen herausragende Ereignisse in der Stadtgeschichte dar. Zur Kostümwahl der Kinder gab es 1900 den Aufruf, strengste geschichtliche Treue an den Tag zu legen, wodurch der Festzug sein charakteristisches historisches Erscheinungsbild erhielt. Seit 1905 wird diese Historisierung durch die Aufführung eines stadtgeschichtlichen Festspiels ergänzt.

Zweck: Ruten Schneiden?

Ein Versuch, das Ruethenfest zu erklären, steht im Zusammenhang mit dem Virgatumgehen. virgatum ire, ein lateinischer Begriff, der in alten Dokumenten vorkommt, wurde (und wird) vielfach mit Ruten Holen übersetzt. Man dachte in Folge dessen, mit Virgatumgehen sei ein Spaziergang von Schülern an schönen Tagen im Mai gemeint, bei dem sie Ruten von Weiden und Haselnussbüschen schnitten. Diese hätten den Lehrern im weiteren Schuljahr als Züchtigungsmittel gedient. Die disziplinarische Maßnahme hat jedoch nichts mit dem historischen Kinderfest zu tun. Die in früheren Jahrhunderten gebräuchliche Übersetzung, die hinter virgatum ire steckt, ist vielmehr Müßiggang. Und damit kommt man schon näher an die Geschichte und den Zweck des Festes.

Ein weiterer Erklärungsansatz richtet sein Augenmerk dann auch auf ähnliche Feste in Augsburg und Aichach, für die es dort auch Quellenbelege aus der Zeit vor 1751 gibt. Aus den Berichten der Stadt Augsburg geht hervor, dass die Rüetten Schulausflüge ins Grüne waren, bei denen die Beteiligten verköstigt wurden und miteinander spielten. Die Schüler wurden dabei von ihren Eltern und zum Teil auch von Spielleuten begleitet. Wenn zum Tanze aufgespielt wurde, sprach man von einer rechten Rüetten. In Aichach war die Rüden ebenfalls ein volksfestähnliches Vergnügen und nicht ein Ruten-Sammeln im Wald. Nach diesen Beispielen wird klar, dass Rüetteln in der langen Zeit vor dem 19. Jahrhundert eine gängige Bezeichnung für einen Auflug ins Grüne war.

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Weblinks

Literatur

  • Neunzert, Hartfried/Epple, Alois: Das Landsberger Ruethenfest. Landsberg a. Lech 1987.
  • Lang, Wolfgang: Historische Feste in Bayern - Entstehung und Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert. Neuried 2001.
  • Petzold, Leander: Volkstümliche Feste - Ein Führer zu Volksfesten, Märkten und Messen in Deutschland. München 1983.

Bildquellen

  • Ruethenfestverein e.V.

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