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Prinzregent–Luitpold–Fischerstechen

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Das Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen

Das Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen findet alle fünf Jahre am Starnberger See statt. Wie auch bei anderen traditionellen Fischerstechen wird in einem Wettkampf versucht, die Mitglieder der gegnerischen Mannschaften von ihren Booten ins Wasser zu stoßen. Am Starnberger See kämpfen die örtlichen Fischer seit 1907 um den begehrten Wanderpreis. Dieser wurde von Prinzregent Luitpold gestiftet. Nach dreimaligem Gewinn geht der Preis in den Besitz des Fischerkönigs über.

Termin

Dieser Brauch ist am 09.07.2017.

Ablauf

Teilnehmer, Lokalität und Equipment

Alle fünf Jahre, meist im August, findet an der Promenade des Starnberger Sees in Starnberg das Prinz-Luitpold-Fischerstechen statt. Der Heimat- und Volkstrachtenverein e.V. organisiert das Fischerstechen. Der Verein bestimmt auch die Fischerstecher, die gegeneinander antreten. Diese bestehen zum einen aus der Gruppe der Berufsfischer und zum anderen aus der Gruppe der Sportfischer. Über 30 Teilnehmer kämpfen um den ersten Platz. Neben den Mitgliedern des Vereins sind auch zahlreiche Zuschauer beim Fischerstechen in Starnberg dabei.

Teilnehmer 1907.jpeg

Da das Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen auf dem See stattfindet, ist die Veranstaltung vom Wetter abhängig. Bei zu schlechten Bedingungen, wie Regen und Wind, wird das Fischerstechen verschoben. In der Bucht des Undosas (ein in Starnberg bekanntes Restaurant) in Starnberg wird das Fischerstechen durchgeführt. Beim Fischerstechen versucht der Stecher seinen Gegner von dessen über das Flachboot ragenden Standbrett mit der Lanze ins Wasser zu stoßen. Das wichtigste Utensil für den Wettkampf ist zu allererst das Boot. Diese besonderen Flachboote stammen noch aus früheren Zeiten der Fischerei. Neben den Booten sind auch die Lanzen von Notwendigkeit. Diese werden vom Starnbeger Trachtenverein zur Verfügung gestellt. Sie sind einheitlich, 2,8 Meter lang und haben vorne in der Spitze einen Tennisball versteckt. Zur Tradition gehört auch die Verkleidung der Kämpfer.

Schon zwei Jahre bevor das Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen statt findet beginnt der Starnberger Trachtenverein mit der Organisation. Da es zum ersten Mal im Jahre 1907 veranstaltet wurde und im Turnus von fünf Jahren wiederholt wird, findet es 2017 wieder statt. Die Vorlaufzeit von zwei Jahren werden benötigt, da jeder Fischer um den See persönlich eingeladen werden möchte. Auch die Auflagen der Stadt Starnberg müssen erfüllt werden. Außerdem werden für die Großveranstaltung am See Wasserwacht, Rotes Kreuz und Security benötigt.

Fischerstechen 2007.jpeg

Vor dem Fischerstechen findet ein Treffen aller Wettkämpfer im Hintergrund statt statt. Dort wird ausgelost wer gegen wen antritt. Denn es finden wie bereits erwähnt zwei Fischerstechen statt. In der einen Gruppe wird um den Titel des Fischerkönigs gekämpft. Hier dürfen nur die Kämpfer der Fischerfamilien mitmachen. Rund 36 Fischerfamilien besitzt der Starnberger See, wobei nicht mehr alle in der Fischerei tätig sind. Ungefähr die Hälfte der Fischerfamilie macht jedes Mal mit und stellt einen Fischer bei den traditionellen Wettkämpfen auf dem See zur Verfügung.In der anderen Gruppe, die Sportfischer, darf jeder ab 16 Jahren mitstechen. Voraussetzung dafür ist, dass der Anwerter irgendwie mit dem Starnberger See verbunden ist, z.B. durch Segelclub. Nach dem die Losnummern ausgegen wurden, kommt es dann zum Einzug der Gladiatoren. Dieser geht von der alten Volksschule in Starnberg bis zum Undosa. Begleitet werden die Wettkämpfer von Schiedsrichtern, Blasmusik und Mitgliedern des Starnberger Trachtenvereins.

Zuerst stechen die Sportfischer. Das Fischerstechen ist ein K.O.-System, d.h. wer ins Wasser fällt, ist ausgeschieden. So läuft es dann auch bei den Berufsfischern ab. Nach den beiden Fischerstechen findet die Preisverleihung statt. Hier wird zum einen der Sieger der Sportler, zum anderen der Fischerkönig gekürt. Den Siegern winken Preise zum Beispiel der Familie Wittelsbach, die seit 1907 die Schirmherrschaft übernommen hat, vom Landratsamt, von der Stadt Starnberg und weiteren Sponsoren. Der Fischerkönig bekommt dazu auch den Wanderpokal, der seit 1907 im Umlauf ist. Die Preise sind dennoch nebensächlich, da es hauptsächlich um den Spaßfaktor während des Fischerstechens geht.

Bestimmungen und Spielregeln (Stand: 2012)

1.) Teilnahmeberechtigt sind Männer ab 16 Jahren

2.) Vier Flachschiffe werden vom Veranstalter gestellt. Flachschiffe, die die Teilnehmer selbst mitbringen, müssen am Veranstaltungstag rechtzeitig da sein um geschmückt zu werden.

3.) Die Stechlanzen (2.80 m) stellt der Veranstalter! Mitgebrachte Lanzen sind nicht zulässig.

4.) Beim Wettkampf darf das Boot nur vom Stecher und vom Ruderer besetzt sein.

5.) Das Standbrett des Stechers darf nicht breiter als 26 cm sein. Es muß 100 cm über das Boot rückwärts hinausragen, wobei die äußeren 70 cm als Standplatz für den Stecher gelten. Der Standplatz muß durch eine aufgeschraubte Holzleiste (26L x 2B x 1H cm) begrenzt und somit dem Schiedsrichtergremium sichtbar gemacht werden. Die Maße werden vor Beginn des Stechens nachgeprüft.

Fischerstechen1982.jpeg

6.) Nach alter Tradition müssen die Stecher maskiert sein. Vor allem muß auch der Oberkörper, einschließlich der Schultern bedeckt sein, damit Stöße auf den Oberarm, nicht auf den Hals oder das Gesicht abrutschen können. Für die Ruderer ist Tracht erwünscht. Umkleidemöglichkeiten sind gegeben.

7.) Jeder Stecher erhält eine Startnummer, die auf dem Rücken anzubringen ist. Die Nummern werden bei der stattfindenden Auslosung ausgegeben (Parkplätze stehen im Hof

des Gebäudes zur Verfügung). Nach der Auslosung findet eine Besprechung aller Teilnehmer und Schiedsrichter statt. Die Teilnahme an der Besprechung ist Pflicht!

8.) Im Anschluss an den Einzug aller Teilnehmer von der Alten Oberschule zum Undosa, beginnt das Stechen der Sportfischer (Einzugsaufstellung: Berufsfischer vor Sportfischer). Im Anschluss an das ,,Sportlerstechen findet das der Berufsfischer (evtl. durch Fischergehilfen vertreten) statt. Die Berufsfischer dürfen beim ,,Sportlerstechen nicht teilnehmen, die Sportler nicht beim „Königsstechen“ der Berufsfischer.

9.) Im ersten Durchgang bilden die jeweils nächstliegenden Nummern die Paare.

Gewährpersonen

Alle Informationen in deisem Artikel habe ich in einem Interview mit Gerhard Zellner vom Heimat- und Trachtenverein Starnberg in Erfahrung gebracht. Er ist der Pressewart und langjähriges Mitglied des Vereins. Er ist auch im Audiobeitrag zu hören.

Hintergrund-Infos

Ursprung des Prinzregent-Luitpold-Fischerstechens

Die Ursprünge der Fischerstechen in Bayern gehen weit zurück. Bis ins späte Mittelalter sind Aufzeichnung dieser zu finden. Es kann zum Beispiel belegt werden, dass 1530 auf der Isar in München schon solche Wasserspiele zu Ehren Kaiser Karl V. durchgeführt wurden. Im Allgemeinen kamen die Fischer zusammen um sich ein mal im Jahr zu treffen und sich dann in Wettkämpfen zu messen. Schon damals war der Vergnügungsfaktor im Vordergrund. Nach und nach haben sich diese dann weiterentwickelt.
Festlicher Einzug 1907.jpeg
Auch am Starnberger See, der bis 1962 noch Würmsee hieß, wurden solche Fischerstechen veranstaltet. Über die Jahrhunderte wurde gestochen. Die Hochzeiten der Spiele fanden um 1700 statt. Ein großer Verfechter dieser Spiele war Kurfürst Ferdinand Maria. In einem Bericht von Ludwig Steub in seinem Büchlein „Sommer in Oberbayern“ wird über das Starnberger Fischerstechen vom 10. September 1860 geschrieben. Nach einem Stechen im Jahre 1882 machte es kurzzeitig den Anschein, dass die Tradition am Starnberger See aussterben würde.

Auf Wunsch von Prinzregent Luitpold wurde das Fischerstechen wieder ins Leben gerufen. Grund dafür war die 1000-jährige Erinnerung an den Tod des Markgrafen Luitpold, der 907 im Kampf gegen die Ungarn gefallen war.

Der Heimat- und Trachtenverein Starnberg e.V. nach seiner Gründung führte diese Tradition ab 1907 weiter. Zusammen mit der Fischereigenossenschaft Würmsee (heute Starnberger-See) wurden die Fischerstechen wieder veranstaltet. Zu diesem Anlass stiftete das Haus Wittelsbach, genauer gesagt Prinzregent Luitpold einen Goldpokal für den Sieger. Außerdem sollte der Sieger den Titel „Fischerkönig“ tragen. Es wurde der Turnus von fünf Jahren beschlossen, damit die traditionellen Zunftspiele auch in Zukunft erhalten bleiben.

Liste der Fischerkönige seit 1907

1907 - „Prinzregent-Luitpold-Fischerstechen“ am 10. August, 1. Sieger und damit Fischerkönig wurde Mathias Hirn, Ambach.

1912 - Sieger wiederholt Mathias Hirn, Ambach.

1929 - Wegen der Zwangspause durch den 1. Weltkrieg erst am 4. August. Da sich der Finalteilnehmer Georg Wenzel in der Vorrunde so unglücklich verletzte und den Endkampf nicht bestreiten konnte, gab es keinen Gewinner. Ein Losverfahren lehnten beide Endfinalisten, Georg Wenzel und Hans Huber aus Ambach ab. Ein Fischerkönig konnte nicht prämiert werden.

1950 - Im Rahmen der Gau-Heimattage 1950. Ehrenprotektor war der selbst anwesende Kronprinz Rupprecht von Bayern. Sieger wurde Josef Hirn, der Sohn des Gewinners des 1. und 2. Stechens Mathias Hirn, der ihn zum Sieg ruderte. Der goldene Wanderpokal ging somit endgültig in den Besitz der Familie Hirn Ambach über.

1952 - Sieger wurde Adalbert Kufer Starnberg. Bei diesem Stechen wurden Berufsfischer und Sportler noch in einer Gruppe zusammen gewertet. Da die Anzahl der Stecher aus den Reihen der Sportler immer größer wurde, entschloss man sich 2 Gruppen zu bilden.
Fischerkönig1987.jpg
1957 - „Fischerkönig wurde Josef Gebhard, Possenhofen.

1962 - Sieger wurde Josef Hirn, Ambach.

1967 - Neuauflage des Endkampfes Josef Hirn – Paul Dechant, dieses mal hieß der „Fischerkönig“ Paul Dechant, Starnberg.

1972 - Am 13. August kämpften 18 Berufsfischer um den Titel „Fischerkönig“, den wieder Paul Dechant gewann. 26 Sportler waren beim Sportlerstechen gemeldet. Der Sieger wurde Heinrich Bartl, Söcking.

1977 - 7. August - „Fischerkönig wurde zum drittenmal Paul Dechant, Starnberg.

1982 - „Fischerkönig“ wurde Schorschi Wenzel, Starnberg. Beim Sportlerstechen konnte Karl Platz den 1. Platz erlangen.

1987 - Angetreten waren diesmal 20 Berufsfischer und 30 Sportlerstecher. „Fischerkönig“ wurde zum 2. mal Schorschi Wenzel, Starnberg. Sieger beim Sportlerstechen wurde Josef Rimbeck Starnberg. Leider fing es während des Stechens zu regnen an. Da ein Abbruch und eine Neuansetzung nicht möglich war, wurde das Stechen bei Dauerregen bis zum Ende durchgeführt.

1992 - „Fischerkönig“ wurde Franz Gastl, Leoni.

1997 - Sieger wurde zum 3. mal Schorschi Wenzel, Starnberg.

2002 - Zum 4. mal konnte Schorschi Wenzel den Titel erringen.

2007 - „Fischerkönig“ wurde Michael Menzinger aus Ambach.

2012 - „Fischerkönig“ wurde Anton Hinterholzer aus Attenkam für die Fischerei Strobl in Ambach.

Weblinks

Homepage des Heimat- und Trachtenvereins Starnberg e.V., http://www.trachtenverein-starnberg.de/fischerstechen.php

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Diese Seite wurde zuletzt am 18. Mai 2017 um 08:58 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 7.725-mal abgerufen (to Cache).