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Pfingstritt in Kötzting

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Bräuche > Bayern > Oberpfalz
Bräuche > Jahreslauf > Sommer
Geprüfte Artikel > Gelber Artikel


bezeichnet die Reiterprozession als Krone des Pfingstbrauchtums im Bayerischen Wald.

Termin

Dieser Brauch ist am 04.06.2018.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Am Pfingstmontag ziehen über 900 Reiter auf ihren geschmückten Pferden durch das Zellertal nach Steinbühl. Im Anschluss findet eine Pfingsthochzeit statt.

Der Ritt
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Die berittene Männerprozession ist der religiös-kirchliche Teil des Kötztinger Pfingstfestes, der seinen Höhepunkt im Gottesdienst in Steinbühlhat. Die Aufgaben verteilen sich auf Stadt und Katholisches Pfarramt. So obliegt dem Stadtrat der Kandidatenvorschlag für den Pfingstbräutigam. Die Pfingstrittordnung, Auszeichnungen von verdienten Teilnehmern etc. obliegt dem Pfingstrittkomitee, während das Katholische Pfarramt die Auswahl und Benennung des Pfingstbräutigams übernimmt. Dazu stellt es einen Geistlichen Offiziator zur Verfügung, der selbst am Pfingstritt teilnimmt und sowohl seelsorgerische als auch repräsentative Aufgaben übernimmt.

Teilnahmeberechtigt am Ritt sind alle Burschen und Männer aus der Stadt und Pfarrei Kötzting, aus dem ehemaligen Kreisgebiet und aus den angrenzenden Landkreisen. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie entweder historische oder erneuerte Volkstracht tragen, weil die Kleidung dem festlich-feierlichen Charakter der
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Reiterprozession entsprechen sollte. Der Schmuck der Pferde ist für die Reiter Ehrensache, und die Kötztinger Bürger beflaggen und beleuchten ihre Häuser.

Angeführt wird der Ritt von einem Kreuzträger, dem Laternenträger und Fanfarenbläser folgen. Daran schließt sich der Geistliche Offiziator, der in Kötzting auch Korprata genannt wird sowie der Mesner und die Ministranten an. Dahinter kommt der Pfingstbräutigam mit den beiden Brautführern, und beschlossen wird die offizielle Spitze vom Pfingstbräutigam des Vorjahres, der die Marktfahne trägt und von Vertretern der Kötztinger Burschenschaft. Nun schließen sich die übrigen Reiter, z.T. mit ihren Erinnerungsfahnen einen Rosenkranz betend an. Die Gruppe macht sich unter dem festlichen Geläut der Kirchenglocken bereits um 8.00 Uhr früh auf den Weg. An vier Stationen verliest der Geistliche das Evangelium, und in Steinbühl findet schließlich die Reitermesse statt.

Nach einer Pause für Roß und Reiter bewegt sich die Reiterprozession um 12.00 Uhr wieder zurück nach Kötzting. Mit dem Te Deum (Gotteslob) endet der kirchliche Teil des Kötztinger Pfingstrittes.

== Das Tugendkränzchen
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Das Tugendkränzchen, im Volksmund Pfingstkranzl genannt, ist eine Filigranarbeit aus Gold- und Silberdraht und wird im Kloster Mallersdorf gefertigt. Der Geistliche Offiziator trägt es während der Reiterprozession an seinem Brustkreuz.

Das Pfingstkranzl ist der größte Stolz eines Kötztinger Bürgerhauses. Zum Abschluss des Pfingstrittes wird das Tugendkränzchen feierlich auf dem Stadtplatz an den Pfingstbräutigam überreicht. Der Pfingstbräutigam, der ledig, katholisch und in der Gemarkung Kötzting wohnhaft sein muss, wird auf Vorschlag des Stadtrates vom Stadtpfarrer ernannt.

Die Pfingsthochzeit

Der Pfingstbräutigam erwählt sich nach seiner Ernennung eine Pfingstbraut und zwei Brautführer. Nach dem Ende des Pfingstrittes bewirtet der Pfingstbräutigam die Burschenschaft in seinem Elternhaus. Gegen 16.00 Uhr wird die Pfingstbraut zum Burschen- und Brautzug abgeholt.

Gemeinsam mit den Burschen zieht dann das Pfingstbrautpaar grüßend durch die festlich geschmückte Stadt zum Haus des Gastes, wo die Pfingsthochzeit gefeiert wird. Die Pfingsthochzeit ist nur ein Spiel, keine wirkliche Hochzeit. Die Pfingstbraut und die Brautführer müssen wie der Pfingstbräutigam ledig, katholisch und in der Gemarkung Kötzting wohnhaft sein.

Hintergrund-Infos

Aus dem Jahr 1670 stammen die ältesten schriftlichen Zeugnisse (Rechnungen), die belegen, dass es in Kötzting ein Pfingstritt gegeben hat. Die verbreitete schöne Pfingstrittlegende von 1412 wird erst viel später fassbar, nämlich in einem Schriftstück von 1821, das aus Kötzting stammt (siehe Moser). Die Ursache des Pfingstrittes ist nach dieser Legende ein Gelöbnis. Es heißt, dass im Dorfe Steinbühl, etwa sieben Kilometer von Kötzting entfernt, ein Mann im Sterben lag und um den Pfarrer zum Versehen bat. Der Pfarrherr sah sich jedoch außerstande, ohne Geleit nach Steinbühl zu gelangen. Der Weg führte durch unwegsames Gelände und damals gab es in der Gegend um Kötzting viele Bären, von denen berichtet wurde, dass sie auch Menschen angreifen würden. Ein weiteres Gefahrenpotential waren umherziehende Wegelagerer, die sich darauf spezialisiert hatten, einsame Wanderer zu überfallen und auszurauben.In seiner Not wandte sich der Pfarrherr an Kötztinger Burschen, die ihm und dem Allerheiligsten auf dem Weg zu dem Sterbenden Geleit bieten sollten. Der Priester und seine Begleiter gelobten, bei einer glücklichen Rückkehr den Ritt jedes Jahr zu wiederholen. Der nächtliche Gang gelang ihnen ohne Zwischenfälle.

Weitere Geschichten zum Umritt enthält das Kötztinger Heimatbuch, das anlässlich der 900-Jahr-Feier Kötzting 1985 herausgegeben wurde.

Weblinks

http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10059&pk=671229&p=1

http://www.welt.de/regionales/muenchen/article1987146/Tausende_Zuschauer_beim_Pfingstritt_von_Bad_Koetzting.html

Literatur

Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.

Bichler, Albert: Wies in Bayern der Brauch ist. München 1995.

Krämer, Karl-Heinrich: Der Kötztinger Pfingstritt. In: Kötzting. 1085- 1985. Kötzting 1985.

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