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Pfingstbrauch in Hollstadt

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Bräuche > Bayern > Unterfranken
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Bräuche > Religion
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Termin

Dieser Brauch ist am 04.06.2017.


Ablauf

Traditioneller Pfingstbrauch soll in Hollstadt wieder aufleben

Der Pate schnitzte einst zu Pfingsten für sein
Patenkind in Hollstadt die „Pfonn“


Die ehemalige Kreisheimatpflegerin Cilli Pigor und Olga Balling erinnerten bereits 1997 an einen vergessenen Pfingstbrauch.
Fotos: Hans Friedrich
Am Sonntag vor Pfingsten zogen in Hollstadt bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts der Pate mit seinem Patenkind hinaus in die Flur. Sie suchten den schönsten Haselnussstecken, der der „Pfonn“ würdig war, schnitten ihn ab und brachten ihn nach Hause.
Was ist nun eigentlich eine „Pfonn“? Der Name leitet sich von Fahne ab. Die „Pfonn“ war seit jeher wichtig in der Beziehung zwischen dem Paten und sei-nem Patenkind. Sie musste durch ihre Schönheit dem Ganzen Ausdruck verleihen. Der Pate war also jeweils besonders gefordert, denn jedes Kind wollte die längste und schönste „Pfonn“ haben. Der Haselnussstecken wurde daher mit kunstvollen Schnitzereien verziert. Hierbei wurde das Taschenmesser zu Hilfe genommen, dass in alter Zeit jeder mit sich führte.

Hollstadtpfingstbrauch.jpg
Am oberen Ende des prachtvoll geschnitzten Steckens wurde in einen Spalt eine bunte, rechteckige Oblate gesteckt, die „Herchet“ (Herrgott) genannt wurde. Davor wurde ein Heiligenbildchen befestigt, das später im Gesangbuch einen Ehrenplatz bekam. Ein buntes Blumensträußchen verzierte mit einer großen Schleife die Pracht, und der Pate überreichte am Pfingstsonntag seinem Patenkind die ersehnte „Pfonn“.

Am Pfingstmontag gegen Abend zogen die Kinder stolz mit ihren Pfingstfah-nen durch Hollstadt und klopften damit an die Fenster, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Wetteifern begann, wer die schönste und längste Pfonn hatte. Die zu Bruch gehenden Oblaten wurden natürlich sofort verspeist.
Worin liegt nun der Sinn dieses Brauches, den die Hollstädter wieder aufleben lassen wollen? Pfingsten, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes und der Gründung der christlichen Kirche wird am 50. Tage nach Ostern begangen und ist daher ein bewegliches Fest. Kalendarisch wurde es dadurch festgelegt, dass bei den Israeliten die Gerstenernte sieben Wochen nach dem mit dem Passafest verbundenen Mazzotfeste, dem Fest der ungesäuerten Brote, begangen wurde und so, wie damals Christus mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl ungesäuertes Brot gegessen haben, so wird noch heute den Gläubigen beim Abendmahl ungesäuertes Brot in Form von Hostien gereicht. Zugleich verknüpften die Israeliten mit diesem Erntefest das Gedenken an den Bund, den Moses mit Jahwe am Sinai geschlossen hatte als dem Fest der Gesetzgebung – und in Analogie zu diesem Geschehen soll die christliche Kirche die Segnung des heiligen Geists am Pfingsttag die beim letzten Abendmahle und im Kreuzestod begründete Gemeine des Neuen Bundes öffentlich als das wahre Israel legitimieren.
In vielen Orten wurden einst in Franken während des Pfingstgottesdienstes Oblaten (Herchet d.i. Himmelsbrot) aus dem „Heilig-Geist-Loch“ in der Kirche herab geworfen. Es gab runde und viereckige, gemodelte, dicker gebackene und braun gewürzte Oblaten.
Vielfach wurden die Oblaten Ende des 18. Jahrhunderts in den katholischen Kirchen nicht mehr aus dem Gewölbe herab geworfen, sondern wie z.B. in Frickenhausen im Rathaus an die Jugend verteilt. Dieser alte Brauch wurde im Rahmen der Säkularisation 1803 verboten.
Es ist möglich, dass das Verteilen von Oblaten an Pfingsten vereinzelt lebendig blieb. Denn es war einst allgemein üblich, dass die Patenkinder vom Paten an Pfingsten eingeladen wurden, wie z.B. in Saal an der Saale. Neben reichlicher Bewirtung bekam das Kind als charakteristisches Patengeschenk 12 Oblaten („Herchet“), so groß wie ein Briefbögelchen, viereckig, aus ungesäuertem Mehl. „Den Herchet verschenkte kein Kind, lieber gab es alles andere her!“, heißt es in einer volkstümlichen Umfrage von 1911.
Auch in Irmelshausen gehen übrigens heute noch die Neukonfirmierten am Pfingstmontag im Rahmen des traditionellen Spitzenreitens mit einem buntgeschmückten Banner, der sog. Spitze, von Haus zu Haus und klopfen an Fenster und Türen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie erhalten in der Regel Geldgeschenke, aber auch bunte Fähnchen.

Pfingstbrauch hollstadt.jpg

Reinhold ALBERT,
Kreisheimatpfleger

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Diese Seite wurde zuletzt am 6. März 2017 um 10:51 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 2.477-mal abgerufen (to Cache).
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