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Passionsspiele Oberammergau

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Die Passionsspiele von Oberammergau basieren auf dem Pestgelübde von 1633. Dabei gelobten die Dorfbewohner alle 10 Jahre das Leiden und Sterben Christi aufzuführen. Im Gegenzug sollte kein Dorfbewohner mehr an der Pest sterben.

1634 wurden sie erstmals aufgeführt, später entschied man sich für einen Turnus von 10 Jahren.

Termin

Dieser Brauch ist vom 16.05.2020 bis zum 20.10.2020.

Die Pest und das Pestgelübde von 1633 in Oberammergau

1632/ 1633 wütete der „schwarze Tod“ in Europa. Man wusste damals nicht was der Erreger dafür ist, allerdings wussten die Menschen, dass die Pest durch Ratten und Ungeziefer verbreitet wird und sich auch auf Menschen und Tiere ausbreitet. Die Pest hat auch vor Ammergau nicht Halt gemacht und ganze Dörfer und Landstriche aussterben lassen. Aus Angst haben die Menschen versucht die Pest durch verschiedene Maßnahmen von ihren Häusern fern zu halten. Auf den Hügeln und Bergen brannten z.B. Pestfeuer, man verbrannte Kräuter, umkreiste die Pest mit dem Pflug oder lenkte sie durch Schießen und Läuten ab. Und um sicherzugehen, dass auch keine pestverseuchten Menschen in das Dorf gelangen können, verriegelten sie alle Dorfeingänge und sicherten sie zusätzlich mit Tag- und Nachtwachen ab. Jedoch schaffte es der Tagelöhner und Knecht Kaspar Schisler sich über die Berge in das Dorf zu schleichen. Er kam aus dem pestverseuchten Eschenlohe, wo er arbeitete und wollte zu seiner Familie in Oberammergau zurück, um mit ihnen das Kirchweihfest zu feiern. Und somit waren alle Bemühungen der Dorfbewohner die Pest draußen zu halten umsonst. 84 Pesttote forderte sie, jedoch wurden nicht alle Pesttote in das Totenbuch eingetragen. Vor Verzweiflung und Angst fingen die Bewohner an sich mehr denn je auf Gott zu besinnen. Sie gelobten alle 10 Jahre das Leiden und Sterben Christi aufzuführen. Im Gegenzug dazu sollte niemand mehr an der Pest sterben und tatsächlich starb auch kein einziger mehr. Da das Gelübde von einer Gemeinschaft abgelegt wurde, muss es auch von der Gemeinschaft eingehalten werden. Daher muss sichergestellt sein, dass jeder Bürger, ob arm oder reich daran teilhaben kann.

Der Ausgangspunkt der Passionsspiele in Oberammergau war somit das Pestgelübde von 1633.

Entwicklung von Text und Spiel

Der Text für die ersten Oberammergauer Passionsspiele entstammt zwei Spielen. Zum einem von einem Passionsspiel aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und zum andern einer reformatorischen Tragedi des Augsburger Meistersingers Sebastian Wild.

1674 wurde es um Teile eines Weilheimer Passionsspiel von Johann Älbl erweitert. In dieser erweiterten Fassung kam der Teufel erstmals ins Spiel, die fünfmal personifizierte Seele, die mit einem Engel Zwiesprache über das Leiden Christi hält, sowie eine musikalische Untermalung. Danach wurde das Passionsspiel auf die Zehnerjahre verlegt, wurde somit schon um 1680 erneut aufgeführt. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Die nächste Überarbeitung fand 1720 statt, von zwei Ettaler Geistlichen: Abt Plazidus II. Seiz (1672 – 1736) und Pater Karl Bader (geb. 1668).

Der Benediktiner Ottmar Weis nahm 1811 einige Textverbesserungen vor, da er mit seiner ersten Fassung nicht zufrieden war. Dieser Text, „Das Große Opfer von Golgatha“ diente auch anderenorts als Grundlage für Passionsspiele.

Auf Wunsch der Gemeinde nahm im Jahre 1860 Joseph Alois Daisenberger (1799 – 1883) weitere Überarbeitungen vor. Daisenberger wurde von Pater Ottmar Weis, der die Fassung von 1811 schrieb, kostenlos unterrichtet nach der Ettaler Klosteraufhebung und somit nahm er die Umformung mit größter Sorgfalt vor.

Da er immer noch nicht damit zufrieden war, dichtete er es für die Aufführung 1880 in fünffüßige Jamben um. Die Fassung wurde jedoch nie gespielt, da die Gemeinde die altbewährte Fassung beibehalten wollte.

Somit wird seit 18

50/60 das von Alois Daisenberger überarbeitete Passionsspiel von Ottmar Weis aufgeführt.

Die Passionsspiele von Oberammergau basieren auf dem Pestgelübde von 1633. 1634 wurden sie erstmals aufgeführt, später entschied man sich für einen Turnus von 10 Jahren.

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Aufbau

Das Passionsspiel von 2011 war in elf Akte unterteilt, welche man Vorstellung nennt. Den ersten Teil des Spiels bildeten die Akte eins bis fünf welche am Nachmittag stattfanden. Der zweite Teil (5 – 11) fand nach einer dreistündigen Pause am Abend statt und dauerte bis ca. 23 Uhr. In dem Spiel wechseln sich gesprochene Einleitungen, dramatisches Spiel und das sogenannte Tableaux vivants ab. Tableaux vivant sind lebende Bilder, die zu Beginn eines Aktes einen typologischen Bezug zum Alten Testament herstellen. Sie werden vom Orchester begleitet und bieten somit Zeit zur Reflexion und Andacht.

Vorspiel

Lebendes Bild: Der Verlust des Paradieses

I. Vorstellung: Einzug in Jerusalem

II. Vorstellung: Jesus in Bethanien

Lebendes Bild: Moses führt die Israeliten durch das Rote Meer

III. Vorstellung: Vertreibung der Tempelhändler - Pilatus und Kaiphas - Judas und der Hohe Rat

Lebendes Bild: Die zehn Gebote und der Tanz um das Goldene Kalb

IV. Vorstellung: Jesu Mahl mit den Jüngern

Lebendes Bild: Das Pessachmahl vor dem Auszug aus Ägypten

V. Vorstellung: Jesus am Ölberg - Die Gefangennahme

Lebendes Bild: Der Verrat am Felsen Gabaon

Lebendes Bild: Die Berufung Moses am Dornbusch

(Ende des ersten Teils - Pause)

VI. Vorstellung: Verhöre vor Annas und dem Hohen Rat

Lebendes Bild: Der Prophet Da

niel in der Löwengrube

Lebendes Bild: Die Verspottung Hiobs

VII. Vorstellung: Jesus wird verspottet - Petrus verleugnet Jesus - Judas Verzweiflung

Lebendes Bild: Die Verzweiflung Kains

VIII. Vorstellung: Jesus vor Pilatus und Herodes

Lebendes Bild: Moses wird vom Pharao verstoßen

IX. Vorstellung: Jesu Verurteilung durch Pilatus

Lebendes Bild: Joseph wird als Retter Ägyptens gefeiert

X. Vorstellung: Der Kreuzweg - Die Kreuzigung

Lebendes Bild: Isaaks Opferung auf dem Berg Moria

Lebendes Bild: Die Rettung durch den Aufblick zur Ehernen Schlange

XI. Vorstellung: Die Begegnu

ng mit dem Auferstandenen

Prolog

Alle seien gegrüßt,

die mit uns folgen dem Erlöser,

der kam, zu heilen, was verwundet,

zu retten, was verloren war!

Der Heilige beseelt uns

Mit dem Geist des Himmels,

er bringt uns seinen Frieden,

lehrt uns glauben, lieben, hoffen.

Zum Leben findet wer ihm traut.

Dafür nehmt dieses Spie

l als Zeugnis an

Von uns als Kindeskindern derer,

die durch ihn Hilfe fanden in der Not!

Seht, wie er all Last der Kinder Evas

Schultert, wie er – kämpfend, leidend,

sterbend – uns weit die Türen

auftut hin zu unserem Vater!

Passionsmusik

Die Musik für das Passionsspiel geht über die reine Funktion der herkömmlichen Bühnenmusik hinaus, denn sie nimmt fast ein Drittel der gesamten Spiellänge ein. Sie besteht z.B. aus Arien, Solisten- Ensembles und dramatischen Chornummern. Bei der Aufführung von 2010 waren es ca. 55 Orchestermusiker, um die 67 Choristen und 12 Solisten. 1850 waren es lediglich 14 Chorsänger. Die Musik, die für die Aufführung von 2010 verwendet wurde, basiert auf den Kompositionen von Rochus Dedler (1779 – 1822). Seine Musik erklang erstmals 1810. Er selbst sang 1820 die Bass-Partie und sprach den Prolog. Im Laufe der Zeit wurden immer mehr Veränderungen an seiner Melodie vorgenommen und die Anzahl der Sänger erhöht. Der Dirigent und Komponist Eugen Papst überarbeitete die Musik für die Passion 1850 grundlegend. Diese blieb bis 1990 unverändert. Der musikalische Leiter für die Passion 2000 und 2010 ist Markus Zwink.

Passionstheater

Bei der ersten Aufführung der Passionsspiele 1634 errichteten die Bürger eine Bühne auf dem Gemeindefriedhof über den frischen Gräbern der Pesttoten. Dieser Ort der Aufführung wurde bis 1820 beibehalten. Bis dahin bestand die Bühne aus einem einfachen Holzgerüst. Diese wurde dann im Laufe des 17. und 18. Jh. mit Kulissen und Bühnentechnik erweitert. Auf dem Platz des heutigen Spielortes wird die Bühne 1930 erstmalig aufgebaut. Der Neubau nach den Plänen Carl Lautenschlägers erfolgte 1890, bestehend aus sechs Stahlbogenträgern in Fachwerkbauweise. Der basilikaähnliche Charakter wird durch eine an- und aufgebaute Holzständerkonstruktion verliehen. 10 Jahre später wird der Zuschauerraum noch überdacht. Georg Johann Lang und Raimund Lang bauten das Passionsspielhaus 1930 neu auf. Dabei werden die ursprünglichen Bankreihen durch eine Theaterbestuhlung ersetzt und bieten nun für 5200 Zuschauern Platz. 1990 wird die Bühnentechnik modernisiert. Aber all die bisherigen Umbaumaßnahmen waren noch nicht genug und so kam es 1997 zu einem Bürgerentscheid, wobei über drei Vorschläge zum Umbau abgestimmt wurde. Bis zur Einweihung am 26. September 1999 fanden folgende Sanierungsmaßnahmen statt: Brandschutz, Sanitärräume, Fußbodenheizung, neue Bestuhlung, modernere Bühnentechnik, behindertengerechter Foyerumbau. Somit bietet es nun 4720 überdachte Sitzplätze.

Das Passionsspielhaus wird aber nicht nur für die Passionsspiele genutzt sondern auch für andere Großveranstaltungen.

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Allgemeines

Für die Hauptdarsteller der Passionsspiele ist es nicht ganz leicht ihre Arbeit mit dem Passionsspiel zu verbinden. Manche nehmen sich in der Zeit frei und wiederum andere verzichten auf einen Teil ihres Lohnes und verkürzen ihre Stunden. Außerdem müssen sich alle männlichen Darsteller ein Jahr zuvor ihre Bärte und Haare wachsen lassen was im Alltag und Berufsleben nicht immer einfach ist. Bei den Passionsspielen wirken rund 2000 Oberammergauer egal welche Altersstufe mit. Ein Jahr zuvor werden diese bekannt gegeben. Jede Rolle ist dabei immer doppelt besetzt.

Der Tisch für das Abendmahl stammt aus dem 16. Jh. Der Jesusdarsteller steht auf einem Nagel, und die Arme sind auch mit gebogenen Nägeln befestigt, zusätzlich wird er mit einem Beckengurt gesichert. Außerdem werden während der Passion alle Hähne im Umkreis ausquartiert denn auf der Bühne kräht ein Hahn drei Mal und die Hähne im Bauernhof nebenan krähten ebenfalls und kommunizierten miteinander.

Außerdem werden während der Passion alle Hähne im Umkreis ausquartiert denn auf der Bühne kräht ein Hahn drei Mal und die Hähne im Bauernhof nebenan krähten ebenfalls und kommunizierten miteinander. Es ist eine Familientradition bei der Passion mitzuspielen. Wenn der Großvater schon gespielt hat so spielen der Vater und der Sohn ebenfalls mit. Die Verteilung der Rollen erfolgt etwa fünf Monate vorher. Dabei geht es darum, wer die Rolle am besten spielen kann. Die Kinder bekommen für die Aufführung extra Schulfrei, d.h. während des Unterrichts gehen sie zu der Aufführung, spielen ihre Rolle und kommen wieder zurück in den Unterricht. Im Ort und auch in der Umgebung ist alles auf die Passion ausgerichtet. Heutzutage ist die Passion nur noch für den Kommerz.

Übersicht über Spiele und Zuschauer

Jahr
Zuschauer
1750
11.000
1900
174.000
1950
480.000
1970
530.000

Gewährspersonen

Birgit:

Wir haben 2007 eine Führung durch Oberammergau mitgemacht, worunter auch das Passionstheater fiel. Die Führung hat eine ältere Dame geleitet, die sehr viel über die Passion erzählt hatte. Das hat uns so fasziniert und begeistert, dass wir 2008 Karten dafür reserviert haben. Die Karten haben mit Übernachtung in einer Pension und Essen ca. 640 € gekostet. Karten mit Arrangement muss man zwei Jahre vorher bestellen, denn sonst sind alle Hotels und Pensionen in der Umgebung ausverkauft. Ein Jahr vorher beginnt dann der weltweite Kartenverkauf.

Die Passion an sich ist sehr beeindruckend, vor allem die Dimensionen und die Menschenmassen. Es hat eine gute Stunde gedauert bis alle Zuschauer ihre Plätze eingenommen hatten. Außerdem braucht man viel Sitzfleisch und darf nicht so viel trinken, denn der Weg aus den Menschenmassen dauert ziemlich lange. Die Passion begann nachmittags um halb drei und dauerte bis halb 11 Uhr abends. Das Klatschen ist während und nach der Passion nicht erlaubt. Besonders beeindruckend ist die Bühne, auf die bis zu 1000 Menschen passen. Es wurden ganze Tierherden auf die Bühne gebracht. Es läuft z.B. am Anfang eine ganze Ziegenherde über die Bühne. Auch Elefanten und Kamele sind auf der Bühne. Das Kreuz ragte acht Meter in die Höhe und der Jesusdarsteller hing dort 20 Minuten. Abends haben sie Decken verteilt denn es wurde ganz schön frisch.

2020 werden wir aber auf jeden Fall wieder die Passionsspiele besuchen.

Weblinks

http://www.ganz-muenchen.de/tourist/ausflugsziele/oberammergau/passionsspiele/2010/buehnenbild.html

http://www.ammergauer-alpen.de/oberammergau/Entdecken-Sie-Oberammergau/Passionsspiele/Geschichte-der-Passionsspiele

http://www.passionsspiele2010.de/index.php?id=269

Belege, Literatur

Textbuch Passionsspiele 2010

Kaltenegger, Roland, Oberammergau und die Passionsspiele 1634 - 1984, München, Langen Müller, 1984

Schaller Stephan, 350 Jahre Passionsspiele Oberammergau, Oberammergau, Eigenverlag der Gemeinde, 1984

http://www.youtube.com/watch?v=y71_q3S2oe0

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