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Osterprügel

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Im Zus
Osterpruegel2.JPG
ammenhang mit dem Osterfest ist auch heute noch in manchen Dörfern im südlichen Landkreis Augsburg der alte Brauch der Osterprügel (auch Weihprügel genannt) bekannt. Im Osterfeuer angebrannte und geweihte Holzscheite werden dabei in Ställen und Häusern aufgehängt, um das Anwesen und die Bewohner vor Gewitter und Unheil zu schützen.

Termin

Dieser Brauch ist am 16.04.2017.

Ablauf

Um zu Erfahren und anschaulich Darzustellen, wie der Brauch der Osterprügel heute noch ausgeübt wird, wurde das Herstellen, das Ins-Feuer-Legen und das Aufhängen der Prügel in Oberottmarshausen begleitet und dokumentiert. Kurz vor Ostern beziehungsweise der Karwoche macht sich Thomas Wessinger jedes Jahr daran seinen Osterprügel zu schnitzen. Eigentlich würde es genügen einen einfachen Holzprügel ins Feuer zu legen, aber seit einigen Jahren ist in Oberottmarshausen eine neue kleine „Osterprügel-Tradition“ entstanden. Für mehrere befreundete Familien in Oberottmarshausen, die alle den Brauch praktizieren, gestaltet Thomas Wessinger etwas aufwendigere Osterprügel. Wie bereits oben erwähnt, verwendet er für die Osterprügel einen etwa 1-Meter langen Holzscheit aus Fichtenholz. Zu Beginn muss der „Prügel“ geschält werden. Aus Schönheitsgründen werden die Kanten am oberen und unteren Ende abgerundet. An einer Seite des Holzscheites, an der nicht gerade besonders viele Äste für eine unruhige Oberfläche sorgen, wird nun eine glatte Fläche abgehobelt, auf der später das aktuelle Jahr eingeschnitzt werden soll.

Osterprügel01.JPG
GeschälterPruegel.JPG

Das Herstellen der Osterprügel geht damit weiter, dass nun mit Bleistift die Jahreszahl vorgeschrieben wird. Dabei ist darauf zu achten, dass man die einzelnen Ziffern groß und mit ausreichend großem Abstand aufzeichnet. Mit einen Hohleisen werden die Ziffern „vorgestanzt“, wobei es für diesen Schritt besonders hilfreich ist, wenn die Ziffern nicht zu eng vorskizziert sind. Nach diesem Schritt ist die Jahreszahl grob auf dem Osterprügel eingekerbt, woraufhin jetzt mit einem Schnitzmesser die Ziffern noch besser nach- und ausgearbeitet werden.

Zum Abschluss wird am oberen Ende (das Ende mit der Jahreszahl, welches später dann NICHT ins Feuer gelegt wird) ein Loch durch den Prügel gebohrt und aus einem Draht eine Halteschlaufe gebogen. Es hat sich in den letzten Jahren, seitdem es auch in Oberottmarshausen wieder mehr Osterprügel gibt, bewährt, ein kleines Namensschild am Draht anzubringen, sodass auch jeder seinen Osterprügel mit nach Hause nehmen kann.

Osterpruegel09.JPG
In der heiligen Osternacht bringen die Gläubigen so dann ihre Osterprügel mit zur Kirche und legen sie vor Beginn der Auferstehungsfeier auf dem Kirchplatz in das Osterfeuer. Je näher der Beginn der Heiligen Messe rückt, desto mehr Osterprügel stecken im Osterfeuer und brennen vor sich hin. Es ist an dieser Stelle jedoch zu erwähnen, dass man den Osterprügel nur so weit ins Feuer stecken sollte, dass er anbrennt und nicht völlig abbrennt. Am Ende ist der Prügel dann um die Hälfte geschrumpft und das Ende mit der Jahreszahl ist noch übrig, so wünscht man es sich zumindest.
Osterpruegel10.JPG

Die Familien nehmen nun nach dem Gottesdienst ihre Prügel mit nach Hause und hängen sie im Dachboden ihrer Häuser oder in Ställen auf. Dort bleiben sie dann ein Jahr lang, bis es im nächsten Jahr wieder einen neuen gibt. Mancher jedoch, der den Brauch schon lange ausübt, kann hübsch neben einander aufgehängt schon eine ganze Sammlung an Osterprügeln vorweisen.


So ist es also dieses Jahr in Oberottmarshausen wieder eine Familie mehr geworden, die den alten Brauch der Osterprügel kennengelernt und erstmals ausgeübt hat und somit die Hoffnung und den Glauben an den Schutz und Segen Gottes, symbolisiert durch einen angebrannten Holzscheit, in der Osternacht mit nach Hause nimmt.

Hintergrund-Infos

Über die genaue Herkunft des Brauches kann hier keine Aussage gemacht werden. Einige Überlegungen, die mit dem Ursprung der Osterprügel zusammenhängen, sollten allerdings an dieser Stelle angesprochen werden.


Mit den Osterprügeln hängt der Brauch des Osterfeuers eng zusammen. Durch das Osterfeuer soll der Sieg Jesu, dem Licht der Welt, über den Tod symbolisiert werden. Mit der Weihe des Osterfeuers beginnt die österliche Liturgie. Mit dem Weihegebet für das Osterfeuer verbunden, ist stets die Bitte, dass alles, „was dieses Feuer Notwendiges zum Gebrauch der Menschen erwärmt und erleuchtet und da[ss] alles, was durch dieses Feuer erhitzt und geschmolzen wird, gesegnet und nützlich sei für jegliches menschliches Wohlbefinden“ (Pötzl, 1999). „Auf diesem Gebet beruht der Glaube, da[ss] allen Dingen, die mit diesem Feuer in Berührung gekommen sind, eine besondere heiligende und schützende Kraft innewohne und daraus erklären sich auch die Bräuche, welche das Volk an die Osterfeuer knüpfte.“ (Franz, 1960)


Menschen erhofften und erhoffen sich, indem sie einen Teil vom heiligen Osterfeuer mit nach Hause nehmen, Schutz und Segen Gottes. Aus diesem Grund bringen die Gläubigen beispielsweise Holzscheite zum Feuer mit, legen sie ins Feuer und nehmen sie anschließend wieder mit nach Hause. Zur Verwendung gegen Gewitter hängt man die Osterprügel (Weihprügel) unter den First des Hauses oder des Stalls, „so da[ss] sich der Segen des kirchlichen Osterfeuers dem Hause und den Bewohnern mitteilt“ (Schmidt, 1936).


Der Brauch scheint, wie bereits erwähnt, unter verschiedenen Namen bekannt zu sein. In den Ortschaften Großaitingen, Kleinaitingen und Oberottmarshausen im südlichen Landkreis Augsburg wird der Begriff „Osterprügel“ verwendet. Thomas Wessinger aus Oberottmarshausen, der den Brauch heute noch ausübt, erklärt, dass die Herkunft des Namens auf die Form des Holzes zurückzuführen sei: ein etwa 1-Meter langer „Holzprügel“.

Weblinks

http://www.osterseiten.de/brauchtum/osterfeuer/home.html
http://www.marktplatz-osnabrueck.de/desktopdefault.aspx/tabid-470/1399_read-17695/
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Erziehungsbereiche/s_1719.html

Belege, Literatur

  • Franz, Adolph: Benediktionen 1
  • Kirchhoff, Hermann: Christliches Brauchtum. Von Advent bis Ostern. München 1984.
  • Groß, Werner; Urban, Wolfgang: Volksfrommes Osterbrauchtum. Rottenburg am Neckar 1990.
  • Stobbe-Rosenstock, Frauke: Osterschmuck und Osterbräuche. Stuttgart (Hohenheim) 1999.
  • Schmidt, Friedrich Heinz: Osterbräuche. Leipzig 1936.

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