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Osterbräuche in Bulgarien

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Wie in allen orthodox-christlichen Ländern ist Ostern auch in Bulgarien das wichtigste kirchliche Fest des Jahres. Schon der Name des Fests auf Bulgarisch „Welikden“ (großer, wichtiger, großartiger Tag) lässt seine Bedeutung erkennen. Fast die gesamte Woche vor dem Ostersonntag ist feierlich gestaltet und die Bulgaren haben sich für jeden Tag davon etwas Bestimmtes ausgedacht, das als Vorbereitung auf das große Fest dient.

Interessant ist die Tatsache, dass die Bulgaren nicht wie im Westen, in den katholischen Ländern, Ostern feiern. Der erste Unterschied ist schon der Termin, an dem das Fest statt findet. Der wird nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender bestimmt. Umso interessanter ist es, dass das zweitgrößte kirchliche Fest, Weihnachten, in Bulgarien ähnlich wie im Westen am 25. Dezember gefeiert wird (andere orthodoxe Völker feiern Weihnachten am 7. Januar).

Termin

Dieser Brauch ist vom 13.04.2017 bis zum 17.04.2017.

Ablauf

Das größte Fest der orthodoxen Kirche verlangt lange Vorbereitung. Sie fängt ganze sieben Wochen vor dem Ostersonntag mit der Fastenzeit an (im Vergleich dazu dauert das Fasten vor Weihnachten 40 Tage – kürzer als vor Ostern). Das Fasten dient der Reinigung des Körpers und der Seele. Die Woche vor Ostern
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heißt auf Bulgarisch „Leidenswoche“ und für fast jeden der Tage gibt es eine spezielle von der orthodoxen Kirche vorgeschriebene Tätigkeit, die als Vorbereitung auf das Fest durchgeführt wird. Am Anfang der Woche, am Montag, wird zu Hause geputzt, die Mauer gestrichen und der Müll danach verbrannt. Auf diese Weise bereiten sich die Hausbesitzer auf das große Fest vor. Nicht nur ihre Körper und Seelen sind vom Fasten gereinigt, auch das Haus soll sauber sein. Etwas lebhafter wird es in der zweiten Hälfte der Woche. Der Gründonnerstag (Großdonnerstag auf Bulgarisch) ist für die Lieblingsbeschäftigung der Kinder reserviert – das Färben der gekochten Ostereier. Früher, als
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großen Teile der Bevölkerung auf dem Land wohnten, warteten die Kinder auf das erste gelegte Ei. Es wurde rot gefärbt, als Symbol für das Blut Jesu. Obwohl es heutzutage meistens unmöglich ist das erste Ei gleich vom Hof zu holen und zu färben, ist die Tradition mit der Farbe erhalten. Die älteste Frau in der Familie macht ein Kreuz auf die Stirn der Kinder mit dem von dem Farbstoff raus genommenen Ei, damit sie das ganze Jahr über gesund sind. Dieses Ei wird Menschen das erste Ei im Acker. Um für die Furchtbarkeit des Landes zu bitten. Heutzutage bleibt das Ei im Hause, meistens vor der Haus-Ikone (normalerweise Maria mit dem Kind). Ein ganzes Jahr, bis zum nächsten Osterfest, wird das Ei so aufbewahrt. Am Ende der Periode nimmt man das Ei in die Hand und muss einschätzen ob es immer noch schwer oder schon leer ist. Falls es schwer ist, erwartet einen ein gutes „volles“ Jahr. Der Rest der Eier fär
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bt man in allen möglichen Farben und schmückt sie zusätzlich mit Figuren. Interessant sind auch die Eier, die mit einem in Wachs eingetauchten Stäbchen noch vor dem Färben beschriftet werden. Nur mehr selten praktiziert, aber das Ergebnis wert, ist das Färben mit natürlichen Stoffen wie Blaubeeren und Zwiebelschalen. Die Familie soll so viele Eier färben, dass sie bis Christi Himmelfahrt reichen. Diese müssen nicht nur für die Familienmitglieder, sondern auch Besucher des Hauses und arme Leute, die vorbei gehen, ausreichen. Am Karfreitag (Kreuzfreitag genannt) wird zu Hause nichts gemacht. Das Haus muss bis dahin gereinigt und für das Fest bereit sein. Erst in der Nacht auf Samstag bereitet man den Osterkuchen vor. Seine Vorbereitung ist eine der schwierigsten Aufgaben jeder Hausfrau, da sie mehrere Stunden dauern kann. Der Teig besteht aus Eiern, Mehl, Zucker, Hefe und Früchten. Er muss zuerst intensiv geknetet werden, so dass er zart wird und wird danach einige Stunden in Ruhe gelassen bis die Hefe wirken kann. Der Osterkuchen kann verschiedene Formen haben. Unter den meistgeliebten ist der Zopf. Falls das Osterbrot eine runde Form hat, platziert man in der Mitte ein gefärbtes Ei.
Heutzutage können es sich zeitlich nicht viele Frauen leisten, den Osterkuchen selbst vorzubereiten. Meistens
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wird die Spezialität gekauft, wobei es auch hierbei eine große Auswahl existiert. Ein guter Osterkuchen kann wie der deutsche Rosinenfladen aussehen (in Bezug auf die Form und Farbe), schmeckt aber süßlicher.

DerSamstag ist der Tag vor dem großen Fest. Das ist auch die Zeit für die letzten Vorbereitungen – falls die Ostereier nicht am Gründonnertag gefärbt worden sind, bietet Karsamstag die letzte Gelegenheit das zu tun an. Am Abend fängt das Feiern dann richtig an. Die Familie geht in die Kirche, wo die Gottesdienste gegen dreiundzwanzig Uhr anfangen. Um Mitternacht klingt die Glocke und der Priester singt ein feierliches Lied. Die Leute gehen in die Kirche und zünden ihre Kerzen an und umkreisen dann dreimal die Kirche (es besteht Uneinigkeit ob das vor dem Anzünden der Kerzen oder danach gemacht wird). Die Flammen der Kerzen dürfen nicht ausgehen, da sie von dem „ewigen Licht“ angezündet wurden. Sie werden vorsichtig mit nach Hause gebracht.

Die Leute umarmen sich und grüßen sich einander mit den Worten „Christus ist auferstanden“. Der Gegenüber antwortet „Er ist wahrhaftig auferstanden“. Dieser Gruß wird nicht nur am Ostersonntag und – Montag, sondern bis Christi Himmelfahrt benutzt. Bis diesem Tag zünden die Leute zu Hause auch jeden Tag für kurze Zeit die Kerze, die sie in der Osternacht mitgenommen haben.

Nach der Messe bleiben alle im Unfeld der Kirche und machen „Eierkampf“ - die Eier werden gegeneinander
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mit den Spitzen geschlagen. Wenn ein Ei dabei ungebrochen bleibt, spricht das für ein gutes Jahr für dessen Besitzer – der Sieger wird gesund sein und nur Gutes wird ihn ereilen. Der Verlierer wird dadurch „bestraft“, dass er das Ei gleich essen muss. Weil die Schlagerei besonders den Kindern so viel Spaß bereitet, essen sie große Mengen an Eiern. Das macht aber umso mehr Spaß, weil die gefärbten Eier vor Mitternacht nicht gegessen werden dürfen. Zugleich sind Manche so bestrebt Sieger in diesem Spiel zu sein, dass sie zu unlauteren Mitteln greifen. So kann man immer ein hölzernes Ei kaufen und das verwenden. Sie sind aber leicht zu erkennen an ihrer Form und der sehr gleichmäßigen Färbung.

Am Ostersonntag wird die Kirche nochmals besucht und danach findet ein feierliches Essen statt. Neben dem Osterkuchen, der den Körper Christi symbolisiert, und den Eiern gibt es auch Wein (ein wichtiger Teil aller bulgarischen Feste), der ein Symbol für das Blut Christi ist. Traditionell wird auch Lammfleisch gegessen. Das Lamm hat in der christlichen Tradition eine bedeutende Rolle inne, da Jesus als Gottes Lamm dargestellt wird.Traditionell ist Ostern (genauso wie auch alle anderen kirchlichen Feiertagen) in Bulgarien einer Familienfeier. Das heißt nicht nur, dass sich die ganze Familie am Feiertag versammelt (am Ostersonntag zum Mittagessen normalerweise), sondern auch dass in der Woche nach dem Ostersonntag die Leute versuchen alle ihre Verwandten zu besuchen. Außerdem ist es Brauch, dass verheiratete Paare ihre Trauzeugen einen Besuch abstatten.

Für die Osterfeier kau
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fen die Bulgaren neue Kleidung. Es ist unklar wie alt diese Tradition ist, sie ist aber mit der Kirche eher nicht verbunden. Die neue Kleidung repräsentiert für die Bulgaren den Anfang des neuen Lebens sowie die Auferstehung. Traditioneller Schmuck zu Hause, neben den bunten Ostereiern und dem meisterhaft gebackenen Osterkuchen, sind auch Weidenzweige. Sie werden am Palmsonntag (auch ein großes Fest in Bulgarien, das als Namenstag für alle diese dient, die Namen von Blumen und Bäume tragen) gesammelt und in die Kirche gebracht, wo man sie segnen lässt.
Das ist einer der möglichen Abläufe der Osterfeier in Bulgarien. Heutzutage werden manche der beschriebenen Rituale nur noch teilweise praktiziert. Da sich viele davon in der Zeit entwickelten, als großen Teile der Bevölkerung auf dem Land wohnten, haben sie inzwischen an Bedeutung verloren. Zum Beispiel bleibt das erste Ei im Haus vor der Haus-Ikone und wird nicht mehr in den Acker begraben. Darüber hinaus bestehen auch in den verschiedenen Regionen Bulgariens unterschiedliche Vorstellungen von dem Fest.

Hintergrund-Infos

Die christliche Religion ist für die Bulgaren sehr wichtig und ein Blick in der Geschichte des Volkes kann ihre Bedeutung gut erklären. Die Gebiete, in denen das heutige Bulgarien liegt, waren fünf Jahrhunderte lang ein Teil des osmanischen Reiches. Die Osmanen wussten welche wichtige Rolle die Religion im Leben der Menschen spielt und versuchten alle ihre Untertanen zu islamisieren. Zu dieser Zeit entwickelte sich das Christentum für die Bulgaren als ein Zeichen für ihre nationale Angehörigkeit, obwohl der bulgarische Staat als solcher gar nicht existierte. Da die Religion stark unterdrückt und ihre Verbreitung eher provisorisch war, hat sie sich mit Volksglauben und Volkserzählungen vermischt. Deswegen entsprechen nicht alle Bräuche und Feiern in Osteuropa der christlichen Tradition, sondern vielmehr der Entwicklung des Volkes.

Eine weitere finstere Zeit für die Religion war die Zeit der kommunistischen Herrschaft in Bulgarien. Zu dieser Zeit wurde die Religion stark unterdrückt. Daraus resultierte eine neue Veränderung der Religion in Richtung „Verheimlichung“ – es wurden die Rituale praktiziert, die praktiziert werden konnten.

Die Wende 1989 brachte unter den anderen Veränderungen auch ein neues Verständnis über die Religion. So wurde die Freiheit in die Kirche zu gehen aktiv genutzt – die erste Osterfeier nach der Wende wurde von Tausenden Leuten auf dem Platz vor der größten Kathedrale in Sofia gefeiert. Das Interesse in den christlichen Ritualen ist auch gestiegen, was zum Beispiel durch die zahlreichen Erwachsenentaufen zu erkennen ist. Die Möglichkeit die westlichen Bräuche durch die freien Medien kennen zu lernen, hat auch zu der Vermischung katholischer und orthodoxer Feierlichkeiten beigetragen. So sind momentan in Bulgarien auch die Osterhasen populär und werden als Schmuck für das Haus benutzt. Diese Tradition ist genau so alt wie die Demokratie in Bulgarien. Bei Ostern ist diese Vermischung jedoch nicht so markant wie bei Weihnachten.

Weblinks

http://velikden.start.bg/
http://www.netzwissen.com/gesellschaft-politik/osterbraeuche-weltweit/osterbraeuche-osteuropa-balkan.php
http://www.bulgarien-web.de/Aktuelles/anzeige/osterbraeuche-in-der-karwoche.html

Belege, Literatur

  • Engelbrecht, Elena/ Engelbrecht, Ralf: Bulgarien-Handbuch, Bielefeld 1999
  • Plöckinger, Veronika: Zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, Kittsee 1999
  • Pundeff, Marin: Churches and Religious Communities, in: Grothusen, Klaus-Detlev: Bulgarien, Göttingen 1990, S. 543-566
  • Roth, Klaus: Volkskultur, in: Grothusen, Klaus-Detlev: Bulgarien, Göttingen 1990, S. 590-604

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