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Maibaumstellen in Niederrieden

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Bräuche > Bayern > Schwaben
Bräuche > Jahreslauf > Frühling
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Der Maibaum in Niederrieden wird jedes Jahr am letzten Freitag im April aufgestellt.

Termin

Dieser Brauch ist am 27.04.2018.

Ablauf

Das Maibaumstellen in Niederrieden wird seit 2008 von den Freunden des Brauchtums organisiert. Davor hatte die Organisation die Narrenzunft Niederrieden übernommen. Das Team der Freunde des Brauchtums hat 7 Mitglieder.
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Die Vorbereitungen für das Maibaumstellen beginnen schon am Anfang der letzten Aprilwoche. Am Montag holt man das Daas (Nadelbaumzweige) aus den Niederriedener Wäldern. Hierbei werden die Freunde des Brauchtums tatkräftig durch 10-15 freiwillige Helfer aus dem Dorf unterstützt. Nachdem das Daas geholt wurde, findet am Mittwoch das Kranzen statt. Hier treffen sich einige Frauen des Dorfes bei einem Landwirt aus Niederrieden. Es entstehen 3 Kränze in unterschiedlichen Größen. Die Kränze sind aus Stahlringen, um die zuerst eine Schilfschicht und dann eine Daasschicht gebunden wird. Am gleichen Tag wird der Baum in den Niederriedener Wäldern geschlagen, im Wald geschält und dann zum Maibaumplatz gebracht, der sich gegenüber der Kirche befindet. Der komplette Maibaum besteht aus zwei verschiedenen Bäumen, die man an ihren Enden schräg ansägt um sie dann mit speziellen Metallbändern, Nägeln und Schrauben zu fixieren und zu verbinden. Das nennt man Anschaften. Beim oberen, kleineren Baum bleiben die oberen Äste bestehen und bilden den Giebel. Am Donnerstag wird der Baum hergerichtet. Die drei Kränze werden in verschiedenen Höhen angebracht und zudem im unteren Drittel 22 Holztafeln festgeschraubt. Die Tafeln bilden unter anderem die Symbole der örtlichen Vereine ab. Im unteren Bereich ist die Jahreszahl umgeben von Rauten eingeschnitzt und eine Holztafel mit folgendem Spruch angebracht:

Zu Ehren eines alten Brauchs

und unserer Ahnen Sitte.

Drum haben einen Maibaum wir

gestellt in unsre Mitte.

Soll Künder sein von frohem Mut

in jener alten Weise.

Er zeige, daß der Ahnen Blut

warm in uns auch kreise.

Um den kompletten Baum ist eine Girlande aus Daas gewickelt. Am gleichen Tag beginnt der Aufbau des Zeltes, in dem nach dem Aufstellen des Baumes der gesellige Teil des Abends begangen wird. Zwei Tage vorher beginnen zudem 2-5 Helfer den Baum zu bewachen, damit er nicht nachts von benachbarten Dörfern gestohlen werden kann, wie es ein alter Brauch ist. Am Tag des Stellens wird das Zelt fertig aufgebaut und letzte Vorbereitungen am Baum werden getroffen. Nachdem der Kran eingetroffen ist, der den Baum hochziehen soll, begrüßt ein Freund des Brauchtums, der durchs Programm führt und die Daten zum Baum nennt, begrüßt. Der Baum ist meistens zwischen 40-45 Meter hoch und wiegt 3-4 Tonnen. Dann beginnt das Aufstellen des Baumes. Der Baum, der fertig vorbereitet auf Holzböcken liegt, wird vom Kran hochgezogen. Einige helfende Hände lenken danach den Baum in das ca. 2 Meter tiefe Loch. Dort wird er dann verkeilt, damit er gerade steht und nicht umfallen kann. Nun muss noch das Seil des Krans gelöst werden. Hierfür klettert ein Zimmermann in Zimmermannstracht zuerst auf einer alten Feuerwehrleiter bis zu deren Ende hinauf und dann auf Hacken, die er zuvor selbst angebracht hat, weiter den Baum empor. Beim Seil angekommen löst er das Seil und klettert wieder herunter. Nun treten der Männerchor und der Kinderchor des Dorfes mit verschiedenen Liedern auf. Auch führt die kleine Showtanzgruppe einen Tanz auf. Nach diesen Einlagen unter dem Baum geht das Programm im Zelt, das bewirtet wird, weiter. Hier wird seit 2008 ein Wettsägewettbewerb veranstaltet, bei dem 30 Liter Bier zu gewinnen sind. Der Wettbewerb funktioniert so, dass ein 3er-Team gebildet werden muss und zwei Mitglieder des Teams sägen. Der Dritte sitzt auf dem Baumstamm und muss ein Bier leeren. Sobald das Bier leer ist, dürfen die anderen zwei lossägen. Dann wird die Zeit gestoppt. Zudem gibt es die Möglichkeit des Nagelns. Hierbei muss man mit einem Hammer, der innen hohl ist, die Nägel in einen Baumstamm schlagen. Derjenigen mit den wenigsten Schlägen gewinnt. Der Abend klingt dann gemütlich im Zelt aus.

Niederrieden macht neben vielen anderen Gemeinden mit seinem Maibaum bei einem Wettbewerb der lokalen Zeitung mit. Hier wird der schönste Maibaum ausgelobt. Die letzten Jahre war Niederrieden Sieger und gewann eine Bierprämie.

Der Maibaum bleibt, solange er nicht abbricht, bis August oder September stehen. Dann wird er mit dem Kran wieder abgebaut. Alles läuft in verkehrter Reihenfolge wie zum Zeitpunkt des Aufstellens ab.

Hintergrund-Infos

Der Ursprung des Maibaumstellens ist nicht sicher belegt, eventuell lässt sich der grüne Baum auf die Baum- und Waldverehrung bei den
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Germanen zurückzuführen. Er soll eine Vergrößerung der Lebensrute und ein Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Segens darstellen. Unklar ist auch, wann der Maibaum das erste Mal in Bayern vorkam. Im 13. Jahrhundert kannte man die Verwendung von grünen Zweigen am Maianfang. Im 16. Jahrhundert tauchte der Maibaum auf einem Gemälde auf, auf dem dieser mit Figuren und einem grünen Wipfel geschmückt war. Auf einer Votivtafel wurde der Maibaum im 18. Jahrhundert entdeckt. Auf der Tafel war ein Maibaum abgebildet, der in der Mitte des Dorfes stand. Ein weiteres Gemälde zeigt einen Maibaum mit Giebel und Figuren neben einer Kirche. Im ausgehenden 18. Jahrhundert galt der Maibaum als Symbol für das neue bayerische Staatsbewusstsein. Der Maibaum mit den Zeichen der Handwerker und der Kirche war zudem ein Zeichen für die neu erlangte bürgerliche Selbstständigkeit. Während des Dritten Reichs wurde der Maibaum zu nationalsozialistischen Zwecken missbraucht. Adolf Hitler ließ 1934 in Berlin den größten Maibaum der Welt aufstellen. Nach dem Krieg wurde der Maibaum vor allem in Südbayern zu einem zentralen Bestandteil des Brauchtums. Er verkörpert den Zusammenhalt und Wohlstand eines Dorfes. Deshalb hat auch der Wettbewerb, welches Dorf den schönsten Maibaum hat, eine so große Bedeutung. Es variiert von Dorf zu Dorf, wie lange der Maibaum stehen bleibt (entweder nur im Monat Mai oder ein ganzes Jahr). Auch gibt es Unterschiede im Aussehen des Baumes. Vor allem die Oberbayern schälen den Baum zunächst, bevor dieser dann in den Farben weiß und blau angestrichen. Manche Bäume werden auch gar
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nicht geschält. Geschmückt werden die Bäume mit einem grünen Giebel, bunten Bändern und einem oder mehreren Kränzen. Von Dorf zu Dorf unterschiedlich werden manchmal geschmückte Figuren und die Zeichen der Handwerker des Dorfes angebracht. Unten am Stamm steht meistens ein Spruch, der die Einigkeit im Dorf beschreibt. Meistens wird der Maibaum von der Gemeinde gestiftet.

Nach dem Schmücken stellt man den Baum auf. Traditionell wird der Baum mit langen, dicken Stangen (Schwaibeln), die zusammengebunden werden, errichtet. Hierbei helfen die Männer und Jungen des Dorfes mit. Technische Hilfsmittel, wie ein Kran, werden nicht gerne gesehen. Ein weiterer Brauch, der mit dem Maibaumstellen zusammenhängt, ist das Maibaumstellen. Die umliegenden Dörfer dürfen nach altem Brauch den bereits hergerichteten Baum vor dem Aufstellen stehlen. Das bestohlene Dorf muss diesen dann auslösen. Meistens kann der Baum mit einigen Liter Bier, das dann gemeinsam getrunken wird, wieder ausgelöst werden. Falls die Verhandlungen erfolglos bleiben, wird der gestohlene Baum als eine Art Schandbaum neben den eigenen Baum gestellt.

Belege, Literatur

  • Bichler, Albert: Wie`s in Bayern der Brauch ist. Feste und Bräuche durchs Jahr und durch das Leben in Altbayern, Franken und Schwaben. München 2003.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2017 um 08:19 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 8.257-mal abgerufen (to Cache).
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