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Maibaumfest in Hainhofen

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Termin

Dieser Brauch ist am 01.05.2019.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Einstiegsinformationen

Maibaum1.jpg
Das Maibaumfest in Hainhofen (Neusäß) bei Augsburg wird am 30. April auf den 1. Mai jeden Jahres gefeiert. Im Feuerwehrhaus, zentral direkt neben dem Maibaumplatz, finden sich im Laufe des Tages alle Bewohner ein.

Sinn des Festes ist es, die gute Jahreszeit zu begrüßen und die Dorfbewohner nach dem langen Winter wieder zusammen zu trommeln. Im kalten Winter verbringt jeder mehr Zeit daheim und zu diesem Fest soll die Gemeinschaft wieder rege aufblühen.

Außerdem steht der Maibaum als Fruchtbarkeitssymbol, für eine gute Ernte und gesundes Vieh, das gut heranwächst. Nachdem Hainhofen, noch ein Dorf im klassischen Sinne ist, werden Traditionen und Bräuche noch rege gepflegt.

Empirische Dokumentation

Teilnehmende Beobachtung

Die nachfolgende empirische Dokumentation bezieht sich auf den Nachmittag vom 30. April bis zum 1. Mai 2015.

Interview

Um den Brauch noch besser verstehen zu können, wurde ein Interview mit der zweiten Kommandantin der Hainhofer Feuerwehr geführt. Frau Stegmüller ist im Dorf sehr aktiv und mit den Zusammenhängen und Hintergründen sehr gut vertraut.

Maibaum2.jpg
Maibaum

Der Maibaum ist eine schöne, gerade gewachsene und geschmückte Birke, die für diesen Anlass extra reich verziert wird. Dazu wird sie komplett von Asten und entweder ganz oder teilweise von der Rinde befreit. Die Höhe muss 30 Meter betragen. In manchen Gegenden wird er weiß-blau angemalt und in manchen, wie in Hainhofen durch Schnitzereien gestaltet.
Der Baum steht dann mindestens ein Jahr, maximal jedoch fünf Jahre. Nach dieser Zeit ist der Sicherheitsaspekt nicht mehr gewährleistet und das äußere Bild ist nicht mehr so ansehnlich.
Dabei kommen bereits mindestens eine Woche vorher, die Dorfbewohner in Ruhe zusammen und treffen sich am Feuer beim Schnitzen, ratschen und tratschen und kümmern sich gemeinsam als ehrenamtliches Engagement um einen schönen Baum. Der Maibaum sorgt also vor dem eigentlichen Fest für viele Gelegenheiten zum geselligen Zusammen sein. Das Schnitzen alleine dauert in der Regel 4 Tage.
Es wird eine Birke gewählt, da diese Baumart besonders früh nach dem Winter wächst und somit im Mai schon sehr ansehnlich ist.
Aber nicht nur der Stamm wird kunstvoll verziert. Jeder Verein des Dorfes hat eigens dafür gestaltete Schilder, die an der Seite den Baum angebracht werden. In Hainhofen hat der Maibaum auch noch einen Kranz um seinen Stamm als Dekoration.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller, 2. Kommandantin der Hainhofer Feuerwehr:

Wieviel kostet ein Maibaum?</u>
Verena:
So ein Baum kostet zwischen 200 und 300 Euro. Und das spendiert meistens der Verein, der gerade Jubelfest hat oder eine Privatperson.
Die Privatperson darf sich dann etwas wünschen.
Ich:
Wie ist es, wenn Privatpersonen den Baum stellen? Kam bei euch schon mal etwas Besonderes vor?
Verena:
Anlässlich des 70. Geburtstags unseres Pfarrers haben die Vereine zusammengelegt und zu seinen Ehren den Baum bezahlt.
Und dieses Jahr [2015] gab es eine Besonderheit!
Da hat mein Lebensgefährte den Baum gestiftet. Er hat in den Maibaum ein Herz mit Namenszug einschnitzen lassen und dadurch einen Heiratsantrag gemacht.
Ich:
Cool, das klingt sehr romantisch!
Dann versteh ich das richtig, dass sich das Maibaum stellen und das Maierle stellen in Hainhofen dieses Jahr verbunden hat.
Verena:
Richtig. Es war mein drittes Maierle, was dem Brauch nach auch ein Heiratsantrag bedeutet.
So etwas gab es noch nie!
Mir ist das auch nicht im Umkreis bekannt, dass es das schon mal gab. Das ist wirklich einzigartig!
Drehleiter-Verlobte.jpg
Ich:
Dann gratulier ich dir recht Herzlich!
Verena:
Vielen Dank! Es hat mich auch sehr gefreut! Normalerweise ist der Maibaum ja fürs Dorf und nicht für Privatpersonen. Da war ich schon sehr überrascht. Tags zuvor hab ich noch beim Schnitzen geholfen.
Ich:
Ja demnach habt ihr im Dorf einen großen Stellenwert!

Wie wir im Interview erfahren haben, hat sich in Hainhofen der Maibaum und das dazugehörige Maibaumfest mit dem Hochzeitsantrag und dem Stellen des dritten Maierles dieses Jahr vermischt. Das ist eine Sondersituation und macht das Fest in Hainhofen für alle Zeit zu etwas besonderem.

Vorbereitung

Die Vorbereitung beginnt bereits sehr früh mit dem Abschluss des vergangenen Maibaumfestes ca. Mitte Juni.
In Hainhofen wird der Maibaum von allen Vereinen gemeinsam gestellt. In anderen Ortschaften wird der Maibaum durch einen Maibaumverein oder die Gemeinde organisiert.
Damit die Bewohner jederzeit ihren Tätigkeiten zum Beispiel des Schnitzens nachgehen können, liegt der Baum ca eine Woche vor dem Fest in der Dorfmitte am Maibaumplatz offen für alle zugänglich bereit. Andere Dörfer haben den Baum in einer Halle fest versperrt.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Wann beginnt dann immer so die Planung des neuen Baums?</u>
Verena:
Die Planung beginnt eigentlich mit dem Abschluss des vorherigen Maibaums. Genau jetzt in einer Woche [heute ist der 2. Juni] beginnt die Planung mit dem ersten Treffen.
Bei diesem wird erstmal der vergangene Baum reflektiert. Wie war der Ablauf, die Kosten von Essen und Trinken, muss etwas neu gemacht werden. Muss ein neuer Kranz gebunden werden oder zum Beispiel ob Schilder neu zu machen sind, ist etwas kaputt gegangen. Werkzeug usw All diese Fragen werden zuerst besprochen.
Danach trifft man sich ca. Ende Februar wieder. Da treffen sich alle Hauptverantwortlichen der Vereine von Hainhofen.
Aufstellen1.jpg
Aufstellen ===

Aufgestellt wird der Baum am Nachmittag des 30. Aprils. Sobald er steht werden die Schilder der Vereine mit der Drehleiter angebracht. Da helfen alle zusammen und für die Kinder und Familienangehörigen ist das ein aufregendes Spektakel!

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Gibt es sonst noch etwas Besonderes, oder Wissenswertes?</u>
Verena:
Also man könnte sagen, dass wir als einer der wenigen Gemeinden den Baum am 30. April aufstellen. Viele Gemeinden oder Vereine stellen den Baum am Wochenende davor aufstellen. Wenn der 30. April unter der Woche liegt.
In Schlipsheim ist es dann zum Beispiel so, dass die zwar den Baum am 30. April aufstellen, aber erst am 1. Mai am Feiertag feiern.
Wieder andere Ortschaften wie Ottmarshausen feiern gar nicht, die haben dafür einen Schandbaum bekommen.

Schandbaum:

Ein Schandbaum ist eine geheime Rüge der anderen Ortschaften an ein Dorf, welches schon lange keinen Maibaum mehr aufstellten hat. Es ist zum einen eine Art Seitenhieb: „Feiert doch mal wieder!“ aber auch: „Was ist mit eurer Gemeinschaft los?“

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Was ist das – ein Schandbaum?</u>
Verena:
Ein Schandbaum ist eine alte Birke oder ein anderer unansehnlicher Baum zum Beispiel ein alter, vertrockneter Christbaum vom Dezember. Der wird dann noch mit Müll oder ähnlichem geschmückt und in die Dorfmitte am Maibaumplatz sichtbar aufgestellt. Wer den Baum stellt ist geheim. Es wird lediglich ein Schild angebracht, in dem die Schande über das Dorf verkündet wird, da ein Maibaum auch für Fruchtbarkeit steht.
Ich:
Wielange steht dann der Schandbaum?
Verena:
Meistens nicht lange. In Westheim wurde der Baum innerhalb von ein paar Stunden noch vor Morgengrauen entfernt.
Der Schandbaum wird ja in der Regel von Dörfern gestellt, die einen Maibaum haben.

Fest

Am Abend wird dann gemeinsam gelacht, getrunken, gefeiert. Eine Musik wird für diesen Anlass auch extra gespielt. Es herrscht ein reges Treiben in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Nachdem am nächsten Tag der Tag der Arbeit als Feiertag für die meisten ein freier Tag bedeutet, können alle bedenkenlos und ausgelassen feiern. Keiner muss ans frühe Aufstehen denken und an die Pflichten werden für diesen Abend außen vor gelassen.
Besonders dieses Jahr wurde der Hochzeitsantrag von Verena Stegmüller von allen freudig gefeiert.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Was macht das Maibaumfest zu etwas Besonderem im Vergleich zu den anderen Festen im Dorf?</u>
Verena:
Wie vorhin schon angedeutet, helfen alle Vereine zusammen und es kommt das komplette Dorf zusammen. Von Jung bis Alt. Die Zusammenarbeit ist recht groß und auch das damit verbundene Miteinander. Es stärkt die Dorfgemeinschaft jedes Mal aufs Neue. Und dadurch ist auch zwischen den Vereinen ein gutes Klima.

Bewachen und Klauen
Tafel von Hainhofen.jpg

Bearbeiten Damit dem Maibaum in den Tagen der Vorbereitung nichts passiert, muss er bewacht werden. Dem Brauch nach versuchen die Burschenschaften der umliegenden Ortschaften den Baum der anderen Dörfer zu stehlen. Wichtig dabei ist, dass keine Sachbeschädigung stattfindet und folgende Regeln beachtet werden:

Regeln:

  • Bereits aufgestellte Bäume dürfen nicht mehr gestohlen werden.
  • Der Maibaum darf solange gestohlen werden, bis der Tag anbricht. Dabei darf er nicht beschädigt werden.
  • Ein Maibaum gilt als gestohlen, wenn er die Ortsgrenze überschreitet.
  • Der Maibaum muss von der bestohlenen Ortschaft mit 100 Liter Bier und einer ordentlichen Brotzeit in Form eines versprochenen Festes ausgelöst werden. Dabei gilt das Wort.
  • Wird der Baum nicht ausgelöst, wird er entweder Mitte Mai zurückgegeben oder man darf ihn behalten und zersägen.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Wurde euer Maibaum schon mal geklaut?</u>
Verena:
[Kurz und entschlossen] NEIN - Definitiv nicht!
Es wurde von jedem Dorf in der Umgebung der Baum schon mal geklaut, aber von Hainhofen noch NIE.
Ich:
Noch nie in der ganzen Geschichte?
Verena:
Noch nie in der ganzen Geschichte seit es den Maibaum schriftlich in der Dorfchronik festgehalten gibt.
Ich:
Das ist ja erfreulich!
Ja bewacht ihr den so gut, oder wie kommt das?
Oder hat es bis jetzt noch niemand versucht?
Verena:
Doch Versuche gab es. Wir haben zum Beispiel den Baum schon mal aufgehalten. Aber geglückt ist es nie. Dazu muss der Baum die Ortsgrenze überschreiten.
Zu den Regeln gehört außerdem: Der Maibaum darf solange gestohlen werden, bis der Tag anbricht. Damals war es schon hell.
Ich:
Also habt ihr den Baum bis jetzt immer so gut bewacht, dass er noch nie geklaut wurde. An was denkt ihr liegt das?
Verena:
An der guten Zusammenarbeit der Vereine. Wir teilen die gefährliche Zeit in Schichten ein. Diese sind gut machbar, dass man währenddessen auch wirklich aktiv aufpassen kann.
Und was erstaunlich ist, bei uns ist der Baum immer offen im Freien liegend in der Dorfmitte am Maibaumplatz. Andere Ortschaften versperren den Baum.

Insidertipps zum Bewachen:

  1. Es braucht auf jeden Fall viele Leute um sich gegenseitig wach zum halten
  2. Ausreichend warme Kleidung, die jedem Wetter standhält.
  3. Und das wichtigste: Sehr, sehr viel Kaffee!
  4. Viele kurze Schichten zu mehreren.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Habt ich schon mal einen Baum geklaut?</u>
Verena:
Ja – Wir haben im Feuerwehrhaus ein Schild, auf dem die letzten 23 Bäume vermerkt sind. Da steht drauf, wann in welchem Jahr man welchen Baum geklaut hat. Die letzten drei Jahre haben wir leider keinen mehr erfolgreich geklaut.
Das liegt aber hauptsächlich daran, dass die meisten Maibäume nun hinter verschlossener Tür versperrt sind und man dann sich strafrechtlich durch Sachbeschädigung belasten würde.
Ich:
Wie steht ihr überhaupt dazu, dass Dörfer andere wiederum verklagen, wegen Diebstahl usw. Wie stehst du dazu?
Verena:
Also ich habe nichts dagegen, einen Maibaum über einen Gartenzaun davon zu tragen oder dadurch sozusagen zu entwenden, aber Sachbeschädigung ist nicht mein Ding. Da hört der Spaß auf!
Man soll die Bräuche einhalten – aber im legalen Rahmen.
Ich:
Würdet ihr eine Ortschaft verklagen, wenn sie euren Baum klauen?
Verena:
Nein Hainhofen ist die Ehre sehr wichtig und da wird der Baum ausgelöst. Wir passen einfach sehr aufmerksam auf und feiern lieber bei den andern Dörfern!

Anekdoten vom Klauen:

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Wir haben schon mal eine bewachende Mannschaft im Bauwagen eingesperrt, um den Baum zu klauen. (Danach haben wir die natürlich gleich wieder frei gelassen ;)
Oder was auch gut funktioniert:
Die Mädels der Ortschaft mit bisschen Alkohol vorschicken und mit den Dorfburschen feiern. Währenddessen klauen die Jungs den Baum. Klingt banal, aber hat schon geklappt!
Ein vorbei fahrendes Feuerwehrauto mit Blaulicht lenkt für genügend lange Zeit auch ab.


Welchen Hintergrund hat das Maibaum-klauen?

Früher sind die Leute viel in ihren Dörfern geblieben und mussten ihre Pflichten erfüllen. Damit aber die Bewohner auch andere Dörfer kennenlernten und ein Austausch stattfand, entwickelte sich über die Jahre dieser lustige Brauch.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Warum macht man das eigentlich, also den Maibaum zu klauen?</u>
Verena:
Also das Maibaum-klauen hat ja den Hintergrund, dass die beklaute Ortschaft den Baum wieder auslösen muss. Das bedeutet ein Fest auszurichten. Somit feiern zwei Dörfer zusammen feiern, lernen sich untereinander kennen und vermischen sich dadurch vielleicht.
Früher ist man ja seltener aus seinem Dorf „heraus gekommen“ und durch so ein Fest hatte man den Anlass ein anderes Dorf zu besuchen und in ausgelassener Stimmung die Menschen dort kennenzulernen.
Das Fest beinhaltet 100 Liter Bier und ner anständigen Brotzeit.
Es soll auch als Warnung verstanden werden: „ Ihr habt nicht aufgepasst!“
Die Dorfgemeinschaft muss eventuell etwas verbessern und mehr zusammenarbeiten usw.
Der Reiz des Triumphs macht auch viel aus!
Ich:
Wird dann trotzdem gefeiert, wenn der Maibaum geklaut wurde. Wie ist das so, was hast du von den anderen Dörfern so gehört?
Verena:
Natürlich wird trotzdem gefeiert.
Aber trotzdem bleibt die Schande und das Dorf ist nicht so ausgelassen.
Der Maibaum wird normalerweise rechtzeitig noch ausgelöst.
Durch Handschlag und dem Versprechen ein Fest auszurichten.

Was passiert mit einem geklauten Maibaum?

Nachdem das Fest per Versprechen oder Handschlag besiegelt wurde, kann der Baum sofort wieder abgeholt werden. Kein Maibaumfest muss also ohne Maibaum stattfinden.
Manche Orte ziehen es vor, den Baum nicht auszulösen und schnell einen neuen Maibaum auf die Beine zu stellen.
Wird ein Baum von der beklauten Gemeinde nicht ausgelöst. So dürfen die erfolgreichen „Diebe“ den Baum zersägen oder der Ortschaft Mitte Mai zurückgeben.
Rituale und Aberglauben um den Maibaumkult
Das Aufstellen eines Maibaums geht auf einen heidnischen Brauch zurück, der Fruchtbarkeit verspricht. Die Dorfbewohner wollen sich vor Missernten, kranken Vieh, Unwetter oder Unglück schützen. Ein Baum steht schon seit Urzeiten für das Leben und für Lebendigkeit. Man sagt nicht umsonst: „Der Baum des Lebens“ oder im Zusammenhang mit wachsenden Kindern „er wächst und gedeiht gut und versprüht Lebensenergie“.
Während des Interviews mit Frau Stegmüller erinnerte sie sich bei genauerem Nachdenken an das Jahr 2013. In diesem Jahr ist der Maibaum beim Aufstellen beschädigt worden und prompt ist in diesem Jahr ein schlimmer Sturm über Augsburg und Umgebung hinweg gezogen, wodurch vor allem Hainhofen großen Schaden nahm.


Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Gibt es dann auch Rituale oder Aberglaube um den Maibaumkult?</u>
Verena:
Also es gibt grundsätzlich keinen Aberglaube darum, aber der Maibaum steht für Fruchtbarkeit und kommt aus dem Heidnischen.
Man möchte damit den Sommer begrüßen.
Man wünscht sich, dass die Ernte gut wird, dass das Vieh gut gedeiht und das das Dorf vor Schaden bewahrt wird.
Wenn nun etwas dazwischen kommt, wenn man keinen Maibaum aufstellen kann, bedeutet das ja, dass das Fruchtbarkeitssymbol nicht gestellt worden ist. Das ist ein schlechtes oder böses Omen!
Früher war man ja noch viel abergläubischer als heute.
Da fällt mir ein:
Vor zwei Jahren ist der Maibaum beim Aufstellen umgefallen wodurch die Spitze abgebrochen ist und im darauf folgenden Sommer war ein großer Sturm, der vieles zerstört hat.
Ich:
Also kann man doch noch heute Parallelen erkennen!
Verena:
Ja in diesem Beispiel zumindest schon.

Der Maibaum und das Maierle

Vom großen Maibaum des Dorfes wird das kleine Maierle abgeleitet.
In der Nacht zum 1. Mai zeigen die jungen Männer der Region ihrer Freundin oder ihrer heimlichen Liebe ihre Zuneigung indem sie eine kleine Birke verziert an ihr Fenster oder ihr Haus stellen und die ganze Nacht bewachen.

Am nächsten Morgen wird der Baum dann übergeben.

Ausschnitt aus dem Interview mit Verena Stegmüller

Möchtest du noch etwas erzählen? Hab ich etwas vergessen anzusprechen?</u>
Verena:
Ja vom Maibaum wird das Maierle abgeleitet.
Das Maierle stellt man seiner Freundin und ist ein Zeichen der Liebe.
Eine Kleine geschmückte Birke wird die ganze Nacht über vor dem Haus der Herzdame bewacht und am Morgen vorher an die Freundin übergeben.
Nach dem dritten Maierle bedeutet das der Tradition nach einen Heiratsantrag auszusprechen. Bei mir war das dieses Jahr der Fall. Nur in größerer Form – als Maibaum von Hainhofen!!!

Wie es den Schandbaum für Ortschaften gibt, die sich nicht brauchgetreu oder traditionsbewusst verhalten. So gibt es auch ein ähnliches Pendant für unschickliches Benehmen der jungen Mädchen im Dorf. Mädchen die sich nicht tugendhaft oder gar vulgär verhalten erwartet am Morgen vom 1. Mai ein alter Besen an der Wohnungstür. Es soll als Hinweis verstanden werden, sich anders in die Dorfgemeinschaft einzufügen.

Ausblick

Es darf gespannt mitverfolgt werden, wie sich der Maibaumkult in den nächsten Jahren weiterentwickelt.

Nachdem es in der Gegend noch nie einen Maibaum als 3. Maierle, also als Heiratsantrag oder Maierle gab, kann man gespannt den weiteren Trend beobachten. Wird es Nachahmer geben?
Allerdings muss abschließend noch hervorgehoben werden, dass der Maibaum in der Regel für das Dorf ein Symbol darstellt und nur besondere Personen gewidmet wird.

3. Historische Daten

Die Tradition des Maibaum-aufstellens gibt es mindestens schon seit dem 13. Jahrhundert. Allerdings gibt es darüber keine genauen Aufzeichnungen. In Österreich wurde zum Beispiel ein Maibaum erstmals 1466 erwähnt.

Man geht davon aus, dass es auf eine Baum- und Waldverehrung durch die Germanen zurückzuführen ist. Im Frühjahr machten sich die Bewohner auf in den Wald um frische grüne Zweige und Aste zu schneiden und zu sich in die Städte oder Dörfer zu bringen. Sie galten als Lebensbringer und wurden auf das Haus oder auf den Misthaufen gesteckt. Später wurden aus den kleinen Zweigen kleine Bäumchen.

Außerdem galt früher der Maibaum zwischenzeitlich als „Hexenbaum“. Daher kommt wohl auch die Sitte, den Baum zu entrinden. Deshalb hat man in der Zeit der Aufklärung versucht, das Aufstellen von Maibäumen zu unterbinden.

In manchen Gegenden wird der Maibaum auch als Rechtszeichen verstanden. Er signalisierte, dass mit dem Maianfang das Betreten der Felder und Wiesen verboten war. Nun durften die Leute jedoch stattdessen tanzen.

Die heutigen Maibäume nach unserem Verständnis sind ein Produkt der Renaissance. 1585 wird in der Ortsansicht von Starnberg (Oberbayern) ein Figurenmaibaum dargestellt. Hierbei fällt auf, dass der Baum in zentraler Lage im Ort neben dem steingebauten Amtshaus aufgerichtet wurde. Ein Abbild der Kirche fehlt dabei, weswegen man auf eine dualistische Position des Maibaums zur Kirche schließt. Der Maibaum spiegelt ein neues Denken, und neues „bürgerliches“ Selbstbewusstsein wieder. Nach oben weisend verkörpert er Hoffnung und sucht gleichzeitig durch das Querstreben der Schilder und Figuren aus dem Alltag der Bürger Ausgleich im Diesseitigen. Der Maibaum wird damit zum „Lebensbaum“ einer selbstbewussten und unabhängigen Gesellschaft.

Der bayerische Hofmaler Peter Jakob Horemans verewigt 1767 einen Maibaum beim Schloss Nymphenburg. Eine Dame des Adels genießt ihren Kaffee während im Hintergrund Landleute um einen Maibaum tanzen. Das Bild verdeutlicht einerseits das Vergnügen der Leute und andererseits die Freude der Menschen an der eigenen Kultur. Das französische Frühjahrs- und Aufbruchszeichen wird zum Symbol der neuen, bürgerlichen Freiheit gegenüber dem Adel und den damit verbundenen überkommenen Strukturen.
Der Maibaumbrauch etablierte sich in Südbayern, der sogenannten alten Maibaumlandschaft, als buntgeschmückter Schützenbaum.

1850, der Zeit des Konservatismus, kam es zu einer rückläufigen Bewegung. Nach der Jahrhundertwende, speziell 1918 kam es zu einer Revitalisierung des alten Brauchs. Nationale Defizite sollten durch hochbesetzte Symbolhandlungen und Zeichen aufgegangen werden. Der damals noch sozialistische Maifeiertag wird zu dieser Zeit zum „Tag der Deutschen Arbeit“.
Nach 1945 wurde der Maibaum am beibehaltenen Maifeiertag, dem „Tag der Arbeit „ zum Zeichen der neuen, wiedergewonnen Freiheit in einem föderativen Staatenverband.

In Hainhofen hat man die ersten Aufzeichnungen 1985 erstellt. Auf einer Tafel im Feuerwehrhaus werden seit dem alle erfolgreich geklauten Maibäume aufgelistet.

Quellen:

Adelmann, Irene: Maibaum. München 1987.
Ferrari, Waltraud: Alte Bräuche neu erleben. Graz, 2014
Kriechbaum, Reinhard: Scheller, Schleicher, Maibaumkraxler, Bräuche in Österreich: Fasching, Ostern, Frühling. Salzburg, 2012

http://www.bayern.by/rund-um-den-maibaum
http://www.br.de/themen/bayern/inhalt/kult-und-brauch/maibaum-grundwissen100.html
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Diese Seite wurde zuletzt am 29. August 2017 um 08:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 45.614-mal abgerufen (to Cache).
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