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Mästung von Mädchen in Mauretanien

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Die Mästung von kleinen Mädchen im westafrikanischen muslimischen Land Mauretanien gilt als Brauch und Maßnahme zur Ehevorbereitung bereits seit vielen Generationen.

Ablauf

In Mauretanien werden häufig Zwangsmästungen, genannt "Labluh" an jungen Frauen durchgeführt. Familien zwingen ihre Töchter dazu, sich mästen zu lassen, um innerhalb kürzester Zeit so schwer wie möglich zu werden. Dies gilt als gesellschaftlich erwünscht, da schwergewichtige Frauen vielfach als reich, hübsch und gesund betrachtet werden. Im Gegensatz dazu werden schmale, leichtgewichtige Frauen als arm, krank und als Schande für ihre Familien angesehen. Mollige Frauen gelten daher als anziehender für ehewillige Männer. Deshalb wird die Mästung als Maßnahme vor der Ehe durchgeführt.(1)

Die Mädchen werden bereits ab einem Alter von 4-8 Jahren fast rund um die Uhr gemästet. Sie sollen mit ungefähr 12 Jahren eine XXL Größe von etwa 80-100 kg haben und damit das Mädchendasein abgelegt haben. Ältere Frauen helfen den Mädchen beim „Stopfen“, denn es soll möglichst schnell gehen. Die Hochzeit ist das große Ziel. Die älteren Männer, die zum Teil ihre Großväter sein könnten, freuen sich auf die junge, pralle Braut, die sie sich ausgesucht haben.

Die Tagesration eines Mädchens in einem mauretanischen Masthaus beträgt ca. 10000 kcal und besteht aus zwei Kilo Brei aus Hirse und Butter, Bohnen und Zucker, danach literweise Kamelmilch. Wenn das Mädchen nicht mehr kann oder will, drückt ein Röhrchen ihre Zunge nach unten, damit das Schlucken des Breis einfacher geht.(2)

Frauen, die Mädchen mästen, betrachten das Erbrechen bei Mädchen [als Folge übermäßigen Essens] während der Mästungszeit als normales Phänomen.

Laut eines Berichts der "Mauretanischen Sozialen Solidaritätsorganisation" von 2007 werden nur 7% der Stadtmädchen zur Mästung gezwungen, während diese Quote auf dem Land auf 75% steige. Die restlichen 25% haben entweder kein Geld für die vielen Lebensmittel, die dazu benötigt werden oder sie verwiegern die Zwangsmästung ihrer Kinder aus gesundheitlichen Gründen.

Gewährspersonen

Eine der Gegnerinnen der Zwangsmästung der jungen Frauen ist Mariam mint Ahmad. Sie ist 25 Jahre alt und Ehevermittlerin in der mauretanischen Hauptstadt Nuakchott. Sie äußerte sich folgendermaßen zu dieser Praxis: „Es ist höchste Zeit, dass wir den Gebrauch von "Labluh" in den Schränken der Geschichte wegschließen. Wir, die heutige Jugend, muss diese Katastrophe an unserem Leib und Leben stoppen. Ich kenne viele Frauen, die unter Zwang gemästet wurden, um sie für die Ehe anziehend zu machen. Dies bringt verschiedene Krankheiten mit sich. Ich leide, wenn ich sehe, wie diese [jungen Frauen] infolge dieser Maßnahmen von Krankheiten wie Bluthochdruck und Herzleiden geplagt werden."

Neuerdings wird im Bemühen, schnell und gründlich zuzunehmen, auch gedopt. So würden manche Frauen schachtelweise Multivitaminpillen, weil sie angeblich appetitanregend wirken und Tiermasttabletten verzehren, hat Abdurrahman Ould Abdel Wedoud, ein Apotheker aus Nuakchott beobachtet.

Frauen, die die Zwangsmästung nicht bis zum Ende durchführen, so erzählt Mariam mint Ahmad, werden in der Öffentlichkeit vor anderen Mädchen bestraft. Eine der Foltermethoden, die in solchen Fällen eingesetzt wurden, sind Stäbchen mit scharfen Spitzen, die an den Zehen festgebunden werden. Falls eine Mahlzeit nicht aufgegessen wird, werden die Spitzen gegen die Zehen gedrückt, so dass die Mädchen Schmerzen erleiden müssen.

Eines der Mädchen, die diese Zwangsmaßnahme durchgemacht hat, Salikha mint Sidi, berichtete, dass ihre Mutter sie mit 13 Jahren angefangen habe, zu mästen. Sie schlug sie, um sie dazu zu zwingen, große Mengen von fettigem Couscous [eine Art Griesbrei] und Schaffleisch zu essen. Im vorigen Jahr heiratete die junge Frau und gebar eine Tochter. Sie versicherte jedoch, sie werde ihre Tochter unter keinen Umständen mästen.

Die heute erwachsene Mauretanierin Happiness Edem erklärt in einem BBC-Interview über eine „Fütterungsfarm“ in Calabar: „Wenn du dick bist, siehst du gesund aus. Die Leute respektieren dich. Sie ehren dich. Egal wo du hingehst, sie sehen, dass dein Ehemann dich gut füttert.“ Sie verbrachte während ihrer Kindheit mehrere Monate in dem Masthaus. „Du isst, du schläfst, du isst und schläfst wieder. Bis zu acht Mahlzeiten am Tag. Besonders gut war die Regenzeit, denn dann gibt es viel Milch.“ (2)

„Natürlich leidest du. Aber wenn man dir ständig erzählt, dass das Essen nötig ist, um glücklich zu werden, um einen Mann zu finden, der dich verehrt, dann machst du eben mit. Die Techniken der Mast sind vielfältig: „Wenn ein Kind nicht trinken will, bohrt die Aufseherin zwei Stäbe in sein Zahnfleisch. Die Schmerzen sind fürchterlich“, erklärt Fatimata M’baye, Anwältin für Kinder und Jugend, die Praktik „Zayar“. Wenn sich die Mädchen übergeben, müssen sie das Erbrochene trinken. Eine bekannte Folterungsmethode, nicht nur in Afrika. (2)

Eine der Befürworterinnen der Zwangsmästung, Eshto mint Taleb, ist Mutter von zwei Mädchen. Sie erklärte, sie wolle ihre Töchter mästen, wenn sie 8-10 Jahre alt wären, so dass diese so schnell wie möglich heiraten und Kinder bekommen, bevor sie 17 Jahre alt werden.

Die Familie von Frau Ethmane war zu arm, um die Zwangsfütterung bei ihren drei Töchtern anzuwenden. Ihre älteste Tochter Mariam blieb davon verschont. Heute bereut sie dies. „Alle meine Freundinnen haben das durchgemacht“, sagt die 19-Jährige. „Unter denen fühle ich mich jetzt nicht mehr wohl, weil ich einfach zu dünn bin.“ (10)

Um sich einen detailierten visuellen Eindruck dieses Brauches zu verschaffen, verweise ich auf die in youtube eingestellten Filme: "Zwangsfütterung in Mauretanien"(Teil 1/2/3).
force feeding in Mauretania - CBC TV report; africa uncovered - Mauritania: Fat or Fiction - 11 Aug 08 - Part 1/2;

Politische Ansätze (2)

Mauretanien erfuhr einen Rückschritt

„Je dicker du bist, desto mehr Platz hebt ein Mann in seinem Herzen für dich auf. Das wird den jungen Mädchen hier vermittelt.“ Mint Ely ist die Leiterin der Hausfrauen-Stiftung des westafrikanischen Landes. Sie beschreibt die Situation in den ländlichen Regionen als großen Rückschritt: „ Wir hatten bereits ein Ministerium für Frauen und besetzten 20 Prozent der Sitze im Parlament. Dann kam das Militär und drängte uns zurück in die traditionelle Rolle.“ Durch einen Militärputsch im August 2008 verlor der amtierende Präsident Sidi Mohamed Ould Sheikh Abdallahi sein Amt und die Militärs bildeten einen Hohen Staatsrat unter Leitung von General Abdel Aziz. Die bis dahin durchgebrachten Gesetze zur Abschaffung der Sklaverei, Pressefreiheit und ein Klima freier politischer Betätigung gehörten der Vergangenheit an.

„Die Regierung ist zu feige“

„Ich habe es noch nie geschafft, ein unter Zwang gemästetes Mädchen vor Gericht zu verteidigen“, beschreibt auch Fatimata M’baye die Situation der Mädchen als aussichtslos. „Die Regierung ist zu feige ihre eigenen Traditionen in Frage zu stellen. Gesetze drängen nicht bis in die verarmten, ländlichen Stämme vor. Keiner kontrolliert, was hier mit den Mädchen geschieht.“ Obwohl Mauretanien das Internationale Abkommen zum Schutz von Kindern unterschrieben hat, ignoriere die Regierung die quälenden Stopfrituale.

Mint Ely hat ein Ziel: „Wir müssen die Mädchen informieren. In den wohlhabenden Städten des Landes gilt das Mästen als ausgestorben.“ Man kümmere sich nicht mehr um Aufklärung. Die Mädchen dort schauten westliches Fernsehen, interessierten sich für Mode und treiben Sport. „Langsam, aber sicher folgen wir dem Rhythmus der Welt“, äußert sich dazu Mariem Mint Ahmed Saber, Repräsentantin des UNO-Bevölkerungsfonds UNFPA für Mauretanien. Bei den verarmten Stämmen im Inneren des Landes scheint der „Rhythmus“ noch nicht angekommen zu sein. Doch Ely und M’baye sind sich sicher: Das Ideal der Fetten ist allgegenwärtig. „Die erwachsenen Frauen nehmen Hormone oder appetitanregende und dickmachende Mittel, damit ihre Rundungen auch nach der Mast nicht verschwinden. Diese Mittel können töten.“

Der langsame Wandel

Laut „Tagesspiegel-online“ -Bericht von Gautam Naik (02.01.2005) gibt es seit 2004 eine Hilfsorganisation, die in den ländlichen Gebieten Mauretaniens über die Gesundheitsgefahren der Zwangsfütterung informiert. Eine andere Organisation, die Mauretanische Vereinigung zur Förderung der Frauen (AMPF), zeigt ihre Videos über die Risiken der Prozedur in neun Jugendzentren in der Hauptstadt Nouakchott. Auch die mauretanische Regierung machte vor vier Jahren plötzlich mobil und drängte über Radio und Fernsehen zur Aufgabe des Brauchs. Die Warnungen sind weitgehend verhallt, nicht zuletzt, weil 65 Prozent der mauretanischen Frauen Analphabeten sind.

Laut des „Spiegel-online“ Berichtes von Joachim Hoelzgen vom 26.07.2009 brechen Frauen vor dem Stadion von Nuakchott, der Hauptstadt des Wüstenstaates Mauretanien mit einer beschwerlichen Tradition: Sie versuchen, wogende Formen und Fettpolster loszuwerden. Doch aller Anfang, so zeigt sich vor dem modernen „Stade Olympique“ , ist schwer. Beinahe zögerlich umrundet ein Pulk hauptsächlich junger Frauen die Sportstätte - in Sandalen und mit Fußgängergeschwindigkeit, umwickelt mit dem Tuch der Mulafa, das den Körper vom Scheitel bis zu den Zehenspitzen zudeckt. "Ich bin einfach zu dick," sagt eine der Geherinnen, "ich tue das für mich und meine Gesundheit - und um endlich schlank zu sein." Im mauretanischen Ministerium für Soziales, Kinder und Familien hört man solche Sätze gern, denn dort hat man der Fettleibigkeit energisch den Kampf angesagt - mit drastischen Spots im Programm von Télévision de Mauritanie und im Staatsradio. Ärzte warnen darin vor hohem Blutdruck, Herzerkrankungen, Diabetes, Magen-Darm-Erkrankungen und schmerzhafter Arthrose, den Folgen der Überfütterung mit einseitiger und fetthaltiger Nahrung.

Inzwischen fällt aber nicht nur vor dem Stadion ins Auge, dass alte Traditionen und mit ihnen die Pfunde wackeln. Auch in den Fitnessstudios der Hauptstadt sind immer öfter Frauen auf Laufbändern und an den Gewichten anzutreffen. Ähnliches geschieht am nahen Strand des Atlantiks, an dem das barfüßige Gehen im Sand zu einem beliebten Sport zum Abnehmen geworden ist.

"Langsam, aber sicher folgen wir dem Rhythmus der Welt," meint dazu Mariem Mint Ahmed Sabar, die Repräsentantin des Uno-Bevölkerungsfonds UNFPA für Mauretanien. "Mit ihm verändert sich auch hier das Schönheitsideal."

Eine füllige Deutsche in Mauretanien

Die TV-Moderatorin und Autorin Tine Wittler (Einsatz in vier Wänden) beschreibt das Stopfritual in ihrem Buch „Wer schön sein will, muss reisen“. Sie bereiste das Land, um nachvollziehen zu können, warum dicke Frauen dort als schön gelten und ausdrücklich nicht, wie ihr subtil immer wieder vorgeworfen wird, um sich „endlich mal schön“ zu fühlen. Selbst übergewichtig, „habe sie sich vor Heiratsanträgen nicht retten können“, erzählt sie im ZEIT-Interview. „In Mauretanien gilt: Du bist eine Frau, also bist du schön. Das ist unumstößlich“, lautet ihr Ergebnis der Reise. Sie selbst schaffte nur drei Liter der Kamelmilch: „Und ich bin davon krank geworden. Kamelmilch hat eine andere Eiweißstruktur als Kuhmilch. Mein Immunsystem hat überreagiert und nach meiner Rückkehr wurden meine Gefäße angegriffen. Keine schöne Geschichte.“(2)

Tine Wittler macht in einem weiteren Interview (11) von Marie v. Baumbach deutlich, dass sie keinesfalls die Zwangsmästung gutheißt und glücklicherweise diese Tradition auf dem Rückmarsch ist. Sie weist jedoch als Gegenbeispiel auf die westlichen gesellschaftsbedingten Schlankheits-Zwänge hin, die gesundheitlich ebenfalls drastische Auswirkungen haben können und nicht zu unterschätzen sind. Ein kleiner Unterschied besteht jedoch schon zwischen Mauretanischen Mädchen und etwa Westeuropäerinnen. Eine 5-jährige beispielsweise wird bei uns normalerweise nicht gezwungen untergewichtig zu werden.

Über Mauretanien

Mauretanien (amtlich Islamische Republik Mauretanien) liegt im nordwestlichen Afrika am Atlantik. Die Präsidialrepublik grenzt an die Staaten Algerien im Nordosten, Mali im Osten und Südosten, Senegal im Südwesten sowie im Bereich der Halbinsel von Nouadhibou an das von Marokko besetzte Territorium der Westsahara und im Nordwesten an den Landesstreifen, der von der Frente Polisario zur Demokratischen Arabischen Republik Sahara ausgerufen wurde. Das Land ist fast dreimal so groß wie Deutschland und besteht mit Ausnahme einer Dornbuschsavannenzone von der Hauptstadt Nouakchott entlang der Südgrenze aus Wüste. Mauretaniens geförderte Bodenschätze werden dominiert von Eisenerz-Abbau. Zu weiteren Kostbarkeiten des Landes zählt man Phosphat, Gips, Kupfer, Diamanten, Gold, Erdöl, Salz und Fisch.

Mauretanien hat 3.205.060 (2010) Einwohner und Amtssprache ist Arabisch und Französisch (de facto). Der früher hohe Anteil an Nomaden ist stark zurückgegangen. 1957 lebten noch 90 Prozent der Bevölkerung als Nomaden in Zelten, größere Städte gab es nicht. Dagegen wohnten 2005 bereits 40 Prozent der Bevölkerung in den Städten. Vier Fünftel der Einwohner leben auf 15 Prozent der Landesfläche, vorwiegend im Süden. Das Bevölkerungswachstum betrug 2005 2,9 Prozent. 43 Prozent der Bevölkerung waren 2005 jünger als 15 Jahre. Die Lebenserwartung betrug 2005 54 Jahre (3). In Mauretanien treffen arabische, berberische und schwarzafrikanische Völkergruppen zusammen, die sich stark miteinander vermischt haben, so dass Prozentangaben zu einzelnen Ethnien kaum möglich sind. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung sprechen Hassania. Sie gehören zu den arabisch-berberischen Mauren. Etwa die Hälfte dieser Hassania-Sprecher werden als Bidhan oder Weiße Mauren bezeichnet und gehören zu den beiden oberen Schichten der traditionell stark hierarchisch gegliederten mauretanischen Gesellschaft, den Hassani (Kriegern) und Marabouts (Islamgelehrten). Die andere Hälfte von durchschnittlich etwas dunkelhäutigeren Menschen haben Vorfahren, die ehemals Sklaven waren und heißen Haratins. Die übrigen 30 Prozent der Gesamtbevölkerung teilen sich mehrere schwarzafrikanische Völker (zusammen Soudans), die überwiegend entlang des Senegalflusses im Süden leben (4). Eine ähnliche Einteilung schätzt für 2010 grob 30 Prozent (weiße) Mauren, 40 Prozent dunkelhäutige Mauren und 30 Prozent Schwarze (5). Zu den schwarzafrikanischen Völkern gehören die überwiegend Ackerbau treibenden Tukulor und die Fulbe, traditionell Rinderhirten. Beide werden wegen ihrer gemeinsamen Sprache Pulaar als Halpulaaren zusammengefasst. Kleinere Volksgruppen sind die Sarakolé, Wolof und Bambara. Etwa 5000 Europäer (meist Franzosen) leben im Land.

Geschichte

Früheste Nachweise einer Besiedlung durch nomadische Berber und schwarzafrikanische Völker finden sich schon um 10.000 v. Chr. Im 7. Jahrhundert trugen arabische Krieger den Islam in den Maghreb. Der Islam verbreitete sich entlang der Handels- und Karawanenrouten durch die Sahara, blieb aber über Jahrhunderte hin eine Religion der „fremden Händler“, bis sich auch die Oberschicht in den afrikanischen Stadtgemeinschaften für diese Religion interessierte und sich zum Islam bekehrte. Da die Küste des Landes schlecht zugänglich war und die Kolonialmächte über Jahrhunderte keine Kunde von den vorhandenen Bodenschätzen hatten, zeigten sie bis Ende des 19. Jahrhunderts kaum Interesse an Mauretanien. An der Wende zum 20. Jahrhundert begannen die Franzosen von Süden her mit der Unterwerfung des Landes, das für sie vor allem strategische Bedeutung als Bindeglied zwischen west- und nordafrikanischen Besitzungen hatte. 1904 wurde das Gebiet französisches Territorium im Rahmen Französisch-Westafrikas (AOF), 1920 französische Kolonie, doch gelang es den Franzosen erst 1934 letzte Aufstände im Norden zu unterdrücken. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mauretanien im Rahmen der französischen Entkolonialisierungspolitik Überseeprovinz und damit Mitglied der Union Française. Bis 1955 gab es im Osten des Landes noch Gebiete, die den Europäern unbekannt waren: In diesem Jahr durchquerte der Franzose Théodore Monod als erster Europäer die Landschaft El Djouf. Die ersten Wahlen fanden 1957 statt. 1959 wurde Mokhtar Ould Daddah Regierungschef. Am 28. November (Nationalfeiertag) 1960 erhielt das Land seine Unabhängigkeit (Wikipedia, Mauretanien 16.12.2012).

Nach dem Militärputsch am 8. August 2008 regierte eine Militärdiktatur. Am 18. Juli 2009 fanden das erste Mal seit dem Staatsstreich wieder Präsidentschaftswahlen statt.

'Menschenrechte

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International weist in ihrem Jahresbericht 2010 besonders auf unverhältnismäßige Gewalt und systematische Folter gegen Demonstranten, Häftlinge und die Zivilbevölkerung hin. Bei Amnesty International gingen auch 2009 Berichte über harte und willkürlich verhängte Strafmaßnahmen ein. Die Gefängnisse sind überfüllt (Wikipedia, Mauretanien 16.12.2012).

Die UN berichtet, dass ein Ansatz zur Bekämpfung sämtlicher Formen der Diskriminierung und der Armut gefunden werden müsse, der auf mehr Ganzheitlichkeit, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit beruhe. Dieser Ansatz müsse zudem die gesamte Gesellschaft umfassen. Die Sklaverei ist seit 1980 offiziell abgeschafft, wird aber nach wie vor im ganzen Land praktiziert. Nach Schätzungen der Anti-Sklaverei-Organisation SOS Esclaves gibt es in Mauretanien 600.000 Sklaven (6). Ein UN-Sonderberichterstatter, der sich mit den modernen Formen des Rassismus beschäftigt, äußerte sich besorgt über die anhaltende Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung Mauretaniens in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (7).

Mauretanien hat zwar im Jahr 2000 das Abkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet aber trotzdem kommt es immer wieder zu gezielten Übergriffen. So misshandelten am 19. April 2009 Sicherheitskräfte zahlreiche Frauen, unter ihnen ehemalige Ministerinnen, Abgeordnete und Menschenrechtsverteidigerinnen, mit Tritten und Schlägen. Dabei setzten sie Stöcke und Gürtel ein. Die Frauen hatten sich vor der Vertretung der Vereinten Nationen in Nouakchott zu einem Sitzstreik versammelt (7).

Kinderarbeit stellt ein weiteres großes Problem dar. Laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF arbeiten 16 % aller 5–14 jährigen Kinder(8).

Die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Menschen in Mauretanien ist besorgniserregend. Sie werden verfolgt, bedroht und bestraft. Homosexualität wird mit dem Tode bestraft (9).

Geschichte der Körperkultur

Frühgeschichte

Häufig wird die sogenannte Venus von Willendorf als Beleg herangezogen, dass Fettleibigkeit in der europäischen Frühgeschichte zum Schönheitsideal gehörte. Bei der altsteinzeitlichen Frauenfigur dürfte es sich jedoch eher nicht um ein Schönheits-, sondern um ein Fruchtbarkeitsidol handeln (13).

Antike

In der griechischen Klassik sollte der ideale Körper weder zu dick noch zu dünn sein. Ein fetter Bauch galt als Zeichen der Verweichlichung. Wie an klassischen Statuen wie der Venus von Milo ersichtlich, hatten ideale Frauenfiguren eher kleine, aber feste Brüste, dazu ein für heutige Begriffe kräftiges Becken. Fettleibigkeit hatte jedoch keinen negativen Beiklang, sondern galt im Gegenteil als begehrtes Wohlstandszeichen.

Mittelalter

Die ideale weibliche Schönheit des Mittelalters war mädchenhaft schlank mit leicht gerundeten Schultern und besaß kleine, feste Brüstchen. Trotz einer sehr schmalen, hochsitzenden Taille und schmalen Hüften war der Bauch auffällig nach vorne gerundet (14). Dies wirkt auf heutige Betrachter schwanger, hatte aber nichts damit zu tun. Ein anschwellender Bauch war bis in das 17. Jhd. das Zentrum der erotischen Aufmerksamkeit (15).

Renaissance, Barock und Rokoko

Die ideale Frauenfigur der Renaissance ist wohlbeleibt, verfügt über starke Hüften, aber nur einen moderaten, hochsitzenden Busen. Auch im Gesicht werden Zeichen der Wohlgenährtheit wie etwa ein leichtes Doppelkinn geschätzt.

Auch im Barock stehen üppige Formen hoch im Kurs. So stellte der Barockmaler Peter Paul Rubens in seinen Bildern entsprechend dem damaligen Schönheitsideal insbesondere Frauen mit üppigen Rundungen dar. Auf ihn geht die Bezeichnung „Rubensfigur“ zurück.

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wird die Leibesfülle in Korsetts gezwungen, für fast drei Jahrhunderte – mit der Ausnahme eines einzigen Jahrzehnts zu Beginn des 19. Jahrhunderts (sog. Directoire-Mode) – wird die so erzielte Sanduhrform zum Zeichen für Weiblichkeit.

Bürgerliches Zeitalter

Während in den Kreisen der Romantiker ein Kult der Zerbrechlichkeit und Blässe getrieben wird und die Frauen bereits Diäten mit Essig und Zitrone betreiben, schätzt das viktorianische Bürgertum Körperfülle als Ausweis von Wohlstand und Respektabilität. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzt mit dem Siegeszug der puritanischen Leistungsethik ein grundlegender Wandel in der Wahrnehmung des Körpers ein: Fett wird mit Trägheit in Verbindung gebracht. Schlankheit dagegen steht nun für Erfolg und Leistungswillen.

20. Jahrhundert

Zur Jahrhundertwende kam das Korsett langsam außer Gebrauch. Mit der Jugendbewegung breitete sich das Ideal des schlanken, jugendlichen, durch Sport geformten Körpers aus, das das gesamte Jahrhundert bestimmen sollte.

Die Nationalsozialisten setzten dieser in ihren Augen „entarteten“ Schönheitsströmung ein jähes Ende. Schlanksein war jedoch weiterhin ein absolutes Muss, wenn jetzt auch wieder etwas mehr Fraulichkeit sein durfte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine kurze, für das 20. Jahrhundert einmalige Renaissance der üppigen weiblichen Formen ein, verkörpert in Filmstars wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot, dies endete jedoch mit der Jugendbewegung der 68er.

In der Folgezeit diversifizierte sich, wie praktisch jedes gesellschaftliche Ideal, auch das Schönheitsideal. Als einzige weitgehend gemeinsame Komponente sind mehr oder weniger sportlich wirkende Körpermaße geblieben. Bei Frauen wird dies meist mit der Formel 90-60-90 als Maße für Brust-, Taillen- und Hüftumfang in Zentimeter umschrieben; bei Männern durch den Begriff „Waschbrettbauch“. In den 1980er Jahren war zeitweise Bodybuilding sehr verbreitet.

21. Jahrhundert

Teilweise werden heute Personen, die die Ideale deutlich verfehlen, diskriminiert; dies gilt insbesondere für Übergewichtige, deren Makel einzig einem Fehlverhalten zugeschoben wird. Models unterschreiten heute oftmals insbesondere den oben genannten Bauchumfang deutlich. Dies führt bei jungen Frauen, die versuchen, diesen nachzueifern, zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Magersucht soll auch schon im Alten China verbreitet gewesen sein, zumindest bei den höfischen Frauen während der Tang-Dynastie (16).

Belege, Literatur

(1) Institut für Islamfragen 30.07.2012 ausarabischen Zeitung arabic.cnn.com www.islamweb.net/newlibrary  /display_book.php?flag=1&bk_no=55&ID=6778
(2) Focus-online, 09.03.2012, Autorin Lena Marg
(3) Walter Reichhold: Islamische Republik Mauretanien. Kurt Schröder, Bonn 1964, S. 59
(4) Simonetta Calderini, Delia Cortese, James L. A. Webb, Jr. (Hrsg.): Mauritania. World Bibliographical Series, Volume 141. Clio Press, Oxford u.a. 1992.
(5) Mauritania. The CIA World Factbook
(7) Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG IN MAURETANIEN
(11) http://planet-interview.de/interview-tine-wittler-13042012.html#4, Interview von Marie von Baumbach, 13.04.2012
(13) Wikipedia-Schönheitsideal, 23.12.2012, Eric Colman: Obesity in the Palaeolithic Era? The Venus of Willendorf. In: Endocrine Practice. Band 4, 1998, S. 58–59
(14) Wikipedia-Schönheitsideal, 23.12.2012, Fabienne Rousso: Die Schönheit und ihre Geschichte. In: Nathalie Chahine, Catherine Jazdzewski, Marie-Pierre Lannelongue: Schönheit. Eine Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Schirmer/Mosel, München 2000.
(15) Wikipedia-Schönheitsideal, 23.12.2012, Anne Hollander: Seeing Through Clothes. University of California Press, 1993, S. 97.
(16) Wikipedia-Schönheitsideal, 23.12.2012, Was ist was: Das Alte China.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2013 um 17:57 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 41.095-mal abgerufen (to Cache).