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Lichterschiffchenfahren in Schwabach

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Das Lichterschiffchenfahren ist ein Jahrzehnten im Rahmen des Schwabacher Weihnachtsmarktes am 2. Advent bei Einbruch der Dunkelheit stattfindet. Es ist eine besondere Form des Lichterfestes: Die Brauchteilnehmer, meist Eltern und Großeltern mit ihren Kindern, bringen selbst gebastelte Lichterschiffchen mit, welche dann von der THW Jugend in die Schwabach, der kleine Bach der Stadt, gesetzt und fahren gelassen werden. Der stimmungsvolle Brauch soll auf einen asiatischen Brauch zurückgehen, die Flussgeister zu besänftigen. Organisiert wird das Lichterschiffchenfahren vom Verkehrsverein Schwabach e.V.

Termin

Jedes Jahr am 2. Advent um 17:00 Uhr im Rahmen des Schwabacher Weihnachtsmarktes.

Termin

Dieser Brauch ist am 10.12.2017.

Empirische Dokumentation

Bei den Empirischen Erhebungen handelt es sich um das Lichterschiffchenfahren am 9. Dezember 2012 bei Schneeregen, zehn cm Schneeschicht um die minus zwei Grad.

Vorbereitung

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Während das Lichterschiffchenfahren in ca. 30 Minuten vonstattengeht, beginnt die Vorbereitung schon Wochen vorher. Die Kinder basteln mit ihren Eltern oder Großeltern die Schiffchen nach ihren eigenen Vorstellungen. In der Familie B. ist das Boot von der Großmutter vorgefertigt worden und nur noch die Verzierungen wurden zusammen mit dem Enkel angebracht. Natürlich hängt die Mitarbeit der Kinder vom Alter und von der zur Verfügung stehenden Zeit ab. Bemerkenswert war jedoch die Begeisterung, mit der der Enkelsohn sich der Verzierung hingab. Hinzuzufügen ist, dass auf Grund der erstmaligen Teilnahme noch keine konkrete Vorstellung zu verzeichnen war, aber durch die Erzählungen der Großmutter schon eine gewisse Neugierde und Vorfreude festzustellen war. Um dem Lichterschiffchenfahren noch mehr Bedeutung zu geben, wurde die Fertigstellung mit festlicher Musik, Kakao und Plätzchen zelebriert.
Als Materialien für den Bau der Schiffchen werden gerne Styropor, Holz, Pappe, buntes Transparentpapier, Holzspieße und Blechdosen verwendet. Es gibt keine offiziellen Vorgaben über die Fertigung der Schiffchen, so können die Konstrukteure nach Belieben ihre Schiffchen bauen.
Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und so findet man beim Lichterschiffchenfahren eine starke Variation an Größen, Formen und Ausprägungen vor. So kann man beispielsweise die einfachsten Konstruktionen mit einem Teelicht oder LEDs auf einer einfachen Styroporplatte über kleine Schiffsbauten mit mehreren Lichtquellen und detailreichen Accessoires, wie Schiffscrew und Reling, bis hin zu Riesenschiffen mit mehreren Decks, Schornsteinen und technischen Raffinessen wie Blinklichtern, Wasserspritzen, musikalischer Sound und Unterwasserbeleuchtung sehen.
Ein zu beobachtender Trend ist, dass in den letzten Jahren fast ausschließlich LED-Lämpchen als Beleuchtung der Schiffchen benutzt werden und nicht mehr, wie früher, wo meistens Kerzen auf den Schiffen angebracht waren. Zudem bilden oftmals kleine Figürchen eine zierende Schiffmannschaft. Immer wieder sieht man auch Fähnchen und Sterne, welche die Schiffe schmücken.
Zum ersten Mal wurde 2012 das Angebot gemacht, gemeinsam in einem Familienzentrum die Schiffchen zu bauen. Damit sollte ein Ansporn für die Teilnahme am Lichterschiffchenfahren geschaffen werden. Durch die Unterstützung des Verkehrsvereins und mit einem Unkostenbeitrag von fünf Euro konnte das Material und Personal zur Verfügung gestellt werden. Angesprochen werden sollten Kinder bis zehn Jahre mit ihren Eltern bzw. die Grundschulkinder auch alleine.

Chronologischer Ablauf

Am zweiten Advent trifft sich die THW Jugend schon eineinhalb Stunden bevor die Schiffchen eintreffen, um 15.30 Uhr, um notwendige Vorbereitungen zu treffen. Die zehnköpfige Gruppe hat zur Aufgabe, die Schwabach aussreichend befahrbar zu machen, das heißt, das Bachbett von Müll und zugewachsenen Stellen zu befreien und eine Auffangstation für die Schiffchen durch Sandsäcke zu bauen. Zudem werden Scheinwerfer an der Kappadoziabrücke angebracht, um hier das Herausfischen der Schiffchen zu erleichtern.
Während eine Hälfte am Ende der Strecke bleibt, bringen sich die restlichen Helfer der THW Jugend am Anfang der Strecke, der Brücke an der Wöhrwiese in Position, um erste Teilnehmer zu empfangen.
Durch jahrelange Erfahrung, werden die Brücken entlang der Strecke von der Polizei gesperrt, damit es zu keinen Behinderungen oder Gefährdungen durch den Stadtverkeht kommen kann.
Gegen 16.00 Uhr in der Dämmerung treffen die ersten Teilnehmer mit den ersten Schiffchen ein, die von der THW Jugend angenommen werden. Unter den Besuchern entstehen Gespräche über die Schiffe, über die Konstruktionsweise und Vorbereitung. Auch Sätze, wie „wir sind dieses Jahr schon zum dritten Mal mit dem selben Boot dabei“ fallen.
Entlang des Baches verteilen sich die Teilnehmer und neugierigen Zuschauer über die gesamte Strecke, um einen Platz mit guter Sicht auf die Schwabach zu erlangen.
Während sich immer mehr Schiffchen am Ufer der Schwabach bei der Brücke an der Wöhrwiese sammeln, treffen gegen 16.50 Uhr auch die Organisatoren, Vertreter des Verkehrsvereins Schwabach und eine Blaskapelle ein.
Um Punkt 17.00 Uhr gibt es über Mikrophon die Ansprache eines Vertreters des Verkehrsvereins, in der er die Besucher herzlich willkommen heißt und die Hintergründe und die Herkunft des Lichterschiffchenfahrens beleuchtet. Als Startsignal für die Fahrt der Schiffchen spielt die Blaskapelle, während die Helfer der THW Jugend die Boote zu Wasser lässt und gegebenenfalls die Kerzen anzünden. Die Besucher, die sich an der Brücke der Wöhrwiese versammelt haben, begleiten ihre Schiffchen in Richtung Sägbrücke . Zwischenzeitlich versuchen die Helfer eine reibungslose Fahrt zu ermöglichen, indem sie die am Ufer angedockten und verkeilten Schiffchen mit langen Stöcken befreien und ihnen so zur Weiterfahrt verhelfen. Während die THW Jugend gleich neben dem Ufer entlang läuft, sind für die Besucher die gepflasterten, erhöhten mit einer Mauer abgetrennten Wege entlang der Schwabach vorgesehen.
Zu beobachten sind auch die vielen Schaulustigen, die aus ihren Wohnungsfenstern neben dem Bächlein das Lichterschiffchenfahren verfolgen.Durch die inzwischen vollkommene Dunkelheit hat das Lichterschiffchenfahren eine besondere Bedeutung: Die Lichter auf der Schwabach berühren emotional und in der winterlichen Kälte kann man sie als Lichtblick in der Finsternis deuten. Die Besucher stehen dicht an dicht am Ufer und beobachten das Treiben. Man kann verschiedene Reaktionen beobachten, während manche aneinander geschmiegt zuschauen, sind andere ganz aufgeregt und versuchen ihr Schiff zu erspähen und möglichst zu begleiten. Es werden die unterschiedlichsten Schiffskonstruktionen bewundert. Das Publikum leidet mit den im Uferdickicht verfangenen Schiffchen, bis diese wieder befreit werden. Vor allem die Kinder fiebern mit ihren Booten mit. Fünfzehn Minuten später erreichen die ersten Schiffchen die Brücke an der Kappadozia und die Helfer der THW Jugend stehen bereit, um sie herauszufischen. Während drei der Helfer im Wasser stehen, nehmen andere die Schiffchen am Ufer an und stellen sie nebeneinander zum Abholen bereit.
Während in den Jahren vor 2012 die Boote länger brauchten, reichte 2012 für die 300 m lange Strecke eine knappe Viertelstunde aus, um die Sägbrücke zu erreichen. Grund hierfür war der schnelle Flusslauf, zustandegekommen durch die schmelzende Schneedecke und den Schneeregen.
Die Besuchermenge verlagert sich während des Brauchs vom Startpunkt, der Wöhrwiese hin zum Ziel, die Sägbrücke an der Kappadocia. Nachdem man sein Schiffchen wiederbekommen hat, darf man sich vor dem Krippenhaus eine Schokolade abholen. Der Fußweg beträgt dorthin circa vier Minuten über den Schwabacher Weihnachtsmarkt. Die Schokoladen werden von den Vertretern des Verkehrsvereins überreicht. Man kann deutlich die Freude bei den Kindern sehen, welche die Schokolade auch den Eltern stolz präsentieren. Sobald alle Schiffchen aus der Schwabach gefischt wurden, ca. gegen 17.30 Uhr, beginnt der Abbau der Auffangstation und der Scheinwerfer durch die THW Jugend. Mit der Ankunft der Schiffchen an der Kappadozia und dem Abholen der Schokolade, endet der Brauch.

Route

Das Lichterschiffchenfahren beginnt an der Brücke der Wöhrwiese und geht entlang der Schwabach bis hin zur Sägbrücke an der Kappadocia. Die Strecke beträgt circa 300 Meter. Neben dem Fluss gibt es erhöhte gepflasterte Gehwege für die Besucher. Je nach Geschwindigkeit des Flusses beträgt die reine Fahrzeit 15 bis 25 Minuten.

Akteure

An dem Lichterschiffchenfahren nehmen verschiedene Akteure teil. Getragen wird der Brauch vom Verkehrsverein Schwabach e.V. unter Mithilfe der THW Jugend Schwabach und einer Blaskapelle.

Die Besucher gliedern sich in zwei Gruppen, zum Einen die aktiven Teilnehmer, die mit einemselbstgebasteltem Schiff am Brauch teilnehmen, und die passiven Besucher, die sich den Brauch nur anschauen und die Schiffe bei ihrer Fahrt begleiten.

Vekehrsverein Schwabach e.V.

Der Verkehrsverein Schwabach e
Verkehrsverein.jpg
.V. unter Vorsitz von Hartmut Hetzelein organisiert jedes Jahr den Schwabacher Weihnachtsmarkt. Im Rahmen dessen findet das Lichterschiffchen am ersten Sonntag der zwei Weihnachtsmarktwochenenden statt.
Durch die jährliche Wiederholung des Brauches, ist der Ablauf klar und der Brauch ein Selbstläufer geworden.
Neben der Organisation, ist es die Aufgabe des Verkehrsvereins die Ansprache zu Beginn des Lichterschiffchenfahrens zu halten und am Ende vor dem Krippenhaus die Schokolade an die Bootsbauer zu verteilen.

Die THW Jugend Schwabach

Der THW Jugend, die seit Entstehung des Brauchs mithilft, kommt die Aufgabe zuteil für eine reibungslose Fahrt der Schiffchen zu sorgen. Zudem liegt es in ihrer Verantwortung, die Schiffchen an der Wöhrwiese ins Wasser z
Thw.jpg
u setzen und diese am Ende wieder aus dem Fluss zu fischen. Dazu stehen je drei von ihnen am Anfang und am Ende entsprechend ausgerüstet im Wasser.
Soweit noch nicht geschehen, werden die Kerzen zu Beginn auf den Schiffchen von den Helfern angezündet. Während der Fahrt begleiten sie die Schiffchen und bringen die im Uferdickicht verfangenen Schiffchen wieder zum Fahren.
Ebenfalls zuständig ist die THW Jugend für die Verteilung der Lichterschiffchen an der Sägbrücke und den Abbau der Auffangstation.
Ausgerüstet sind die 10 Helfer der THW Jugend mit ihrem Leiter Markus Steinsdörfer mit wasserdichten Gummistiefelhosen und THW Jacken und Hosen. Die Helfer sind ca. 11 bis 16 Jahre alt. Am Anfang und am Ende findet eine Interaktion mit den Zuschauern statt, die sich für die Arbeit der Helfer bedanken bzw. sich über deren Aufgaben und Arbeit informieren. (Vgl. Abb.5)

Blaskapelle Schwabach

Zur Einstimmung des Lichterschiffchenfahrens erklingt ein Stück der Blaskapelle, die somit das Startsignal für die Fahrt gibt.

Teilnehmer

Die Teilnehmerzahlen waren 2012 niedriger als in den Vorjahren aufgrund des Wetters. So kamen circa 700 Lichterschiffchenbegeisterte bei Minusgraden und kräftigen Schneeregen an die Schwabach. Es handelt sich insgesamt vor allem um Familien mit kleinen Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter, wobei das Geschlecht keine Rolle spielt. Jedoch trifft man vereinzelt auch auf Jugendliche, die seit Jahren am Lichterschiffchenfahren teilnehmen. Die Teilnehmer sind wetterbedingt warm und wasserfest gekleidet.

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Aktive Teilnehmer
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Die aktiven Teilnehmer, meist Familien oder Großeltern mit Kindern im Alter von zwei bis 12 Jahren, geben ihre selbstgebastelten Schiffchen vor 17.00 Uhr bei der THW Jugend an der Brücke an der Wöhrwiese ab und begleiten ihre Schiffchen auf deren Fahrt zur Sägbrücke.

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Passive Teilnehmer

Die passiven Teilnehmer beobachten das Geschehen und begleiten teilweise die Schiffe bis zur Sägbrücke an der Kappadocia. (Vgl. Abb.7)

Performanzraum

Das Lichterschiffchenfahre
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n findet im Stadtkern Schwabachs entlang dem gleichnamigen Flüsschen im Rahmen des Weihnachtsmarktes statt. Um den Effekt der Lichter zu verstärken, beginnt man bei Einbruch der Dunkelheit. Aufgrund der Wetterbedingungen konnte man 2012 die Schiffchen durch eine schneebedeckte Winterlandschaft fahren lassen.

Brauch- und Rollenverständnis

Für die Organisatoren des Lichterschiffchenfahrens ist es eine Schwabacher Tradition, die seit über 30 Jahren im Herzen Schwabachs stattfindet. So versammeln sich jedes Jahr begeisterte Schwabacher und nehmen aktiv oder passiv an der Veranstaltung teil. Durch die Wiederholung kommt es zu einer verstärkten Identifikation der Schwabacher mit ihrer Stadt und deren Traditionen. Zudem sollen die Lichter in der Dunkelheit die Teilnehmer emotional berühren und in weihnachtliche Stimmung versetzen. Weiterhin sehen die Veranstalter auch die soziale Komponente des Lichterschiffchenfahrens, der gemeinsamen Vorbereitung und Durchführung des Brauches von Kindern und ihren Eltern oder Großeltern. Wichtig zu erwähnen ist auch, dass nicht die überstädtische Bekanntheit, sondern das jährliche Zusammentreffen von faszinierten Schwabachern im Vordergrund steht.
Daher lässt sich auch die relativ kurz gehaltene Medienpräsenz erklären, in der lediglich auf das Lichterschiffchenfahren im Rahmen des Weihnachtsmarkts verwiesen wird und nur in einigen Zeilen in der lokalen Zeitung reflektiert wird.
Für die THW Jugend, die das Lichterschiffchenfahren schon seit Beginn an begleitet, gehört es zu deren jährlichen Aufgaben.
Für die Teilnehmer, die teilweise schon als Kind ihr Schiffchen haben fahren lassen und nun mit ihren Kindern da sind, steht das Erlebnis von Lichtern in der Dunkelheit im Vordergrund. Die Vorbereitung, als gemeinsame Aktion mit ihren Kindern ist ein weiterer wichtiger Anreiz. Trotz der Kälte und dem nicht immer angenehmem Winterwetter gehört es für viele Schwabacher zur Adventszeit dazu. So kann man sich auch den Austausch über die vergangenen Lichterschiffchenfahrten zwischen den Teilnehmern erklären.
Dem ursprünglichen Kontext mehr oder minder entrissen, steht nicht mehr der asiatische Hintergrund, Flussgeister zu beruhigen im Vordergrund, sondern das jährliche Zusammentreffen begeisterter Schwabacher Schiffskonstrukteure in der Vorweihnachtszeit.


Organisation der Brauchveranstaltung

Offizieller Veranstalter ist beim Lichterschiffchenfahren in Schwabach der Verkehrsverein Schwabach e.V., der im Rahmen des am zweiten und dritten Adventswochenende stattfindenden Weihnachtsmarktes den Brauch organisiert und durchführt. Durch die jährliche Wiederholung und dem starren Ablauf, gilt die Brauchveranstaltung als Selbstläufer, bei der alle Akteure schon ihre Rolle kennen. Der Verkehrsverein ist auch für die Finanzierung der Brauchveranstaltung zuständig, wobei die Akteure ehrenamtlich agieren und die Schokolad vom Verkehrsverein gesponsert wird. Im Weihnachtsmarktflyer wird das Lichterschiffchenfahren als „das besonders schöne Ereignis“ angepriesen. Es wird knapp erläutert, wo der Treffpunkt ist, wo die Schiffchen ankommen und es wird auf die Belohnung danach verwiesen. Des Weiteren wird vom Lichterschiffchenfahren als Höhepunkt für Kinder und Erwachsene gesprochen und den Helfern vom Technischem Hilfswerk vorab gedankt.1 Auch die lokale Tageszeitung weist knapp auf den Brauch hin.

Gewährspersonen

Hartmut Hetzelein, Vorsitzender des Verkehrsverein Schwabach e.V.
Markus Steinsdörfer, Verantwortlicher für THW Jugend Schwabach

Hintergrund-Infos

Entwicklungsgeschichte des konkreten Brauches


Das Lichterschiffchenfahren ist im Rahmen der Sanierung des Marktplatzes und dem Bau der Tiefgarage 1977 entstanden. Zur Einweihung am langen Wochenende vom Donnerstag, dem 24. November bis zum Sonntag, dem 27. November 1977 gab es in Schwabach viel Programm um den Marktplatz herum, und als besonderes Spektakel das Lichterschiffchenfahren auf der Schwabach.
In der Zeitung wurde im Programm zu dem Einweihungswochenende auf das Lichterschiffchenfahren hingewiesen: „Ca. 17.00 Uhr: Lichter-Schiffchen fahren auf der Schwabach. Startplatz Wöhrwiese. Die Schiffchen werden an der Sägbrücke an der Kappadocia aufgefangen durch freundliche Helfer des THW. Die Kinder erhalten beim Abholen der Schiffchen süße Überraschungen.“2
In einem Rückblick des Wochenendes wurde folgendermaßen über das Lichterschiffchenfahren berichtet: „Die Idee mit den Lichterschiffchen auf der Schwabach war eine ganz großartige Sache. Man konnte sie fast nicht zählen, diese Ideenreich gebastelten, kunstvoll illuminierten Schiffchen, die von Buben und Mädchen in die Schwabach gesetzt wurden. Der THW hatte alle Hände voll zu tun, um die kleinen Wassergefährte aus der „reißenden“ Schwabach zu bergen.“3
Wegen des guten Anklangs bei den Bürgern wird das Lichterschiffchen seither jedes Jahr am zweiten Adventssonntag durchgeführt. In den ersten Jahren gab es in der Zeitung immer wieder Hinweise auf das Lichterschiffchenfahren, illustriert von dessen Initiator Klaus Horst Wendisch. Wie Herr Hetzelein, Vorstand des Verkehrsvereins Schwabach im Gespräch über das Lichterschiffchenfahren berichtete, hatte Herr Wendisch den Brauch ins Leben gerufen. Herr Hetzelein betonte, dass der ursprüngliche Brauch aus dem Asiatischen Raum entspränge, um die Flussgeister zu beruhigen und in Schwabach mit persönlicher Note, annektiert wurde.

Entwicklungsgeschichte des allgemeinen Brauches

Als mögliches Brauchvorbild des Lichterschiffchenfahren könnte das Loy Krathong Fest in Thailand gelten.Loy Krathong als thailändisches Opferfest, bei dem kunstvolle, mit Kerzen erleuchtete Bananenschiffchen bei Vollmond fahren gelassen werden. Er wird in nahezu allen Regionen Thailands ausgeübt. Der Brauch findet ,so Yavaprapras, im elften oder zwölften Monat des Mondes statt, gegen Ende Oktober /Anfang November. Zeitlich kann man ihn einordnen in die Periode, in der die Flüsse geflutet sind und ihre Ufer übertreten, der neue Reis angepflanzt wurde und die Bauern auf die Ernte warten müssen. Diese Zeit des Wartens wird mit Opferfesten für die Gottheiten überbrückt. Die Schiffchen sind kunstvoll gefertigt, aus Bananenblättern oder Blättern der Lsblume. Bestückt sind die kleinen Schiffchen mit einer Kerze, Blumen, Räucherstäbchen und einer Handvoll Betelnüssen. So werden den Wassergeistern Opfergaben gebracht, um alle Sünden und möglichen Katastrophen wegzuschwemmen. Weiterhin fungiert Loy Krathong auch als Dankesfest für die Wassergöttin Phra Mae Khongkha. Vor allem in den ländlichen Regionen, in denen Wasser das ökonomische Leben bestimmt wird diese besonders verehrt. Es werden zudem auch Opfergaben für Vorfahren gemacht und es soll um Verzeihung für die Verschmutzung des Wassers gebeten werden.
Vorbereitend werden gemeinsam die Flüsse und Kanäle gereinigt um die Schiffchen in Anmut und Würde fahren zu lassen. In der Vollmondnacht versammelt man sich, bei Musik, Tanz und Paraden zum Loy Krathong, welches oftmals zusätzlich mit einem Feuerwerk zelebriert wird.
Für Familien ist das Fest ein gemeinsames Erlebnis um ihre Freude teilen zu können und in der Gemeinschaft die Solidarität und Zusammenarbeit, wie das Reinigen der Flüsse zu verstärken. Insgesamt soll das Fest auch das Umweltbewusstsein der Gesellschaft schärfen.4

Regionale und überregionale Unterschiede

Der Brauch des Lichterschiffchenfahren gibt es inzwischen in vielen Städten und Regionen. Auch über die Region und die Landesgrenze hinaus kann man das Phänomen des Brauches beobachten. Jedoch ist der Hintergrund, vor dem gefeiert wird, unterschiedlich. Während es oftmals ein rein dekorativer Brauch ist, soll er anderorts auf die Heilige Luzia, die Lichtbringerin, hinweisen. Zu beobachten ist, dass die verschiedenen Bräuche meist in derselben Jahreszeit stattfinden.
Exemplarisch soll im Weiteren einige Beispiel näher erläutert werden.
In der Region um Schwabach, findet sowohl in Rednitzhembach auf der Rednitz und Georgensgmünd auf der Rezat ein ähnliches Lichterschiffchenfahren im Dezember statt, wobei in Georgensgmünd die Veranstaltung durch das eigene „Gmünder Christkind“ eröffnet wurde.5

Das Lichterschwemmen oder auch Lucien-Häuschen-Schwimmen in Fürstenfeldbruck geht auf die Heilige St. Lucia zurück. Bis zur Gregorianischen Kalenderreform war ihr Festtag, der 13. Dezember gleichzeitig der Tag der Wintersonnenwende. Der „Lichtvollen“ wird ein Lichtopfer gebracht, indem die Kinder lassen von Kerzen beleuchtete Papierhäuschen auf den Fluss Amper fahren.6
Beim Lichterschwimmen in Wurmlingen am 19.März, dem St. Josefstag, werden die Schiffchen auf dem Faulenbach fahren gelassen als Symbol dafür, dass man jetzt kein elektrisches Licht mehr braucht. Aber auch das Ende des Winters soll damit gefeiert werden, da die Schiffchen das Eis und den Schnee wegfahren.7
In Zürich auf der Limmat fahren jährlich im Dezember circa 800 einheitlich gestaltete Schiffchen in die Dunkelheit. Der Brauch Lichterschwimmen hatte 2012 sein 50jähriges Jubiläum.8
Auch in weiteren Teilen der Schweiz wird der Brauch, hier Barchinas oder Lichterschiffchenfahren genannt, im Rahmen der Wintersonnenwende zum letzten Tag im Jahr, ausgeübt. Im Kanton Graubünden werden kleine Nussschalen oder Rindenschiffchen mit flüssigem Wachs gefüllt und mit Docht bestückt im Dorfbrunnen schwimmen gelassen.9

Forschungsstand

Zum Lichterschiffchenfahren in Schwabach gibt es keine wissenschaftlichen Quellen. Auch zum Loy Krathong Fest in Thailand ist relativ wenig Literatur vorhanden. So basiert die Ausführung über den Brauch auf einer Zusammenstellung des Kulturministerium Thailands. Zu den regionalen und überregionalen Unterschieden gibt es thematische Literatur, vor allem der Brauch des Lichterschwemmen in Fürstenfeldbruck ist gut erforscht.

Belege, Literatur

Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste, Freiburg im Breisgau 2000.
Moser, Dietz-Rüdiger : Lichterschwemmen am Luciatag. In: Ders.: Bräuche und Feste im christlichen Jahreslauf. Graz 1993, 80f.
Yavaprapras, Suttinee: Loy Krathong Festival, Bangkok 2004.

Fußnoten

1: Vgl.: Vekehrsverein Schwabach e.V., 2012

2: Vgl.: Schwabacher Tagblatt, Nummer 273, 24. 11.1977

3: Vgl.: Schwabacher Tagblatt, Nummer 277, 29.11.1977

4: Vgl.: Yavaprapras, 2004, S.10-24.

5: Schwarz, 2012.

6: Vgl.: Becker-Huberti, 2000, S.224f.

7: Vgl.: Liebermann, 2013.

8: Vgl.: Mediendienst Zürich Tourismus, 2012.

9: Vgl.: Graubünden Ferien, 2011.

Bibliographie:

Graubünden Ferien, Lichterschiffchen/Barchinas, Graubünden, 2011. http://www.graubuenden.ch/tradition-brauchtum-graubuenden/brauchtum/lichterschiffchen-barchinas.html (zuletzt geöffnet: 3.2.2013).
Liebermann, Rolf: Lichterschwimmen am Josefstag, Wurmlingen 2013.
http://www.wurmlingen.de/wDeutsch/gemeinde/kultur/brauchtum/03_lichterschwimmen.php?navanchor=1110053(zuletzt geöffnet: 3.2.2013).
Mediendienst Zürich Tourismus: Medienmitteilung 19. Dezember 2012, Zürich, 2012.
http://www.zuerich.com/de/medien/story-ideas/mediatexts/167538.html(zuletzt geöffnet: 3.2.2013).
Schwabacher Tagblatt, Nummer 273, 24.11.1977.
Schwabacher Tagblatt, Nummer 277, 29.11.1977.
Schwarz, Ben: 19. Gmünder Weihnachtsmarkt 2012: http://www.georgensgmuend.de/kultur-a-tourismus/feste-a-veranstaltungen/weihnachtsmarkt (zuletzt geöffnet: 3.2.2013)
Verkehrsverein Schwabach e.V.: Schwabacher Weihnachtsmark-Der stimmungsvolle Weihnachtsmarkt auf einem der schönsten Marktplätze Frankens, Schwabach, 2012.
Yavaprapras, Suttinee: Loy Krathong Festival, Bangkok 2004.

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Diese Seite wurde zuletzt am 12. Mai 2017 um 09:15 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 5.655-mal abgerufen (to Cache).