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Krieger- und Soldatenwallfahrt nach Maria im Elend (Baar/Schwaben)

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Die Krieger und Soldatenwallfahrt nach Maria im Elend findet traditionell jedes Jahr am letzten Maiwochenende statt. Hierzu versammeln sich oft mehr als 100 Vereine, die, nach einem Weißwurstfrühstück, unterstützt von 3 Kapellen, von der Mehrzweckhalle Baar/Schwaben zur Kapelle marschieren. Nachdem ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde, gehen alle auch wieder gemeinsam zurück. Kaffee und Kuchen werden Nachmittags in der Mehrzweckhalle angeboten.

Termin

Dieser Brauch ist vom 13.07.2017 bis zum 17.07.2017.

Krieger- und Soldatenwallfahrt nach Maria im Elend

Entstehung

Die erste Kriegerwallfahrt wurde vom Veteranen- und Kriegerverein Ober-Unterbaar, jetzt Kameraden- und Soldatenverein Baar, am 15. August 1958 unter dem Vorstand Michael Beutelrock, zum Dank für die gesunde und glückliche Heimkehr vom Kriege, ins Leben gerufen. Es wurden die Kriegervereine aus der näheren Umgebung eingeladen. Den Wallfahrtsgottesdienst feierte man an dem an der Südseite der Kapelle Maria im Elend angebrachten Altar im Freien. Trotz des bescheidenen Anfangs, war der Platz vor der Kapelle zu klein, auch eingeengt durch die Einzäunung zum Schutz des damaligen Jungwaldes, links von der Kapelle. Im darauffolgenden Jahr, war die Kriegerwallfahrt an einem Maisonntag. Die bereits bestehende Wallfahrt in Biberbach, fand jedoch am gleichen Tag statt. Man einigte sich mit diesem Verein, in Zukunft den Wallfahrtsgottesdienst in Maria im Elend am letzten Sonntag im Mai zu feiern. Ohne Unterbrechung findet seitdem die Kameraden- und Soldatenwallfahrt am letzten Sonntag im Mai statt. Um die von Jahr zu Jahr steigende Zahl der Pilger aufzunehmen, wird jedes Jahr an der Nordseite der Kapelle zum Wallfahrtsgottesdienst ein Altar aufgebaut. So ist genügend Platz für alle Gläubigen.



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Ablauf Wallfahrt 2013

Der Ablauf der 56. Krieger- und Soldatenwallfahrt in Baar ist der gleiche, wie seid vielen Jahren. Die Vereine und Kapellen treffen sich schon morgens zum Weißwurstfrühstück und gemeinsamem Beisammensein an der Mehrzweckhalle am Sportplatz. Auch Wallfahrer sind hier schon herzlich willkommen. Von jedem Teilnehmer wird dort ein Unkostenbeitrag von 1 € eingesammelt, um die Kosten für die Kapellen und sonstige Ausgaben zu decken. Vor Beginn der Wallfahrt stellen sich die Vereine, 2013 waren es 105, in 3 Zügen auf. Dafür werden jedem Teilnehmer Nummern zugeteilt, die auch auf der Straße gut sichtbar mit Farbe aufgemalt wurden, um eine reibungslose Aufstellung zu gewährleisten.
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Zu jedem Zug gehört eine Musikkapelle die voranmarschiert. Im ersten Zug marschieren auch die Gemeinderäte, der Bürgermeister Leonhard Kandler und der Ortspfarrer Werner Ehnle mit. Beim Laufen wird gesungen und gebetet. Da die zurückzulegende Strecke nur ca. 2 km beträgt dauert der Marsch nur ca. eine halbe Std. Jedoch ist der Zug meist so lang, dass das Ende des Zuges oft erst 10 min nach dem Eintreffen der Zugspitze die Kapelle erreicht. Die Fahnenträger der Vereine postieren sich nun links und rechts von dem eigens für die Wallfahrt aufgebauten Altar und bleiben dort auch den ganzen Gottesdienst lang stehen.
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Für die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes sorgt dieses Jahr, sowie auch schon einige Jahre zuvor, die Blaskapelle Baar. Die Festpredigt wird fast jedes Jahr von einem anderen Pfarrer gehalten. 2013 war dies der ehemalige Rainer Stadtpfarrer, Dekan im Ruhestand, Johann Menzinger. Trotz des schlechten Wetters und Regen, nahmen fast genauso viele Menschen an dem Gottesdienst teil, wie die Jahre zuvor. Anschließend marschierten die drei Züge wieder zum Ausgangspunkt zurück. Dort endet dann die Wallfahrt.

Wallfahrt 2012

Zur 55. Wallfahrt nach Maria im Elend, kamen ca. 90 Vereine und ca. 1500 Gläubige, die mit dem Dekan im Ruhestand Karl Kraus aus Westendorf und dem örtlichen Pfarrer Werner Ehnle diesen Gottesdient feiern wollten. In seiner Predigt dankte der Monsignore für die Treue, die die Gläubigen mit dieser Wallfahrt zum Ausdruck bringen und rief dazu auf, Maria, die Mutter Jesu, in die Mitte des Betens und Feierns zu stellen. In den Fürbitten wurde an die Soldaten aus unserem Land erinnert, die in verschiedenen Ländern eingesetzt werden, um für Frieden zu sorgen. Man gedachte auch der Gefallenen und bat um den Schutz des menschlichen Lebens, von der Zeugung bis zum Tod. Die Rede zum Totengedenken, deren Kernsatz die Frage ,,Wie grausam ist ein Krieg? war, wurde von Ottmar Krumpholz, dem Vorsitzenden des Kreisverbands aus Thierhaupten gehalten. Krumholz vergaß in seiner Rede auch nicht die 101 deutschen Soldaten, die seit 1993 in Auslandseinsätzen ihr Leben verloren haben.

Wallfahrt 2011

Zur 54. Wallfahrt nach Maria im Elend, gelang es dem Baarer Kameraden- und Soldatenverein, den Monsignore Thomas Gerstlacher aus Hirblingen als Prediger zu engagieren. Er berichtete in seiner Predigt von einem Erlebnis, das er mit seinem Vater in den Vogesen hatte. Sein Vater habe ihm die Stelle gezeigt, an der er im Krieg einen jungen Amerikaner erschossen hatte. Monsignore Gerstlacher ging nun darauf ein, welche Schäden der Krieg auch in den Seelen der Menschen angerichtet hat. Ca. 105 Vereine, unter ihnen zum ersten mal auch ein Verein aus Oberösterreich, nahmen dieses Jahr an der Wallfahrt teil, auch um der beiden Weltkriege sowie der Soldaten in Afghanistan zu gedenken. Die Rede zum Totengedenken hielt Peter Geiger, 1. Bezirksvorsitzender des Kreisverbandes Augsburg aus Gablingen. Er erinnerte an die 10 Millionen Toten des zweiten Weltkrieges und an die ,,gnadenlos große Zahl von Vermissten. Er wolle diesen Teil der Geschichte nicht vergessen oder verdrängen. Am Ende des Gottesdienstes wurde das Lied ,,Ich hatt einen Kameraden von den Musikkapellen Osterbuch, Ehingen und der Jugendblaskapelle Baar gespielt. Dieses Lied wurde von drei Böllerschüssen begleitet.

Wallfahrt 2010

Dieses Jahr startete der Zug der Wallfahrer bei schlechtem Wetter, mit 94 Vereinen zur 53. Kriegerwallfahrt zur Kapelle Maria im Elend. Dabei waren die Fahnen der Abordnungen mit Folien bedeckt, um sie vor dem ständigen Regen zu schützen, was dem großartigen Anblick aber fast keinen Abbruch tat. Zunächst wurden die Gäste und der Festprediger Regionaldekan Hubert Ratzinger vom 1. Vorsitzenden des Kameraden- und Soldatenvereins Josef Neff begrüßt. Die Schubertmesse wurde dann von der Musikkapelle aus Ehingen umrahmt. Ratzinger ging in seiner Predigt dann auf die Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Freiheit ein. In den anschließenden Fürbitten, war dann nicht nur vom Krieg die Rede, sondern auch von Terror und Gewalt. Die Totengedenksrede wurde vom Schwäbischen Bezirksvorsitzenden der Bayrischen Krieger- und Soldatenvereinigung Günther Lehnert gehalten, da diese Wallfahrt kombiniert war, mit der dritten Landeswallfahrt dieser Vereinigung. Deshalb nahmen diesmal auch Männer und Frauen aus dem gesamten Freistaat an dem Gottesdienst teil. Er dankte in seiner Rede für 65 Jahre Frieden und forderte auf, dass alle ihren Beitrag zur friedlichen Entwicklung in der Heimat leisten müssten. Auch ging er auf die 49 deutschen Soldaten ein, die in Afghanistan ums Leben gekommen waren. Zum Abschluss wechselten sich die Jugendblaskapelle Baar und der Spielmannszug Schrobenhausen, während des Spielens des Liedes vom ,,Alten Kameraden ,ab.

Wallfahrt 2009

Zur 52. Wallfahrt kündigten sich 90 Vereine und Organisationen mit ihren Fahnenabordnungen an. Diesmal war unter den Fußwallfahrern auch Landrat Christian Knauer. Begleitet wurde der Marsch vom Musikverein Ehingen und der Jugendblaskapelle Baar. Der Festgottesdienst wurde umrahmt von der Musikkapelle Osterbuch. Der Festprediger war, nach 2004 und 2007, schon zum dritten Mal Weihbischof Dr. Anton Losinger, der auch den Festgottesdient, zusammen mit dem örtlichen Pfarrer Werner Ehnle, zelebrierte. Er zählte in seiner Predigt drei Faktoren auf, die seiner Meinung nach für ein weiteres friedliches Leben unverzichtbar seien, nämlich Menschenwürde, Wertebildung und -erziehung, sowie politische Wachsamkeit. Die Gedenkrede, die immer im Anschluss an den Gottesdienst folgt, wurde 2009 von Peter Geiger, dem Vorsitzenden des KSV Kreisverbandes Augsburg gehalten. Den Schlusspunkt bildeten die Bayernhymne und das Deutschlandlied.

Wallfahrt 2008

Zum ersten Mal, wurde 2008, die Krieger und Soldatenwallfahrt nach Maria im Elend mit der Landeswallfahrt zusammengelegt. Dementsprechend kündigten sich 100 Vereine und Organisationen an, die zusammen mit zwei Kapellen aus Osterbuch, dem Musikverein Ehingen und dem Spielmannszug Schrobenhausen zur Kapelle marschierten. Der Festprediger, Prälat und Dompfarrer zu Augsburg Konrad Hölzl, stellte in seiner Predigt fest, dass ihm der Gnadenort schon bestens bekannt sei, da er als Kind regelmäßig mit seiner Mutter dorthin gekommen sei. Auch stand in seiner Predigt das Gebet um den Frieden, der in Deutschland nun schon so lange währt wie nie zuvor, im Vordergrund. Nach dem Gottesdienst bedankte sich der Landesvorsitzende Hans Schiener, beim Kameraden und Soldatenverein und beim Bezirksverband Schwaben, für die gelungene Organisation. Zudem bekannte er sich klar zur Erinnerung und zum Gedenken an die Toten und verurteilte das Verdrängen und Vergessen. Die Zukunft könne man nur gewinnen, wenn die Erinnerung wachgehalten werde. Nach dem Erklingen der Bayernhymne und dem Deutschlandlied, war der Festakt beendet und alle marschierten wieder zurück nach Baar.

Wallfahrt 1984

Über 5000 Gläubige kamen zur Waldkapelle Maria im Elend, um an einem vom Weihbischof Rudolf Schmid aus Augsburg zelebrierten Gottesdienst teilzunehmen. Es zogen 65 Vereine von Unterbaar aus zur Wallfahrtskapelle. Die Begrüßung der Gastvereine und der Besucher, übernahm Leonhard Lenk. Die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes übernahm die Musikkapelle Nordendorf. In seiner Festansprache ging Weihbischof Schmid auf den Sinn des Betens und des Wallfahrtens ein. Die Heldengedenkfeier zum Abschluss der Kriegerwallfahrt hielt Oberstleutnant der Reserve, Richard Wagner aus Schwabmünchen, der Vizepräsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge. In seiner Ansprache führte er aus, dass sich jedes Jahr im Mai, Tausende der Soldaten der beiden Weltkriege versammeln, um hinauszuziehen und um Gott zu danken. Den Abschluss bildete das Lied vom ,,Guten Kameraden. Während die Musikkapelle Nordendorf die erste Strophe und die Musikkapelle Osterbuch die zweite Strophe spielte, wurde die dritte Strophe von zwei Trompetern der Kapelle Osterbuch, von einem Hügel aus, geblasen.

Wallfahrt 1977 (20-jähriges Jubiläum)

1977 kamen rund 10.000 Gläubige zur Andacht nach Maria im Elend. In einem langen Zug, marschierten etwa 60 Vereine mit ihren Fahnenabordnungen und in Begleitung von 2 Musikkapellen, von Baar aus zu der Waldkapelle. Bürgermeister Leonhard Lenk erinnerte an das 20-jährige Jubiläum dieser Krieger- und Soldatenwallfahrt, die heute nicht mehr wegzudenken ist und zur größten des gesamten Umkreises zählt. Festprediger war in diesem Jahr der Geistliche Rat Robert Dörflinger aus Gersthofen, der sich in seiner Predigt enttäuscht über jene Kriegskameraden zeigte, die heute nichts mehr wissen wollen von dem Krieg, den sie selbst mitgemacht haben. Der Gewalt den Nährboden entziehen, sei etwas ganz Wichtiges, betonte der redegewandte Prediger immer wieder. Der Ehrenpräsident der Bayrischen Kameraden- und Soldatenvereine, Steinert aus Augsburg, stellte klar heraus, dass Kriege niemals gerecht waren und nie gerecht sein können. Mit dem Lied vom ,,Guten Kameraden endete die kirchliche Feier dieser Wallfahrt.

Gottesdienstablauf

Hier ein Beispiel für den Ablauf eines Wallfahrtsgottesdienstes im Maria im Elend:

Zuerst ziehen der Prediger und der Pfarrer ein, dabei wird ein kurzer Choral gesungen. Nach deren Einzug wird das ,,Gegrüßet seist Du, Königin gesungen. Es folgt die Begrüßung der Vereine und ihr Einzug, während dem auch gesungen wird. Danach kommt ein Gloria, ein Zwischengesang, ein Credo und die Gabenbereitung mit Sanktus und Agnus Dei. Die anschließende Kommunion wird von vielen Helfern ausgegeben, die, durch sie begleitende Ministranten mit Fahnen in der Menschenmenge, gut zu erkennen sind. Zum Ende des Gottesdienstes kommt noch ein Gebet, der Segen und die Heldenehrung, die von Kanonenschüssen begleitet wird. Nach dem Dank des Pfarrers und des 1. Vorstandes, nehmen alle Vereine wieder Aufstellung zum Rückmarsch.

Hintergrund-Infos

Entstehungsgeschichte des Baarer Kameraden- und Soldatenvereins

Grundlagen eines Kameraden- und Soldatenvereins

Es handelt sich bei diesem Verein um eine in der Rechtsform organisierte Vereinigung. Aufgaben eines solchen Vereins sind sowohl die Kriegsgräberfürsorge, als auch die Fürsorge für Kriegs-Hinterbliebene und Kriegsopfer. Sie pflegen auch die von ihnen errichteten Kriegerdenkmäler und Gedenkstätten. Diese Vereine werden gegründet, um sich für die Versöhnung der Völker und die Bewahrung des Friedens einzusetzen, und um die Kameradschaft zwischen ehemaligen Soldaten, Kriegsteilnehmern und Angehörigen zu fördern und zu erhalten. Auch kümmern sie sich um die Erhaltung des Brauchtums und sie versuchen, das Andenken an die gefallenen und vermissten Soldaten aufrechtzuerhalten. Dazu hat jeder Verein Vereinsfahnen, mit denen die Mitglieder mit Fahnenabordnungen an Beerdigungen von Vereinskameraden, an kirchlichen Festen, an Vereidigungen von Rekruten der Bundeswehr oder an örtlichen Gemeindeveranstaltungen teilnehmen.

Gründung des Baarer Kameraden- und Soldatenvereins

1925 wurden die damaligen Ortsteile Oberbaar und Unterbaar zu einer Pfarrei zusammengeschlossen. Danach fiel die Entscheidung, einen eigenen Veteranen und Kriegerverein Ober- und Unterbaar zu gründen, da sich vorher nämlich schon viele Unterbaarer dem nahegelegenen Veteranen und Kriegerverein Holzheim angeschlossen hatten. Ein genaues Gründungsdatum ist nicht dokumentiert, aber man weiß, dass der damalige Bürgermeister von Oberbaar, Herr Andreas Beutelrock, als erster Vorstand fungierte. Schon 2 Jahre nach der Gründung kaufte sich der Verein eine eigene Fahne , die am 26.Juni 1927 von Pfarrer Balle geweiht wurde. Da im zweiten Weltkrieg alle Kriegervereine verboten wurden, musste sich der Verein zunächst auflösen, wurde aber im April 1953 von 31 Kameraden wiedergegründet. Die alte Fahne war noch vorhanden und zudem wurden zwei Trauerbänder angeschafft. 1992 wurde der Verein umbenannt in Krieger- und Soldatenverein Baar. e.V..

Entstehungsgeschichte der Wallfahrtskapelle Maria im Elend

Die Geschichte der Wallfahrtskapelle gliedert sich in drei Abschnitte:

1704 verlor Nikolaus Kigele aus Holzheim drei Kühe aus der Herde des Schloßgutes Unterbaar. Der Verlust war umso schmerzlicher, da der Spanische Erbfolgekrieg die Lebensmittel knapp werden ließ. Acht Tage suchte Kigele vergeblich. In seiner Bedrängnis, nahm er Zuflucht im Gebet und versprach, ein geschnitztes Marienbild im Wald aufzustellen, falls er die Kühe wiederfinden sollte. Tags darauf fand er seine Kühe auf einer Waldwiese beieinander stehen. Zum Dank erfüllte er sein Gelübde und ließ beim Bildhauer Michael Nieß in Bayerdilling eine Madonna schnitzen. Er stellte sie in eine Holzkapelle, die er am Fundort der Kühe errichtet hatte. Jeden Tag betete er dort den Rosenkranz. Als Nikolaus Kigele fortzog, zerfiel die Kapelle. Der Unterbaarer Zimmermann Matthias Kuen fertigte für die Madonna ein Holzkästchen und befestigte es an einem Baum. Dort hing es viele Jahre und wurde kaum noch beachtet. Marias Bild kam in Vergessenheit, kam ,, ins Elend.

1742 kam Marias Bildnis wieder zu Ehren. Friedrich Obersteiner, Benefiziat in Unterbaar, betrachtete das Bild immer wieder. Er fand Zuneigung zu dieser ,,armen Gnadenmutter. So reifte in ihm der Entschluss, eine neue Kapelle zu errichten, soweit sein Vermögen dies zuließ. Mit der Erlaubnis des Gutsherrn Josef Friedrich Schenk, Freiherr von Castell, wurde am 20. August mit dem Kapellenbau begonnen. Am 21. Oktober 1742, wurde das Marianische Gnadenbild unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingesetzt. Weil die Marienstatue 38 Jahre verächtlich und elend im Wald stand, nannte der Volksmund die Wallfahrtskapelle nun ,,Maria im Elend. Die Wallfahrt erfreute sich schon bald großer Beliebtheit. Pilger kamen bis aus dem Schwäbischen und Pfarrwallfahrten setzten ein. Wunder wurden berichtet: So soll die Mutter des Benefiziaten, Ursula Obersteiner , nach vertrauensvollem Gebet von Krebs im Gesicht geheilt worden sein. Obersteiner versuchte auch, die Wallfahrt zu vertiefen und verfasste ,,Gebetlein. Nach Unstimmigkeiten mit der Schlossherrschaft, verließ Obersteiner 1753 Unterbaar und zog nach Schongau. Obwohl das Kirchlein 1771 vergrößert wurde, kam Maria wieder ,, ins Elend. Nach 150 Jahren musste die zweite Kapelle 1958 wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

1957/58 schenkte die Stadt Augsburg der Gemeinde in der Nähe der alten Kapelle einen schönen Bauplatz für den Neubau. Pfarrer Karl Schwab, Oberbaar, legte am 15. August 1957 den Grundstein für die dritte Kapelle. Am 20. November 1958 wurde sie von Bischof Dr. Josef Kumpfmüller aus Augsburg geweiht. Zu den viele Tausenden von Wallfahrern sagte er in seiner Ansprache: ,, Wie ein Betschemel, den die Menschen brauchen und zu dem die Menschen in ihrer Hilflosigkeit kommen, steht diese Kapelle im Walde [...] Unsere Wege führen uns zur Gottesmutter, weil wir eine Führerin zu Christus brauchen, weil Maria unser großes Ideal ist, weil wir ein großes Ideal brauchen, weil Maria unsere Helferin und Mutter ist.

Mittelpunkt der Kapelle ist der Altar, über dem die Gottesmutter mit dem Jesuskind in einem Strahlenkranz auf die Wallfahrer herniederschaut. Es ist ein Werk des Bildhauers Engelbert Hein aus Altmühldorf. Auf der Orgelbrüstung ist die Geschichte der Entstehung zu lesen. Die Kapelle zeichnet sich durch ihre Schlichtheit aus. Votivgaben und aufgesteckte Kerzen, weisen auf die zahlreichen Besucher hin. Die Lage am Waldrand, lädt zur Ruhe, Entspannung und Erholung ein. Titelfest ist der 21. November, der Gedenktag Unserer Lieben Frau von Jerusalem. Hauptwallfahrtstage sind der 1.Mai und der letzte Sonntag im Mai mit der Kriegerwallfahrt (seit 1958). Gerne werden auch die Maiandachten von der ganzen Umgebung angenommen.

300-Jähriges Jubiläum der Kapelle Maria im Elend

2004 feierte die Kapelle ihr 300-jähriges Bestehen. Dies wurde mit einem Gottesdienst gefeiert, den der örtliche Pfarrer Werner Ehnle und der Geistliche Rat Josef Wöppel aus Holzheim gemeinsam zelebrierten. Musikalisch wurde die heilige Messe vom Liederkranz, der Jugendblaskapelle und den Alphornbläsern aus Baar umrahmt. Im Rahmen einer Sternwallfahrt, pilgerten viele Gläubige aus Thierhaupten, Neukirchen und Baar, zu der im Wald gelegenen Gnadenkapelle, die von vielen fleißigen Helfern und dem Obst- und Gartenverein Baar festlich geschmückt worden war. Während der Gottesdienst im freien stattfand, erfolgte die Kommunionsausgabe in der Kapelle. Dort war eine der ersten Muttergottes-Statuen aus dem Jahre 1757, eine Leihgabe für diesen Jubiläumstag, ausgestellt. Pfarrer Werner Ehnle ging in seiner Predigt auf die traditionsreiche Geschichte der Kapelle ein. Der christliche Ort, dessen Ursprung in der Zeit der großen Not im Spanischen Erbfolgekrieg ins Jahr 1704 zurückreicht, so Ehnle, sei auch heute noch ein Ort des Gebetes und des Dankes.

Siehe auch

Soldatenwallfahrt_Maria_Steinbach

Andechser_Wallfahrt

Die_Altöttinger_Wallfahrt

Wallfahrten

Weblinks

http://www.ksv-baar.de/?path=start

Belege, Literatur

Balle, Joseph; Heider, Josef: Königsgut Barre und Hofmark Baar. Neuburg an der Donau 1961

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