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Konfirmation

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Die Konfirmation stellt einen wichtigen Übergangsbrauch im Leben junger Christen, die der Evangelischen Kirche angehören, dar, da sie durch die Konfirmation zu vollwertigen Gemeindemitgliedern werden. Sie wird oft als zweiter Teil der Taufe bezeichnet und markiert den Übergang vom Kind zum Erwachsenen im evangelischen Glauben.

Ablauf

Allgemein

Der Brauch der Konfirmation umschließt einen Zeitraum von normalerweise fast einem ganzen Jahr, allerdings hängt die genaue Dauer von der jeweiligen Gemeinde ab. Er beginnt eigentlich schon mit der Anmeldung zum Konfirmandenunterricht, aber dann doch erst richtig mit der ersten Stunde des Unterrichts und endet am Tag der Konfirmation mit einem Festgottesdienst und der anschließenden Feier im Familienkreis. Die Konfirmanden sind zum Zeitpunkt ihrer Konfirmation traditionellerweise 14 Jahre alt.

Während der knapp zwölf Monate, die zum Tag der Konfirmation hinführen, lernen die Jugendlichen im Konfirmandenunterricht wichtige Grundlagen des evangelischen Glauben und werden so auf ihren großen Tag und das Leben als vollwertiger Christ in ihrer Gemeinde vorbereitet. Außerdem müssen die Jugendlichen während der gesamten Konfirmandenzeit natürlich auch regelmäßig an Gottesdiensten teilnehmen und eventuell andere Aufgaben übernehmen. Bis zum Ende der Konfirmandenzeit müssen die Konfirmanden zudem das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis sowie eventuell den 23. Psalm und andere wichtige Textpassagen des evangelischen Glaubens auswendig gelernt haben.

Zum Abschluss der Konfirmandenzeit werden die Jugendlichen dann im Laufe eines Festgottesdienstes als vollwertige Mitglieder der Evangelischen Kirche eingesegnet und dürfen erstmals offiziell an der Abendmahlsfeier teilnehmen. Im Anschluss an den Gottesdienst findet noch eine private Feier im Rahmen der Familie und mit Freunden des Konfirmanden statt. Der Termin des Konfirmationsgottesdienstes und der Feier ist für gewöhnlich entweder am Sonntag vor oder nach Ostern (Palmsonntag oder weißer Sonntag) oder aber am Sonntag nach Pfingsten (Trinitatis).

Konfirmandenunterricht

Der Konfirmandenunterricht der zur Vorbereitung auf die Konfirmation dient, findet wie schon erwähnt in den zwölf Monaten vor dem Festgottesdienst statt und wird von der jeweiligen Gemeinde organisiert. In den verschiedenen Unterrichtseinheiten, die meistens wöchentlich immer zum selben Termin abgehalten werden, erfahren die Jugendlichen mehr über den christlichen Glauben und haben die Möglichkeit sich selbst Gedanken über ihren eigenen Glauben zu machen und zu diskutieren. Der Unterricht wird dabei vom Gemeindepfarrer in Zusammenarbeit mit haupt- und/oder ehrenamtlichen Mitarbeitern geleitet.

Unterrichtsthemen

Im Konfirmandenunterricht werden die Jugendlichen auf ihre Konfirmation vorbereitet. Das heißt sie lernen über den christlichen Glauben und darüber was es heißt, ein erwachsenes Gemeindemitglied in der Evangelischen Kirche zu sein.

Die Themen werden den Jugendlichen theoretisch und praktisch näher gebracht. Für den theoretischen Teil, der oft auch praktische Elemente beinhaltet, werden häufig Arbeitsblätter, die Bibel, Gesangbücher oder ähnliches zur Hilfe genommen. Im praktischen Teil werden die Konfirmanden dann durch häufig kreative Gruppenaufträge und Diskussionen aktiviert und dazu aufgefordert, über das vorher Erlernte nachzudenken und sich mit den anderen Konfirmanden auszutauschen. Die praktischen Einheiten sind sehr wichtig, da die Konfirmanden durch sie besser verstehen und lernen können, was Christ-Sein heißt und wie es sich sowohl im Leben in der Gemeinde, als auch im Alltag für einen selbst auswirken kann oder sollte.

Wie sich der Unterricht im speziellen aufgliedert, hängt von der jeweiligen Gemeinde ab. Generell kann man aber sagen, dass die folgenden Themenbereiche immer behandelt werden, auch wenn sie sich vielleicht nicht immer genau so als Themenüberschriften im Unterrichtsmaterial wiederfinden lassen.

Abendmahl: Das Abendmahl ist ein zentrales Element des christlichen Gottesdienstes und hat für Konfirmanden eine besondere Bedeutung, da sie während oder sogar erst am Ende ihrer Konfirmandenzeit erstmals daran teilnehmen dürfen. Es ist wichtig, sich über die Bedeutung des Brotes, des Weines und des gesamten Ablaufs klar zu sein, um überhaupt nachvollziehen zu können, was passiert. (Anmerkung: Die Regelung ab wann jemand am Abendmahl teilnehmen darf hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr gelockert. Deswegen kommt es auf die jeweilige Gemeinde an, ab welchem Alter man zum Abendmahl zugelassen wird.)

Bibel: Da die Bibel das Buch des Christentums ist, ist sie als Themenbereich des Konfirmandenunterrichts unumgänglich. Die Konfirmanden lernen im Zusammenhang mit diesem Thema die Namen der einzelnen Bücher des Alten und des Neuen Testaments und welche Bedeutung diese für den christlichen Glauben haben.

Gebet: Hier geht es darum, wann und warum Menschen beten und was Beten überhaupt ist. Außerdem können unterschiedliche Arten zu beten und diverse Gebete, die im Christentum verbreitet sind, angesprochen werden. In diesem Zusammenhang wird gewöhnlich auch auf das Vaterunser eingegangen.


Gemeinschaft: In diesem Themenbereich geht es darum, den Jugendlichen zu zeigen, was es bedeutet, Teil einer Gemeinde zu sein. Dabei kann über Aufgaben in der Gemeinde und Möglichkeiten sich einzubringen gesprochen werden. Allerdings sollte der Schwerpunkt darauf gelegt werden, den Jugendlichen zu zeigen, wie viel Spaß und Freude es macht, Teil einer großen Gemeinschaft zu sein. Der Gottesdienst als gemeinsame Feier des christlichen Glaubens in einer Gemeinde und das Glaubensbekenntnis, durch das der Glaube an die Dreifaltigkeit Gottes, die alle Christen vereint, bekannt wird, kann auch innerhalb dieser Kategorie behandelt werden.

Gott: Jugendliche haben es oft schwer, sich unter dem Namen Gott etwas vorzustellen, geschweige denn einfach so an Gott zu glauben. Deshalb geht es bei diesem Themenbereich darum, den Konfirmanden in unterschiedlichster Art und Weise zu zeigen und erkennbar zu machen, wer oder was Gott ist und wie sehr der Glaube an Gott im menschlichen Leben verankert ist.

Jesus: Innerhalb dieses Themenbereichs geht es natürlich um alles, was mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes zu tun hat – sein Leben, sein Schaffen und was Beides für Christen für eine Bedeutung hat. Im Unterricht werden die Lebensabschnitte Jesus wiederholt und einzelne Ereignisse vertieft, um das Wissen der Konfirmanden zu erweitern.

Taufe (und Konfirmation): Da die Konfirmation, wie schon erwähnt, häufig als zweiter Teil der Taufe angesehen wird und vor einiger Zeit die Erwachsenentaufe in gewisser Hinsicht ablöste, darf die Taufe als Themenbereich im Konfirmandenunterricht nicht fehlen. Die Konfirmation kann hier auch als Thema miteingebracht werden.

Festgottesdienst

Die Gemeinde und die Familien und Freunde der Konfirmanden finden sich bereits bevor die Konfirmanden die Kirche betreten und der Gottesdienst offiziell beginnt in der Kirche ein und setzen sich. Der festliche Konfirmationsgottesdienst selbst ist dann allgemein wie folgt aufgebaut:

Zum Einzug der Konfirmanden wird zunächst Musik gespielt. Wenn die Konfirmanden dann ihre Plätze, normalerweise alle zusammen in den vordersten Reihen der Kirche, eingenommen haben, folgt die Begrüßung und das Eingangswort, gesprochen vom Pfarrer der Gemeinde. Im Anschluss daran wird ein Psalm oder ein Lied gesungen, gefolgt vom Eingangsgebet und der Schriftlesung. Danach wird wieder ein Lied gesungen, an das sich die Predigt anschließt, welche wiederum auch von einem Lied gefolgt wird.

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Dann findet erst die eigentliche Konfirmation statt, die sich für gewöhnlich aus einer Anrede, dem Glaubensbekenntnis, eventuell der Taufe, den Konfirmationsfragen in Form eines Gebetes und dem Zuspruch des Segens zusammensetzt. Im Zusammenhang mit dem Segen, den jeder Konfirmand einzeln erhält, bekommen die Jugendlichen gewöhnlicherweise auch ihre Konfirmationsurkunden und eventuell ein kleines Geschenk, zum Beispiel ein Kreuz oder dergleichen, von der Gemeinde durch den Pfarrer oder einen der Mitarbeiter überreicht. Der Pfarrer kann vor der Urkundenübergabe auch den jeweiligen Konfirmationsspruch vorlesen, den sich der Konfirmand im Laufe der Vorbereitung entweder selbst ausgesucht oder den er oder sie vom Pfarrer sozusagen zugeteilt bekommen hat.

Darauf folgt ein Psalm oder Lied, ein kurzes Wort des Gemeinderates und das Abendmahl, falls es nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt gefeiert wurde. Zum Schluss werden noch die Abkündigungen vorgetragen, das Dankgebet und die Fürbitten gesprochen, das Vaterunser gebetet, ein Schlusslied gesungen und die gesamte Gemeinde gesegnet. Zum Auszug der Konfirmanden wird wieder Musik gespielt und am Ausgang wird für einen guten Zweck gesammelt, den sich die Konfirmanden normalerweise während der Vorbereitungen auf den Gottesdienst ausgesucht haben. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 502-503)

Der Gottesdienst kann je nach Gemeinde leicht abgewandelt gestaltet werden.

Tag der Konfirmation als Familienfest

Nicht nur die Konfirmanden, sondern auch ihre Familien müssen oft viel für diesen besonderen Tag vorbereiten, da die Konfirmation für gewöhnlich als Fest gefeiert wird an dem die ganze Familie, Freunde und auch entferntere Verwandte und Bekannte teilnehmen. Die Konfirmanden, die es als Hauptpersonen an diesem Tag zu feiern gilt, müssen Einladungen an ihre Gäste verschicken und sich, normalerweise zusammen mit ihren Eltern, genau überlegen, wie und wo die Feier nach dem Gottesdienst stattfinden soll.

Zum Gottesdienst selbst werden die Konfirmanden meistens nur von ihren Familien und engen Freunden (des Konfirmanden, aber auch der Familie) begleitet. Die restlichen Gäste finden sich erst danach beim Konfirmanden zuhause, in einem Restaurant oder dergleichen zum Mittagessen ein. Hier ist nun auch alles sehr festlich hergerichtet. Die Konfirmanden haben sich schon Wochen vorher mit ihren Eltern um Tischdekoration und eventuell Platz- und Menükarten gekümmert, ein Tischgebet ausgesucht und sich ein Programm für die Feier überlegt. Die Eltern besorgen zudem gern ein Gästebuch, welches bei der Feier auslegt und im Nachhinein noch mit Fotos erweitert werden kann und so als Erinnerung an diesen besonderen Tag für den Konfirmanden dient.

Vor dem Essen gibt es häufig eine Begrüßungsrede vom Konfirmanden selbst und eventuell auch von den Eltern. Weitere Reden, vor allem von den Taufpaten und anderen Verwandten, kommen dann eher nach dem Essen. Im Anschluss an das Essen kann auch eine Zusammenstellung von Fotos und Videos aus der Kindheit des Konfirmanden gezeigt werden und je nach Belieben, können außerdem verschiedene musikalische, theatralische oder andere Darbietungen hier Eingang finden. Zum Schluss bedankt sich der Konfirmand nochmal mit einer kleinen Rede bei all seinen Gästen für die Geschenke und dafür, dass sie diesen Tag mit ihm/ihr verbracht haben. Zudem kann zur Verabschiedung noch ein Gebet oder ein Psalm gesprochen werden, mit dem dann alle auf ihren Nachhauseweg geschickt werden. (nach Gruber-Dürr, Häcker, Kraft und Ruhl)

Varianten

Konfirmandenfreizeit

In manchen Gemeinden gestaltet sich die Zeit des Konfirmandenunterrichts etwas anders. Das heißt es findet nicht ein Jahr lang wöchentlich Unterricht statt, sondern es können auch Konfirmandenfreizeiten angeboten werden. Während dieser Freizeiten, die meistens zwischen sieben und vierzehn Tagen dauern, werden den Jugendlichen alle thematischen Grundlagen vermittelt und es wird viel Wert auf das Gemeinschaftserlebnis gelegt. Daheim geht es allerdings nach der Konfirmandenfreizeit mit dem Unterricht trotzdem weiter, wobei der Unterschied dann in der Häufigkeit liegt. Anstatt jede Woche zum Unterricht kommen zu müssen, treffen sich die Konfirmanden nur noch ungefähr einmal im Monat.

Ein Beispiel für diese Freizeiten ist das KonfiCamp in Italien, das die Evangelische Jugend Augsburg in den Sommerferien organisiert und an dem verschiedene Gemeinden aus Augsburg Stadt und Land gemeinsam teilnehmen. Schon seit 1998 verbringen hierfür junge Christen, die sich alle auf ihre Konfirmation vorbereiten, elf Tage ihrer Sommerferien zusammen auf einem Campingplatz in Italien. Zunächst wurde das KonfiCamp auf einem Campingplatz in Lignano durchgeführt, aber seit 2003 werden die Freizeiten in Grado abgehalten. Da die Idee sehr schnell bei vielen Gemeinden in und um Augsburg Anklang fand, wurde aus dem KonfiCamp in kurzer Zeit ein Großprojekt, an dem neben Pfarrern und Pfarrerinnen jedes Jahr über 100 ehrenamtliche Mitarbeiter beteiligt sind. So werden mittlerweile drei Freizeiten hintereinander durchgeführt, an denen insgesamt über 20 Gemeinden beteiligt sind.

Wie schon erwähnt, steht auch hier das Gemeinschaftserlebnis des Christ-Seins im Mittelpunkt und so können die Konfirmanden christlichen Glauben nicht nur lernen, sondern vor allem erleben. Der Unterricht findet dabei immer innerhalb der einzelnen Gemeinden statt - jede Gemeinde hat Gruppenzelte für die Jugendlichen, einen Bereich für die Mitarbeiter und ein großes Gemeindezelt sowie einen großen freien Platz umringt von allen anderen Zelten für Gemeinschaftsaktivitäten. Das heißt aber nicht, dass man für den Unterricht immer auf dem Campingplatz bleibt. Je nach Thema bietet sich der Strand manchmal bestens für die praktischen Einheiten an.

Aber natürlich bekommen die Jugendlichen mehr als nur Unterricht geboten und sie haben auch die Möglichkeit, die Konfirmanden der anderen Gemeinden kennenzulernen. So sieht man die anderen Gemeinden zum Beispiel nachmittags am Strand oder hat vor der gemeinsamen Abendandacht im umfunktionierten Zirkuszelt die Gelegenheit, die anderen Jugendlichen zu treffen. Dort bekommen die Konfirmanden (und die Mitarbeiter auch) jeden Abend ein kunterbunt gestaltetes Abendprogramm (mit Band, Showmaster und allem was dazu gehört) präsentiert.

Abendmahlsfeier

Die Abendmahlsfeier findet nicht immer unbedingt im Konfirmationsgottesdienst statt. Wie und wann die Konfirmanden zum ersten Mal am Abendmahl teilnehmen dürfen, hängt von der jeweiligen Gemeinde ab und hat häufig mit der Zahl der Konfirmanden eines Jahrgangs zu tun. Da sich der Festgottesdienst bei einer Gemeinde mit vielen Konfirmanden durch eine integrierte Abendmahlsfeier sehr in die Länge ziehen würde, findet sie deshalb als Teil eines eigenen kleineren Gottesdienstes statt. Dieser kann für den Samstagabend vor der eigentlichen Konfirmation geplant werden, aber auch schon eine Woche zuvor abgehalten werden.

In manchen Gemeinden findet das erste Abendmahl der Konfirmanden allerdings auch schon wesentlich früher statt. So ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich, einen Abendmahlsgottesdienst oder ein spezielles Abendmahl während eines normalen Sonntagsgottesdienstes zu veranstalten, nachdem die Konfirmanden ihre Unterrichtseinheiten zum Thema Abendmahl abgeschlossen haben.

Gewährsperson

Susanne Steinacher, geboren 1986, wurde mit 14 Jahren in der Evangelischen Christuskirche in Schwabmünchen konfirmiert und half anschließend drei Jahre lang ehrenamtlich in ihrer Heimatgemeinde bei der Konfirmandenarbeit. Dies umfasste Vorbereitung und Durchführung des Konfirmandenunterrichts sowohl in den Räumen der Gemeinde in Schwabmünchen, als auch auf Konfirmandenfreizeiten (KonfiCamp in Italien).

Hintergrund-Infos

Geschichte

Frühes Christentum bis Mittelalter

Als eine Art Urform der Konfirmation kann die Erwachsenentaufe angesehen werden. Die Taufe im Erwachsenenalter war im frühen Christentum Gang und Gebe. Zur Vorbereitung auf diesen großen Schritt mussten teilweise mehrere Jahre Taufunterricht absolviert werden. Während dieser Vorbereitungszeit wurden dem Täufling christliche Glaubensinhalte und Grundwerte nahegebracht. So wurde sichergestellt, dass zukünftige Gemeindemitglieder wussten, wozu sie sich durch ihre Taufe bekennen und was es überhaupt bedeutet, Christ zu sein.

Bereits ab dem 4. Jahrhundert nach Christus begann sich das Taufalter mehr und mehr in die Kindheit zu verschieben. Aus Salbungen, die sowohl vor als auch nach der Taufe stattfinden konnten, entwickelte sich bis zum 5. Jahrhundert die Praxis der Firmung, welche nur von Bischöfen durchgeführt werden durfte. Bei dieser Salbung zur Firmung ging es darum, bereits getauften Christen den Heiligen Geist zu übermitteln. Dass diese Handlung den Bischöfen vorbehalten war, liegt darin begründet, dass mit der Ausbreitung des Christentums auf ländliche Gegenden auch die Gemeindeältesten dazu befähigt waren zu taufen und darum eine Besiegelung der Taufe durch den Bischof als angebracht angesehen wurde.

Bei der Entwicklung und der Bedeutung von Firmung und Firmriten gibt es je nach Region Unterschiede und erst im 13. Jahrhundert wird die Gestalt der Firmung im Wesentlichen im Pontifikale des Bischofs Durandus von Mende festgeschrieben. Bis dahin war das Firmalter auch vom Säuglings- bzw. Kleinkindsalter auf mindestens sieben Jahren angehoben worden und es hatten sich bestimmte Riten, Gebete und Formeln herausdifferenziert. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 481-484)

Martin Luther

Martin Luther lehnte die Firmung dann, zwar nicht als solche, sondern als bischöfliches Sakrament ab. Anstelle der Firmung setzte er deshalb eine Art Glaubensprüfung. Ob es dabei ursprünglich um die Prüfung des eigenen Glaubens oder das Abprüfen von Glaubensinhalten gehen sollte, ist fraglich. Da es sich bei der Glaubensprüfung allerdings um eine Katechismusprüfung handelte, wurde die Konfirmation oft als rein katechetisch angesehen, was sich im Laufe der Jahrhunderte bis heute sehr veränderte.

Die entscheidende Veränderung, die Luther mit seiner Katechismusprüfung voranbrachte, liegt in der damit verbundenen Zulassung zum Abendmahl. Erst nach bestandener Prüfung durften die Konfirmanden am Abendmahl teilnehmen. So wurde sichergestellt, dass nur diejenigen, die über wichtige Inhalte des christlichen Glaubens informiert waren, Leib und Blut Christi in Empfang nahmen.

Bei seiner Katechismusprüfung hatte Luther eigentlich eine jährliche Prüfung im Sinn, ähnlich wie es damals auch schon für die Beichte durch die Beichtpflicht geregelt war. Allerdings konnte er sich wohl auch vorstellen, einen Christen die Prüfung nur einmal ablegen zu lassen, falls angenommen werden konnte, dass derjenige genügend Verstand besaß. Auf jeden Fall leitete er die Konfirmation mit seinen Aussagen bezüglich des Unterrichts und Abendmahls in eine Richtung, die heute noch beschritten wird und ebnete auch den Weg für die pastorale Handauflegung. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 484-485)

Weitere Entwicklung

Luther war jedoch nicht als Einziger an der Veränderung des Firmritus beteiligt. Die Böhmischen Brüder und auch die Waldenser sollen schon im 15. Jahrhundert, also vor der Reformation, eine Taufbestätigung eingeführt haben. Junge, getaufte Christen wurden dabei im christlichen Glauben unterrichtet und mussten abschließend, wenn sie für würdig empfunden worden waren, ein mündliches Bekenntnis abgegeben.

Aber auch andere Reformatoren hatten unabhängig von Luther ihre eigenen Vorstellungen bezüglich der Firmung. So lehnte der Schweizer Reformator Zwingli die Taufe von Unmündigen generell ab. Seine Ideen, die denen Luthers sehr ähnlich waren, setzte er in Zürich auch in die Tat um und inspirierte damit viele weitere Gleichgesinnte in anderen Städten. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 485-487)

In der Neuzeit

In den Jahrhunderten nach der Reformation änderten sich die Ansichten in der Evangelischen Kirche bezüglich Bedeutung und Durchführung der Konfirmation immer wieder. Dies war teils intern, teils extern bedingt.

Im 17. und 18. Jahrhundert gewann vor allem der Bekenntnisaspekt in der Weiterentwicklung der Konfirmation immer mehr an Bedeutung. Dies hieß nicht nur, dass junge Christen sich zu Gott bekannten, sondern auch zu einem Leben, das mit Gottes Lehre und dem evangelischen Glauben in Einklang war. Außerdem wurde der Unterricht immer stärker als persönlicher Wille der Konfirmanden über Gott und den christlichen Glauben zu lernen angesehen, wodurch das wirkende Element des Sakraments noch mehr abgeschwächt wurde.

Im 19. Jahrhundert wurde es durch die Industrialisierung immer schwieriger für die Kirche, die Menschen allgemein und die Jugendlichen im Speziellen an sich zu binden. Durch die großen Zuwanderungsströme in die Städte wuchsen die dortigen Kirchengemeinde sehr schnell und somit auch die Konfirmandenzahlen. Da es auf einmal so viele Jugendliche in den Gemeinden gab, war es schier unmöglich, mit ihnen vernünftig Konfirmandenunterricht abzuhalten und sie zu konfirmieren. Für den Umgang mit dieser sogenannten „Konfirmationsnot“ und den vielen Menschen denen ein echter Bezug zur Kirche fehlte, gab es zu dieser Zeit viele Lösungsansätze, die größtenteils graue Theorie blieben. In unterschiedlichster Art und Weise wurde die Aufspaltung der einzelnen Elemente diskutiert, ja sogar in Tauf- und Abendmahlsgemeinde sollte unterschieden werden.

Verschiedene Diskussionen zogen sich bis ins 20. Jahrhundert hinein und warfen weitere Fragen auf. Seit Ende der 1940er Jahre wird die Konfirmation rein theologisch hauptsächlich als Zulassung angesehen. Ab den 1970ern tritt die angemessene pädagogische Gestaltung des Unterrichts in den Vordergrund und die Konfirmation selbst wird als Abschluss dieses Unterrichts verstanden. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 487-490)

Unterschiede zwischen evangelischer und katholischer Praxis

Im Gegensatz zur Konfirmation beinhaltet die katholische Firmung nicht den ersten Abendmahlsgang. Für gewöhnlich bekommen Kinder in der katholischen Kirche ihr erstes Abendmahl bei ihrer Heiligen Erstkommunion im Alter von ungefähr acht Jahren. Es kommt zwar immer häufiger vor, dass Kinder in der Evangelischen Kirche schon lang vor ihrer Konfirmation mit ihren Eltern zum Abendmahl dürfen und sowohl Leib als auch Blut Christi (in Gemeinden die Traubensaft anstelle von Wein verwenden) empfangen, allerdings gibt es in der Evangelischen Kirche in diesem Sinne kein eigenes Fest für den ersten Abendmahlsgang.

Beim Vergleich des Alters der Jugendlichen bei der evangelischen Konfirmation und der katholischen Firmung fällt auf, dass es in der Katholischen Kirche anscheinend weniger feste Regeln gibt als in der Evangelischen Kirche. So schwankt das Firmalter je nach Diözese zwischen ungefähr 12 und 15 Jahren, wobei bei den Protestanten zwischen 14 und 15 konfirmiert wird (in Sonderfällen manchmal auch schon mit 13).

Außerdem wird die Firmung im Gegensatz zur Konfirmation immer noch als Sakrament verstanden. Die Firmung im katholischen Glauben ist die Geistverleihung bei der der Firmling gesalbt wird und somit den Heiligen Geist erhält. Diese Salbung ist unauslöschlich und kann somit nur einmal vollzogen werden. Die Konfirmation hingegen wird als vom Konfirmanden selbst ausgehendes Bekenntnis zu Gott verstanden. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 490-491)

Evangelische Konfirmation außerhalb Deutschlands

In den lutherischen Kirchen der USA gibt es seit den 1960ern den Begriff des confirmation ministry, den man als ein festgeschriebenes Konfirmationsverständnis verstehen kann. Die Konfirmation wird hier als kirchlicher und pädagogischer Dienst an getauften Kindern gesehen, der ihnen helfen soll, sich in der Gemeinde zu Hause zu fühlen und sich mit ihr zu identifizieren. Der Konfirmationsgottesdienst wird dann als Ritual betrachtet, mit dem das Ganze öffentlich gefeiert wird. Da geglaubt wird, dass es dem Menschen unmöglich ist, das Versprechen ewiger Treue gegenüber Gott einzuhalten, wird die Konfirmation nicht als Taufbestätigung verstanden, sondern als Glaubensstärkung durch Gott. Der Schwerpunkt liegt also auf Gottes Handeln und nicht auf dem Bekenntnis der Konfirmanden.

Das erste Abendmahl hängt in den lutherischen Kirchen der USA (und mittlerweile teilweise auch in den evangelische Kirchen Westeuropas) nicht mit der Konfirmation zusammen. Stattdessen werden Kinder im Alter von etwa zehn Jahren über die Hintergründe informiert und dürfen dann am Abendmahl teilnehmen. Der Gedanke, der hinter dieser Abspaltung des Abendmahls von der Konfirmation steht, ist der, dass die Kinder während des Heranwachsens eine Art Tauferinnerung haben sollen. Dies mag zwar ein wenig an die Heilige Erstkommunion in der Katholischen Kirche erinnern, allerdings wird hier Wert darauf gelegt, dieses Ereignis nicht zu überladen, weswegen auch auf öffentliche Katechese, weiße Kleider oder ähnliches verzichtet wird.

Bezüglich des genauen Ablaufs des Unterrichts und der Konfirmation selbst sowie des genauen Verständnisses gibt es weltweit große Unterschiede in evangelischen Kirchen. Das ist auch der Grund dafür, dass zum Beispiel das Konfirmationsalter nicht festgelegt ist, sondern grob zwischen 12 und 25 Jahren liegt. (nach Dienst und Meyer-Blanck, S. 492-494)

Ausblick

Obwohl die Konfirmation heute immer noch als Aufnahme in die Gemeinde der erwachsenen Christen zählt, mit der unterschiedliche Rechte und Pflichten verbunden sind, wird diskutiert, ob es nicht die Taufe ist, die als Voraussetzung für Dinge wie Übernahme des Patenamts für ein Kind, kirchliche Trauung oder auch das kirchliche Wahlrecht gelten sollte.

Dennoch kann nicht bestritten werden, dass die Konfirmation für die meisten Protestanten das wichtigste Ereignis ihres bewussten kirchlichen Lebens ist und bleiben wird. Die Frage ist nur wie die Konfirmation wohl in Zukunft zu bewerten sein wird. (nach Uhl)

Weblinks

Informationsseiten der Evangelischen Landeskirche Bayern zum Thema Konfirmation:

Belege

Literatur

  • Dienst, Karl und Michael Meyer-Blanck: Die Konfirmation. In: Bieritz, Karl-Heinrich, Michael Meyer-Blanck und Hans-Christoph Schmidt-Lauber (Hg.): Handbuch der Liturgik. Liturgiewissenschaft in Theologie und Praxis der Kirche. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2003. S. 481-508.
  • Gruber-Dürr, Sabine, Hartmut Häcker, Gerhard Kraft und Gerhard Ruhl: Konfirmation. Ein Begleit-Heft für Eltern. Stuttgart: Calwer 2008.
  • Uhl, Hans-Michael: Das ist evangelisch. 10 Merkmale des protestantischen Lebens. Stuttgart: Kreuz-Verl., 2009.

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