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Kläschen in Lemgo

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Kläschen in Lemgo


Kläschen ist der Jahreshöhepunkt in der alten Hansestadt Lemgo. Die Kirmes ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil in der Geschichte der Kleinstadt und bildet den Abschluss einer Reihe von Winterkirmessen im Kreis Lippe, Ostwestfalen. Sie findet jedes Jahr am ersten Dezemberwochenende statt. Von Donnerstag bis Sonntag bieten zahlreiche Händler, Fahrgeschäfte, sowie Essbuden und Glühweinstände den Besuchern Waren, Belustigung, Speisen und Getränke. An diesem Wochenende, das jeder Lemgoer bereits im Sommer sehnsüchtig erwartet, finden die Menschen scharenweise den Weg in die Kleinstadt.

Termin

Dieser Brauch ist vom 07.12.2017 bis zum 10.12.2017.

Ablauf

Die Eröffnung

Der Kläschen-Markt war und ist Zulaufspunkt für die Bevölkerung aus Lemgo und Umgebung. Zu keiner Zeit und zu keinem vergleichbaren Jahrmarkt in der alten Hansestadt Lemgo kommen so viele Bürger aus Ostwestfalen zu Besuch, wie in dieser Zeit. Außerdem wird Kläschen als Großveranstaltung und öffentliche Einrichtung eingestuft. Aus der Freude an der Kirmes heraus betrachtet, ist deshalb eine offizielle Eröffnung am Kläschen-Donnerstag unerlässlich. An diesem Tag versammeln sich der Bürgermeister, die Schausteller, Leute von der Presse und alle andern Offiziellen auf dem Regenstorplatz am Musikexpress und verkünden den Beginn von Kläschen. Dr. Austermann, der Bürgermeister der Stadt Lemgo, hält hierbei eine kurze Rede und dankt den Schaustellern und Organisatoren. Anschließend gibt es die obligatorische Freifahrt im Musikexpress der Familie Noack aus Detmold. Häppchen werden angereicht und ein Foto für die Lippische Landeszeitung oder anderen Pressezeitungen geschossen. Je nach Wetterlage folgt ein festlicher Fassanstich oder der Ausschank von Glühwein. Die offizielle Eröffnung findet nachmittags statt. Abends werden die Besucher noch einmal durch ein Feuerwerk auf den Beginn des Kläschen-Markts aufmerksam gemacht.

Kläschen als Route und Treffpunkt

Jeder Kläschen-Besucher aus Lemgo weiß es: Treffpunkt ist der Treffpunkt in Lemgo. Danach geht es über die Mittelstraße zum Ostertor. Es folgen der Kastanienwall und die Bleiche, wo erstmal ein Stopp beim Höllenfass eingelegt wird. Höhepunkt des Rundgangs ist der Regenstorplatz mit seinen Fahrgeschäften und Partyzelten. Für alle, die die Kirmes noch nicht besucht haben, war diese Beschreibung des Ablaufes natürlich nicht ganz klar und eventuell zu schnell. Aus diesem Grund soll nun eine detaillierte Darstellung des Kläschen-Marktes folgen, in der Routen und Treffpunkte genauer beschrieben werden.

Selbstverständlich ist der Treffpunkt nicht für jeden Besucher der Startpunkt für den Rundgang durch die Stadt. Für meinen Freunde- und Bekanntenkreis gilt er seit je her als Start in das Getümmel. Die Frage nach dem Warum? ist leicht zu beantworten: der Treffpunkt, das ist die Busstation der Stadtbusse in Lemgo. Tagein tagaus fahren hier dutzende Schüler zur Schule und wieder nach Hause. Besonders weil in direkter Nähe zwei Gymnasien liegen. Direkt neben dem Treffpunkt für die Schüler ist der sogenannte Lippegarten. Für jeden, der das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium besucht hat, ist klar, dass dieser Platz den Schülern und Ehemaligen des Gymnasiums zusteht. Das Gymnasium liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Den Schülerinnen und Schülern, die die Oberstufe des Gymnasiums besucht haben, war es gestattet, die Pausen im Lippegarten zu verb
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ringen. So saß man zahlreiche Freistunden und große Pausen im Lippegarten und knüpfte Kontakte, ging von dort aus in die Stadt oder eben zur anliegenden Busstation und fuhr nach Hause. Allein wegen dieser Gegebenheiten erwog sich dieser Ort als optimaler Startpunkt für den Kläschenrundgang. Jeder weiß Bescheid, wo man sich zu treffen hat. Ein weiterer Pluspunkt: Im Winter ist im Lippegarten eine Eisbahn aufgebaut. Da man sowieso erst am Abend den obligatorischen Kläschen-Besuch antrat, konnte man so direkt die richtige Stimmung einläuten. Der gesamte Lippegarten erstrahlt in uriger Wärme: Lichterketten erleuchten die Eisbahn, die kleinen Blockhütten bieten eine Landschaft aus Glühweinbuden und Essständen.

Vom Lippegarten, oder Treffpunkt aus zieht man los in die Mittelstraße. Das ist schlichtweg der Name der Haupteinkaufsstraße und Fußgängerzone von Lemgo. Sie bildet die längste Passage aus Ess- und Trinkbuden, Händler- und Handwerksbuden. Durchzieht man die Mittelstraße, lernt man nicht nur die neuesten und verschiedensten Geschmackrichtungen von Glühwein kennen. Ab sofort wird Kläschen an sich Treffpunkt. An jeder Glühweinbude, an jedem Pommesstand oder beim Lampenverkäufer trifft man sie: alte Freunde. Denn für jede Altersstufe gilt das implizite Gesetz: Wenn Kläschen ist, kommt man nach Hause. Egal, wo man jetzt lebt. So wird Kläschen zum geplant ungeplanten Klassentreffen, Mannschaftstreffen, etc. Und der neueste Kirschglühwein? Er gibt Anlass, stehen zu bleiben, Bekannte zu begrüßen und sich über jetzt und früher zu unterhalten. Die nostalgische Atmosphäre findet ihren Höhepunkt, wenn man weiter auf den Marktplatz zieht. Dieser liegt auf halber Strecke der Mittelstraße. Hier stehen die nostalgischen Fahrgeschäfte. Das sind die Fahrgeschäfte, die auf Kläschen schon seit langer Zeit eine Attraktion sind, zum Beispiel das alte Holzpferdekarussell des Schaustellerbetriebes Steuer. Die Schausteller, die auf Kläschen oder auch auf umliegenden Märkten ihre Fahrgeschäfte aufbauen, sind seit dem 19. Jahrhundert für die Jahrmarktsbelustigungen zuständig. Es sind ganze Familien, die sich dieser Aufgabe widmen. Nicht nur Familie Steuer, auch Noack aus Detmold oder Familie Friese sind Urgesteine der Jahrmärkte im Kreis Lippe. Familie Friese begeisterte bereits 1860 mit Raubtier-Dressur-Schauen, die natürlich heute in der Art nicht mehr auftauchen. Dennoch war Dora Frieses Manege zu dieser Zeit so beliebt und populär, dass sich ihre Tierschauen auch überregional durchsetzten. Mitte des 20. Jahrhunderts gab es dann die typischen Kläschen-Fahrgeschäfte: Das eben benannte Holzpferdekarussell, die Schiffsschaukel, die Berg- und Talbahn (der heutige Musikexpress, im Raum Augsburg als Leopardenspur bekannt), das Riesenrad und ein Autoselbstfahrer (Autoscooter). Der Familienbetrieb Steuer beschickte die Jahrmärkte nicht nur mit dem Holzpferdekarussell, sondern auch mit einem Kinderkarussell und dem Autoscooter. In den 60er und 70er Jahren kam schließlich die allseits beliebte Raupe (weiterer Begriff für Musikexpress) von Familie Steuer hinzu. Natürlich finden nicht alle dieser Fahrgeschäfte Platz auf dem Marktplatz in Lemgo. Aber auch nicht alle Fahrgeschäfte sind schon in der Kategorie Nostalgie einzuordnen. Viele finden noch heute Anklang bei den Kirmesbesuchern und stehen deshalb auf dem großen Regenstorplatz bereit. Ebenfalls auf dem Marktplatz vertreten, sind die Caritas Deutschland, um auf Not und Missstände kurz vor der Weihnachtszeit hinzuweisen. Wenn man hier einen Glühwein oder etwas zu Essen kauft, kommen die Einnahmen meist Hilfsbedürftigen oder der Organisation zu Gute.

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Vom Marktplatz aus geht man die Mittelstraße weiter entlang, bis man zum sogenannten Ostertor kommt. Hier steht der obligatorische Hau den Lukas. Umliegende Kneipen bieten Platz zum Aufwärmen und Essbuden versorgen, wie gehabt, die hungrigen Kläschen-Besucher. Vom Ostertor aus, welches wieder nur der Straßenname ist, geht es über den Kastanienwall zur Bleiche. Wie bereits oben kurz erwähnt, wartet auf der Bleiche das Höllenfass. Dies ist der Name eines Glühweinstandes, wobei die Sorten ausgefallener sind als üblich. Unter kreativen Namen werden warmer Wodka mit Orange oder Cranberry, aber natürlich auch die klassischen Sorten angeboten. An den wärmespendenden Lagerfeuern kann man seine Kreation schließlich genießen.

Von der Bleiche aus bis zum Regenstorplatz ist es fortan nicht mehr weit: Man kommt auf einen hell erleuchteten Platz mit unzähligen Fahrgeschäften, Zuckerwatte
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buden, Schießständen und dutzenden anderen Belustigungsgeschäften. Damals wie heute ist der Musikexpress Treffpunkt für Jugendliche. Als in den 70er Jahren die Raupe die Jugend begeisterte, sorgte ein DJ für Tanzstimmung. Auch jetzt ist dieses Fahrgeschäft nicht unbeliebt. Musikwünsche werden gerne vom DJ erfüllt und Fahrten sorgen vorwärts wie rückwärts für jede Menge Spaß. Das Tanzen bleibt heutzutage aber aus. Hierfür werden die Partyzelte aufgebaut, in denen nicht nur ein DJ für die beste Stimmung sorgt. Jedes Jahr beflügeln sensationelle Auftritte, wie zum Beispiel vom Schäfer Heinrich oder von Michaela Schäfer, die Partymeute. Ab einer gewissen

Uhrzeit ist der Einlass natürlich auf 16 bzw. 18 Jahren oder älter beschränkt. Nur den damaligen Tanzordner (siehe: Hintergrundinfos) gibt es nicht mehr. Dafür sorgen zahlreiche Angestellte des Security-Unternehmens für Schutz und Sicherheit. Damit findet der Rundgang über Kläschen sein Ende. Gerne ist man dazu eingeladen, den Weg auch wieder zurück zu gehen. Viele Lemgoer finden die Zeit auf Kläschen so berauschend, dass eine After hour nicht fehlen darf. Schließen nachts die insgesamt 190-200 Händler und Fahrgeschäfte, soll die Veranstaltung noch lange nicht enden. Die Kneipen Lemgos halten ihre Türen für durchgefrorene Kläschen-Besucher bis in die frühen Morgenstunden offen. Wenn man dann mit den Leuten spricht, hört man nur eins: Wann ist endlich wieder Kläschen?

Organisation

Die Organisation des Jahrmarktes übernimmt die Stadt Lemgo und der Marktmeister. Vom Ordnungsamt aus werden die Verträge mit den Händlern und Schaustellerbetrieben festgelegt. In diesen regelt sich auch die Standgebühr. Wenn Kläschen endet, beginnt die Bewerbungszeit für jene, um einen Standplatz zu ergattern. Der Marktmeister ist für die praktische Organisation zuständig. Er bemisst die Standplätze, überwacht den Aufbau und die bereitet die Verträge vor. Beim Aufbau gilt seit dem Loveparade-Unglück in Duisburg ein neues Sicherheitskonzept. Alle Stände, besonders die in der Mittelstraße, müssen brandsicher sein. Ein bestimmter Abstand zu den alten Fachwerkhäusern muss eingehalten werden, um ausreichend Sicherheit zu gewährleisten. Da die Mittelstraße sehr eng ist, ist eine akribische Planung unerlässlich. Nach einem Ampelsystem werden bewohnte, unbewohnte und Verkaufshäuser gekennzeichnet. Besonders sichere Stände und Buden werden als grün markiert, weniger sichere mit orange oder rot. Der Platz, an denen sie schließlich stehen können, hängt dann mit den Kennzeichnungen der Häuser zusammen. Es ist festzuhalten, dass Sicherheit groß geschrieben wird.

Öffnungszeiten

Donnerstag: 11:00 Uhr - 23:00 Uhr

Freitag: 11:00 Uhr - 2:00 Uhr

Samstag: 11:00 Uhr - 2:00 Uhr

Sonntag: 11:00 Uhr - 21:00 Uhr

Gewährspersonen

Für den hier vorliegenden Artikel sind Angaben der Stadt Lemgo, Ordnungsamt und einer promovierten Fachkundlerin der Volkskunde aus dem Landesmuseum Detmold, sowie eigene Erfahrungsberichte Grundlage.

Varianten

Wilbasen in Blomberg

Wilbasen ist ein Jahrmarkt im Kreis Lippe. In Siebenhöfen findet die mitunter größte Kirmes Mitte September statt. Auch hier sind die üblichen Schaustellerbetriebe aus Lippe vertreten. Bier- und Partyzelte sorgen für ausgelassene Stimmung.

Andreas-Messe in Detmold

Die Andreas-Messe in Detmold findet am Wochenende vor Kläschen statt, das heißt Ende November. Die Stadt wird durch ebenso fantastische Buden und Fahrgeschäfte hell erleuchtet. Die Innenstadt bietet Händler, Ess- und Trinkgelegenheiten. Etwas außerhalb liegt, ähnlich wie der Regenstorplatz, ein größerer Platz mit den Fahrgeschäften.

Hintergrund-Infos

Die Entstehung von Kläschen

Namensgebung

Zu aller erst lässt sich die Entstehung des Namens an sich betrachten. Kläschen kann als Jahrmarkt und Kirmes bezeichnet werden. Die Begriffe sind, obwohl sie verschiedene ursprüngliche Bedeutungen haben, im Kreis Lippe synonym. Der Jahrmarkt wird als gemeiner und öffentlicher Markt mit Verkaufscharakter verstanden. Die Kirmessen bezogen sich ursprünglich auf die Kirchweihfeste. Kläschen ist in enger Verbindung mit der evangelisch-lutherischen Lemgoer Altstadtkirche St. Nikolai zu sehen. Diese wurde im 13. Jahrhundert fertiggestellt. Jedes Jahr gab es zum 6. Dezember eine Messe zum Heiligen Nikolaus, der als Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute geweiht war. Zum 6. Dezember kehrten die Hanse-Kaufleute nach Lemgo zurück. So wurde dieser Termin feierlich für die Bewohner begangen. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten Familien, die durch die Abwesenheit der arbeitenden Männer größtenteils nur aus Frauen und Kinder bestanden, den Hof unterhalten. Aus diesem Grund fand sich nur selten die Gelegenheit, auf Märkte zu gehen. Wenn die Männer wieder kamen, war der Besuch des Jahrmarktes endlich wieder möglich und wurde deshalb groß gefeiert. Die begriffliche Austauschbarkeit von Jahrmarkt und Kirmes setzte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts schließlich komplett durch. Der Markt stand nicht nur im Zeichen des St. Nikolaus, sondern erlangte auch durch Händler, Marktbeschicker und Belustigungsschauen einen festlichen Verkaufscharakter. Der Lemgoer Nikolaimarkt am 6. Dezember wurde im Verlauf seiner Geschichte ausgehend zum St. Nikolaus zu heute bekannten Kläschen-Markt.

Terminfestlegung von Kläschen

Wie bereits aus der Entstehung des Namens Kläschen abzuleiten ist, ist der 6. Dezember seit je her der wesentliche Termin für den Markt. Zu Ehren des St. Nikolaus und der wiedergekehrten Kaufleute wurde der Jahrmarkt abgehalten. Aber nicht nur Kaufleute kehrten in zu dieser Zeit zurück. Der Termin für Kläschen setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Da der Kreis Lippe landwirtschaftlich geprägt ist, war schnell klar, dass die kalte Jahreszeit sich am besten für einen Jahrmarkt anbot. Die Familien, die einen Hof betrieben, hatten in der Sommerzeit wenig Zeit, um auf einen Markt zu gehen. Das Vieh, die Landwirtschaft, die Familie - alles musste in dieser versorgt bzw. betrieben werden. Erschwerend hinzu kommt, dass die Männer oft unterwegs waren. Unter ihnen fanden sich aber nicht nur Kaufleute. Die Stadt Lage im Kreis Lippe ist eine Zieglerstadt. Das bedeutet, viele Menschen waren als Wanderziegler auf Reisen und kehrten ebenfalls erst im Herbst zurück. 11 % der Gesamtbevölkerung und 22 % der Männer Lippes waren als Wanderziegler beschäftigt. Für die Jahrmärkte im Kreis Lippe bedeutete das, dass erst im Herbst/Winter Märkte wie Kläschen, Wilbasen oder die Andreasmesse lukrativ wurden. Die landwirtschaftlichen Höfe schlossen ihre Ernte ab, die Ziegler und Kaufleute kamen zurück nach Hause und konnten wieder im Haushalt helfen. So war es den Familien erst jetzt zeitlich, sowie wirtschaftlich möglich auf Märkten einkaufen zu gehen.

Kläschen bildet den Abschluss einer Reihe von Herbst-Winter-Märkten im lippischen Kreis. Der Anfang machte Wilbasen in Blomberg. Ende November fand und findet die Andreas-Messe in Detmold statt. Kläschen obliegt dem letzten Zeitpunkt, nämlich das erste Wochenende im Dezember - zu Nikolai am 6. Dezember.

Der Wandel von Kläschen

Der Kläschen-Markt ist seit Jahrhunderten in der alten Hansestadt Lemgo etabliert. In dieser Zeit hat sich auch die Bedeutung des Marktes gewandelt. Ein grober Überblick über die Geschichte von Kläschen soll im nun folgenden Abschnitt skizziert werden.

Die Kirmes ist im 14 Jahrhundert unter den Edelherren Simon I. entstanden. Wie sich aus der Geschichte der Namensgebung herausstellen lässt, hatte der Markt zu dieser Zeit noch einen stark kirchlich geprägten Charakter. Nichtsdestotrotz wurden die auswärtigen Kaufleute auf diese Weise willkommen geheißen. Somit hatte Kläschen bereits zu diesem Zeitpunkt eine wirtschaftliche Ausprägung. Der Jahrmarkt war allseits als Vieh- und Krammarkt bekannt.

Betrachtet man die Entwicklung im 19. und 20. Jahrhundert wird deutlich, dass Kläschen immer mehr den Unterhaltungswert gewinnt, der ihn heute ausmacht. Zur Zeit der Ziegler um 1899 herum, bot der Vieh- und Krammarkt bereits ein breites Warenangebot und zusätzlich belustigende Elemente an. Neben Händlern, die alltägliche und luxuriöse Gebrauchsgegenstände anpriesen, wie zum Beispiel Holz- und Eisenwaren oder Textile, zogen auch Komödianten, Drehorgelspieler oder Schausteller die Menschen auf den Jahrmarkt. Es stellte sich heraus, dass sie die Einnahmen noch einmal erhöhten. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Gaukler und Artisten, um die Menschen aus ihren Alltag zu holen. Kläschen entwickelte sich zunehmend von Handelsmarkt zu einem Vergnügungsmarkt, der den Menschen Unterhaltung und Entspannung abseits ihrer Sorgen um Hof oder Familie bieten sollte. Überdies gewann der Markt einen hohen Kommunikationswert. Die Bevölkerung war endlich frei von der harten landwirtschaftlichen Arbeit und bekam die Zeit, den Markt zu besuchen. Umso mehr nutzten die Leute diese Gelegenheit, sich zu treffen und Nachrichten auszutauschen. Dieser Wert ist bis heute nicht verloren gegangen.

Um 1932/1934 waren Marktschreier typisch für den Kläschen-Markt in Lemgo. Während der NS-Zeit in Deutschland bestand die Gefahr, dass Kirmessen verboten werden sollten. Doch entgegen aller Befürchtungen, konnten auch während des 2. Weltkrieges sowohl Marktschreier, als auch Händler und Schaustellerbetriebe weiter für Unbeschwertheit und Zufriedenheit sorgen. Erst 1944 kam es bis zum Kriegsende zur Stilllegung sämtlicher Schaustellerbetriebe. In der Nachkriegszeit, als das Verbot aufgehoben wurde, fand Kläschen zu seiner Bedeutung zurück und spendete den Besuchern durch die zahlreichen Attraktionen Ablenkung. Dennoch ist ein neues Merkmal hinzugekommen: Das Konsumverhalten.

Fortan waren nicht nur Fahrgeschäfte oder Händler auf der Kirmes vertreten. Die Menschen zeigten mehr Interesse an Speisen und (alkoholischen) Getränken. Bier- und Tanzzelte schmücken seitdem auch die umliegenden Jahrmärkte in Lippe. Diese führten auch die sozialen Schichten zusammen. Im Tanzzelt feierten alle Bürger gemeinsam, in wie weit die Kommunikation zwischen diesen wirklich ausfiel, lässt sich jedoch nicht genau sagen. Ein weiterer Punkt für die herausragende Bedeutung des Tanzzeltes: Hier fanden junge Leute potenzielle Heiratskandidaten. Der Kontakt im Alltag fiel oft schwer, da das andere Geschlecht oft schwer erreichbar war. Auch die örtliche Distanz, denn der Kreis Lippe war und ist sehr ländlich, erleichterte die Kommunikation zwischen lippischen Landjungen und Fräulein nicht maßgeblich. Ein witziger Zusatzfakor in den damaligen Tanzzelten: es gab einen Tanzordner, der ungeübten Tänzern half, im Rhythmus zu bleiben.

Belege, Literatur

  • Dr. Tappe, Imke: Festkultur in Lippe im 19. und 20. Jahrhundert. 1994.

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Diese Seite wurde zuletzt am 22. Januar 2015 um 10:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 6.426-mal abgerufen (to Cache).