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Johannisfeuer in Bärnfels

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Bräuche
Bräuche > Bayern > Oberfranken
Bräuche > Weltlich > Feste
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Termin

Dieser Brauch ist am 21.06.2019.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

1. Einstiegsinformationen

1.1 Johannisfeuer in Bärnfels

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In vielen Regionen wird in der Zeit um den 21. Juni ein großes Feuer im Dorf angezündet. Dieses wird meist als Sonnenwend- oder Johannisfeuer bezeichnet.

So wird jedes Jahr auch in Bärnfels, einem kleinen Ort der Gemeinde Obertrubach (ca. 400 Einwohner) in der Fränkischen Schweiz (Oberfranken), das Johannisfeuer entfacht.

2. Empirische Dokumentation


2.1 Umstände des Johannisfeuers

Folgende Informationen stammen aus einem Interview mit einem Mitglied des Fränkische Schweiz Vereins Ortsgruppe Bärnfels e.V..
Der Brauch des Johannisfeuers ist in Bärnfels schon seit Jahrhunderten bekannt und wird dort auch jedes Jahr gepflegt. Früher wurde das Feuer am 24. Juni, am Namenstag der Heiligen Johannes, entzündet.

In den letzten 20 Jahren wurde das Feuer dann jedoch auf den nächstgelegenen Samstag gelegt, da es aus organisatorischen Gründen nicht mehr so leicht möglich war, die Schulkinder unter der Woche noch so spät das Feuer entzünden zu lassen.


In früheren Zeiten wurde das Feuer auf der Anhöhe bei der Bärnfelser Ruine geschürt, in Anlehnung an den Brauch, das Feuer auf einem höher gelegenen Platz zu schüren, damit es weithin sichtbar ist. Doch da es inzwischen ohnehin immer schwieriger wird Genehmigungen für solche Veranstaltungen zu bekommen (Auflagen des Gesundheitsamts für die Verpflegung, Brandschutzrichtlinien, etc.), werden die Möglichkeiten einer solchen Veranstaltung stark eingegrenzt und das Feuer findet heute auf einer großen Wiese im Ort statt.

2.2 Ablauf

In Bärnfels wird versucht, die Veranstaltung auf möglichst traditionelle Weise zu organisieren.
Dazu gehört, dass nach wie vor die Kinder des Ortes das Holz für das Johannisfeuer sammeln. Früher mit Leiterwagen, heute werden sie dabei von Erwachsenen mit dem Traktor unterstützt. Jeder Haushalt stellt dafür ein paar Scheit Holz zur Verfügung, die an dem Tag der Feier vor die Türe gelegt werden, wo sie die Kinder abholen.
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Dabei rufen oder singen die Kinder folgenden Spruch:


„Feierla, Feierla über´m Grobn, Holz wollma zamma fohr´n.
Für´s Johannisfeuer, Holz ist net zu teier.
Sitzt a alda Fraa im Haus, langt ka Scheidl Hoz net raus –
Fraa, Fraa, bleib ner drinna, Holzstoß werd´ma selber finna!
Bauer bind´ dein Pudel oh, dass er uns net beiß´m koo!
Beißt er uns, verklag´n mer dich, tausend Taler kostet´s dich!“


Das Feuerholz wird dann auf einem großen Platz im Ort aufgeschichtet und mit einem kleinen geschmückten Fichtenbäumchen geschmückt.

Ab etwa 19.00Uhr finden sich die Gäste auf dem Platz ein und bei Einbruch der Dunkelheit (ca. 21 Uhr) wird das Feuer entzündet. Ursprünglich war das Anzünden des Feuers allen vorbehalten, die den Namen Johannes, Hans, Hanna, einen an Johannes angelehnten Namen trugen, da ja Johannes des Täufers gedacht werden sollte.

Inzwischen dürfen die Kinder des Ortes das Feuer entzünden. Es werden aber Johannes, Hans, Hanna etc. besonders eingeladen das Feuer zu entzünden, was auch heute noch den ursprünglichen Hintergrund des Brauchs, die Geburt Johannes des Täufers, wiederspiegelt. Das Feuer darf gemäß den Überlieferungen nicht gelöscht werden.

2.3 Akteure

Das Schöne an diesem Brauch ist, dass jeder daran teilnehmen kann. In Bärnfels freuen sich die Veranstalter jedes Jahr über ca. 200 Besucher aus dem Ort.

Das Johannisfeuer verbindet dabei alle Altersschichten und lockt auch Leute an, die eher zurückgezogen leben. Die Freude an einem so großen Lagerfeuer und die heimelige Stimmung sorgen selbst bei Kälte und Nieselregen dafür, dass die Leute gerne kommen.


2.4 Organisation der Brauchveranstaltung

In Bärnfels kümmert sich die Ortsgruppe des Fränkische Schweiz Vereins darum, den Brauch des Johannisfeuers aufrecht zu erhalten, da eine Aufgabe des Vereins speziell die Brauchtumspflege ist.
Da das Fest jedes Jahr stattfindet, weiß jeder Bärnfelser, dass am nächsten Samstag zu Johanni das Feuer geschürt wird.
Zudem wird ein Zettel in den Briefkästen verteilt, mit der Erinnerung an das Feuer und dem Hinweis, dass weder grünes Holz, noch Holz mit Nägeln/Schrauben angenommen wird.

3. Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand


3.1 Allgemeine Entwicklungsgeschichte des Brauchs

Der 24. Juni gilt als Geburtstermin Johannes des Täufers, der laut biblischer Überlieferung ein halbes Jahr vor Jesus Christus (24.Dezember) geboren ist. Zu seinem Gedenken wird häufig ein Feuer entzündet. Symbolisch deuten kann man dies insofern, dass Johannes Zeugnis ablegen sollte für das Licht (Joh 1,8) und abnehmen, damit der Herr zunehme, so wie auch die Kraft der Sonne ab diesem Zeitpunkt wieder abnimmt. (Kirchoff, H.: Christliches Brauchtum, S. 164)


Heute wird dies oft mit dem Ereignis der Sonnenwende verbunden, welche einen wichtigen Einschnitt im Jahreskreis bedeutet (Kriegelstein, A.: Jahreslauf, S. 166f). So bekam das alte Mittsommertagfest der Germanen und Kelten eine christliche Bedeutung.

Als Sonnenwende bezeichnet man den Tag, an dem die Sonne an ihrem nördlichsten Punkt steht, dem nördlichen Wendekreis, bei 23°. Dies ist am 21. Juni der Fall, wenn auf unserem Breitengrad der Tag am längsten und die Nacht am kürzesten ist. Ab diesem Datum werden die Tage wieder kürzer. (Fokus)

Man kann davon ausgehen, dass die Sonnenwende schon in vor- und frühchristlicher Zeit mit allerlei Bräuchen verbunden war. (Kriegelstein, A.: Jahreslauf, S. 167) Der wohl bekannteste Brauch ist das Entzünden eines großen Feuers, als Heils- und Reinigungsfeuer und zur Vertreibung von bösen Geistern. Doch darüber hinaus gab es noch weiterer Bräuche, wie zum Beispiel das Verbrennen von Heilkräutern im Feuer, um damit sozusagen das Unglück zu verbrennen (Kriegelstein, A.: Jahreslauf, S. 167), das Springen über das Feuer, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen (Kirchoff, H.: Christliches Brauchtum, S. 162) oder das sogenannte Scheibenschlagen eines brennenden Holzstückes (Ferrari, W.: Alte Bräuche neu erleben, S. 159)

Einer der ältesten Belege eines Sonnenwendfeuers in Franken in der Nürnberger Stadtchronik geht auf das Jahr 1487 zurück, als der Marktgraf Friedrich am Johannistag zu einem großen Fest lud. „[N]ach dem Festmahl ward `ein groß sünbentfewer [Sonnwendfeuer] gemacht´, das schließlich alle Festteilnehmer umtanzten“ (Kriegelstein, A.: Jahreslauf, S. 166f)
Von der Kirche als heidnisch verpönt und aufgrund akuter Feuergefahr für Häuser kam es im 14. Jahrhundert teilweise zu Verboten des Brauchs, jedenfalls zu strengeren Regeln und Auflagen. Doch trotz diesen erschwerenden Umständen hat sich der Brauch des Johannis- bzw. Sonnenwendfeuer bis heute gehalten.

3.3 Allgemeine Verbreitung des Brauchs

Der Brauch am Tag der Sommersonnenwende ein großes Feuer zu entzünden ist in fast ganz Europa verbreitet.

Vor allem in den skandinavischen Ländern kommt dieser Feier ein hoher Stellenwert zu. In Deutschland hat sich der Brauch ebenfalls überall zu finden, ist aber vor allem in Süddeutschland erhalten, wenn auch fast überall säkularisiert.

Es ist ein fröhliches Fest, das der Geselligkeit dient und unter Umständen auch zur Aufbesserung der Vereinskassen (Kirchoff, H.: Christliches Brauchtum, S. 164)

3.4 Literatur

Ferrari, W.: Alte Bräuche neu erleben. Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten, Graz, 2014.
Kirchoff, H. : Christliches Brauchtum. Feste und Bräuche im Jahreskreis, Kösel, 1998.
Kriegelstein, A (Hrsg.).: Jahreslauf. Brauchtum in Mittelfranken, in: Mittelfränkische Heimatkunde, Bd.4, Bad Windsheim, 1986.

Interview mit einem Mitglied des Fränkische Schweiz Vereins Ortsgruppe Bärnfels e.V.

http://www.focus.de/wissen/videos/kalendarischer-sommeranfang-animation-erklaert-sommersonnenwende-_vid_39552.html, aufgerufen am 8.06.2015

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