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Herz-Jesu-Fest und Herz-Jesu-Bruderschaft in Iffeldorf

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Mit Dekret vom 23. August 1856 führte Papst Pius IX. das Herz-Jesu-Fest für die ganze Kirche ein und legte es auf den Freitag nach der Oktav von Fronleichnam. Die besondere Verehrung des heiligsten Herzens Jesu ist aus der Mystik des Mittelalters hervorgegangen. Den Grundstein für ihre enorme Verbreitung im ausgehenden 17. Jahrhundert legte Claude de la Colombière. Der französische Jesuitenpater war Beichtvater der heiligen Marguerita Maria Alacoque, auf deren Visionen die Ausdehnung der besonderen Herz-Jesu-Verehrung auf jeden ersten Freitag eines Monats zurückgeht. Ich verspreche dir in der unendlichen Barmherzigkeit meines Herzens, hatte Christi Erscheinungsbild der Nonne gesagt, daß seine allmächtige Liebe allen, die an jenen Tagen kommunizieren, die Gnade der Aufnahme in Gottes Herrlichkeit zuteil werden lässt.
In der Folgezeit häuften sich die Zusammenschlüsse von Herz-Jesu-Verehrern zu Herz-Jesu-Bruderschaften im Sinne von Gebets- und Liebesbünden. Ihr ursprünglicher Hauptzweck bestand in kollektivem Totengedenken zur Errettung der armen See
Herz Jesu 2
len aus dem Fegefeuer. Zunächst traten die Bruderschaftsmitglieder vorwiegend bei Beerdigungen in Erscheinung. Späterhin waren in den Satzungen auch gute Werke und Andachtsübungen zum Erwerb von Ablässen festgelegt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein diente der zur Aufnahme ausgestellte Bruderschaftszettel als Gutschein für die eigene Seelenmesse.
In Iffeldorf war es üblich, verstorbenen Mitgliedern ihren Aufnahmebrief mit ins Grab zu geben. Die hiesige Herz-Jesu-Bruderschaft von 1709 gehört zu den ersten Gründungen ihrer Art im Bistum Augsburg. Wann genau die Entscheidung fiel, auch Frauen aufzunehmen, entzieht sich unserer Kenntnis.
Im Jahre 1828 sah sich der Bischof von Augsburg zu einer Revision der Bruderschaften genötigt. Zwischenzeitlich hatten sie eine unerwünschte Eigendynamik entwickelt: Statt christlichen Sinn unter die Mitmenschen zu säen, tadelte der Oberhirte, ziehen die allzu zahlreichen [feuchtfröhlichen] Bruderschafts-Feste die fromme Anstalt in das Gewöhnliche herab. Auf bischöfliche Anordnung wurden die Vergnügungen streng limitiert: damit alles, was gegen den guten Geschmack oder die Schicklichkeit verstößt, von selbst wegfällt. Außerdem sollten örtliche Sittenräthe eingerichtet werden. Die spürbarste Verbesserung der Moral versprach sich der Bischof jedoch von einer Erhöhung der Frauenquote. So kam es, dass bald auch in Iffeldorf, bezogen auf die Mitgliedschaft in der Herz-Jesu-Bruderschaft, Gleichberechtigung herrschte.
Herz Jesu 3

Viele Iffeldorfer wissen von Großmüttern oder Großtanten zu berichten, denen – aus christlicher Überzeugung, aus Gewohnheit oder zur Vermeidung von Gewissensnöten - die Herz-Jesu-Bruderschafts-Verpflichtungen (z. B. regelmäßiger Empfang der Sakramente, Liebe zu Gott und den Mitmenschen, dreiunddreißig Vaterunser und fünf Avemaria zu einer selbst gewählten Stunde beten ...) über alles gingen. Seither sind nicht nur im kirchlichen Bereich viele Veränderungen eingetreten. Vorübergehende Bemühungen um Reaktivierung der Herz-Jesu-Volksfrömmigkeit blieben auch in Iffeldorf Episode. Man hatte es versäumt, das überkommene Regelwerk an die neuen Zeiten anzupassen. Am liturgischen Ausdrucksmittel der örtlichen Herz-Jesu-Verehrung wurde jedoch unverbrüchlich festgehalten. Noch immer kommt anlässlich des Haupt- und Titularfestes eine Vielzahl Gläubiger zum feierlichen Gottesdienst und anschließender Sakramentsprozession zusammen. Nur der überaus rege Zustrom von weit her gehört der Vergangenheit an.

Gewährspersonen

Sophie Schweiger, Iffeldorf und Brigitte Roßbeck, Iffeldorf

Termin

Dieser Brauch ist am 25.06.2017.

Varianten

Alljährlich am zweiten Sonntag nach Fronleichnam findet in Iffeldorf nach dem Gottesdienst eine Herz-Jesu-Prozession statt.

Belege, Literatur

Brigitte Roßbeck: Die Pfarrkirche St. Vitus in Iffeldorf. Eine Chronik, 2008

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Diese Seite wurde zuletzt am 8. Mai 2017 um 08:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 7.081-mal abgerufen (to Cache).
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