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Hepberger Stallweihnacht

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Jedes Jahr wird in zahlreichen katholischen Gemeinden der Ursprung des christlichen Weihnachtsfestes, die Geburt Christi, in Krippen dargestellt. Ein besonders eindrucksvolles und ergreifendes Erlebnis sich auf das Weihnachtsfest einzustimmen, bietet die Darstellung der Weihnachtsgeschichte bei der Hepberger Stallweihnacht. Die Besucher werden dabei in den Bann eines Dreiklanges aus Musik, Bildern und den Texten aus der heiligen Schrift gezogen. Es handelt sich hierbei um eine inszenierte Nacherzählung des Geschehens von Bethlehem, das in einem alten Stall im oberbayerischen Hepberg von Akteuren und echten Tieren dargestellt wird. Ein besonderes Highlight ist die Verkündung der heiligen Familie, die jedes Jahr von einem anderen Hepberger Ehepaar mit ihrem Kind dargestellt wird. Das Schauspiel, das im Jahr 2012 zwanzigjähriges Jubiläum feiert, wird von Volksmusikgruppen aus dem bayerischen und alpenländischen Raum musikalisch untermalt.

Die Hepberger Stallweihnacht fand zwanzig Jahre lang jeweils am dritten Adventswochenende mit vier Aufführungen statt. Diese beginnen jeweils um 15.30 Uhr und 18.30 Uhr und dauern eineinhalb Stunden. Die letzte Aufführung war im Jahr 2013.

Die heilige Familie (Diana, André, Frieda Gerhardt).jpeg

Termin

Dieser Brauch ist vom 15.12.2017 bis zum 17.12.2017.

Hepberger Stallweihnacht

Angaben zur empirischen Dokumentation und Umstände der Beobachtung

Die nachfolgende empirische Dokumentation bezieht sich auf die Hepberger Stallweihnacht am Sonntag, den 16. Dezember 2012. Die Beobachtung begann um 15 Uhr und endete um 19.30 Uhr. Die empirische Dokumentation umfasst dabei das Begleiten des Fernsehteams bei den Interviews mit Albert Beer und der heiligen Familie, die Gespräche mit den Mitwirkenden, sowie die Teilnahme an der Aufführung der Stallweihnacht selbst. Die Temperatur um den Gefrierpunkt war mit mäßig starkem Schneefall für diese Jahreszeit im normalen Rahmen.

Ablauf

Dem reibungslosen Ablauf des Brauches geht zunächst eine dreimonatige intensive Organisations- und Planungsarbeit voraus, bei der das Team der Stallweihnacht die heilige Familie auswählen, die Tiere und die Musikgruppen organisieren, sowie die Kulisse im Hepberger Schloss aufbauen muss. Darüber hinaus ist der Kartenvorverkauf zu organisieren und die Kostüm- und Requisitenausstattung vorzubereiten.
Eine Besonderheit bei der Umsetzung des Krippenspieles ist, dass keine auswendig gelernten Texte von den Darstellern vorgetragen werden. Die Schauspieler agieren nur zu von einem Sprecher vorgetragenen Passagen des Lukas- und Matthäusevangeliums, deshalb kann auf Proben im Vorfeld verzichtet werden. Lediglich eine einzige Ablaufprobe wird am Tag vorher durchgeführt. Für die Organisation der Musikgruppen, welche das Spiel mit Musikstücken aus dem Bereich der Volksmusik umrahmen, ist diese Probe wichtig, damit der Spielablauf planmäßig funktionieren kann.
Um 15 Uhr eröffnen die Hepberger Blechbläser und die Kitzbühler Stubenmusi die Aufführung mit kurzen weihnachtlichen Musikstücken, welche die Besucher auf die Weihnachtsgeschichte einstimmen sollen. Nach diesen besinnlichen ersten Minuten beginnt Intendant Albert Beer mit einer offiziellen Begrüßung.
Anschließend führt der Sprecher Reinhard Büchl mit der ersten Textstelle aus dem Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 1-5 „ In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl (…)“ sowie einer kurzen Geschichte über Hirten die Zuschauer in das Krippenspiel ein. Auf die Textstellen folgen einige Musikstücke des Hepberger Drei´gsangs, der Ernsgadener Hoagart´nmusi und der Kitzbühler Stubenmusi sowie ein kurzes Maultrommelstück des Maultrommeltrios.
Nach dieser musikalischen Einlage fährt der Sprecher mit dem Text „Herbergssuche“ des Lukasevangeliums, Kapitel 2,Vers 7 „(...) weil in der Herberge kein Platz für sie war“ fort, welcher die verzweifelte Suche von Maria und Josef in jenen Tagen vor knapp 2000 Jahren wiedergibt. Währenddessen erscheinen Maria und Josef (Diana und André Erhardt) mitsamt Esel aus dem hinteren Teil der sehr stimmig umgesetzten Kulisse. Von der Feuerstelle über den Brunnen, bis zur Hausfassade der abweisenden Wirtsleute, an der Josef und Maria nun klopfen, weil sie um Einlass bitten, vermittelt die Kulisse einen sehr realistischen Eindruck. Während der hier dargestellten Herbergssuche von Josef und Maria ersetzt das Musikstück „Wos woits ihr do drauss“ des Gstanz´lduos Birgit und Jürgen den fehlenden Text.
Maria und Josef finden während der musikalischen Untermalung Herberge in einem Stall, in welchem das Jesuskind das Licht der Welt erblickt. Die Eltern betten das Kind (Frieda Gerhardt ) in einer Krippe vor dem Stall, und Reinhard Büchl trägt parallel dazu die Evangeliumsstelle des Lukasevangeliums, Kapitel 2,Vers 6-7 „Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen (...)“ vor. Musikalisch wird diese Szene vom Hepberger Dreigsang mit dem Lied „s´Kind liegt ohne Windl“ sowie einem Stück der Kitzbühler Stubenmusi umgesetzt.
Bei der Verkündigungsszene, begleitet von den Hepberger Blechbläsern, tritt ein Engel (Anna Breindl) aus dem hinteren Bereich der Kulisse auf eine Empore und verkündet die frohe Botschaft. Auch die passende Textpassage aus dem Lukasevangelium, Kapitel 2, Vers 8-20 „In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld (...) da trat der Engel des Herrn zu ihnen (…) ich verkünde euch eine große Freude (…) heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr (…) die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott (…) denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.“ wird vorgetragen. Währenddessen machen sich die Hirten, die bis zu dieser Szene um eine kleine Feuerstelle sitzen, auf den Weg zum Stall, um den Heiland zu sehen. Begleitet werden sie dabei von der Ernsgadener Hoagartnmusi, der Kitzbühler Stubenmusi und einem kurzen Maultrommelstück. In der Zeit versammeln sich die Hirten vor dem Stall und bestaunen das Jesuskind.
Auch die Bewohner von Bethlehem haben in jener Zeit von der Geburt des Messias erfahren und ziehen in Gruppen zu dem Stall. Umgesetzt wird dies bei der Stallweihnacht, indem eine kleine Gruppe von Kindern und Erwachsenen aus dem hinteren Bereich der Kulisse in den Aktionsraum einziehen und mit Geschenken an den Stall treten. Den Ein- sowie Auszug der Leute aus Bethlehem begleiten Musikstücke der Kitzbühler Stubenmusi.
Auf diese Szene folgen weitere musikalische Einschübe, wie beispielsweise von Birgit und Jürgen, einem Maultrommelstück sowie einem Glockenjodler der Kitzbühler Stubenmusi.
Nun ist es an der Zeit, dass die heiligen drei Könige einziehen, um dem Jesuskind Geschenke zu überbringen. Mit großer Spannung werden diese gerade von den kleinen Besuchern erwartet, da hier auch ein echtes Kamel dabei ist. Reinhard Büchl eröffnet die Szene mit der Textstelle aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 2, Vers,1-12, „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem (…) und sind gekommen, um ihm zu huldigen (…) dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar“. Zu den Klängen der Hepberger Blechbläser bietet sich den Zuschauern ein imposantes Bild der einziehenden drei Königen mit ihren Begleitern. Mit bunten Kleidern und Geschenken ausgestattet, betreten sie den Raum. Einer hoch zu Pferd, der andere führt ein Kamel, der dritte mit goldenen Geschenken und Weihrauch in der Hand, die anderen vier Personen halten Palmwedel. Sie gruppieren sich um das Kind, tragen ihm Gebete vor und singen ein mit Trommeln begleitetes Lied. Dies ist die einzige Szene, bei der die Akteure selbst sprechen.
Diese Szene beendet das Krippenspiel der Hepberger Stallweihnacht und die Musikgruppen stimmen das Lied „Stille Nacht“ ein, bei welchem das gesamte Publikum andächtig mitsingt.
Reinhard Büchl bedankt sich abschließend bei allen mitwirkenden Akteuren, sowie allen Beteiligten. Mit einem Andachtsjodler des Hepberger Dreigsangs und einem gebührenden Applaus endet die Veranstaltung um ca. 16.30 Uhr. Danach haben die Besucher noch die Möglichkeit, bei einer Tasse Glühwein den Nachmittag in gemütlichem Beisammensein ausklingen zu lassen.

Akteure

Bei der Hepberger Stallweihnacht kann man feststellen, dass es unterschiedliche Brauchträger gibt. Einteilen kann man diese in die aktiven Hauptakteure auf der Bühne, sowie die Nebenakteure die hinter der Kulisse agieren

Hauptakteure

Die wohl wichtigste Gruppe der aktiven Brauchträger stellen die Hauptakteure der Stallweihnacht dar, die während der Aufführung auf der Bühne zu sehen sind. Dazu zählt in erster Linie die heilige Familie. In diesem Jahr hatten das Ehepaar Diana und André Gerhardt mit ihrer sechs Monate alten Tochter Frieda die Ehre, Maria und Josef darzustellen.Bekleidet sind beide mit dunklen Wollmänteln, darüber hinaus Josef mit einem dunklen Hut und einem Holzstock, sowie Maria mit einem hellen Kopftuch. Tochter Frieda, die das Jesuskind darstellt, trägt einen beigen Overall und wird darüber hinaus durch ein umgelegtes Schaffell gegen die Kälte geschützt.
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Weitere wichtige Hauptakteure sind der in weiß gekleidete Verkündigungsengel (Anna Breindl), sowie fünf Personen, die die Leute aus Bethlehem darstellen (Cosima, Hanna, Amelie, Bernhard und Noah Kuffer). Die Mädchen mit ihrer Mutter sind in dunkle Kleider samt helleren Schulterüberwürfen, sowie Kopftüchern in gedeckten Farben gekleidet, der Junge und der Vater in dunkle Hosen und einem braunen Übermantel.Zu den weiteren aktiven Akteuren zählen die Hirten, dargestellt von Männern und Buben unterschiedlichen Alters (Reinhold Schneider, Anton und Stephan Beer, Georg Adlkofer, Sandro Liepold und Johannes Birkner). Die Hirten tragen dunkle Hosen, wärmende dunkle Pullover mit Fellweste und Filzhüte. Als Hirtenutensilien haben sie Werkzeug zum Schnitzen, sowie Holzstöcke dabei.

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Ein imposantes Bild bieten die heiligen drei Könige und ihr Gefolge (Reiner Büchl, Pitt Maier, Phillipp Beer, Romana Beer, Anna Breindl, Franziska Adlkofer sowie Priester Ciscard Hakzimana und Student Privat Nduhhrubusa aus Burundi). Diese Akteure, allesamt in sehr farbenfrohe und glänzende Stoffe gehüllt, haben Kronen und Kopfbedeckungen auf. Als Geschenke für das Jesuskind haben sie goldene Gefäße bei sich.

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Zu den aktiven Brauchträgern gehören ebenfalls die Volksmusikgruppen, die mit ihren musikalischen Einlagen die Komposition aus Bild und Text aus dem Evangelium komplettieren. Die diesjährige musikalische Umrahmung bilden der Hepberger Dreigsang sowie die Hepberger Blechbläser, die Ernsgadener Hoagartn´musi, das Maultrommeltrio, das Gstanzlduo Jürgen und Birgit und als Highlight zum zwanzigjährigen Jubiläum die Kitzbühler Sänger und Stubenmusik mit Harfe (Vgl. Donaukurier Nr.291: 17.12.2012, S.22.).

Nebenakteure

Von nicht unerheblicher Bedeutung sind auch die Mitwirkenden hinter den Kulissen, die zwar nicht aktiv an der Aufführung teilnehmen, für den Spielablauf aber enorm wichtig sind. Dazu gehören hauptsächlich Intendant und Spielleiter Albert Beer, sowie Annemarie Brückl und Luise Pickl, die für die Kostüme, die Maske und die Requisiten zuständig sind. Von großer Wichtigkeit sind auch die Ton- und Beleuchtungstechniker, sowie die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, mit deren Hilfe und Unterstützung ein Großteil der inoffiziellen Vorbereitungs- und Organisationsarbeit bewältigt werden konnte.
Darüber hinaus nimmt auch das Publikum eine weitere wichtige Rolle im Rahmen der Brauchträger ein. Die Gäste werden zwar nicht aktiv in das Geschehen miteinbezogen, fungieren aber ihrerseits trotzdem als Nebenakteure, da sie als Zuschauer an der Aufführung mitwirken, z.B. am Schluss beim gemeinsamen Singen des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“. Rund zweitausend Zuschauer werden jährlich bei der Stallweihnacht gezählt. Schätzungsweise mehr als dreißigtausend Besucher nahmen an der lebendigen Umsetzung der Weihnachtsgeschichte seit der ersten Aufführung im Jahr 1993 teil ( Vgl. Heberling/Franzetti/Gess/Kreitmeir,S.5.).

Performanzraum, Kulissen, Requisiten

Die Hepberger Stallweihnacht findet in einem abgeschlossenem Performanzraum, dem Hepberger Schloss, statt. Bereits der Innenhof wird in die Veranstaltung miteinbezogen und stimmt mit einer wärmenden Feuerstelle, einer Blechbläsergruppe, sowie mit Strohsternen geschmückten Hauswänden auf das Spiel ein. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, die Besucher können sich bei einem kleinen Essensstand mit Glühwein und Bratwurstsemmeln stärken.

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Die Aufführung der Stallweihnacht selbst, findet in einer großen überdachten ehemaligen Reithalle des Schlosses statt. Hier wird für die Zuschauer ein stufenartiger Zuschauerraum aufgebaut, von welchem aus die eigentliche Kulisse gut zu überblicken ist. Zu der Hauptkulisse gehört der Stall von Josef und Maria und den Tieren, eine Feuerstelle für die Hirten, ein kleines Gehege für die Schafe, sowie einer Holzempore, auf der sich die Musiker und der Leser des Evangeliums befinden. Die angrenzenden Räumlichkeiten werden für die Tontechnik, als Umkleideraum für die Akteure und für die Aufbewahrung der Requisiten genutzt. Dazu gehören die Kostüme, sowie die Geschenke der heiligen drei Könige. Auch für die Unterbringung der Tiere ist gesorgt. Diese werden in den bereits vorhandenen Pferdeställen des Schlosses untergebracht.
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Brauch und Rollenverständnis

Die Mitwirkenden der Hepberger Stallweihnacht, sowie der Ort Hepberg an sich, sehen die jährliche Aufführung, zu welcher die Besucher bis aus München und Nürnberg anreisen, als große Bereicherung für den kleinen Ort an. Gerade für die Akteure ist es eine Ehre und ein einzigartiges Erlebnis an der lebendigen Krippe teilzunehmen. Vor allem für die Darsteller der heiligen Familie, deren Bekanntgabe bis kurz vor der Aufführung ein gut gehütetes Geheimnis ist, ist es ein ganz besonderes Erlebnis und eine besondere Erinnerung. Die Akteure der heiligen Familie sind auch tatsächlich im realen Leben eine Familie und werden danach ausgewählt, ob sie optimalerweise aus Hepberg stammen oder anderweitig mit dem Ort verbunden sind und ein Kind im passenden Alter haben.

Organisation der Brauchveranstaltung

Der Hepberger Stallweihnacht, die traditionell am dritten Dezemberwochenende stattfindet, geht eine dreimonatige intensive Organisations- und Planungsarbeit voraus.
Dabei muss zunächst die heilige Familie ausgewählt werden, die einige Kriterien erfüllen sollte. So sind die Darsteller der heiligen Familie meist Ortsansässige, die mit der Stadt Hepberg verbunden sind. Bis zur Verkündung durch Spielleiter Albert Beer ein paar Wochen vor der Veranstaltung, bleiben deren Namen ein Geheimnis. Ein weiterer Organisationspunkt ist die Beschaffung der Tiere, der Ochse beispielsweise kommt aus Aresing, der Esel aus Echenzell, die Schafe aus Schernfeld und das Kamel, sowie das Pferd sogar bis aus Langerringen bei Augsburg. Diese Tiere muss das Team der Hepberger Stallweihnacht für die Aufführung extra von außerhalb herbringen lassen. Auch für die Musik muss gesorgt werden. Im beobachteten Fall konnte hier mit einer musikalischen Besonderheit aufgewartet werden. Da es sich um das zwanzigjährige Jubiläum der Stallweihnacht handelt, konnte in diesem Jahr neben Musikern aus der heimischen Region wie den Hepberger Blechbläsern oder der Ersgadener Hoagart´nmusi auch die bekannte Gruppe „Kitzbühler Sänger und Stubenmusik“ engagiert werden.

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte des beschriebenen Brauches

Spielleiter und Initiator der Hepberger Stallweihnacht ist Albert Beer. Der 73jährige Altbürgermeister der Gemeinde Hepberg las laut eigenen Angaben vor knapp 30 Jahren einen Zeitungsbericht über die Bad Reichenhaller Stallweihnacht der Gebirgsjäger.Diese Jäger setzten ihre Tragtiere - Haflinger und Mulis - in die Kulisse der biblischen Szenen ein. Fasziniert von dieser Darbietung beschäftigte Beer sich nahezu zehn Jahre mit der Idee, ein lebendiges Krippenspiel auch in seinem Heimatort Hepberg aufzuführen. Im Jahr 1998 entschloss er sich dieses Vorhaben umzusetzen. An Kontakten fehlte es dem damaligen Bürgermeister und Sportvereinvorsitzenden nicht und so musste er nicht lange Hausierengehen und es boten ihm einige Hepberger schnell und bereitwillig ihre Hilfe und tatkräftige Unterstützung an. Mit Reinhard Büchl fand sich bald ein Sprecher, der nun schon seit der ersten Stallweihnacht die Texte aus dem Evangelium vorträgt. Auch ein passender Ort für die Umsetzung und den Aufbau der Kulisse wurde Beer angeboten. Die Hepberger Familie Puppele stellte gerne ihre ehemalige Reithalle zur Verfügung, die mit dem großzügigen Vorhof, sowie den angrenzenden Ställen ein optimaler Ort für die Stallweihnacht und die Unterbringung der Tiere in der Zeit während des Aufführungswochenendes ist.

Durch das benachbarte Priesterseminar in der Bischofsstadt Eichstätt war es Albert Beer möglich, afrikanische Theologiestudenten oder Priester in der Ausbildung zu finden, die sich dafür begeistern ließen, einen der heiligen drei Könige zu spielen. So steht beispielsweise Caliope Bazitwinshi aus Burundi, der sieben Jahre lang einen der Könige spielte, bis heute in sehr engem Kontakt mit Beer, sowie dem ganzen Team. Jedes Jahr um dieselbe Zeit denke er im Gebet an die Hepberger Stallweihnacht. Lieh man am Anfang noch die Kostüme vom Ingolstädter Stadttheater aus, wurde schnell klar, dass ein größerer Fundus benötigt wurde. Zur Gewandmeisterin entwickelte sich in den nächsten Jahren daraufhin Luise Pickl, die sich zusammen mit zwei weiteren Damen nun schon seit fast sechzehn Jahren liebevoll um das Nähen, sowie das Instandhalten der Kostüme und der Requisiten kümmert. Einen ebenso wichtigen Anteil nehmen die mitwirkenden Musikanten in der Geschichte der Stallweihnacht ein. Etabliert haben sich dabei die Hepberger Blechbläser und die Denkendorfer Sängerinnen. Doch auch auswärtige und nicht jahrelang schon mitwirkende Musikgruppen werden wie etwa zum zwanzigjährigen Jubiläum nicht von der Stallweihnacht ausgeschlossen.
Seit der ersten Aufführung im Jahr 1993 konnten mehr als dreißigtausend Besucher gezählt werden. Aufgefallen ist Albert Beer dabei, dass in den letzten Jahren verstärkt auch immer mehr junge Menschen an dieser lebendigen Vermittlung der Botschaft teilnehmen möchten. Beer führt das Interesse der jungen Leute zurück auf deren Wunsch nach Feierlichkeit und besinnlichen Stunden in der oftmals hektischen Vorweihnachtszeit. Wurden früher die Karten allerdings noch überwiegend telefonisch bestellt, wobei Beer oftmals viel Persönliches über die Besucher erfuhr, so geschieht der Kartenvorverkauf heute hauptsächlich unpersönlich übers Internet (Vgl.Kirchenzeitung Nr.50, S.4-5 ).

Allgemeine Entwicklungsgeschichte des Brauches

Grundsätzlich versteht man unter einem Krippenspiel eine dramaturgische Umsetzung des Evangeliums durch den Menschen( Vgl.: Fuchs, Guido, S. 151). Die Vorläufer des heute bekannten Krippenspieles stammen aus dem frühen Mittelalter. Auch hier wurde in den geistlichen Schauspielen die Weihnachtsgeschichte schon dramaturgisch umgesetzt. Anfang des 12. Jahrhunderts wurde zu Beginn der Christmette am heiligen Abend ein Wechselgesang aufgeführt, bei welchem die Frage nach der Suche des Christuskindes im Mittelpunkt stand. „Quem queritis in praesepe, pastores, dicite- Wen sucht ihr in der Krippe, ihr Hirten, sprecht?“(Dietz- Rüdiger Moser, S. 72). Darauf folgte die Antwort: „Salvatorem Christum Dominum, infantem pannis involutum, secundum sermonem angelicum- den Heiland Christus den Herrn, das in Windeln gewickelte Kind, wie es der Engel gesagt hat“ (Dietz- Rüdiger Moser, S. 72). Weiter: „ Adest hic parvulus cum Maria matre sua- Er ist hier, der Kleine, mit seiner Mutter“( Dietz- Rüdiger Moser, S.72). Nach diesen Worten öffnete sich ein Vorhang, hinter welchem ein Abbild der Gottesmutter mit dem Jesuskind zu sehen war. Unmittelbar danach begann der Gottesdienst. Die Entstehung des Dramas liegt also unmittelbar in der Liturgie begründet und erklärt somit auch die zentrale Stellung, sowie die Wichtigkeit des Krippenspieles in der katholischen Christmette.

Die Verbreitung des Krippenspieles aus dem Kirchenbereich heraus in die privaten Häuser der Gläubigen und sogar bis in den Naturraum wird oftmals auf Franziskus von Assisi im Jahr 1223 zurückgeführt. Laut geschichtlichen Überlieferungen, die allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden können, soll der Heilige in der Nacht vom 25. Dezember ein Krippenspiel im römischen Ort Greccio organisiert haben. Dieses soll in der freien Natur stattgefunden haben. Er wollte wohl den Menschen auf diese Art und Weise das Leid und die Armut, die das Christuskind in jener Nacht seiner Geburt erfahren musste, so anschaulich wie nur möglich verdeutlichen.
Im Laufe der Zeit entstanden die meisten Krippenspiele im Zuge der katholischen Gegenreformation Anfang des 17. Jahrhunderts. Die Krippenspiele, die meist auf Weihnachtsliedern begründet waren, wurden in dieser Zeit oftmals zu lehrreichen Zwecken zugunsten der Glaubensunterweisung eingesetzt. Darüber hinaus sollten sie die Opferbereitschaft der Christen fördern. Durch die Aufklärung im späten 18. Jahrhundert zunächst zurückgedrängt, fanden die Krippenspiele in der romantischen Stimmung des 19. Jahrhunderts wieder gesellschaftliches Ansehen.
Auch bei den reformatorisch- protestantischen Gläubigen wurden biblische Stücke aufgeführt, deren pädagogisch- lehrreiche Intention allerdings noch viel ausgeprägter und viel mehr an den Bibelstellen orientiert war. Dementsprechend sollten diese Spiele von der Schuljugend aufgeführt werden, da im gleichen Zug versucht wurde, den Kindern schon von klein auf Gottes Worte nahe zu bringen. Dank des Buchdruckes waren diese Darbietungen schon sehr bald im ganzen Raum verbreitet und wurden oftmals auch nachgespielt.
Bis heute ist die Geburt Christi zentrale Thematik der meisten Krippenspiele. Im Laufe der Zeit wurden in manchen Fällen auch weitere Themen wie das Paradeisspiel eingebunden, um den Sündenfall als bedingende Voraussetzung für das Erlösungsgeschehen voranzustellen(Vgl.: Dietz- Rüdiger Moser, S. 72-78). Heute werden die Krippenspiele oftmals im klassischen Fall in der Kirche, aber auch in säkulären Räumen wie Schulen, Kindergärten oder privaten Räumlichkeiten wie im Schloss Hepberg aufgeführt. Ob dies in der hochdeutschen Sprache oder im Dialekt erfolgt, ist von der Region abhängig.

Allgemeine Verbreitung des Brauches

Die Weihnachtsgeschichte wird nicht nur in Bayern, sondern in vielen Gemeinden Deutschlands in lebendiger Version dargestellt. Lebendige Krippenspiele sind in ganz Deutschland beliebt und verbreitet. Dabei können örtliche, auf einzelne Gemeinden bezogene Unterschiede, beispielsweise hinsichtlich des Dialektes oder des Performanzraumes, festgestellt werden. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche Varianten im Bezug auf die Umsetzung der Inszenierung gebildet. Ein Beispiel für die lebendige Umsetzung der Weihnachtsgeschichte gibt es beispielsweise auf Schloss Dyck in Jüchen in der Nähe von Mönchengladbach. Hier stellen Laienschauspieler im dortigen englischen Landschaftsgarten die Weihnachtsgeschichte in Szenen und Bildern da (Vgl. Weblink 1). Weiteres Beispiel der Darstellung der Geschichte um Jesu Geburt ist das Krippenspiel in Ziethen bei Duisburg (Vgl.Weblink 2). Dies findet jährlich am Nachmittag des heiligen Abend statt. Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine lebendige Darstellung der Geschichte, organisiert von der „Evangelischen Brüder Unität-Herrnhuter Brüdergemeinde“ in Cottbus (Vgl. Weblink 3).
Eine weitere sehr anschauliche Inszenierung der Herbergssuche von Maria und Josef, die sogar an verschiedenen Stationen eines Ortes stattfindet, ist im badischen Wittelsbach zu finden. Die Schauspieler versuchen durch die verschiedenen Stationen die beschwerliche Herbergssuche Maria und Josefs besonders real darzustellen. Die Darstellung der Weihnachtsgeschichte wird hierbei zudem musikalisch umrahmt (Vgl. Weblink 4).

Quellenbasis

Weblinks

1.) http://www.stiftung-schloss-dyck.de/de/veranstaltungen/maerkte/2013/schlossweihnacht.html

2.) http://www.rp-online.de/niederrhein-nord/duisburg/nachrichten/lebendiges-krippenspiel-1.3115469

3.) http://www.ebu.de/aktuelles/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=181&cHash=b365de325f5a51830c7342ba4b52e60f

4.) http://www.badische-zeitung.de/seelbach/lebendiges-krippenspiel--67416775.html

Belege, Literatur

  • Die Bibel: Einheitsübersetzung, Schwabenverlag, 7. Auflage 1997.
  • Fuchs, Guido: Heiligabend. Riten, Räume, Requisiten. Regensburg 2002.
  • Heberling/ Franzetti/ Gess/ Kreitmeir (Hrsg.): Kirchenzeitung Nr. 50 für das Bistum Eichstätt: Eichstätt 9.12.2012.
  • Moser, Dietz- Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr, Freiburg, 2002.

Bildnachweis

Abb.1: Diana, André und Frieda Gerhardt (Sonntag, 16. Dezember, 2012, Hepberg)

  [http://www.stallweihnacht.de/impressionen/IMG_1253.JPG http://www.stallweihnacht.de/impressionen/IMG_1253.JPG]

Abb.2: Diana, André und Frieda Gerhardt (Sonntag,12. Dezember, 2012, Hepberg)

 [http://www.stallweihnacht.de/impressionen/familie.jpg http://www.stallweihnacht.de/impressionen/familie.jpg]

Abb.3: Hirten vor der Feuerstelle (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)

[http://www.stallweihnacht.de/impressionen/impressionen-03.jpg http://www.stallweihnacht.de/impressionen/impressionen-03.jpg]

Abb.4: die heiligen drei Könige (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)

 [http://www.stallweihnacht.de/impressionen/IMG_1391.JPG http://www.stallweihnacht.de/impressionen/IMG_1391.JPG]

Abbildung 5: Albert Beer mit Fernsehteam, private Aufnahme (Sonntag, 16. Dezember 2012, Hepberg)

Abb.6: Hepberger Blechbläsergruppe (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)
http://www.stallweihnacht.de/impressionen/impressionen-01.jpg

Abb.7: Kulisse (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)
http://www.stallweihnacht.de/impressionen/IMG_1397.JPG

Abb.8: Zuschauerempore, private Aufnahme (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)

Abb.9: Feuerstelle der Hirten, private Aufnahme (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)

Abb.10: Stall der heiligen Familie, private Aufnahme (Sonntag, 12. Dezember, 2012, Hepberg)

Abbildung 11: Albert Beer, private Aufnahme (Sonntag, 16. Dezember 2012, Hepberg)

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