Benutzer    Passwort
neues Benutzerkonto anlegen
Neu 
RSS

Gita-Jayanti

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
Bräuche > Religion
Bräuche > Weltlich > Feste
Geprüfte Artikel > Grüner Artikel


Termin

Dieser Brauch ist am 29.11.2017.

Gītā-Jayanti – ein Hindu-Fest in Deutschland

Gītā-Jayanti ist ein hinduistisches Fest, welches von verschiedenen Traditionen des Hinduismus, insbesondere aber von allen Traditionen der Viṣṇu-Anhänger (Vaiṣṇavas) gefeiert wird.

CIMG0918.JPG

Der Hauptaltar in Nahaufnahme.

Anlass dieses Festes ist die Verkündigung der Bhagavad-Gītā (gītā = Gesang, bhagavad = Gottes). Nach traditioneller Ansicht wurde die Bhagavad-Gītā vor über 5000 Jahren von Gott Kṛṣṇa verkündet. Auf dem Schlachtfeld von Kurukṣetra („das Feld der Kurus“), das etwa 160 Kilometer nördlich von New Delhi im Bundesstaat Hariyāṇā liegt, fand der Bruderkrieg der Kauravas gegen die Pāṇḍavas statt.[1] Beide Clans gehörten zur Kuru-Dynastie. Die Pāṇḍavas wurden von den Kauravas um ihr Anrecht auf das Königreich betrogen. Dieser Streit endete in der 18 Tage dauernden Schlacht, die in Kurukṣetra stattfand. In dieser Schlacht kämpften die Helden der damaligen Zeit gegeneinander. Freunde kämpften gegen Freunde, Verwandte gegen Verwandte und Schüler kämpften gegen ihre Lehrer. Zu Beginn der Schlacht sollte Arjuna, einer der fünf Pāṇḍava-Brüder, das Signal zum Beginn der Schlacht geben. Er sah in den gegnerischen Reihen Verwandte, Freunde und Lehrer. In dieser Situation überkamen ihm Zweifel, ob es richtig ist, für ein Königreich zu kämpfen und dadurch den Tod von Verwandten und Lehrern in Kauf zu nehmen. Arjuna sank auf seinem Streitwagen zusammen und verweigerte den Kampf. Gott Kṛṣṇa, sein Wagenlenker, verkündet nun die Bhagavad-Gītā, um Arjuna mit heiligem Wissen zu erleuchten und ihm zu zeigen, was seine Pflicht ist.[2]

Diese Verkündigung der Gītā auf dem Schlachtfeld von Kurukṣetra wird alljährlich im Monat Mārgaśīrṣa (vom 22. November bis zum 21. Dezember) gefeiert, und zwar in der Monatshälfte des zunehmenden Mondes am 11. Tag (der elfte Tag – sanskrit: Ekādaśī – ist für die Vaiṣṇavas in jedem Monat ein Feiertag, an dem gefastet wird).


[1] Vgl.: John Howley (Jada Bharata Dasa): Holy Places and Temples of India; Rekha Printers Pvt. Ltd., New Delhi 1996; S. 285

[2] Vgl. hierzu: Klaus Mylius: Geschichte der altindischen Literatur; Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1988; S. 109 ff., sowie: Leopold von Schroeder: Bhagavadgita, Aschtavakragita, Indiens heilige Gesänge; Eugen Diedrichs Verlag, München 61990; S. 10 ff., ferner: His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupāda: Bhagavad-Gītā wie sie ist; The Bhaktivedanta Book Trust, Grödinge 1987; S. 35-68 (1. Kapitel der Bhagavad-Gītā)

Terminierung / Turnus

Jeder Monat des indischen Kalenders hat eine dunkle Hälfte (Kṛṣṇa-Pakṣa) und eine helle Hälfte (Śukla-Pakṣa). Die helle Hälfte beginnt bei Neumond und umfasst die Zeit des zunehmenden Mondes bis zum Vollmond. Die dunkle Hälfte beginnt bei Vollmond und dauert dann die Zeit des abnehmenden Mondes bis zum Neumond an.

Jede Monatshälfte umfasst 15 Tage, und jeder Tag wird mit einem bestimmten Namen bezeichnet, wobei die meisten Bezeichnungen einfach die „Nummer“ des Tages sind, z.B. Pañcamī = der Fünfte oder Ekādaśī = der Elfte. Der erste Tag einer Monatshälfte wird jeweils Pratipat genannt. Der 15. Tag der hellen Monatshälfte wird mit Pūrṇimā bezeichnet, was Vollmond heißt. Der 15. Tag der dunklen Monatshälfte heißt Amāvāsya, was Neumond bedeutet.

Ein Monat besteht also aus zwei Hälften mit jeweils 15 Tagen:[1]

IndischerMonat.jpg

Tage des indischen Monats.

Gītā-Jayanti ist immer am elften Tag der hellen Monatshälfte des Monats Mārgaśīrṣa und entspricht in unserem Kalender in etwa der Zeitspanne vom 22. November bis zum 21. Dezember. Gītā-Jayanti findet demnach einmal im Jahr statt.

In der westlichen Welt wird dieses Fest in diversen Tempeln oder hinduistischen Zentren bzw. Yoga-Zentren gefeiert. Dabei kann es vorkommen, dass man diesen Feiertag auch am darauf folgenden Wochenende zelebriert, weil unter der Woche erfahrungsgemäß weniger Leute dieses Fest zelebrieren können.

Gītā-Jayanti findet immer an einem Ekādaśī statt. Ekādaśī ist für die Vaiṣṇavas ein besonderer Tag. An Ekādaśī fastet man entweder komplett, d.h. man fastet auch von Wasser, oder man hält das minimale Fasten ein, d.h. man fastet von Getreide und Hülsenfrüchten. Fasten an Ekādaśī bedeutet für die Vaiṣṇavas spirituelle Fortschritte zu machen und Segnungen zu bekommen.[2]

Da Gītā-Jayanti immer an einem Ekādaśī stattfindet, ist es kein opulentes Fest, wie die anderen Feiertage der Vaiṣṇavas, sondern es ist ein Fest, das eher asketische Züge trägt und mehr kontemplativ zelebriert wird. An diesem Feiertag gibt es keine großen Festmähler in den Tempeln. In den sehr strengen Vaiṣṇava-Tempeln Indiens wird noch nicht einmal das Essen, das von den Vaiṣṇavas immer zu den Göttergestalten geopfert wird, an die Gläubigen gegeben (wie sonst üblich). Man wartet damit bis zum nächsten Tag, wenn Ekādaśī wieder vorbei ist.[3]

Im Jahr 2014 findet Gītā-Jayanti am Donnerstag, dem 2.Dezember statt.


[1] Vgl. hierzu: Hart de Fouw, Robert E. Svoboda: Light on Life, An Introduction to the Astrology of India; Lotus Press, Twin Lakes 22003; S. 185 f.

[2] Vg.: Tridaṇḍisvāmī Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Nārāyaṇa Mahārāja: Śrīmad Bhagavad-Gītā with the commentaries by Śrīla Viśvanātha Cakravartī hākura, Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Nārāyaṇa Mahārāja; Gauḍīya Vedānta Samiti, New Delhi 2000; S. 1089

[3] Alle Informationen bzgl. Ekādaśī habe ich aus einem Gespräch mit der Tempelpräsidentin des Münchner ISKCON-Tempels erhalten.

Empirische Dokumentation

Kurzbeschreibung der Beobachtungssituation

Gītā-Jayanti fand im Jahr 2013 am Donnerstag, den 12.12.2013 statt. Im Tempel der ISKCON (=International Society for Kṛṣṇa-Conciousness) in München (Wachenheimerstraße 1) kamen ab ca. 17:00 Uhr die ersten Besucher. Insgesamt waren etwa 25 Teilnehmer anwesend. Der größte Teil von ihnen war in westlicher Kleidung gekleidet, lediglich vier Teilnehmer trugen traditionelle indische Gewänder (die Frauen trugen Saris, die Männer trugen Dhotis – Wickelgewand der Männer – und Kurtas – Oberhemden der Männer). Da es draußen winterlich kalt war, waren alle Teilnehmer dementsprechend warm angezogen.

CIMG0933.JPG

Sharad Shukla: Der Rezitator der Gebete, des Gītā-māhātmya sowie der Bhagavad-Gītā.

Während die Teilnehmer eintrafen, diskutierten die Tempelpräsidentin und einer der Gemeindemitglieder noch die konkrete Ausgestaltung des Festes. Es ging darum, in welchen Sprachen die Bhagavad-Gītā rezitiert werden sollte. Da ein großer Teil der Teilnehmer indischer Abstammung war, einigte man sich darauf, dass man die Gītā in englischer Sprache rezitieren werde, und dann, wenn mehr deutschstämmige Teilnehmer kommen würden, zusätzlich noch in deutscher Sprache rezitieren wird. Im Hintergrund wurde von einem der Gemeindemitglieder die Bhagvad-Gītā traditionell in Sanskrit, der alten Hochsprache Indiens, rezitiert.

Zum Vorbereitungsteil gehörte die Frage, in welchen Sprachen man die Gītā vortragen solle, und wer dies machen wird. Man einigte sich darauf, dass ein Gemeindemitglied die Gītā in Sanskrit rezitieren wird, und dass parallel dazu ein anderes Gemeindemitglied die Gītā in englischer Sprache vorträgt.

Ebenso zum Vorbereitungsteil gehörte auch die Dekoration des Tempelraumes. Hierzu wurden vor dem Altar Bhagavad-Gītā-Ausgaben in der Übersetzung des ISKCON-Gründers Śrīla A. C. Bhaktivedānta Svāmī Prabhupāda positioniert.

Ebenso zum inoffiziellen Vorbereitungsteil gehörte das Zubereiten des Essens in der Tempelküche. Alle Gäste und Besucher des Tempels bekommen im Tempel stets ein Essen, das auf dem Altar zu den Bildgestalten geopfert wurde. Dieses Mahl war, weil Ekādaśī war, ohne Getreide oder Hülsenfrüchte zubereitet, das heißt es gab keinen Reis oder Dal (Linsengericht). Es bestand aus einem indischen Gemüsegericht und einer indischen Süßigkeit.

Dieses Essen wird nach der Opferung Prasadam genannt. Während und nach dem Hauptprogrammteil konnten so alle Besucher des Tempels einen Imbiss einnehmen.

Die Gītā-Rezitation ist der Hauptteil des Gītā-Jayanti-Festes. Alle 800 Verse werden an Gītā-Jayanti rezitiert. Im ISKCON-Tempel bekam dazu jeder Besucher eine Bhagavd-Gītā und konnte so jeden Vers in Sanskrit mitlesen und in englischer Sprache, mitrezitieren.

Das „offizielle“ Programm begann um 17:30 Uhr. Alle Teilnehmer versammelten sich im Tempelraum und nahmen auf dem Boden oder auf einem der Stühle, die an einer Seite des Tempelraumes stehen Platz. Es gibt keine feste Sitzordnung. Eines der Gemeindemitglieder sang zu Beginn nach Vaiṣṇava-Tradition Verehrungsgebete für den Gründer der ISCON, Śrīla A. C. Bhaktivedānta Svāmī Prabhupāda[1], dessen Lehrer Bhaktisiddhānta Sarasvatī sowie Verehrungsgebete für den Begründer dieser Vaiṣṇava-Tradition, Caitanya Mahāprabhu, ein bengalischer Mystiker des 16.Jahrhunderts war.[2]. Nach den Gebeten für die Lehrer dieser Tradition folgte das Hare-Kṛṣṇa-Mantra, das zusammen ein paar Mal gesungen wurde.

AltarGita.JPG

Der Altar wurde im vorderen Bereich mit Ausgaben der Bhagavad-Gītā von Śrīla A.C. Bhaktivedānta Svāmī Prabhupāda geschmückt.

Im Anschluss daran wurden Verse zur Verherrlichung der Bhagavad-Gītā gesungen. Diese Verse sind als Gītā-māhātmya bekannt.[3] Danach begann die Rezitation der Bhagavad-Gītā: Dazu setzte sich einer der Gemeindemitglieder etwas abseits, um im weiteren Verlauf die Gītā in Sanskrit zu rezitieren. Ein anderes Gemeindemitglied saß vor einem Mikrofon und las die Gītā in englischer Sprache vor. Die Gītā-Rezitation begann etwa ab 17:45 Uhr. Im Verlauf der Rezitation trafen immer mehr Besucher und Gemeindemitglieder ein, die sich entweder an der Rezitation beteiligten, oder vor dem Tempelraum im gemeinschaftlichen Aufenthaltsraum trafen und dort unterhielten.

Ab 18:00 Uhr fand das allabendliche Tempelritual Gaura-Arati statt. Dabei werden den Bildgestalten auf dem Altar Räucherwerk, Lichter, Wasser, ein Tuch und Blumen geopfert. Zur Gaura-Arati singen die Besucher des Tempels normalerweise bestimmte Lieder und tanzen dabei. An Gītā-Jayanti fand dies nicht auf diese Weise statt. Es wurde einfach die Bhagavad-Gītā rezitiert, und die Gaura-Arati war im Altarraum von jedem Besucher zu sehen. Eines der Gemeindemitglieder, der traditionell indisch gekleidet war, trug die ganzen Opfergaben, nachdem sie von der Priesterin den Bildgestalten dargebracht wurden, zu einem kleinen Altar gegenüber des Hauptaltars, auf dem sich eine kleine Bildgestalt des Gründers der ISKCON befand. Die Opfergaben – in diesem Fall das Butterlicht, das Wasser und die Blume – wurden dem Gründer der ISKCON dargebracht, und anschließend allen Anwesenden im Tempel. Jeder Besucher konnte seine Hände über das Butterlicht halten und sich vor dem Licht verneigen. Vom geopferte Wasser wurde jedem Anwesenden ein paar Tropfen auf den Hinterkopf gesprenkelt und die geopferte Blume wurde jedem Anwesenden zum daran Riechen dargeboten.

Während der Gaura-Arati wurde die Rezitation der Gītā kein einziges Mal unterbrochen.

Die Rezitation der Gītā endete um ca. 21:25 Uhr. Am Ende der Rezitation wurden noch Gebete gesprochen, welche die Lehrer der Tradition, zu denen der Münchner Kṛṣṇa-Tempel gehört, verehrten, sowie die heiligen Orte und alle anwesenden Gemeindemitglieder und Besucher[4].

Während der Gītā-Rezitation konnte man entweder im Tempelraum sitzen und an der Rezitation teilnehmen, oder man konnte in den Aufenthaltsraum vor dem Tempelraum sitzen und mit den Besuchern und Gemeindemitgliedern dort reden oder etwas essen.


[1] Informationen zu dem Gründer von ISKCON: http://de.wikipedia.org/wiki/A.C._Bhaktivedanta_Swami_Prabhupada am 06.01.2014

[2] Zur Geschichte der Kṛṣṇa-Bewegung siehe: http://krishnaloft.jimdo.com/lehren/geschichte-der-hare-krishna-bewegung/ am 06.01.2014

[3] Gītā-māhātmya: Der vollständige Text befindet sich Ende bei Gebete und Mantras.

[4] Prema-Dhvani-Gebete: Der vollständige Text befindet sich Ende bei Gebete und Mantras.

Ablauf

Der zeitliche Ablauf umfasste einen Vorbereitungsteil, sowie einen Hauptteil. Sowohl zum Vorbereitungsteil als auch zum Hauptteil haben alle Gemeindemitglieder und Besucher des Tempels die Möglichkeit, bei der Vorbereitung zu helfen. Insofern kann man nicht wirklich von einem offiziellen und inoffiziellen teil sprechen. Alle Aktivitäten, die man vor, während und nach diesem fest begehen kann, sind für alle Menschen offen. Hilfe ist im Hare Kṛṣṇa-Tempel immer gerne gesehen. Zudem ist das aktive Mithelfen in der Sicht der Vaiṣṇavas eine Möglichkeit, Gott Kṛṣṇa zu dienen und ihn so zu verehren.

Der zeitliche Ablauf lässt sich in etwa so darstellen:

Ablauf.jpg

Akteure

Die Akteure kann man in folgende Gruppen zusammenfassen:

  • Eingeweihte Mönche und Nonnen
  • Gemeindemitglieder
  • Besucher und Gäste
  • Pūjāri/Pūjārinī

1. Eingeweihte Mönche und Nonnen:

Das sind Menschen, die von einem Guru (Lehrer) der ISKCON eine Einweihung bekommen haben. Sie haben sich entschlossen, im Tempel zu leben. Dort leben sie ähnlich wie in einer Klostergemeinschaft zusammen.

Die meisten Mönche und Nonnen sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Sie waren zumeist traditionell indisch gekleidet.

2. Gemeindemitglieder:

Das sind Menschen, die als so genannte Haushälter leben, das heißt, sie leben außerhalb des Tempels, gehen einem Beruf nach, und können auch eine Einweihung haben, oder fühlen sich einfach der Gemeinschaft zugehörig und praktizieren das Kṛṣṇa-Bewusstsein und halten sich an gewisse Regeln und Vorschriften (z.B. vegetarische Ernährung, keine Drogen und keine Rauschmittel, worunter auch Kaffee und Schwarztee zählen).

Der größte Teil der Gemeindemitglieder stammte aus Indien. Einer von ihnen stammte aus Kaschmir, zwei aus Bengalen, dem „Heimatland“ der ISKCON. Die deutschen Gemeindemitglieder waren ebenso wie die indischen Gemeindemitglieder westlich gekleidet. Ihr Alter war meist zwischen dreißig und vierzig, nur ein deutscher Besucher war schon jenseits der fünfzig.

Die Frauen der indischen Gemeindemitglieder trugen traditionelle indische Kleidung.

3. Besucher und Gäste:

Das sind all diejenigen, die entweder zum ersten mal oder auch schon öfters im Tempel sind bzw. waren, die jedoch der Kṛṣṇa-Gemeinschaft nur nahe stehen, ohne die Regulierungen des Kṛṣṇa-Bewusstseins streng zu praktizieren.

Die beiden Besucher waren Frauen, die sich zwar dem Kṛṣṇa-Tempel zugehörig fühlen, jedoch auch andere Yoga-Traditionen besuchen oder in andere indische Tempel in München gehen. Die beiden Frauen trugen einen Mix aus indischen und westlichen Kleidungsstücken.

4. Pūjāri/Pūjārinī:

Das sind diejenigen Menschen, die von einem Lehrer die Rituale gelernt haben, die man im Altar praktiziert. Das heißt es sind Priester und Priesterinnen. Sie müssen mindestens eine Einweihung haben, und den Prinzipien des Kṛṣṇa-Bewußtseins folgen.

Die Pūjārinī des Münchner Tempels ist eine Frau. Sie trug einen einfachen Sari und ist schon seit über zehn Jahren für die Verehrung der Bildgestalten im Münchener Tempel zuständig.

Performanzraum, Kulissen, Requisiten

Der Tempelraum ist ein großer Raum, dessen vorderer Teil vom Rest durch ein hüfthohes Holzgeländer abgetrennt ist. Dahinter befindet sich der Altarraum. Vom Altarraum gelangt man direkt in den Vorraum des Altares, der direkt in die Tempelküche führt.

Gegenüber dem Hauptaltar ist ein kleiner Altar, auf dem eine kleine Figur des Gründers der ISKCON befindet. An der langen Seite des Tempelraumes befindet sich ein indischer Sessel, der Vyāsāsana genannt wird. Dieser Platz ist für die Gurus (Lehrer), und all diejenigen bestimmt, die im Tempel eine Vorlesung halten und dabei aus den heiligen Schriften referieren. Auf der gegenüberliegenden Seite sind Stühle an der Wand, für all diejenigen, die aufgrund ihres Alters oder aus anderen Gründen nicht in der Lage sind, auf dem Boden zu sitzen. Jeder Vortrag, jedes Ritual oder auch die täglichen Programme im Tempel werden entweder im Stehen oder im Sitzen verbracht. Wie in indischen Tempeln üblich, sitzt man dabei auf dem Boden. Im Münchner Tempel gibt es hierfür Sitzkissen, damit man nicht auf dem kalten Boden sitzen muss.

Der Altarraum im Tempel wird mit elektrischem Licht hell beleuchtet. Zusätzlich befinden sich noch zwei Ölleuchten im Altarraum. Der Rest des Tempels ist ebenfalls elektrisch beleuchtet, wobei das Licht gedämmt werden kann.

Tempelraum01.jpg

Der Altar des Münchner Kṛṣṇa-Tempels mit den Bildgestalten von Lord Caitanya und Lord Nityānanda.

CIMG0922.JPG

Der Vyāsāsana, der Ehrenplatz für alle Gurus und Vortragsredner, die im Münchner Tempel Vorträge halten.

Tempelraum02.jpg

Der kleine Altar mit Śrīla A.C. Bhaktivedānta Svāmī Prabhupāda in Nahaufnahme.

Brauch- und Rollenverständnis

Gītā-Jayanti ist ein hinduistisches Fest, das im Westen gefeiert wird, seit es hier hinduistische Gemeinschaften gibt. In Indien sind die Rollen sehr klar, alle Angelegenheiten, die mit Ritualen zu tun haben, werden dort von Pūjāris ausgeführt, die meistens Brahmanen sind. Ebenso ist die Rolle der Tempelbesucher und Gemeindemitglieder eines Tempels sehr klar. All dies ist durch den kulturellen Background festgelegt. Der Brahmane hat in Indien ein sehr hohes Ansehen, und niemand würde auf die Idee kommen, seine Stellung anzuzweifeln.

Hier im Westen ist dies ein wenig anders. Hinduistische Gemeinschaften im Westen gelangten zwar durch hinduistische, d.h. indische Missionare in den Westen, aber hier fehlte es an der Kultur und an all den gesellschaftlichen Strukturen, die es in Indien gibt. Das bedeutet, dass jede Rolle, die hier mit einer in Deutschland geborenen Person besetzt wird, nicht automatisch das elbe Ansehen genießt, wie dies in Indien der Fall wäre. Als Beispiel: Im Münchner ISKCON-Tempel gibt es, genauso wie in den indischen Tempeln Pūjāris (Priester). Diese Pūjāris sind in Indien zumeist Brahmanen. In den ISKCON-Tempeln sind es ebenso Brahmanen. Die Stellung eines Brahmanen in Indien ist eine besondere Stellung, immerhin ist die gesellschaftliche Stellung eines Brahmanen die, dass er an der Spitze der gesellschaftlichen Klassen (oder auch Kasten, die es offiziell aber nicht mehr gibt – angeblich) steht. Im Westen gibt es diese sozialen Klassen nicht (oder zumindest nicht in der Art wie es sie in Indien [„nicht mehr“] gibt). Und dennoch hat auch ein westlicher Brahmane eine herausragende Stellung innerhalb einer westlichen hinduistischen Gemeinschaft. Diese herausragende Stellung wird dann noch dadurch unterstrichen, wenn gebürtige Inder, welche eine Gemeinschaft wie die ISKCON besuchen, die Stellung des Pūjāris bzw. Brahmanen ebenso achten, wie sie es in Indien auch machen würden, und das, obwohl der Pūjāri hier kein Brahmane durch Geburt ist. Das bedeutet, dass die Rolle, die ein westlicher Mensch innerhalb einer Gemeinschaft wie der ISKCON haben kann vor allem darauf beruht, welche Befähigung er dazu hat. Jede Rolle, die man in einer hinduistischen Gemeinschaft im Westen haben kann, hat man sich sozusagen durch seine Leistungen „verdient“. Ein Phänomen in Indien ist, dass Rollen und soziale Stellungen oft durch Geburt erlangt werden. Dieses Phänomen gibt es hier im Westen nicht. Jede Rolle innerhalb einer Gemeinschaft wie in ISKCON erlangt man durch sein Können und sein Wissen, vor allem aber durch seinen Lebensstil, der entsprechend der Lehren der ISKCON einfach, demütig und authentisch sein soll.[1]

Gītā-Jayanti ist für alle Akteure des Tempels, sowie für alle Besucher der Erscheinungstag der Bhagavad-Gītā. Aus traditioneller Sicht wurde die Gītā vor etwa 5000 Jahren auf dem Schlachtfeld von Kurukṣetra von Gott Kṛṣṇa persönlich gesprochen. Dieser Ansicht steht eine Ansicht gegenüber, die aus dem Bereich der historisch-kritischen Textforschung stammt. Nach Ansicht der historisch-kritischen Textforschung ist die Bhagavad-Gītā eine Schrift, die mehrere Redaktionen erfahren hat. Ganz deutlich ist zu erkennen, dass es in der Gītā einen tiefen Gegensatz zwischen dem vedāntischen, brahmanischen Gedankengut und dem Gedankengut der Bhāgavatas, welches ein extrem ethisches Gedankengut der Kṣatriyas (Kriegerkaste) ist, dessen philosophische Grundlage Yoga und Sāṁkhya ist.[2] Auf dieser Gegensätzlichkeit beruhen die gängigen Datierungsversuche, welche die Bhagavad-Gītā etwa in das 4. oder 3. vorchristliche Jahrhundert datieren. Der Einschub dieses Werkes in den Erzählstrom des Mahābhārata geschah etwa im 2. Jahrhundert nach Christus. Ab diesem Zeitpunkt war die Gītā redaktionell „fertig gestellt“ und wurde seither wohl nicht mehr verändert.[3]

In ISKCON steht demnach ein altes, traditionelles Glaubenssystem einem wissenschaftlichen Erklärungssystem gegenüber. Die Anhänger der ISKCON haben sich für das alte Glaubenssystem entschieden, demnach die Gītā eine ewige und alterslose Weisheit ist, die vor 5000 Jahren von Kṛṣṇa verkündet wurde.


[1] Vgl. hierzu: Edmund Weber (Hrsg.): Krishna im Westen; Studia Irenica, Bd. 30; Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt a. M. 1985; S. xv

[2] Vgl. hierzu: Richard Garbe: Die Bhagavad-Gītā; H. Haessel Verlag, Leipzig 1921; S. 20: „Kurz gesagt: in dem alten Gedicht wird der durch Sāṁkhya-Yoga philosophisch begründete Kṛṣṇaismus verkündigt; in den Zutaten der Bearbeitung wird Vedānta-Philosophie gelehrt.“, sowie: Paul Deußen: Allgemeine Geschichte der Philosophie, Band I-3; F. A. Brockhaus, Leipzig 1908; S. 409 f.

[3] Vgl.: Klaus Mylius: Geschichte der altindischen Literatur; Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1988; S. 115

Organisation der Brauchveranstaltung

Organisiert wird das Fest vom jeweiligen Tempel oder Zentrum, in diesem Fall vom Hare-Kṛṣṇa-Tempel München.

Der Tempel wird vom Verein für vedische Kultur e. V. getragen. Jeder Tempel in Deutschland ist selbstverwaltet. Die Leitung eines Tempels hat der Tempelpräsident inne, in München eine Frau. Ein Tempelrat entscheidet demokratisch über alle Belange des jeweiligen Tempels. Alle Tempel in Deutschland und Österreich gehören dem deutsch-österreichischen Dachverband, die ISKCON Deutschland-Österreich e.V. an. International gibt es ein Gremium aus 35 Mitgliedern, den so genannten GBC (Governing Body Commission). „Das GBC-Gremium ernennt aus den eigenen Reihen GBC- Vertreter, die sich um bestimmte Bereiche in der Welt kümmern und sehen, dass einerseits die internationalen Standards eingehalten werden, aber auch um vor Ort Anliegen entgegenzunehmen und zu helfen. Für Deutschland und Österreich ist zur Zeit His Grace Ravindra Svarupa dasa zuständig.“[1]


Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte des beschriebenen Brauches

Die Verehrung der Bhagavad-Gītā als heiliges Buch liegt wie bei allen Datierungsversuchen bzgl. indischer, alter Schriften im Dunkeln. Die Inder hielten nicht viel von einer chronologischen Geschichtsschreibung. Insbesondere nicht, wenn es um heiliges Wissen geht, denn dieses ist ewig und dementsprechend nicht datierbar.

Der Inhalt der Bhagavad-Gītā ist eine Zusammenfassung der verschiedenen philosophischen und religiösen Strömungen die es bis dahin in Indien gab. Ihr Inhalt reicht von monotheistischer Theologie, dem Glaube an den einen Gott Kṛṣṇa, bis hin zu monistischen Gedanken der Vedānta-Lehre; weiterhin werden Bestände aus der Sāṃkhya-Philosophie gelehrt, als auch die Lehren der Upaniṣads bzgl. brahman (höchste und einzige Wirklichkeit) und ātman (brahman als individuelle Seele).

Die Bhagavad-Gītā entstand nach Ansicht der meisten westlichen Indologen etwa zwischen 400 v. Chr. und 200 n. Chr., wurde mehrmals überarbeitet und „erweitert“ und erfuhr dadurch verschiedenste Redaktionen. Die Bhagavad-Gītā ist Teil des indischen Nationalepos Mahābhārata. Im 6. Buch (Bhīṣma-Parva; 25-42) des Mahābhārata ist die Bhagavad-Gītā eingebettet in den Erzählstrom des Epos. Die Gītā besteht aus 700 Versen, die in 18 Kapitel bzw. Gesänge gegliedert sind. Ursprünglich war die Gītā ein Lehrgedicht, das in den Kreisen der Kriegerkaste beheimatet war. Nach und nach fand sie auch Beachtung und Bedeutung in den brahmanischen Kreisen, um am Ende als eine der zentralen Schriften des Hinduismus zu gelten.[1] Es spielt fast keine Rolle, zu welcher sozialen Schichtung man gehört, oder zu welcher religiösen Tradition des Hinduismus; die Bhagavad-Gītā ist die Bibel der Hindus und wird geachtet als direkte Offenbarung des Gottes Kṛṣṇa. Gītā-Jayanti erinnert an diesen Tag, an dem die Gītā von Kṛṣṇa verkündet wurde. Es ist sozusagen der Erscheinungstag/Geburtstag (jayanti) der Gītā.

Das Fest Gītā-Jayanti konnte überhaupt zum ersten Mal in Indien gefeiert werden, als das Buch fertig gestellt wurde, und den „Status“ eines heiligen Buches hatte. Wie schon beschrieben war die Gītā etwa im 2. nachchristlichen Jahrhundert redaktionell abgeschlossen. Den Status als „heiliges Buch“ für den größten Teil der Hindus bekam die Gītā spätestens zu dem Zeitpunkt, als sie von dem Hinduphilosophen Śaṅkara kommentiert wurde. Śaṅkara, der große Vedānta-Philosoph hinterließ Kommentare zu den Upaniṣads, zum Brahma-Sūtra und zur Bhagavad-Gītā. Jeder Begründer einer neuen Schulrichtung schrieb zu diesen drei Texten, die im System des Vedānta als grundlegende Texte gelten und als prasthāna-traya bezeichnet werden, eigene Kommentare. Und frühestens ab Śaṅkara hatte die Bhagavad-Gītā den Rang eines heiligen Buches, das in den Kanon der heiligen Texte der Inder gehört.[2] Das heißt, dass Gītā-Jayanti allerfrühestens im 8. oder 9. nachchristlichen Jahrhundert gefeiert werden konnte, denn Śaṅkara lebte im ausgehenden 7. nachchristlichen Jahrhundert.

Wenn man jedoch den Ausführungen Richard Garbes folgt, so war die Bhagavad-Gītā schon immer ein heiliges Buch einer religiösen Bewegung in Indien, die vor allem im Nordosten Indiens beheimatet war, nämlich der Bhāgavatas. Ob jedoch diese religiöse Bewegung, die es in ihrer alten Form heute nicht mehr gibt, Gītā-Jayanti gefeiert haben, ist unbekannt aufgrund fehlender doxographischer Belege. Fakt ist, dass die großen Vaiṣṇava-Bewegungen in Indien, allen voran die Tradition der bengalischen Vaiṣṇavas (Gaudiya-Vaiṣṇavas), zu denen die ISKCON gehört, sowie die südindischen Vaiṣṇavas in der Nachfolge von Rāmānuja und Madhva dieses Fest feiern. Ebenso wird dieses Fest von vielen Anhängern des Śaṅkara gefeiert, obwohl diese keine Vaiṣṇavas sind, sondern zum „gegnerischen“ Lager der Śaivas (Śiva-Verehrer) gehören.

Im Kṛṣṇa-Tempel in München wird dieses Fest seit ca. 10 Jahren gefeiert. Vorher wurde es in München nicht gefeiert. Der Grund, warum es im Münchner Tempel gefeiert wird liegt vermutlich darin, dass durch den immer größer werden Teil der indischen Tempelbesucher auch immer mehr indische/hinduistische Feste gefeiert wurden.[3]


[1] Vgl.: Kurt Friedrichs: Das Lexikon des Hinduismus; Goldmann Verlag, München 1996; S. 35 f.

[2] Vgl. hierzu: R. Balasubramanian: Systems of Vedānta and Kashmir Śaivism; Chinmaya Research Series 2; Chinmaya Mission Trust, Kerala 2011; S. 10 ff.

[3] Diese Informationen entstammen einem Interview mit einem der Tempelbesucher.

Allgemeine Verbreitung des Brauches

Im Ursprungsland Indien wird Gītā-Jayanti schon seit mehreren Jahrhunderten gefeiert. Nach Deutschland kam dieses fest gleichsam mit der Einwanderung und Gründung von indischen bzw. hinduistischen Kulturzentren und Tempeln. So kommt es zu einer sehr ungewöhnlichen Situation:

Unter dem Dach einer indischen, religiösen Bewegung, die von einem Inder in den Westen gebracht wurde, treffen sich sowohl gläubige Kṛṣṇa-Anhänger, deren Wurzeln im Westen liegen, als auch gläubige Kṛṣṇa-Anhänger, deren Wurzeln in Indien liegen. Unter den westlichen Kṛṣṇa-Anhängern gibt es einen beachtlichen Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund. Einige der Tempelbesucher aus dem Westen sind Russlanddeutsche, einer kam aus dem ehemaligen Jugoslawien. Unter diese westlichen Kṛṣṇa-Anhänger mischen sich schließlich noch verschiedene Ethnien aus Indien, wie z.B. Menschen aus Kaschmir, Bengalen und Uttar Pradesh.

Eine für Deutschland fremde Kultur bietet den Rahmen für eine Gemeinschaft, deren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund sehr hoch ist. Nur der kleinste Teil der Tempelbesucher war ohne Migrationshintergrund. Dieses schöne Phänomen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Kategorisierungen wie Herkunft oder Nationalität in ISKCON keine wirkliche Rolle spielen. In ISKCON sieht man den Menschen als ewige Seele, die im Idealfall Gott Kṛṣṇa dient. Welcher Rasse man angehört, oder welche Herkunft man hat, ist unwesentlich. Und so vermischen sich im Kṛṣṇa-Tempel in München verschiedenste Nationalitäten und Ethnien und feiern friedlich und harmonisch ein indisches Fest.

Forschungsstand allgemein

Die Untersuchung dieses Festes hat gezeigt, dass man nicht einfach ein indisches Fest besucht und dieses beschreibt. Meine Teilnahme an Gītā-Jayanti hat mich in eine komplett unbekannte Welt eintauchen lassen, eine Welt, die uns im Westen nur sehr oberflächlich bekannt ist, nämlich die Welt des Hinduismus. Infolge meiner Teilnahme an diesem Fest habe ich die wenigen Bücher, die ich mir im Vorfeld dazu organisiert habe, gleich wieder zur Seite gelegt, denn in ihnen war nichts beschrieben, was ich im Tempel erlebt habe. Durch meinen Besuch im Tempel kam ich in Kontakt mit indischer Philosophie und Religion, mit indischer Kultur und der alltäglichen Lebensweise von Hindus. Ich habe schnell gemerkt, dass die Sicht von außen auf dieses komplexe Gebilde nur einen Bruchteil von dem wiedergeben kann, was sich da denn abspielt. Ohne die vielen Erklärungen, die zahlreichen Literaturhinweise und die langen Gespräche mit einem der Gemeindemitglieder wäre mein Einblick in diese Welt auch nur eine oberflächliche Beschreibung irgendeines hinduistischen Brauches geblieben.

Meine Teilnahme an Gītā-Jayanti war eine teilnehmende Beobachtung. Durch das direkte Erleben, die Gespräche mit den Akteuren dieses Festes sowie die herzliche Gastfreundschaft des ISKCON-Tempels in München konnte ich ein Stück gelebten Hinduismus in München direkt miterleben.[1]

Im Nachhinein erkannte ich sehr deutlich, dass zur Beschreibung dieses Festes das Wissen aus verschiedenen Disziplinen notwendig ist:

Ethnologie:

  • Teilnehmende Beobachtung.
  • Interviews mit Teilnehmern.

Religionswissenschaften:

  • Was lehrt der Hinduismus?
  • Was sind die Lehren der Kṛṣṇa-Tradition?
  • Geschichte der Religionen des Hinduismus.

Philosophie:

  • Verständnis indischer Philosophien.
  • Verständnis der Philosophie der Kṛṣṇa-Tradition

Migrationsforschung:

  • Wie fremde Ethnien (hier Inder) ihre Religion in Deutschland leben.
  • Menschen mit und ohne Migrationshintergrund finden eine kulturelle Heimat in einer für sie völlig fremden Kultur, nämlich in der Kultur des Hinduismus.

Am Ende gilt mein Dank all denjenigen, die mir bei der Durchführung dieses Projektes geholfen haben. Allen voran möchte ich mich bei der Tempelpräsidentin Dhanakeli Devi Dāsi bedanken, die mir die Teilnahme an diesem Fest ermöglichte, und die in ihrer Unkompliziertheit das Gelingen meines Projekts ermöglichte. Danken möchte ich auch Śiva Dāsa, der mich mit Literatur versorgte und mir unzählige Hinweise zu vielen Aspekten aus den Bereichen Hinduismus und Kṛṣṇatum gab. Und zuletzt noch ein Dank an den ISKCON-Tempel in München, für seine Gastfreundschaft und das leckere Essen!


[1] Zur teilnehmenden Beobachtung, bzw. Feldforschung vgl.: Christian Lüders: Teilnehmende Beobachtung. In: Ralf Bohnsack, Winfried Marotzki, Michael Meuser (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung; Verlag Barbara Budrich, Opladen 2003; S.151 ff.

Gewährsmann

Śiva Dāsa ist 39 Jahre alt, wohnt in Stadtbergen, ist geschieden und hat vier Kinder. Er arbeitet als Diplom Sozialarbeiter (FH) in einer Einrichtung der evangelischen Kirche Augsburg (deswegen wollte er nicht, dass sein bürgerlicher Name genannt oder veröffentlicht wird) im Bereich der berufsbezogenen Jugendhilfe.

Śiva Dāsa lernte die Hare-Kṛṣṇa-Bewegung als Sechzehnjähriger kennen. Im Laufe der Zeit bekam er seine Einweihung bei einem Lehrer der ISKCON. Während seiner Zeit bei ISKCON erlernte er auch die vielen Rituale und priesterlichen Tätigkeiten von verschiedenen Pūjaris. Śiva-Dāsa besuchte mehrere male Indien und lernte auch dort bei verschiedenen Priestern die Feinheiten der Ritualistik sowohl der Vaiṣṇavas als auch die verschiedener śivaitischer Traditionen. In Indien wurde Ṣiva-Dāsa auch von Lehrern eingeweiht, die nichts mit der Vaiṣṇava-Frömmigkeit der ISKCON zu tun haben. Seit seinem ersten Kontakt mit ISKCON studiert Śiva Dāsa die verschiedenen Philosophiesysteme sowohl des Hinduismus als auch die des Buddhismus.

Śiva Dāsa gab mir in mehreren Gesprächen einen sehr ausführlichen Einblick in die Frömmigkeit der ISKCON. Er erklärte mir die vielen religiösen und philosophischen Aspekte des bengalischen Kṛṣṇa-Kultes sowie die Bedeutung und den Inhalt der Bhagavad-Gītā. Er machte mich vertraut mit den Gegebenheiten des Tempels und erklärte mir bei einem ersten Besuch wie man sich im Tempel verhält und die verschiedenen Abläufe im Tempel.

CIMG0928.JPG

Śiva Dāsa

Gebete und Mantras

Gītā-māhātmya:

gītā-śāstram idaṁ puṇyaṁ yaḥ paṭhet prayataḥ pumān

viṣṇoḥ padam avāpnoti bhaya-śokādi-varjitaḥ

gītādhyayana-śīlasya prāṇāyāma-parasya ca

naiva santi hi pāpāni pūrva-janma-kṛtāni

maline mocanaṁ puṁsāṁ jala-snānaṁ dine dine

sakṛd-gītāmbhasi snānaṁ saṁsāra-mala-nāśanam

gītā sugītā kartavyā kim anyaiḥ śāstra-vistaraiḥ

yā svayaṁ padmanābhasya mukha-padmād viniḥsṛtā

bhāratāmṛta-sarvasvaṁ viṣṇor vaktrād viniḥsṛtam

gītā-gańgodakaṁ pītvā punar-janma na vidyate

sarvopaniṣado gāvo dogdhā gopāla-nandanaḥ

pārtho vatsaḥ sudhīr bhoktā dugdhaṁ gītāmṛtaṁ mahat

ekaṁ śāstraṁ devakī-putra-gītam

eko devo devakī-putra eva

eko mantras tasya nāmāni yāni

karmāpy ekaṁ tasya devasya sevā[1]


[1] In: His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupāda: Bhagavad-Gītā wie sie ist; The Bhaktivedanta Book Trust, Grödinge 1987; S. 31 ff.

Prema-Dhvani-Gebete:

jaya oṁ viṣṇu-pāda paramahaṁsa parivrājakācārya aṣṭottara-śata śrī śrīmad a.c. bhaktivedānta svāmī mahārāja prabhupāda—kī jaya.

ISKCON-Founder-Ācārya Śrīla Prabhupāda—kī jaya.

jaya oṁ viṣṇu-pāda paramahaṁsa parivrājakācārya aṣṭottara-śata śrī śrīmad bhaktisiddhānta sarasvatī gosvāmī mahārāja prabhupāda—kī jaya.

jaya om viṣṇu-pāda śrīla gaurakiśora dāsa bābājī mahārāja—kī jaya.

jaya oṁ viṣṇu-pāda śrīla saccidānanda bhaktivinoda ṭhākura—kī jaya.

jaya oṁ viṣṇu-pāda vaiṣṇava-sārvabhauma śrīla jagannātha dāsa bābājī mahārāja—kī jaya.

jaya śrī rūpa sanātana bhaṭṭa-raghunātha śrī jīva gopāla bhaṭṭa dāsa raghunātha ṣaḍ-gosvāmī prabhu—kī jaya.

nāmācārya śrīla haridāsa ṭhākura—kī jaya.

prem-se kaho śrī-kṛṣṇa-caitanya prabhu nityānanda śrī advaita, gadādhara, śrīvāsādi gaura-bhakta-vṛnda—kī jaya.

śrī śrī rādha-kṛṣṇa, gopa-gopīnatha, śyāma-kuṇḍa, rādhā-kuṇḍa giri-govardhana—kī jaya.

śrī māyāpur dhāma—kī jaya.

śrī vṛndāvana dhāma—kī jaya.

gaṅgā-mayī—kī jaya.

yamunā-mayī—kī jaya.

bhakti-devī—kī jaya.

tulasī-devī—kī jaya.

ananta koṭi vaiṣṇava-vṛnda—kī jaya.

śrī hari-nāma saṅkīrtana—kī jaya.

grantha-rāja śrīmad-bhāgavatam —kī jaya.

samāveta bhakta-vṛnda—kī jaya.

gaura-premānande hari-haribol.

All glories to the assembled devotees. [three times]

All glories to Śrīla Prabhupāda.[1]


[1] In: GBC Deity Worship Research Group: Pañcarātra-Pradīpa – Illumination of Pañcarātra Vol. I; Bhaktivedanta Book Trust, Mayapur 1994; S. 293 ff.

Literatur

Autoren in alphabetischer Reihenfolge:

  • Balasubramanian, R. : Systems of Vedānta and Kashmir Śaivism; Chinmaya Research Series 2; Chinmaya Mission Trust, Kerala 2011
  • Deußen, Paul: Allgemeine Geschichte der Philosophie, Band I-3; F. A. Brockhaus, Leipzig 1908
  • de Fouw, Hart; Svoboda, Robert E. : Light on Life, An Introduction to the Astrology of India; Lotus Press, Twin Lakes 22003
  • Friedrichs, Kurt: Das Lexikon des Hinduismus; Goldmann Verlag, München 1996
  • Garbe, Richard: Die Bhagavad-Gῑtā; H. Haessel Verlag, Leipzig 1921
  • GBC Deity Worship Research Group: Pañcarātra-Pradīpa – Illumination of Pañcarātra Vol. I; Bhaktivedanta Book Trust, Mayapur 1994
  • Howley; John (Jada Bharata Dasa): Holy Places and Temples of India; Rekha Printers Pvt. Ltd., New Delhi 1996
  • Lüders, Christian: Teilnehmende Beobachtung. In: Ralf Bohnsack, Winfried Marotzki, Michael Meuser (Hrsg.): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung; Verlag Barbara Budrich, Opladen 2003
  • Mylius, Klaus: Geschichte der altindischen Literatur; Scherz Verlag, Bern, München, Wien 1988
  • Nārāyaṇa, Tridaṇḍisvāmī Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Mahārāja: Śrīmad Bhagavad-Gītā with the commentaries by Śrīla Viśvanātha Cakravartī Thākura, Śrī Śrīmad Bhaktivedānta Nārāyaṇa Mahārāja; Gauḍīya Vedānta Samiti, New Delhi 2000
  • Prabhupāda, His Divine Grace A.C. Bhaktivedanta Swami: Bhagavad-Gītā wie sie ist; The Bhaktivedanta Book Trust, Grödinge 1987
  • Schroeder, Leopold von: Bhagavadgita, Aschtavakragita, Indiens heilige Gesänge; Eugen Diedrichs Verlag, München 61990
  • Weber, Edmund (Hrsg.): Krishna im Westen; Studia Irenica; Bd. 30; Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt a. M. 1985

Internetquellen:



Kommentare


blog comments powered by Disqus



Diese Seite wurde zuletzt am 16. Mai 2017 um 07:51 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 46.102-mal abgerufen (to Cache).