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Georgiritt auf dem Auerberg

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Im Alpenvorland an der Grenze zwischen dem Ostallgäu (Schwaben) und Oberbayern liegt der Auerberg mit einer Höhe von 1.055 m ü. NN.

Die Kirche auf dem Gipfel des Auerbergs ist dem heiligen Georg geweiht, der Schutzpatron der Pferde und Reiter ist. Anlässlich des Patroziniumsfestes des heiligen Georgs (23.April) findet jedes Jahr der sogenannte Georgiritt auf dem Auerberg am Sonntag nach dem Namensfeste statt. Es wird eine Feldmesse unterhalb des Gipfels zelebriert, wobei der Georgsschwur sowie die Pferdesegnung durch die Geistlichkeit im Vordergrund stehen.

Termin

Dieser Brauch ist am 23.04.2017.

Ablauf

Für die Teilnehmer am Georgiritt sind zeitaufwendige organisatorische Vorbereitungen nötig. In den frühen Morgenstunden dieses Festes werden die Pferde liebevoll mit vielen Blumen in den Mähnen geschmückt. Auch die Teilnehmer selbst kleiden sich festlich in Tracht oder römischen Kostümen.

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Die Geistlichkeit und die Ministranten werden von den Musikkapellen der anliegenden Dörfer sowie den Fahnenabordnungen der Vereine um 10 Uhr an der Auerbergkirche St. Georg abgeholt. Insgesamt gibt es drei Reiterzüge, die zeitgleich zum Weiheplatz/Festplatz aufmarschieren. Unter den Reitern befinden sich auch viele Kinder und Jugendliche aus der Region. Zu Beginn des Gottesdienstes wird ein Marsch von der Musikkapelle und der Auerberger Fanfarenbläsergruppe gespielt.
Anschließend folgt der sogenannte Kreuzrittermarsch. Die gesamte Messfeier findet auf einer Feldwiese unterhalb des Gipfels statt und wird von den am Ritt beteiligten Musikkapellen musikalisch umrahmt. Die Stöttener und Rettenbacher Musikkapellen wechseln sich jährlich ab, die Bernbeurer Musikkapelle hingegen spielt jedes Jahr.

Die vielen begeisterten Besucher des Georgiritts kommen von allen Seiten auf den Auerberg, auf Wanderwegen, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto. Ein besonders feierlicher Moment der heiligen Messe des Georgiritts ist der Georgsschwur, der vom Männerdreigesang Bernbeuren gesungen wird (siehe 2.3). Danach werden alle am Ritt beteiligten Pferde und Reiter von der Geistlichkeit gesegnet. Diese Pferdesegnung gilt auch stellvertretend für alle Haustiere. Erwähnenswert ist auch das Gedenken an die gefallenen Soldaten des Krieges. Sinnbildlich hierfür werden schwarze Pferde mit Soldatenhelmen statt Reitern von ihren Besitzern geführt. Zur Heldenehrung wird von Manfred Karlinger aus Bernbeuren folgender Text vorgelesen:

Heldenehrung

Wer zählt sie alle zu Wasser und zu Land
und hoch in den Lüften die Helden.

Sie sind uns nicht vergessen,
sie sind uns im Herzen nicht gestorben:
Die Helden all, die zogen einst hinaus
und die gefallen sind im blutigen Streite
für Vaterland, für Heimatflur und Haus.

Es waren Menschen aus unserer Mitte, lebensfroh, in der Blüte der Kraft.
Menschen, die beim letzten Händedruck
gehofft haben auf ein Wiedersehen.
Menschen, die gewaltsam herausgerissen wurden aus ihrem Beruf,
um dem Vaterland zu dienen.

Menschen, die als Soldaten auch gesungen:
In der Heimat, in der Heimat gibt’s ein Wiederseh’n.
Es waren Menschen, die alles verlassen haben,
was ihnen lieb und teuer war:
Mutter, Vater, Frau und Kind, ihre Heimat.

Es waren Menschen, die das höchste und größte Opfer brachten,
das Menschen je erbringen können: Es ist etwas Großes und
Schweres, ein Glied des Körpers zu verlieren, doch diese Menschen
opferten ihr Leben.

Darum sind sie nie vergessen!
Wir wollen Ihrer in tiefster Ehrfurcht gedenken!

Senkt die Fahnen zum Gebet!

Die Heldenehrung wurde am 27. Oktober 1998 von Manfred Karlinger aus Bernbeuren für den Georgiritt neu gefasst, der sie mir freundlicherweise zur Verfügung stellte.

Anschließend wird das Lied „Ich hat einen Kameraden“ gespielt.

Zum Abschluss gibt es den sogenannten „Ferbilliner Reitermarsch“ und die drei Reiterzüge reiten nach alter Tradition zurück zum Gipfel und umrunden abschließend die Auerbergkirche St. Georg.

Teilnehmer des Georgiritts sind Pferdebesitzer, Musikkapellen und Fahnenträger aus den anliegenden Gemeinden. Auch Kinder und Jugendliche reiten auf ihren Pferden, begleiten als Knappen den hl. Georg auf seinem Schimmel oder wirken als Ministranten mit.

Der Georgiritt ist in der gesamten Region bekannt und stellt selbstverständlich auch für viele Touristen jedes Jahr ein besonderes Erlebnis dar. Im Jahr 2011 kamen rund 5.000 Besucher zum Georgritt, an dem 175 Pferde teilnahmen.

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Hintergrund-Infos

Geschichte

Der Auerberg war bereits in der vorrömischen Zeit besiedelt. Er war während des 1. Jahrhunderts ein wichtiger Stützpunkt der Römer auf ihrem Weg nach Augsburg.

Seit 1925 gibt es den Georgiritt auf dem Auerberg. In den Wintermonaten des Jahres 1924/1925 machte der Schützenmeister Georg Lipp aus Eschach den Vorschlag, auf dem Auerberg einen Pferdeumritt zu Ehren des Kirchenpatrons St. Georg einzuführen. Zur damaligen Zeit waren Pferde in den Gehöften vor allem für die Feldbestellung von großer Wichtigkeit. Deshalb wurden im Februar 1925 alle Pferdebesitzer der Gemeinden Stötten und Bernbeuren zu einer Versammlung auf den Auerberg im Gasthaus „Stechele“ eingeladen. Es wurde beschlossen, dass alljährlich um den Tag des Namensfestes (23. April) ein Georgiritt auf dem Auerberg stattfinden soll. Für die vielen Vorbereitungen wurde ein Ausschuss gewählt, dessen Vorstand der bereits erwähnte Georg Lipp aus Eschach war. Der Ausschuss bestimmte beispielsweise bei seiner ersten Versammlung, dass alle am Ritt beteiligten Pferde mit derselben Satteldecke ausgerüstet sein müssen (Gemeinde Bernbeuren 1995, S.391-394).

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Der erste Georgiritt fand somit am 25.April 1925 mit 118 Reitern statt. Georg Waibl aus Eschach stellte den heiligen Georg auf seinem Schimmel dar und wurde von 20 „römischen Soldaten“, meist Kinder und Jugendliche, begleitet. Im darauf folgenden Jahr wurden die Gemeinden Burggen, Lechbruck, Roßhaupten, Sulzschneid, Marktoberdorf und Rettenbach dazu eingeladen, wobei ausschließlich die Gemeinde Burggen dieser Einladung folgte. 1927 nahmen neben den Reitern auch Fanfarenbläser vom Auerberg teil. Die Abstimmung für eine Gründung des Georgiritt-Vereins erfolgte am 31. Dezember 1931, der schließlich am 20. März 1932 im Vereinsregister eingetragen wurde. Am 5. Mai 1935 fand die Weihe der ersten Bergfahne des Georgiritt-Vereins Auerberg statt. Zusätzlich liefen erstmals vierzehn Alt-Bauerngeschlechter der Gemeinde Bernbeuren mit. Während der Kriegsjahre wurde kein Georgiritt gefeiert. 1940 wurde anstelle des Georgiritts ein Bittgang um eine glückliche Heimkehr der Soldaten veranstaltet.
Erst 1947 wurde der Georgiritt mit 120 Reitern in gewohnter Weise wieder abgehalten (Griesmann Franz, S.348-350).

Der Georgiritt auf dem Auerberg konnte aufgrund schlechter Witterung einige Male nicht stattfinden. In den ersten Jahren des Georgiritts hielten viele Landwirte Pferde. Mit Beginn der Motorisierung nahm der Pferdebestand rapide ab. Im Jahre 1925 gab es allein in der Gemeinde Bernbeuren circa 350 Pferde; 1965 waren es nach alten Aufzeichnungen nur noch 37 Stück.

Der Georgiritt findet alljährlich am Sonntag nach dem Patroziniumsfeste des heiligen Georgs (23. April) statt und wird somit als heiliges Brauchtum bezeichnet.

Ein alter Spruch sagt bereits:
„Wo einst die Kelten, rau an Sitten,
um ihre Trutzburg ritten,
wo dann die Römer stolz als Sieger
ein Lager bauten für die Krieger,
wo Wotans Ritter, die Germanen,
den Berg nach heißem Kampfe nahmen,
da thront im Frieden, doch mit Macht
St. Georg und hält treue Wacht.
Und wie den Urberg einst vor Jahren
Umritten wilde Kriegerscharen,
So reiten jetzt mit Schild und Speer
Die Ritter zu St. Georg Ehr.“ (T.u.H.V. Schwäbische Rigi 2011, S. 47)

Heiliger Georg

Die Legende des heiligen Georgs erzählt von ihm als Drachentöter. Es soll einst ein Drache in einem See gehaust haben, der eine ganze Stadt in Angst und Schrecken hielt. Die Menschen brachten dem Drachen Opfer, um ihn friedlich zu stimmen. Da die Opferung von Lämmern nichts brachte, mussten die Menschen Kinder opfern. So sollte auch die Königstochter dem Drachen zum Opfer fallen. In letzter Sekunde, so erzählt diese Legende, sei ein Ritter namens Georgius gekommen und griff den Drachen mit seiner Lanze an. Unter Befolgung von Georgius legte die Königstochter ihr Halsband um den Drachen und er wurde zahm. Als beide in die Stadt zurück kehrten sagte Georgius, dass diese Rettung nur mit Hilfe Gottes möglich gewesen sei. Er riet deshalb den Menschen, sich taufen zu lassen. Viele Bewohner dieser Stadt wurden daraufhin zu Christen.
Georgius wurde nach dem 1. Kreuzzug zum Schutzheiligen der Ritter/Reiter. Der Drachenkampf kann so als Zeichen für einen mutigen Kampf gegen das Böse angesehen werden.

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Georgsschwur

Die Melodie des St. Georgsschwur ist von einem Herz-Jesu-Lied aus Südtirol und wird dort auch heute noch in Erinnerung an die schreckliche Zeit von Mussolini als Freiheitslied gespielt. Der Text-Autor des Georgsschwur ist jedoch unbekannt. Von Josef Kraus, ein ehemaliger Musikdirektor aus Schongau, wurde der St. Georgsschwur im März 1973 gesetzt.
Gesungen wird dieser vom Männerdreigesang aus Bernbeuren (Manfred Karlinger, Peter Völk und Karl Knappich).

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Manfred Karlinger für den Text des Georgsschwurs und die vielen wertvollen Informationen.

St. Georgsschwur

Auf zum Schwur mit Herz und Mund hebt die Hand zum heilgen Bund,
was die Väter fromm gelobt, von den Feinden rings umtobt,
das geloben wir auf’s neue dir St. Georg ewig Treue!

Treu in Fürbitt immerdar warst du Schutz uns in Gefahr,
hast erfleht an Gottes Thron, dass er unser Land verschon,
drum geloben wir auf’s neue dir St. Georg ewig Treue!

Georg heilger Rittersmann führe uns auf dieser Bahn,
deinem Schutz sei unterstellt, unser Haus und Gut und Feld,
drum geloben wir auf’s neue dir St. Georg ewig Treue!

Pferdeumritte im Oberen Lechgau

Pferdeumritte sind allgemein sehr alte Bräuche. Durch die Zusammenarbeit vieler Vereine wurde die alte Tradition der Umritte trotz der Motorisierung und somit geringeren Pferdebeständen aufrecht erhalten. Der Georgiritt auf dem Auerberg gehört neben dem Steingadener St. Ulrichsritt, dem Leonhardiritt in Wildsteig, dem Colomansritt in Schwangau und dem Wendelinsritt in Lechbruck zu den fünf Umritten im Oberen Lechgau.
Das Gaugebiet des Oberen Lechgaus wird im Westen durch die Bahnlinie Füssen-Marktoberdorf und im Osten entlang des Ammergebirges und rund um den Auerberg begrenzt (Oberer Lechgau-Verband Füssen 2004, S.119-124).

Weblinks

http://www.georgirittverein-auerberg.de

Belege, Literatur

Gemeinde Bernbeuren (1995).Bernbeuren. Aus der Geschichte unseres Dorfes, Füssen, 516 Seiten

Griesmann Franz. Heimat-Chronik der Gemeinde Stötten am Auerberg, Marktoberdorf, 383 Seiten

Oberer Lechgau-Verband Füssen (2004). Bei uns im Oberen Lechgau. Lebendiger Brauch im Jahresverlauf, Traunstein, 160 Seiten

T. u. H. V. „Schwäbische Rigi“ (2011). 1911-2011 „Schwäbische Rigi“ Stötten am Auerberg, Ainring, 59 Seiten

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2017 um 09:21 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 10.699-mal abgerufen (to Cache).
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