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Fronleichnam in Anhausen

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In Anhausen feiert die katholische Pfarrgemeinde am Donnerstag der zweiten Woche nach Pfingsten das katholische Hochfest Fronleichnam mit einem Gottesdienst und einer Prozession.

Statt dem heute bekannten Namen Fronleichnam verwendete man für den Festtag früher Bezeichnungen wie Blutstag oder Plutstag, Gotstag, Gotsleichnamtag, Hergottstag oder Herrenleichnamstag. In Bayern auch Hoffarts- oder Prangertag, weil die kleinen Mädchen zur Prozession weiße Kleider zum Prangen (=Zeigen) anhatten.

Termin

Dieser Brauch ist am 15.06.2017.

Ablauf

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In Anhausen ist es üblich, dass bereits in aller Frühe die Wege und Altäre geschmückt werden. Die vier Stationen sind schon seit vielen Jahren an denselben Stellen. Vier Familien aus Anhausen kümmern sich seit Generationen um den Aufbau der Altäre und Wege. Dass die Stationen mit viel Liebe und Fantasie verziert sind, ist auch außerhalb des Ortes bekannt und berühmt. So kommen viele Besucher aus anderen Ortschaften um den Blumenschmuck zu bewundern. Vor den Altären wird ein Blumenteppich oder Bilderteppich gestaltet, der traditionelle Darstellungen von Kelch, Hostie, Fisch, Lamm usw. beinhaltet oder auch sehr fantasievoll sein kann. Die Teppiche werden mit Blumenblüten und Gräsern gelegt.


Nach der Kirche versammeln sich die Teilnehmer in einer festgelegten Ordnung. Zuerst kommen die Ortsvereine (z.B Freiwillige Feuerwehr) mit den kunstvoll bestickten Fahnen, dann die Familien mit Kindern, darauf die Ministranten mit Schellen und Weihrauch. Dann folgen der Priester, der unter dem Baldachin läuft, der von vier starken Männern getragen wird, die Erstkommunionkinder, der Chor und zuletzt die Männer und Frauen. Ein Vorbeter preist Gott und Jesus, und die Gemeinde singt Lieder. Während des Rundgangs wird immer wieder eine Litanei gebetet.

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Der Ablauf bei jeder Altarstation ist ähnlich. Nach einem Lied werden Fürbitten gesprochen und es wird wieder ein Lied gesungen. Der Pfarrer hebt die Monstranz segnend in alle vier Himmelrichtungen und alle gehen weiter. Die Texte der Gebete unterscheiden sich bei den einzelnen Stationen. Die Themen sind dort z.B. Nächstenliebe, Demut und Dankbarkeit für eine gute Ernte und fürs Hab und Gut. Bei der letzten Station wird auch der Ort Anhausen mit in die Gebte einbezogen und mit Weihrauch gesegnet.

Nach der Prozession geht es wieder in die Kirche. Dort wird zum Schluß das Loblied Großer Gott wir loben Dich gesungen. Allen Helfern wird gedankt und sie werden ins Pfarrheim eingeladen. Ein Orgelspiel beendet die Feier.

Auf dem Nachhauseweg nehmen sich die Besucher teilweise den Blumenschmuck auf der Kirchentreppe, oder die geweihten Birkenzweige, die die Altäre schmückten, mit. Der geweihte Schmuck wird zu Hause hinter das Kreuz gesteckt, um das Haus und die Familienmitglieder vor Unheil zu bewahren. Manch einer der Besucher nimmt einen ganzen Birkenzweig mit, der den Altar rahmte.

Auffällig war, dass es in Anhausen nicht viele Blumenkinder gab. Hier bestreuten nur vereinzelt kleine Mädchen mit Körbchen, die Wege mit Blumenblättern. Ebenso fehlte die andernorts vorhandene Blasmusik, was von manchem Besucher sehr bedauert wurde. Mit der Musik ist eine Prozession einfach noch festlicher, sagte ein Besucher.

Hintergrund-Infos

Blumenschmuck

Dem reichlichen Blumenschmuck auf dem Prozessionsweg liegt wohl das Ideengut der Franziskaner zugrunde: Die Armen, die Gott liebt, streuen Blumen, über die Gott wie über einen Teppich schreitet. Das Legen von Blumenteppichen und der Blumenstreu-Brauch der Mädchen unter den Kommunionkindern zu Fronleichnam verbreitete sich erst im 19. Jahrhundert.

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Name und Verbreitung des Festtages

Die Festbezeichnung Fronleichnam setzt sich aus den mittelhochdeutschen Wörtern vron (= göttlich), lich (= Körper, Leib und hama (= Hülle) zusammen, die sich über vronlicham zu Fronleichnam weiterentwickelten (siehe Moser, S. 178). Im Mittelpunkt der Verehrung steht der Leib des Herrn, der in der Hostie gegenwärtig ist.

Das Fest soll auf eine Vision der Augustinernonne Julianna von Lüttich am 04.05.1258 zurückgehen. Am 14. August 1264 wurde Fronleichnam, das „Fest des Leibes Christi (lat: festum corporis christi, corpus domini - Fronleichnam, Herrrenleib), von Pabst Urban IV (1261-1264) mit der Enzyklika „Transiturus de hoc mundo zum allgemeinen Kirchenfest erhoben.

Die ersten Fronleichnamsfeste fanden 1264 in Rom, Münster und Orvieto statt. Weitere frühe Belege finden sich für Benediktbeuern (1273), Köln (1274) und Osnabrück (1276). Die Texte für das Offizium und die Messe stammen von Thomas von Aquin (1225-1274). Die Verbreitung des Festes wurde durch die Doninikaner und die Konzilien der verschiedenen Päpste gefördert. Unter Papst Johannes XXII (1316-1334) wurde das Fest für die ganze römisch-katholische Christenheit angeordnet. Das Schreiten des Priesters unter einem prachtvollen Baldachin, wie auch das Zeigen der Monstranz mit dem Altarsakrament während einer Prozession ist 1273 für die Benediktinerabtei Benediktbeuren überliefert.

Im 15. Jahrhundert war die Fronleichnamsprozession in Deutschland aufgekommen und erhielt eine Wettersegenliturgie mit den vier Altären und den vier Evangelienanfängen in die vier Himmelsrichtungen (siehe Brückner, S. 33).

Luther kritisierte Fronleichnam 1527 als„allerschändlichstes Jahresfest“ und lehnte vor allem die Prozession ab (siehe Moser, S. 183). Fronleichnam galt als wichtiger Ablasstag. Die Fronleichnamsprozession wurde zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Mit dem Konzil von Trient wurden das Fest und demonstrative Akzente bei der Prozession für Katholiken neu bestätigt: Eucharestiekult war seit den Tagen der nachtridentinischen katholischen Reform zum Zentralpunkt katholischer Frömmigkeit geworden (siehe Brückner, Seite 155). Mit großem Aufgebot zeigten die Katholiken ihren Glauben. Selbst die Reihenfolge der Prozessionsgruppen wurde festgelegt. Zuerst kamen die Subdiakone, die Diakone, Priester, Nonnen, Mönche und Messdiener, mit Fahnen, Schellen und Weihrauch, dann die Honoratioren, Erstkommunionkinder, Gruppen von Frauen und Männern, geordnet nach Ständen, Verbänden und Geschlecht, die Bruderschaften und die Vereine.

Die Gläubigen gründeten Fronleichnamsbruderschaften (Corporis-Christi-Bruderschaften) und gestalteten die Prozession mit prunkvollen Gewändern, festlichem Schmuck an den Häusern entlang des Prozessionsweges und so genannten Lebenden Bildern. Die Prozession bot auch den Zünften die Möglichkeit zur prunkvollen Selbstdarstellung. Wegen der strengen Ordnung bei der Abfolge der Prozessionsgruppen kam es immer wieder zu Eifersucht und Streitigkeiten.

Termin

Fronleichnam erinnert an die Einsetzung des Altarsakraments. Eigentlich wäre das Fest also am Gründonnerstag zu feiern. Der Termin in Passionswoche entsprach aber nicht dem frohen Charakter und der Aufbruchsstimmung, die eigentlich von diesem Tag ausgehen soll. Deswegen wurde das Fest an das Ende der österlichen Zeit gelegt und wird am Donnerstag nach Trinitas (=Dreifaltigkeitssonntag, das ist der erste Sonntag nach Pfingsten) oder - je nach Land - am zweiten Sonntag nach Pfingsten gefeiert (siehe Moser, S. 178). Gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in den deutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland und in einigen Gemeinden in Sachsen und Thüringen.

Literatur

  • Wolf, Helga Maria: Das neue Brauchbuch, Alte und junge Rituale für Lebensfreude. Wien 2000.
  • Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.
  • Becker-Huberti, Manfred: Lexikon der Bräuche und Feste. Freiburg 2000.
  • Bichler, Albert: Wie`s in Bayern der Brauch ist. München 1995.
  • Brückner, Wolfgang: Frommes Franken. Kult und Kirchenvolk in der Diözese Würzburg seit dem Mittelalter. Würzburg 2008.

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