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Friedenslicht aus Betlehem

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Frilikerze.jpg
Jedes Jahr wird in der Vorweihnachtszeit in der Geburtskirche in Betlehem das Friedenslicht entzündet und vom Österreichischem Runkfunk (ORF) nach Österreich gebracht. Unter anderem wird das Licht in einer ökumenischen Aussendungsfeier in Wien an andere Nationen verteilt. Pfadfinder, Feuerwehrleute, Sanitäter und andere engagierte Leute bringen das Licht in ihre Heimatländer und -orte, wo es meist in Gottesdiensten an die Gemeinde weitergegeben wird.

Termin

Dieser Brauch ist vom 15.12.2017 bis zum 24.12.2017.

Ablauf

Im November reist eine Gruppe aus Österreich, begleitet von Journalisten des ORF, nach Betlehem. Ein Kind (siehe 2.3 Friedenslichtkinder) hat jedes Jahr die Ehre, am ewigen Licht in der Geburtskirche eine Kerze anzuzünden. Offizielle Empfänge wie beispielsweise beim Bürgermeister von Bethlehem und ein Gottesdienst in der benachbarten Katharinenkirche gehören ebenso zur Reise wie strenge Kontrollen, die in den Grenzgebieten von Israel zum Alltag gehören, die aber durch das offene Feuer verschärft werden. Mit einem Flugzeug der österreichischen Airline AUA, die den Flug sponsert, wird das Friedenslicht unter vielen Sicherheitsvorkehrungen nach Wien gebracht. Im ORF-Landesstudio Oberösterreich am Europaplatz brennen vom Beginn der Adventszeitbis zum Heilig Abend drei Kerzen mit dem Friedenslicht im Fenster. In der Auftaktsendung zur jährlichen Aktion „Licht ins Dunkel“ (siehe 2.2 Licht ins Dunkel) wird das Friedenslicht vom ORF über die Fernsehgeräte in viele Wohnzimmer übertragen. Anschließend verteilen es das Rote Kreuz, der Samariterbund, die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die Feuerwehrjugend, die Pfadfinder und auch viele Privatpersonen zum Teil in groß organisierten Feiern und Gottesdiensten an die Bevölkerung in Österreich. Insbesondere Pfadfinder bringen das Licht und mit ihm die Weihnachtsbotschaft vom Frieden für die Menschen auf der ganzen Welt auch in andere Länder (siehe 2.4 Verteilung durch Pfadfinder). (Symbol für die Herzen: Bethlehem und die Sehnsucht nach Frieden, Günther Hartl)

Hintergrundinformationen

Ursprung

Den Anstoß für die Friedenslichttradition lieferte Ada Brandstetter. Die Sudetendeutsche erinnerte sich während ihres Studiums in Linz an einen Weihnachtsbrauch, den ihr Vater zu ihrer Kindheit im heute tschechischen Plan pflegte. Eine Fichte auf einem öffentlichen Platz wurde als Christbaum aufgestellt. Den Kindern erzählte man, dass das Christkind selbst die Kerzen auf dem Baum anzünde. Diese Vorstellung faszinierte sie und die anderen Mädchen und Jungen sehr. Sie gingen am Weihnachtsabend dann zum Baum und holten mit ihren Laternen das Licht zu sich nach Hause, um damit den eigenen Christbaum zu erleuchten. Zunächst wollte sie die alte Tradition mit einer Fichte am Linzer Hauptplatz wiederbeleben. Diesen Gedanken verwarf sie aber bald.
Im Mai 1986 erzählte sie Dr. Helmut Obermayr, dem damaligen Verantwortlichen von „Licht ins Dunkel“, von ihrer Idee, den Weihnachtsbrauch aus ihrer Kindheit in die Aktion zu integrieren und so auch Geld für diese zu sammeln. Sie hatte damit Erfolg. Schon im gleichen Jahr wurde das Friedenslicht von ihr in Betlehem geholt und am 24.Dezember konnten sich Kinder das Licht von einem Christbaum aus nach Hause nehmen.
Ada Brandstetter sieht die Geschichte des Friedenslicht bis heute eher kritisch. Die Kommerzialisierung und der Medienrummel verdrängen ihrer Meinung nach den wahren Hintergrund der Tradition. Um an diese zu erinnern, fährt sie seit dem Jahr 2000 mit einer Gruppe aus Nußdorf am Attersee nach Wien, um das Friedenslicht zu holen und damit die Kerzen am Christbaum in der Peterskirche in Plan anzuzünden, von wo aus die Kinder das Licht mit nach Hause nehmen können. (Symbol für die Herzen: Vom Egerländer Brauch zum Friedenslicht, Brandstetter, Ada)

Licht ins Dunkel

Hinter der Aktion „Licht ins Dunkel“, einem Spendenprojekt in der Adventszeit, deren Höhepunkt jedes Jahr eine 14-stündige Fernsehsendung am 24. Dezember im ORF ist, steht der Verein „Licht ins Dunkel – Caritativer Verein für soziale-, körper- und geistig behinderte Mitmenschen“. Seit 1986 ist die Verteilung des Friedenslichts fester Bestandteil der Sammelaktion. Dem Verein unter der Präsidentschaft von Erik Hanke gehören sieben Organisationen an: Lebenshilfe Österreich, „Rettet das Kind“, Österreichische Kinderdörfer, Österreichische Kinderfreunde, Österreichisches Komitee für UNICEF, Caritas Österreich und Diakonie Österreich. Im Geschäftsjahr 2010/2011 konnten mit Hilfe der Spenden in Höhe von über 10 Millionen Euro 400 Projekte und 3.792 Familien mit 11.370 Kindern finanziell unterstützt werden. In einem Rechenschaftsbericht wird jedes Jahr die genaue Verwendung der Spenden offen im Internet dargelegt. (http://lichtinsdunkel.orf.at/?story=1165, http://lichtinsdunkel.orf.at/?story=3604)

Friedenslichtkinder

Die besondere und ehrvolle Aufgabe, das Friedenslicht am ewigen Licht in der Geburtskirche in Bethlehem abzuholen, erhält jedes Jahr ein anderes Kind aus Österreich. Das ORF-Landesstudio Oberösterreich wählt dazu ein Mädchen oder einen Jungen im Alter zwischen 9 und 14 aus. Diese haben sich meist in ihrer Schule oder in ihrem privaten Umfeld besonders für andere Menschen eingesetzt. Einige von ihnen hatten durch Behinderungen, Flucht oder Vertreibung aus ihrer ursprünglichen Heimat eine schwere Kindheit. Die Ehre Friedenslichtkind zu sein, ist auch mit vielen Presse- und Öffentlichkeitsterminen verbunden. Für die Zeit von etwa einem Monat steht es im Zentrum des Interesses der Medien. Dennoch berichten alle Kinder auch später noch von einem einmaligen Erlebnis und einer einzigartigen Zeit.

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Friedenslichtkinder von 1986 bis 2011
Friedenslichtkind.jpg
  • 2011: Sarah Schinwald
  • 2010: Simon Ivatovic
  • 2009: Simon Binder
  • 2008: Marlene Irndorfer
  • 2007: Elisabeth Nemec
  • 2006: Judith Pitzer
  • 2005: Jürgen Lengauer
  • 2004: Elke Wiesmair
  • 2003: Birgit Göttel
  • 2002: Bernhard Puchner (Nadeen Kamar)
  • 2001: Jana Waldhör (Ronni und Tali Epstein)
  • 2000: Benjamin Forstinger
  • 1999: Patrick Mangelberger
  • 1998: Hanna Steinmair
  • 1997: Simon Infanger
  • 1996: Judith Baumgartner
  • 1995: Elisabeth Pichlmann
  • 1994: Ernst Piesl
  • 1993:Stefan Brenner
  • 1992: Sabine Jungwirth
  • 1991: Jochen Kreil
  • 1990:Silvia Pargfrieder (Walid Kamar)
  • 1989: Sabine Hainzl
  • 1988: Chy Meng Ing
  • 1987: Wolfgang Dobias
  • 1986: Markus Födinger

Anmerkung: In den Jahren 1990, 2001 und 2002 konnte die Geburtskirche in Betlehem wegen politischer Unruhen nicht von den Friedenslichtkindern besucht werden. Deshalb überreichten arabische Kinder ihnen das Licht am Flughafen in Tel Aviv oder brachten es direkt nach Österreich.
(Symbol für die Herzen: Erinnerungen der 20 Friedenslichtkinder, http://lichtinsdunkel.orf.at/?story=3384)

Verbreitung durch Pfadfinder

Jedes Jahr beteiligen sich auch die Pfadfinder als weltweite Jugendorganisation an der Friedenslichtaktion. Der österreichische Pfadfinderleiter, Herbert Grünwald, gab 1989 den Anstoß zur Teilnahme. Seitdem organisieren die Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) am Samstag vor dem dritten Advent um 14.00 Uhr einen großen ökumenischen Gottesdienst, in dem das Friedenslicht an Pfadfinder aus verschiedenen Ländern verteilt wird. Dieser findet jährlich wechselnd in einer Pfarrkirche im Stadtgebiet von Wien statt, wobei darauf geachtet wird, dass alle christlichen Konfessionen bei der Wahl des Ortes einmal berücksichtigt werden. Durch das Mitwirken der Pfadfinder wurde der Brauch aus Österreich in die Nachbarländer und seit 2000 auch über die europäischen Grenzen hinaus gebracht, z.B. nach Amerika. So leuchtete 2002 das Licht als Symbol für die Hoffnung auf Frieden auf dem Ground Zero in New York. 2004 war erstmals eine Delegation aus Afrika in Wien dabei und deutsche Pfadfinder sprachen die Idee aus, das Licht am Weltjugendtag 2005 in Köln dem Papst zu überreichen. Im August wurde dieser Plan auch verwirklicht und Benedikt XVI. erhielt zum ersten Mal das Friedenslicht im Rahmen der Vigil auf dem Marienfeld. Trotz der gefährlichen Lage in der Heimat konnten im Dezember desselben Jahres erstmals Pfadfinder aus dem Nahen Osten mit einer Gruppe Palästinenser in Wien teilnehmen. Mittlerweile ist der Brauch in vielen Ländern der Welt unter Pfadfindern bekannt und die Treffen in Wien erfreuen sich großer internationaler Beliebtheit, wie die 2000 Teilnehmer aus über 40 Nationen im Jahr 2011 zeigen. (Symbol für die Herzen: Pfadfinder als Lichtträger, Bertl Grünwald; Symbol für die Herzen: Die Chronik des ORF-Friedenslichtes, Günther Härtl; http://wien.orf.at/news/stories/2512731/)

= Friedenslicht in Deutschland
Pfadfinder.jpg

In Deutschland wird der Friedenslichtbrauch vor allem von den vier Pfadfinder- und Pfadfinderinnenverbänden VCP (Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder), DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg), PSG (Pfadfinderinnenschaft St. Georg) und BdP (Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder) getragen, die zusammen im rdp (Ring deutscher Pfadfinder und Pfadfinderinnen) organisiert sind. Seit 1994 bringen sie das Friedenslicht nach Deutschland. Auch die ehemaligen Pfadfindern des VDAPG (Verband deutscher Altpfadfindergilden) engagieren sich dabei. Jedes Jahr organisieren die Pfadfinder und Pfadfinderinnen gemeinsame Fahrten zur Aussendungsfeier am Samstag vor dem dritten Advent in Wien. Um das Friedenslicht in Deutschland zu verteilen, gibt, es spezielle Züge, von denen aus die Lichtträger die Flamme an den Bahnhöfen auf der Strecke weitergeben. In vielen Großstädten werden am dritten Advent Friedenslichtgottesdienste gefeiert. Die einzelnen Pfadfindergruppen bringen das Licht auch in ihre Heimatorte und verteilen es dort in der Pfarrei, in Krankenhäusern und Altersheimen etc. an die Bewohner. Vielerorts beteiligen sich auch die Johanniter, das Rote Kreuz oder freie Jugendgruppen an der Aktion. Auf der Homepage der Aktion wird jedes Jahr eine Übersicht mit den Gottesdiensten, in denen das Friedenslicht verteilt wird, zusammengestellt. (http://www.friedenslicht.de/; Prisma 2/2011: Das Friedenslicht aus Betlehem - eine besondere Geschichte, Daniela Pauker)

== Logo
Friedenslicht logo.jpg

Um sich von teilweise kritisch zu bewertenden Nachahmeraktionen abzugrenzen, entwarfen die deutschen Pfadfinderverbände ein Logo zur Friedenslichtaktion, dessen Zentrum eine stilisierte Kerze bildet. Die brennende Flamme steht für das Licht, das die Dunkelheit der Nacht durchbricht. Diesen Mittelpunkt umgibt ein viergeteilter Ring. In zwei der Segmente sind jeweils drei Sterne abgebildet. Diese können unterschiedlich interpretiert werden. Zum einen symbolisieren sie die Trinität, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie erinnern aber auch an die Sterne im jeweiligen Logo des weiblichen und männlichen Weltverbands der Pfadfinder und können in diesem Zusammenhang als die drei Prinzipien der Pfadfinder, die Pflicht gegenüber Gott, Dritten und sich selbst, gedeutet werden. Die anderen beiden Segmente enden jeweils mit einem Schweif und werden deshalb mit dem Stern von Betlehem assoziiert. Auch die sich überkreuzenden Parallelogramme, auf denen die Kerze steht, bieten unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten. Sie erinnern in ihrer Form stark an eine Krippe. Im Friedenslichtlogo birgt sie bildlich Jesus Christus, das Licht der Welt, in sich. Die beiden Balken sind aber auch Sinnbild für das Kreuz Christi. Durch ihren starken Farbkontrast können sie zudem als konkretes Friedenssymbol gedeutet werden, bei dem sich im Überschneiden der Farben Menschen verschiedener Herkunft, Hautfarbe oder Gesinnung die Hände zu einem friedlichen Miteinander reichen. (Flyer des Rüsthauses zur Friedenslichtaktion 2011 „Licht verbindet Völker“)

Motto

Jedes Jahr wird von den Pfadfinderverbänden in Deutschland ein Motto für das Friedenslicht entwickelt. Dazu wird ein offizielles Plakat für die Aktion entworfen. Auf dessen Rückseite werden zudem konkrete Umsetzungsvorschläge für Gottesdienste und Andachten zusammengestellt. Auch einige Diözesen erarbeiten eigene Arbeitshilfen, die Leitern von Pfadfindergruppen helfen sollen, Kindern und Jugendlichen die Botschaft des Friedenslichts näher zu bringen.
Das Rüsthaus, der Ausstatter der DPSG, vermarktet die Plakate und andere Produkte mit dem Friedenslichtlogo, wie beispielsweise Kerzen und Aufnäher zum Sammeln, auf die seit einigen Jahren auch das Motto gestickt ist.

Die Mottos 2007-2011

  • 2011: Licht verbindet Völker
  • 2010: Licht bringt Frieden
  • 2009: Mauern brechen - Frieden finden - Hoffnung geben
  • 2008: Friedenserklärung
  • 2007: Eine Welt – Eine Hoffnung: Frieden

(http://www.zwecker.org/abzeichen/06_sonstige.html)

Quellen

Gewährspersonen

  • Diözesanleitung der Pfadfinderinnenschaft St. Georg (PSG) Diözesanverband Augsburg (www.psg-augsburg.de)

Seit 1999 holt eine kleine Gruppe Pfadfinderinnen das Friedenslicht in Wien. Am 3. Adventssonntag gestalten sie einen Gottesdienst im Augsburger Dom oder einer anderen Kirche in der Augsburger Innenstadt. Zu diesem Anlass kommen Pfadfinder aus der ganzen Diözese, die das Friedenslicht in den folgenden Tagen und Wochen in ihren Heimatorten verteilen.

Weblinks

Belege, Literatur

  • BDKJ Augsburg, Benjamin Korpan: Prisma 2/2011
  • Hartl, Günther: Symbol für die Herzen, Linz, 2006
  • Rüsthaus der DPSG: Flyer zur Friedenslichtaktion 2011 Licht verbindet Völker

Weiterführende Literatur

  • Hartl, Günther: 25 Jahre ORF-Friedenslicht: Ein Weihnachtsbrauch geht um die Welt, 2011
  • Krenzer, Rolf und Horn, Reinhard: Friedenslicht aus Betlehem. Weihnachtliche Kinderlieder, 2000
  • Leopoldseder, Hannes und Obermayr, Helmut: Das Friedenslicht: Die Geschichte eines Weihnachtsbrauches unserer Zeit, 1990

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2017 um 07:44 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 21.793-mal abgerufen (to Cache).