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Fatschnkindl

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Unter dem Begriff „Fatschnkindl“ versteht man ursprünglich ein in Windeln straff gewickeltes Kleinkind. Seit dem Mittelalter werden auch kleine puppenartige Figuren so genannt. Sie dienen als Hochzeits- und Votivgaben. So sollen sie Kinderreichtum bescheren und als „Schutz“ vor der hohen Kindersterblichkeit dienen. Heute wird der Begriff fast ausschließlich mit dem Jesu-Kind verbunden. Darstellungen von Fatschnkindl reichen von Krippenfiguren bis hin zu gewickelten Jesu-Kindern in Gebäckform. Die Bezeichnung „Fatschnkindl“ leitet sich vom lateinischen Begriff „fascia“ (Bündel) ab, aus dem sich wiederum der bayrische Begriff „fatschen“ / „fatschn“/ „fätschen“ herausgebildet hat.

Ursprung

Bereits seit dem 14. Jahrhundert wurden Christfiguren als Andachtsbilder genutzt. Das älteste erhaltene „Christkindlein“ stammt aus dem Jahr 1344. Es
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handelt sich hierbei um eine Schenkung für die Dominikanerin Margareta Ebner aus Maria Medingen bei Dillingen. Das etwa 30 cm große „Püppchen“ konnte auch bei Krippenspielen eingesetzt werden. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden diese Andachtsbilder verstärkt kopiert und auch in Privathaushalten aufgestellt und verehrt. Als Beispiel kann hier das berühmte „Prager Jesukind“ aufgeführt werden, das um 1520 entstanden ist. Diese als wundertätig geltende Wachsfigur, wurde sehr oft kopiert und erfreute sich europaweit größter Beliebtheit. Die Ikonographie dieser „Christkindlein“ setzte sich aus dem Segensgestus und einem Vogel, der den Heiligen Geist symbolisiert, zusammen. Das Motiv des in Windeln eingewickelten Jesu-Kindes nimmt seinen Ursprung im Lukasevangelium (2,6f.):

„Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit für die Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.“

Auch in der orthodoxen Kirche sind Darstellungen eines „Fatschnkindls“ bekannt. Ikonen wie etwa die des Heiligen Syssoius, dem Schutzpatron der Kinder, zeigen ebenfalls straff gewickelte Kleinkinder. Dargestellt ist hier jedoch nicht das Jesu-Kind, (es fehlen die typischen Attribute (Heiligenschein etc.)), sondern ein „normales“ Kind, das unter dem Schutz des Heiligen Syssoius steht.
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Es gibt auch Ikonendarstellungen, die das Jesu-Kind zeigen. Das sind vorallem Ikonen auf denen die Geburt Jesu dargestellt ist. Das "Fatschnkindl" befindet sich in der Mitte des Bildfeldes. Es ist umgeben von Engeln, der Gottesmutter und den Tieren. In der linken Hälfte und im unteren Bildfeld sind die Heiligen Drei Könige bzw. Josef und die Hirten zu sehen. Links unten ist eine Waschung dargestellt. Vermutlich wird hier die spätere Taufe angedeutet.






Bedeutung

Das „Fatschnkindl“ ist eine Sonderform der skulpturalen Christkind-Darstellungen. Es wurde häufig in Nonnenklöstern hergestellt.
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Gefertigt wurden sie aus Materialen wie Holz, Ton, Wachs, Stroh und Textilien. Die „Fatschnkindl“ wurden häufig in kleinen Kästen aus- und aufgestellt. Nicht selten dienten schönverzierte gläserne Schaukästen als Aufbewahrungsorte. In Kirchen waren sie häufig Teil eine Altars bzw. Seitenaltars.
Das Beispiel aus der Kobelkirche in Neusäß bei Augsburg, zeigt sehr schön, wie qualitativ hochwertig die Verzierungen sein konnten. Neben teuren Stoffen, wurden auch goldverzierte Elemente verwendet. Im Hintergrund sind die drei Weisen aus dem Morgenland und der Morgenstern zu sehen.
Die Kunstgeschichte unterscheidet mehrere „Fatschnkindl“-Typen. Der 1. Typus ist charakterisiert durch das Vorhandensein einer landschaftlichen Darstellung, die das „paradiesische Kindsein “ Jesu hervorheben soll. Die Andeutung der Landschaft und die Darstellung der Flora und der Tiere erfolgten durch verschiedene Schmuckelemente, wie etwa qualitätvolle Stoffe, Pailletten und andere Materialien.
Ein weiterer Typus, wäre das sog. „Grottenkindl“. Das „Fatschnkindl“ befindet sie innerhalb einer angedeutenden Grotte. Auch hier erfolgt die Ausschmückung durch unterschiedliche Materialien. Zu diesem Typus gibt es unterschiedliche Deutungen. Zum einen kann die Grotte als chtonisches Element aufgefasst werden und indirekt mit dem Tod und dem Opfertod Christi in Verbindung gebracht werden.
Das sog. „Krippenkindl“ bildet den nächsten Typus. Ähnlich wie bei normalen Krippendarstellungen ist die Geburt Jesu dargestellt. Häufig wird dieses Ereignis noch durch zusätzliche Nebenszenen, wie der Verkündigung der Hirten noch erweitert. Die zentrale Stellung nimmt das „Fatschnkindl“ ein.
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Diese Seite wurde zuletzt am 22. Februar 2013 um 21:10 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 13.617-mal abgerufen (to Cache).
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