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Erscheinungsfest (Jordanstag) in Sofia (Bulgarien)

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Das Erscheinungsfest ("Voditsi, Vodokrashti") findet jedes Jahr überall in Bulgarien statt. An diesem Tag soll Christus im Jordanfluss getauft worden und den Menschen erschienen sein. Am Erscheinungsfest, in Bulgarien auch noch "Jordanstag" genannt, wird ein symbolisches Baden und Waschen mit geweihtem Wasser durchgeführt. Am Jordanstag, wird das Ritual des Badens in einem freien Wasserlauf (See, Fluss, Meer) vollführt. Zuvor muss das Wasser von einem orthodoxen Priester geweiht werden. Anschließend wirft er ein Kreuz in das Wasser, das trotz der üblichen Winterkälte von den jungen Männern herausgefischt werden muss. Am Erscheinungsfest werden zudem die Kampffahnen der bulgarischen Armee geweiht.

Termin

Dieser Brauch ist am 06.01.2020.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

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Ablauf

Der beobachtete Brauch fand am 6.1.2013 (Sonntag) ab 11:00 Uhr in Stadtzentrum von Sofia statt. Der Brauch der Taufe Jesu untergliedert sich in zwei Teile: die Kampfflaggen der bulgarischen Armee werden vom Bischof Joan anlässlich des Erscheinungsfestes geweiht. Gleich um 11:15h kommt am "Grab des unbekannten Soldaten" in Sofia der Staatspräsident Plevneliev, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, und nimmt an der feierlichen Zeremonie teil. Der zweite Teil des Brauches besteht im Werfen des Kreuzes in den See. Das Fest endet gegen 13:40 Uhr.

Die Vorbereitungsphase startet ein paar Tage vor dem Erscheinungsfest. Zum ersten Teil des Festes werden mehrere Straßen im Stadtzentrum gesperrt, damit ein freier Weg für den Präsidenten und die Soldaten geschaffen werden kann. Um Risiken zu vermeiden, organisiert man zum zweiten Teil des Festes eine Gruppe von Taucher, die dafür sorgt, alle gefährliche Zustände aus dem Wasser zu beseitigen, damit die Teilnehmer problemlos ins Wasser springen können, um das Kreuz rauszuholen. Beteiligt an dem Erscheinungsfest sind der Bischof Joan, der Staatspräsident Plevneliev begleitet von der Soldatentruppe verschiedensten Ranges ganz Bulgariens, sowie die Bürgermeisterin Fandukova, nicht an letzter Stelle auch noch die Polizisten, die für Straßenordnung sorgen und die 60 Männer, unter denen der älteste im Alter von 72 Jahre ist, die bei diesen niedrigen Temperaturen Tapferkeit und Mut beweisen.

Der Hauptakteur ist Bischof Joan, der sowohl bei dem Weihen der Kampfflaggen, als auch bei dem Werfen des Kreuzes die entscheidende Rolle spielt. Geboren am 13.02. 1969 in Yambol, beschäftigt er sich derzeit mit allen Aufgaben, die Patriarch Maxim bis zu seinem Tod im Jahre 2012 erfüllte. Bischof Joan veranstaltet die Kampfflaggenweihe, die circa 30 Minuten dauert. Die Soldaten empfangen ehrenamtlich den Staatspräsidenten Rosen Plevneliev am Stadtplatz „Sveti Alexander Nevski“. Anschließend legt er den Blumenkranz vor das Denkmal „des Unbekannten Soldaten“ nieder.

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Gleich nach dem Gottesdienst fährt Bischof Joan mit weiteren Angehörigen der Kirche und mit der Bürgermeisterin zu dem Drujba See, wo man das Kreuz werfen soll. Gegen 12.30h versammeln sich alle dort, wo die Wasserweihe auf einer kleinen Bühne neben dem See stattfindet. Die 60 nur mit Badehose bekleideten Männer warten ungeduldig bis der Bischof den Start freigibt. Er geht runter zum See mit dem Kreuz in der Hand, alle Männer küßen seine Hand und gleich danach wirft er das Kreuz ins Wasser. Alle springen sofort rein und circa 3-4 Minuten sind die mutigen Männer im kalten See. Schließlich schaffte es der 24-jährige Student Bratan Bratanov aus Sofia, das Kreuz rauszuholen. Trotz der Kälte bewahrt der tapfere Bratan seinen Humor und sagte, er spinge zum ersten und zum letzen Mal für das Jordanskreuz. Außer der Geldbelohnung bekommt er mehrere Grüße von den Zuschauern, sowie eine selbstgebackene Pita, die ihn stärken soll. Das Rausholen des Kreuzes soll ihm vor allem viel Glück und Gesundheit bringen, so Bratan. Als Abschluss der Zeremonie gegen 13.40h darf jeder von den Zuschauern ein Glas Rotwein zu sich nehmen. Abgesehen von der strengen Aufsicht, der Polizeiüberwachung des Bischofs und des Präsidenten wird dieser Brauch weitergeführt, um diese bekannte bulgarische Tradition zu bewahren.

Namenstag

An diesem Tag feiern diejenigen, die Vornamen Jordan, Jordanka, Jonko, Jonka,

Dancho, Danka, Bozhidar, Bozhidara, Bogdan und Bogomil tragen, ihren Namenstag.

Organisation der Brauchveranstaltung

Offizieller Veranstalter des Brauches ist Stadt Sofia und die Bulgarische Patriarchalkirche. Wie jedes Jahr wird die Aktion durch verschiedene Medien beworben.

Hintergrund-Infos

Die traditionelle Wasserweihe der Kampffahnen geht angeblich auf das Jahr 917 zurück, als diese Zeremonie zum ersten Mal vor der entscheidenden Schlacht bei Acheloj gegen die byzantinische Armee vollführt worden ist. Nach der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft 1878 wurde die Tradition wieder eingeführt. Nach einer Unterbrechung während der sozialistischen Ära in Bulgarien ließ die bulgarische Armee ihre Fahnen von der Kirche seit 1993 wieder weihen.

Allgemeine Entwicklungsgeschichte des Brauches

Seinen Ursprung hat der Brauch in der Taufe Jesu Christi im Fluss Jordan. Im Moment der Taufe öffnete sich der Himmel und der Geist Gottes kam auf Jesus wie eine Taube vom Himmel und verbreitete eine Stimme: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe" (Matthäus 3, 16-17). Daher auch der Name des Festes- Epiphanie. Das Erscheinungfest hat verschiedene Namen in den unterschiedlichen Regionen Bulgariens : Voditsi, Vodokrashti. Dem Volksglauben zufolge, öffnet sich der Himmel in der Nacht vor Epiphanie und jeder, der das sieht, bekommt vom Gott was er sich wünscht. Nach einem festlichen Gottesdienst wirft ein Priester das Heilige Kreuz in das Meer,in den See oder in den Fluss. Damit wird das Wasser geheiligt. Falls das geworfene Kreuz im Wasser gefroren ist, bedeutet das Gesundheit und Wohlstand das ganze Jahr über. Wenn das Wetter kalt und trocken ist, wird es als ein Zeichen des guten fruchtbaren Jahres akzeptiert. Jordanstag gilt als der letzte Tag der Periode der sogenannten „Schmutzigen Tage“.(Zeitperiode vom 25. Dezember bis 6. Januar, die sog. „Schmutzigen Tage“ - man glaubt, dass in deisem Zeitraum die bösen Kräfte, wie Vampire, Hexen und Geisten am Werk sind, um den Menschen zu schaden). Vor dem Fest ist das dritte und letzte Weihnachtsessen. Die rituelle Mahlzeit besteht aus frischem Brot, Kraut, gefüllte Paprika, Kohl, Bohnen, Nüsse und Wein.

Weblinks

http://bnr.bg/sites/de/News/Pages/%D0%922%20130106.aspx

http://www.bulgarien-erleben.de/bulgarien,traditionen,65.html

http://bg.time.mk/cluster/29af256262/podgotovka-za-utresnija-jordanovden-v-sofija.html

http://www.vestnikataka.bg/2013/01/%D0%B1%D1%8A%D0%BB%D0%B3%D0%B0%D1%80%D0%B8%D1%8F-%D0%BF%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%BD%D1%83%D0%B2%D0%B0-%D0%B1%D0%BE%D0%B3%D0%BE%D1%8F%D0%B2%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5-%D0%BE%D1%81%D0%B2%D0%B5%D1%89/

http://bulgariatravel.org/data/doc/GER_45-Imenni_dni.pdf

http://www.bnews.bg/article-66874

Belege, Literatur

Старева, Лилия: Български светци и празници. Издателство Труд, София 2003.

Старева, Лилия: Български магии и гадания. Издателство Труд, София 2007.

Döpmann, Hans-Dieter: Die orthodoxen Kirchen in Geschichte und Gegenwart. Herausgegeben von Gerhard Ressel. Frankfurt am Main u.a. 2010, S.181.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Mai 2013 um 17:39 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 3.857-mal abgerufen (to Cache).
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