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Eiersammeln in der Gemeinde Westerheim

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Am Karsamstag in der Früh ist es in der Gemeinde Westerheim/Allgäu Brauch, die von den Dorfbewohnern bereitgestellten Eier zu sammeln. Diese Aufgabe übernehmen die Ministrantinnen und Ministranten der Kirchengemeinde. Sie ziehen frühmorgens mit ihren Ratschen (in Westerheim Rätschen genannt) und ihrem Leiterwagen los und sammeln die vorbereiteten Gaben der Dorfbewohner ein. In vielen anderen Gemeinden steht nicht das Eiersammeln, sondern vor allem das Ratschen an sich als Brauch im Vordergrund und wird zum Großteil bereits ab Karfreitag praktiziert (siehe Karfreitagsratschen).

Termin

Dieser Brauch ist am 31.03.2017.

Ablauf

Vorbereitung

Bereits einige Tage vor Karsamstag teilt die Meßnerin mit dem älteren Messdienern die Ministranten in Gruppen zwischen fünf und acht Kindern ein. Meist kommen die Kinder, die im gleichen Ortsabschnitt wohnen (z.B. Oberdörfler, Unterdörfler etc.), in eine Gruppe. Je nach Gruppenanzahl wird das Dorf anschließend in Bereiche eingeteilt und einer Sammelgruppe zugewiesen. Der Gruppen- und Zuteilungsplan wird dann neben dem Ministrantendienstplan in der Sakristei der Kirche ausgehängt und die Kinder können nachsehen, mit wem sie welches Gebiet durchlaufen. Schließlich wird innerhalb der einzelnen Gruppen abgestimmt, wann und wo man sich am Karsamstagmorgen treffen. Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand für den Brauch, die Rätsche, wird schon am Karfreitag an der Kirche abgeholt. Weiterhin wird der Leiterwagen für das Sammeln vorbereitet. Dafür kommt ein großer Karton für die Süßigkeiten hinein, ein kleinerer für die Eier und ein paar Eierwaben, für die einzelnen Eier, die sie vor den Türen finden.
Die Bewohner der Gemeinde stellen die Gaben meist schon am Vorabend (also Karfreitagabend) für die Ministranten bereit.


Sammelgaben

Gesammelt werden von den Ministranten nicht nur Eier aller Art (roh, hart gekocht, gefärbt, verziert etc.). Auch stehen immer ein paar Süßigkeiten oder andere Naschereien für die Ministranten bereit, sozusagen als Belohnung für ihre Arbeit. Denn die Eier sind ausschließlich für den Pfarrer und die Meßnerin (Kirchendiener) bestimmt. Finden die Ministranten Geld bei den Eiern, so dürfen sie es unter sich aufteilen. Früher floss es allerdings in die gemeinsame Ministrantenkasse, um z.B. Ausflüge zu finanzieren.


Am Karsamstag

Bereits um kurz vor 6:00 Uhr versammeln sich die Gruppen am vereinbarten Treffpunkt. Sie durchlaufen mit Rätsche und Leiterwagen ihr Gebiet und sammeln gewissenhaft alles ein, was für sie bereitgestellt wurde. Oft reicht aber das Volumen eines Leiterwagens für die ganzen Gaben nicht aus. Deswegen stimmen sich die Eltern untereinander ab, wer die Kinder unterstützt und zwischendurch das Gesammelte abholt und verwahrt.
Ein besonderes Ziel für die Messdiener ist es, recht zügig zu sein, denn abends, wenn alle Ministranten zur Osternachtfeier versammelt sind, wird ausgetauscht, wer als erstes fertig war.
Ist die Gruppe mit ihrem Gebiet fertig, liefern sie als erstes die Eier beim Pfarrer oder der Meßnerin ab. Danach findet immer ein gemeinsames Gruppenfrühstück statt. Zum einen weil die Kinder durchschnittlich zwei bis drei Stunden unterwegs waren und hungrig sind, aber auch weil die Süßigkeiten gerecht und gewissenhaft verteilt werden müssen. Zwar dürfen diese noch nicht sofort verspeist werden, weil ja noch Karwoche ist, aber dafür ist die Vorfreude auf den Ostersonntag groß, wenn die Süßigkeiten endlich vernascht werden dürfen.

Hintergrund-Infos

Ursprung des Brauchs in Westerheim

Der genaue Ursprung des Brauches lässt sich nicht exakt datieren. Wie aber ältere Dorfbewohner berichten, existierte das Eiersammeln schon in ihrer Kindheit. Somit hat dieser Brauch in der Gemeinde eine lange Tradition.

Früher und heute

Schon immer wurde das Eiersammlen und Rätschen von den Ministranten der Gemeinde übernommen. Da früher ausschließlich den Buben diesen Dienst verrichten durften, war auch der Brauch den Jungen des Dorfes vorbehalten. Seit 1974 wurden auch Mädchen als Ministrant zugelassen und beteiligen sich seit dem mit gleicher Begeisterung an diesem Brauch.

„´Zam Rätschen“

Da es in der Osterzeit Brauch ist, dass die Glocken von Gründonnerstag bis Karsamstag schweigen, hört man auch in der Gemeinde Westerheim keinen Glockenschlag, der zum Gottesdienst oder zu Andachten ruft. Damit aber auch alle rechtzeitig erscheinen, kommen die Ministranten und Ministrantinnen mit ihren Rätschen nochmals zum Einsatz. So besteigen zum Beispiel für die Ostermette meist die älteren Messdiener mit Begleitung den Glockenturm und kündigen mit ihren Rätschen den Gottesdienstbeginn an.

Gewährspersonen

Pfarrer der Gemeinde Westerheim, ehemaliger Ministrant, aktiver Messdienerinnen, Meßnerin, Autorin

Interviews

Interview mit dem Pfarrer der Gemeinde

http://www.youtube.com/watch?v=CJzyGkJDQCI

Interview mit einem ehemaligen Messdiener

http://www.youtube.com/watch?v=Wwmb6w7jVDQ

Interview mit aktiven Messdienern

http://www.youtube.com/watch?v=iSZUBWS1P5Q

Siehe auch

Weblinks

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