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Die Kehrwoche in Baden- Württemberg

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Bräuche
Bräuche > Deutschland
Geprüfte Artikel > Grüner Artikel


Die Kehrwoche ist kein Brauch, den man mit Feiern, Trinken und Spaß haben assoziert. Die Kehrwoche ist ein Putzbrauch aus Baden- Württemberg. Klingt komisch, ist aber so.

Einstiegsinformationen

Kurzcharakterisierung

Die Kehrwoche ist kein Brauch des Feierns und des spaßigen Halli Galli, sondern ein wortwörtlicher Putzbrauch in Baden - Württemberg. Die Kehrwoche beinhaltet die wöchentlichen Putzaufgaben in einem Mehrparteienhaus. Dazu zählen u.a. das Kehren und Wischen der Treppe sowie das Saubermachen der Außenanlagen. Das Besondere an der Kehwoche ist, dass sie wirklich von den Hausbewohnern selbst durchgeführt und auch kontrolliert wird und nicht von einem externen Hausmeisterservice, wie man ihn z.B. in Bayern kennt.

Turnus

Die Kehrwoche findet wöchentlich statt- auch sehr außergewöhnlich für einen Brauch. An einem festen Tag in der Woche, dem Samstag, muss eine Partei im Haus diese vollziehen. Ist das Treppenhaus in einer Woche besonders verschmutzt, so muss die Kehrwoche zusätzlich auch am Mittwoch noch erledigt werden.

Empirische Dokumentation

Grundlagen der empirischen Dokumentation

Die Kehrwoche ist kein Fest wie z.B. das alljährliche Maibaumfest in Pfersee, an dem jeder beliebige Feierwütige teilnehmen kann. Um diese als Nicht - Baden - Württemberger jedoch einmal miterleben zu dürfen, gibt es sogenannte Arttours. Diese Chance wollte ich mir selbstverständlich nicht entgehen lassen und so habe ich am 21.06.2014 um 10Uhr bei We will kehr for it in Stuttgart die Kehrwoche vollziehen dürfen- d.h. putzen, putzen, putzen.

Ablauf

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Regelmäßig jeden Samstag ist Kehrwoche in Baden- Württemberg angesagt. Eine Tradition, die man nutzen kann, dachten sich zwei Künstler, die in Stuttgart ausgefallene Stadtführungen anbieten. Unter dem schräg deutsch- englischen Motto We will kehr for you bieten sie für Touristen Arttours an, um sich der Landeshauptstadt quasi mit Kehrschaufel und Besen anzunähern. Das Konzept ist einfach. Touristen werden Einheimischen als Putzkräfte angeboten. Ist alles sauber, gibt es ein gemeinsames Essen oder Kaffee und Kuchen mit der Familie. So lernten wir nicht nur die schwäbischen Sauberkeitsregeln kennen, sondern kamen sogar intensiv mit echten Stuttgartern in Kontakt. Diesen Samstag kann sich Dirk aus Stuttgart zurücklehnen, denn wir- meine Mama und ich- übernehmen diese Woche seine Kehrwochenpflichten, um den Putzbrauch einmal live und am eigenen Leib miterleben zu dürfen. Was bei der Kehrwoche zu tun ist, entnehmen wir dem Schild vor Dirks Haustüre: den Hofeingang, den Bereich vor den Garagen und den dazugehörigen Gehweganteil reinigen, das Treppenhaus sowie den Gang im Keller kehren und wischen, Briefkasten und Gartentor putzen und die Haustüre abreiben und ggf. mit Teaköl einreiben. Dieses Schild dient in einem Mehrparteienhaus als Merkerchen, um die Kehrwoche ja nicht zu vergessen. Es wandert Woche für Woche von einer Familie zur anderen. Wurde das Saubermachen am Samstag erledigt, darf das Schild dem Nachbarn vor die Haustüre gehängt werden.

Froh waren wir, dass wir diesen Brauch im Sommer miterleben durften, denn die Kehrwoche beinhaltet im Winter auch den Winterdienst, d.h. Schnee schippen im gesamten Außenbereich- und das täglich bis spätestens 7Uhr in der Früh. Damit nicht eine Familie in einer schneereichen Woche jeden Tag Schnee schippen muss und eine andere Familie im Winter nur samstags kehren muss, werden die Verantwortlichen für die Kehrwoche im Winter meist täglich gewechselt.

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Nun aber ran an die Arbeit- die Kehrwoche musste erledigt werden. Wir schnappten uns die Putzutensilien- Besen, Kehrschaufel, Eimer, Wischmopp, Reisigbesen und Politur- und begannen damit das Treppenhaus von oben nach unten zu kehren und nass zu wischen. Da dieses Mehrparteienhaus aus lediglich vier Familien besteht, hat hier jeder selbst für das nötige Putzmaterial zu sorgen. In größeren Häusern greift man meist zu Gemeinschaftsmaterial, wie einem gemeinsamen, großen Besen und einer Schneeschaufel für alle Bewohner des Hauses. Als nächstes musste der gesamte Außenbereich gereingt werden. Wir kehrten den Bereich vor der Haustüre, vor den Garagen und den Gehweg. Auch der Briefkasten und das Gartentor mussten geputzt werden. Zum Schluss wurde von uns noch die große Haustüre geputzt und mit Teaköl eingerieben. Selbstverständlich erledigten wir all die Aufgaben sehr sorgfältig, denn wir wollten uns schließlich von Dirk oder seinen Nachbarn nicht lumpen lassen. Fazit: Alles in allem ist die Kehrwoche im Vergleich zu anderen Bräuchen ein äußerst anstrengender Brauch.

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Akteure

Die Kehrwoche erledigen müssen in Baden- Württemberg alle Bewohner in einem Mehrparteienhaus. Jede Familie im Haus ist abwechselnd samstags für diese wöchentlichen Aufgaben verantwortlich. Niemand kann sich dieser Pflicht entbinden, doch das will hier in Stuttgart auch niemand, denn die Kehrwoche ist allen sehr wichtig. Einen Hausmeister, wie wir ihn in Bayern meist in Mehrparteienhäusern kennen, wollen die Baden- Württemberger für ihre Kehrwoche nicht. Er kann im Winter z.B. nicht pünktlich bis 7Uhr in der Früh den Winterdienst erledigen, sofern er für mehrere Häuser zuständig ist. Hat er bei einem Haus bereits Schnee geräumt, so sind die weißen Flocken schon wieder da, bis er beim anderen Haus seinen Winterdienst erledigt hat. Zudem erklärt Dirk, dass man als Hausbewohner sein eigens Haus höchstwahrscheinlich sorgfältiger putzt als das einer anderen Person, da man hier weiß, dass man für sich selbst putzt und sich so selbst ein sauberes, ansprechendes Ambiente schafft. Besonders streng kontrolliert und erledigt wird die Kehrwoche, wenn der Hausbesitzer mit im Haus wohnt- so die Insider Information. Wie bereits erwähnt kann man für gewöhnlich nicht vom Kehrwochendienst befreit werden. Es gibt jedoch eine individuelle Ausnahmereglung, die jedoch von Haus zu Haus unterschiedlich umgesetzt wird. Ist man zu alt, um die Arbeiten entsprechend durchzuführen, so wird der eigene Dienst auf alle Parteien im Haus oder auf eine Familie im Haus umgelegt.

Brauch- und Rollenverständnis

Es gibt wohl wenige Klischees, die so präsent sind und wegen derer Stuttgarter so viel Spott ertragen müssen wie das der Kehrwoche. Doch sie gehört zu den Baden- Württembergern wie das Weißbier und der Biergarten zu Bayern. Auch heute noch wird dieser Putzbrauch streng eingehalten. Die Kehrwoche ist sogar in vielen Mietverträgen und Hausordnungen in Stuttgart festgeschrieben. Und auch die Nachbarn untereinander kontrollieren sich in ihrem Kehrwochendienst gegenseitig noch stark. Früher sei die Kontrolle noch etwas stärker gewesen, so Dirk aus Stuttgart, da meist noch der Hausbesitzer mit im Haus gewohnt habe. Dirks Nachbar konnte mir dazu sogar eine kleine Anekdote von früher erzählen, die ich niemandem vorenthalten möchte. Die Hausbesitzer überlegten sich immer sehr einfallsreiche Tricks, um die Mitbewohner darauf hinzuweisen, dass die Kehrwoche noch gar nicht bzw. nicht zufriedenstellend erledigt wurde. Sie legten sich kleine Mülltüten in der eigenen Wohnung bereit, sodass sie jeder Zeit zufälligerweise zu den Mülltonnen gehen konnten, um die Mitbewohner abzupassen und so an die Kehrwoche zu erinnern.

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Für Außenstehende klingt dieser Brauch ziemlich kurios. Dies dachte sich auch der SWR und wollte daher für seine Sendung Sag die Wahrheit einen Kurzfilm über die Kehrwoche drehen. In dieser Sendung werden vier Prominenten unterschiedliche Videos gezeigt, die wahre oder gelogene Sachverhalte beschreiben. Die Prominenten müssen dann feststellen, was stimmt und was falsch ist. So sollen sie auch im September in der Show u.a. erraten, ob es diese ausgefallene Kehrwoche nun wirklich gibt. Wir lernten bei unserem Auflug demnach nicht nur echte Stuttgarter und die Kehrwoche kennen, sondern durften auch noch miterleben, wie ein solch großer Fernsehsender seine Aufnahmen macht. Insgesamt waren drei Mitarbeiter des SWR anwesend, um uns beim Verrichten der Kehrwoche zu filmen: ein Kameramann, ein Mann, der für die Lichttechnik zuständig war und eine Dame, die quasi Regie führte und das Video zur Kehrwoche auch zusammenstellen wird. Das Video, das in der Sendung ausgestrahlt werden soll, wird c.a. 30 Sekunden lang sein. Für diese mussten wir jedoch einen ganzen Vormittag und Nachmittag lang drehen, bis die Aufnahmen im Kasten waren. Das ist fast noch kurioser als die Kehrwoche an sich. Oft wurden wir auch aufgefordert gewisse Positionen einzunehmen bzw. unsere Putzgerätschaften auf eine bestimmte Art und Weise zu halten, damit im Video alles optimal aussähe. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es so schwer ist, ein 30-sekündiges Putzvideo zu drehen. Wir sind nun jedoch sehr gespannt, uns im September 2014 beim Putzen und Kehren im Fernsehen zu sehen und auch etwas neugierig, ob die Prominenten herausfinden, ob es die Kehrwoche denn wirklich gibt.

Organisation der Brauchveranstaltung

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We will kehr for it: Aus diesem Namen kann man eigentlich die ganze Idee ableiten. Touristen kehren for you und die Einheimischen caren (sorgen) für ihre fleißigen Helfer. Die Idee für diese ausgefallenen Arttours in Stuttgart kam ganz unschwäbisch von einer Oberbayerin und einem Briten. Die vom Chiemsee stammende Susanne Kudielka gründete Arttours mit ihrem englischen Lebensgefährten Kaspar Wimberley. Nachdem sich die beiden während ihres Kunststudiums in Liverpool kennengelernt hatten, verschlug es sie 2006 aufgrund Susannes neuen Jobs am Staatstheater nach Stuttgart. Die beiden haben diesen Putzbrauch zunächst als eine Besonderheit und Stuttgart als DIE Kehrwochenstadt erlebt. Doch wenn man dort lebt, dann ist es nichts Besonderes mehr, so Kaspar.Wir wollen jedoch den Umgang mit dem klassischen Klischee der Kehrwoche brechen. Finanziert werden die Arttours von der Stadt, vom Kulturamt, durch Sponsoren oder kleinere Spenden der Teilnehmer, denn diese ausgefallenen Stadtführungen verstehen die beiden Gründer als ihr Kunstprojekt. Doch wie organisieren die zwei diese Stadtführungen? Zunächst kann man sich im Internet für die Arttours anmelden. Susanne und Kaspar suchen im Voraus Familien, bei denen geputzt werden darf. Sie klingeln einfach bei fremden Familien und fragen, ob ihnen jemand die Kehrwoche für einen Samstag abnehmen darf. Klopf Klopf ganz einfach- bis jemand zusagt. Wir suchen keine typische Person. Es ist uns wichtig über das Klische hinauszugehen, sagt Kaspar. Die Suche erweist sich jedoch ab und an als schwieriger als gedacht, da gerade ältere Menschen ihre Kehrwoche nicht besonders gerne abgeben, da sie ihnen sehr wichtig ist. Diese Stadtführung der besonderen Art wird es leider zunächst nur noch für ein Jahr geben, da Susanne und Kaspar ihre Kunstprojekte nach drei Jahren nun einmal reflektieren wollen und evtl. sogar ein Buch publizieren möchten.

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte des beschriebenen Brauches

Offiziell geht die Kehrwoche auf die Stuttgarter Gassensäuberungsordnung von Herzog Ludwig von Württemberg aus dem Jahr 1714 zurück und ist demnach bereits 300 Jahre alt. Die sieben Seiten der Verordnung sind noch heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart einzusehen. Grund für das eigenständige Gesetz war die Feststellung, dass sich die Bürger nicht mehr an Ordnungs- und Sauberkeitsregeln hielten. Dies musste geändert werden und so erließ Herzog Ludwig nachhaltig diese Gassensäuberungsordnung. Die Wurzeln der Kehrwoche reichen jedoch noch viel weiter zurück. Bereits 1492 stand im Stuttgarter Stadtrecht, das von Graf Eberhard im Barte verfasst wurde, folgendes: Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (...) jeder seinen Winkel alle 14 Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen. Formen der Kehrwoche lassen sich zudem 1587 im Collegium Sanctorum Georgii et Martini, einer Studienstiftung, erkennen. Im Buch Gastlichkeit und Geselligkeit im akademischen Milieu in der Frühen Neuzeit wird beschrieben, dass zum Gemeinschaftsleben am Samstag zusätzliche Hausarbeiten, nämlich wie könnte es im Schwabenland anders sein, das Kehren der Straße und der Höfe- die Kehrwoche dazugehörten.Vor allem in den Policeyvorschriften der Judenschutzbriefe von 1806, die im Buch Selbstbewusste Untertänigkeit erläutert werden, werden die Kehrwochenpflichten der Juden betont: Fürstin Wilhelmine Friederike von Oettingen- Wallerstein versuchte die in ihren Augen darliegende Gartenkultur der Juden zu verbessern. Neben dem Gartenbau widmete sich die Schutzherrschaft einer Vielzahl weiterer disparater Regelungsbereiche: Verpflichtung der Juden zur Instandhaltung und Renovierung ihrer Häuser sowie zur Sauberkeit in und vor den Häusern, wozu eine wöchentliche Straßenreinigung in Form einer Kehrwoche angeordnet wurde.

Großes Entsetzen entstand am 17. Dezember 1988, als Stuttgarts Bürgermeister Manfred Rommel die Kehrwoche für Gehwege und öffentliche Straßen abschaffte. Stattdessen sollte nun nur noch bei Bedarf gekehrt werden. Das konnten die die kehrwochenvernarrten Stuttgarter nicht hinnehmen, sie waren aufs Übelste empört. Vorher wurde einem beim Verstoß gegen die Kehrwochenpflichten mit einem Ordnungsgeld zwischen fünf und tausend Mark gedroht und nun sollte man nur bei Bedarf kehren? Beschwichtigend konnte da auch CDU-Fraktionschef Heinz Bühler nicht einwirken, der sich zum Kehrwochenaus insofern äußerte, dass die schwäbischen Frauen doch sowieso für Sauberkeit stünden und daher gar keine extra Polizeiverordnung bräuchten. Auch die Äußerung von Rommel, man könne die Kehrwoche ja wieder einführen, sobald Stuttgart verschmutzen sollte, war ebenfalls nur minimal besänftigend. Aber man kann all die Kehrwochen- Wütigen trösten: Diese Tradition gibt es noch immer und sie ist heute sogar noch in den meisten Mietverträgen oder Hausordnungen festgeschrieben.

Allgemeine Verbreitung des Brauchs

Vor etwa 50 Jahren gab es so etwas wie die Kehrwoche auch noch in Augsburg (Bayern). Dann hat man sich jedoch dazu entschieden lieber etwas Geld für einen Hausmeister zu bezahlen, anstatt jeden Samstag an sie gebunden zu sein. Ganz anders in Baden- Württemberg! Peter Härtling, Schriftsteller aus Nürtingen findet nur lobende Worte für diesen Brauch: Die Kehrwoche führt eine demokratische Praxis vor. Der Schmutz aller wird nicht einem aufgeladen, sondern ein jeder kehrt ihn für einen jeden fort. Das ist ein Stück Common Sense, praktizierter Bürgersinn. Als möglichen Grund für die ausschließliche Verbreitung der Kehrwoche in Baden- Württemberg nennen die Stuttgarter ihre schwäbische Sparsamkeit. Für einen Hausmeisterservice würden schließlich zusätzliche Nebenkosten anfallen. Die Schwaben, egal ob Jung oder Alt, sagen von sich selbst, dass sie wirklich stolz auf ihre 300- jährige Tradition sind. Sogar der Schwabenrapper Mc Bruddal rappt in seinem Lied Kehrwoch über den beliebt kuriosen Putzbrauch: Kehrwoch, schaffe, du muscht dich aufraffe, du bisch wieder dra. Heut wird sauba gmacht. Kehrwoch. Desch isch a supa Sach.

Forschungsstand allgemein

Sehr gerne, sehr ausführlich und auch etwas stolz haben mir die Stuttgarter von ihrer Kehrwoche erzählt, so war es leicht an genügend Informationen zu gelangen. Vor allem aber die Frage, weshalb die Kehrwoche an sich- so speziell wie sie ist- nur in Baden- Württemberg vertreten ist, konnten die Stuttgarter selbst nur vermuten. Als möglichen Grund nennen sie ihre schwäbische Sparsamkeit. Dieser Frage bin ich selbst durch ausgiebige Literaturrecherchen und Interviews leider nicht weiter auf den Grund gekommen. Es wäre äußerst spannend von anderen Brauchwiki - Spürnasen mehr darüber zu erfahren.

Das Motiv des Kehrens in anderen Bräuchen

Kehren zum 30. Geburtstag

An seinem 30. Geburtstag muss ein Mann kehren, wenn er bis dahin immer noch nicht verheiratet ist. Meist kehrt er vor dem Rathaus Sand, Kies, Sägespäne oder Konfetti weg, um zu zeigen, dass er das Saubermachen beherrscht. Aufgabe der anwesen Kinder ist es, den zusammengekehrten Haufen immer wieder durcheinander zu bringen, damit der ledige Mann auch genug Übung im Kehren bekommt. Erlöst wird er erst durch den Kuss einer anwesenden Jungfrau. Dieses Ritual hatte vor einigen Jahren noch den Hintergedanken, so eine Frau für den noch unverheirateten Mann zu finden.

http://www.brauchwiki.de/Das_Fegen_zum_dreißigsten_Geburtstag

Polterabend

Der Polterabend ist ein Hochzeitsbrauch, der dem Brautpaar vor dessen Heirat durch Zerbrechen von Porzellan ein gutes Gelingen der Ehe wünschen soll. Höhepunkt ist das Hinwerfen und Hinschmeißen von Porzellan- ganz nach dem Motto Scherben bringen Glück. Meist wird dieser Brauch im Haus der Braut oder in deren Elterhaus durchgeführt. Aufgabe des Brautpaares ist es, den Scherbenhaufen aufzukehren und zu entsorgen. Durch das gemeinsame Beseitigen des Scherbenhaufens zeigt das angehende Ehepaar, dass sie immer zusammenhelfen werden und dass v.a. auch der Mann Pflichten im Haushalt übernehmen wird.

http://www.brauchwiki.de/Polterabend

Kehraus im Fasching

Der Kehraus allgemein meint die Schlussphase von Tanzveranstaltungen und ist abgeleitet vom Auskehren aufgrund der langen Ballkleider der Tänzerinnen. Vor allem die Faschingsfeierlichkeiten am Abend des Faschingsdienstags werden als närrischer Kehraus bezeichnet. Streng wird beim Kehraus darauf geachtet, dass die Party um Punkt 24Uhr beendet ist.

Neujahr in China

Putzen, Kehren und Saubermachen sollte man in China unbedingt vor dem Neujahrsfest. Während des chinesischen Neujahrs muss man dann jedoch ganz auf das Kehren der Wohnung verzichten, denn mit dem Kehricht (dem Staub und Schmutz) wird auch das Glück für das kommende Jahr aus dem Haus gekehrt. In Variationen gibt es diesen Brauch auch in Deutschland. Man soll z.B. vor Weihnachten und vor hohen Feiertagen nicht kehren.

Siehe auch

Weblinks

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.300-jahre-kehrwoche-kehrdichein-mit-einem-besen.9f113678-56d4-4ccc-b1e5-c0f715c5db92.html

http://stuttg-arttours.de/kehrwoche/?lang=de

Belege, Literatur

Interview mit Dirk am 21. Juni 2014

Interview mit Kaspar am 29. Juni 2014

Bernhardt, Kirsten: Gastlichkeit und Geselligkeit im akademischen Milieu in der Frühen Neuzeit. Münster. 2013.

Mordstein, Johannes: Selbstbewusste Untertänigkeit. Epfendorf. 2005.

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Februar 2015 um 14:29 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 23.041-mal abgerufen (to Cache).