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Die Jugendweihe

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Die Jugendweihe

Die Jugendweihe hat ihren Ursprung in den Anfängen der freireligiösen Bewegungen um 1848. Als Begründer der Jugendweihe gilt der sächsische Freidenker Eduard Baltzer. Auf der Basis der freireligiösen Bewegung kam es 1852 im thüringischen Nordhausen zur ersten Jugendweihe. (Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 8)

Die Jugendweihe, welche nicht ausschließlich nur den atheistischen Gegenpol zur kirchlichen Konfirmation darstellt, bietet 14- jährigen Mädchen und Jungen jeder sozialen Schicht und unabhängig ihrer Religion den feierlichen Übertritt von Kindheit zum Erwachsenenleben.(Vgl. Kuschuba, W./ Scholze, T./Scholze- Irrlitz, L.: „Alltagskultur im Umbruch“, Weimar/ Köln/ Wien: Böhlau Verlag 1996, S. 213); ( Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 348)


Ablauf

„Ein Mensch, der mit gutem Willen und voller guter, edler Vorsätze an eine Sache herangeht, wird viel leisten.“ (Herzen)

„Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen, sondern mit den Augen die Tür zu finden.“ (Werner von Siemens)

Zitate wie diese werden den Jugendlichen in ganz Deutschland am Tag ihrer Jugendweihe mit auf dem Weg in das Erwachsenenleben gegeben. Mit diesen Gleitsprüchen, wie sie oft genannt werden, werden Teilnehmern am Ende des feierlichen Aktes versehen. Sie sollen die Jugendlichen zum Nachdenken anregen und sie auf philosophische Weise in den Kreis der Erwachsenen einführen. (persönliche Erfahrungen)


Vorbereitungen

Die Teilnahme an der Jugendweihe ist jedem Jugendlichen freigestellt. Um jedoch an der Jugendweihe, die jedes Jahr im Frühling (meist im Mai) stattfindet, teilnehmen zu können, melden sich die 14- jährigen Mädchen und Jungen bei ihrer regionalen „Interessenvereinigung Jugendweihe e.V.“ an.
Nach diesen formalen Anmeldungen können die Teilnehmer auf freiwilliger Basis an Jugendprogrammen, zum Beispiel Reisen, Ausflügen, Filmen, Gespräche über Politik, Familie und Sexualität teilnehmen, welche die jeweiligen Vereinigungen zur Verfügung stellen. Dazu bekommen die Teilnehmer bei der Anmeldung ein Programmheft.

Vor der Feierstunde ist noch viel zu erledigen. Es werden sich Gedanken über Kleidung, Frisur, Essen und Trinken, die Gäste und auch die Räumlichkeiten gemacht, in denen die Feier mit der Familie dann stattfinden soll. Die Eltern versuchen diesen Tag als einen unvergesslichen Anlass zu gestalten, denn er stellt den Wunsch nach einem ritualisierten Abschied von der Kindheit den Kreis der Erwachsenen dar. Aber nicht nur die Jugendlichen selber machen sich Gedanken über ihre Kleidung, auch die Verwandten und Bekannten, die an diesem Tag teilnehmen, wollen dem Anlass entsprechend gekleidet sein. (Vgl. Kuschuba, W./ Scholze, T./Scholze- Irrlitz, L.: „Alltagskultur im Umbruch“, Weimar/ Köln/ Wien:Böhlau Verlag 1996, S. 201)

Am Tag der Jugendweihe ist es meist so, dass alle früh aufstehen und sich fertig machen. Vor allem bei den Mädchen herrscht Hektik und Eile, denn meist gehen sie vor der Feierstunde noch zum Friseur und lassen sich eine festliche Frisur verpassen. Diese ganze Hektik ist natürlich mit viel Freude, Nervosität und auch Spannung verbunden. So sind die Teilnehmer auch neugierig darauf, wie ihre Klassen- und Schulkameraden aussehen. (persönliche Erfahrungen)

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Jugendweihe als festlicher Übergang in das Erwachsenenalter

Der festliche Akt der Jugendweihe beginnt unter musikalischer Begleitung mit dem Einmarsch der Teilnehmer nach Klassen und Schulen geordnet in den Festsaal. Dann folgt ein Einstiegs-Programm mit musikalisch und künstlerischer Gestaltung und einer Rede, die meist vom Vorsitzenden der jeweiligen Interessenvereinigung gehalten wird. Im Anschluss werden die Jugendlichen namentlich aufgerufen und kommen in Kleingruppen auf die Bühne. Dort wird ihnen gratuliert und jeder erhält eine Urkunde (siehe Abb.1 Jugendweihe), ein Gedenkbuch und eine Blume (meist eine Rose). (Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 347)

Meist folgen anschließend weitere Programmpunkte zur Unterhaltung. Es ist auch nicht selten, dass ein jugendlicher Teilnehmer im Namen aller Jugendlichen eine Rede hält.
Das Ende dieser Festlichkeit ist durch den Ausmarsch der Jugendlichen gekennzeichnet und durch ein abschließendes Gruppenfoto mit allen Teilnehmern. (persönliche Erfahrungen)

Jugendweihe als Fest der Familie

Im Anschluss an die Feierstunde gehen die Jugendlichen mit ihren Familienangehörigen zusammen. Sie feiern im Bund der Familie den offiziellen Übertritt von ihrer Jugend zum Erwachsenenalter. Hierbei ist es nicht selten, dass den Gefeierten zahlreiche Geschenke von ihren Verwandten und Bekannten überreicht werden. Außerdem essen und trinken sie zusammen und reden über frühere Zeiten oder auch über das was die Zukunft noch bringen kann. Oft weckt der festliche Teil der Jugendweihe starke Emotionen in den Eltern und Großeltern. Hier wird ihnen klar gezeigt, was der Übertritt zum „Erwachsenen“ für die Jugendlichen bedeutet.
So ist dieses Fest mit zwei starken Emotionen bedeckt. Zum einen der Stolz und die Freude, dass sich das Kind zu einem gesellschaftlich anerkannten Menschen entwickelt hat. Zum anderen auch eine Art Trauer, weil den Eltern klar wird, wie schnell die Zeit vergeht.

Aber dennoch ist es ein fröhliches Fest, es wird viel gelacht, geredet, gegessen und unter Umständen auch getanzt und ein wenig getrunken. (persönliche Erfahrungen)

Jugendweihe als Fest im Freundeskreis oder im Klassenverbund

Die Mehrzahl der Jugendlichen verabredet sich für den späteren Abend mit ihren Klassenkameraden oder Freunden, um zusammen diesen feierlichen Tag ausklingen zu lassen. Häufig wird in der Gruppe ein Stück gewandert oder man setzt sich einfach gemütlich zusammen und redet über dies und das. Auch ist hier der Konsum von Alkohol nicht selten, denn man möchte ja mit Gleichaltrigen auf den gemeinsamen Lebensabschnitt anstoßen. Wie ausgiebig dies stattfindet, ist jedoch von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. (persönliche Erfahrungen)

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Hintergrund-Infos

Die meisten Leute bringen mit dem Wort „Jugendweihe“ den Sozialismus und die DDR in Verbindungen und sehen den Ursprung auch in dieser Zeit. Jedoch ist das falsch.
Die Jugendweihe ist seit über 150 Jahren ein Ergebnis eines allmählichen Verweltlichungsprozesses, wobei sich die freireligiöse Jugendweihe inhaltlich und organisatorisch von der Kirche trennte. (Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 348)

Zu sagen ist auch, dass es in der Literatur umstritten ist, wann der Beginn der Jugendweihe zu verzeichnen ist. Meine Ausführungen richten sich nachdem was ich am meisten in der Literatur gefunden habe.


Jugendweihe- Anfänge in freireligiösen Arbeiterbewegungen

Um 1848 trennten sich liberale Gruppen katholischer und protestantischer Herkunft von den überaltert empfundenen Amtskirchen. Daraufhin entstanden bald freireligiöse Bewegungen und von den Amtskirchen unabhängige Gemeinden. Hier zählt auch Eduard Baltzer (1814- 1884) dazu. Er gründete 1847 die „Freie Protestantische Gemeinde Nordhausen“. Das Konsistorium in Nordhausen lehnte die Wahl Baltzers als Pfarrer ab, da er als Mitglied „Protestantischer Freunde“ nicht Pfarrer werden könne. So entstand ein Bruch zwischen Baltzer und der Amtskirche (jedoch behielt er seinen christlichen Glauben bei). Als Folge dessen kam es 1852 zur Einführung der Jugendweihe. Sie stellte eine außerkirchliche Feier für junge Menschen und den Gegenpol zur Konfirmation dar. Jeder der an der Jugendweihe teilnahm, musste vorher aus der Kirche austreten und bekennt sich zu einer freien, liberalen Weltanschauung. (Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 348)

Die pädagogische Aufgabe der Jugendweihe wurde oft von parteipolitischen Zielen überlagert, was sich auch deutlich in den Feiern widerspiegelte. Das Jugendweiheprogramm, auch Jugendweiheunterricht genannt, bereitete die jungen Menschen bei Sport und Spiel auf das Leben vor. Durch die Vermittlung humanistischer Werte sollen sie auf die Beteiligung am Kampf für sozialen und politischen Fortschritt eingestimmt werden.(Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 9)

Jugendweihe in den 20er- Jahren- Ausrufung der Weimarer Republik

Durch die Weimarer Reichsverfassung bekamen sowohl Kirche als auch freigeistigen Bewegungen genügend Raum für ihre Arbeit. So entstanden bei den Freidenkern verschiedene Zusammenschlüsse: streng kommunistische, gemäßigt demokratische, gewerkschaftliche und kleinbürgerliche Vereinigungen. Jede dieser Vereinigungen vertrat ihr eigenes politisches und weltanschauliches Konzept. So mussten die Familien zwischen verschiedenen Jugendweihen wählen, aber alle erforderten den definitiven Kirchenaustritt. (Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 349)

Edwin Hoernle, Mitbegründer der kommunistischen Kinderbewegung, empfand die Jugendweihe als Möglichkeit die Proletarierkinder zu kollektiver Arbeit, zu schöpferischer Initiative und zum Klassenkampf zu erziehen. Für die proletarischen Freidenker stand die Trennung von Staat und Kirche, die Ausgliederung der Kinder aus dem Religionsunterricht, die ästhetische Erziehung und die Aufklärung im Mittelpunkt. Für andere war die Jugendweihe „nur“ eine Art Schulentlassungsfeier.(Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 9)

Allen gemeinsam war die Mündigsprechung der jungen Menschen. Sie sind nun „alt genug zum Arbeiten, eine eigene atheistische Weltanschauung zu haben und sich den Idealen der Arbeiterbewegung anzuschließen.“ (Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 349)

Der festliche Ablauf in den 20er- Jahren ist ähnlich der heutigen Feierstunde. Nur dass sich die Jugendlichen zur Weihe mit einem Gelöbnis auf die geistige und sittliche Arbeit an der eigenen Person und der Menschheit verpflichten, dass sie Aberglaube und Wahn ausrotten, Ausbeutung und Krieg bekämpfen und Gewissensfreiheit fördern. Daran wird deutlich, dass die Jugendweihe in der Weimarer Republik ein Teil der Arbeiterbewegung war. Mit diesem Glaubensbekenntnis wurden die Jugendlichen offiziell in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen.(Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 350-351)

Jugendweihe während des Nationalsozialismus

Es wäre fehlerhaft zu Glauben, die Jugendweihe sei mit der Hitlerdiktatur untergegangen.
Von 1940 bis 1942 kam es zu einer strengen Vereinheitlichung. So wurde die reichsweite „Verpflichtung der Jugend“ als Anlass für die Jugendweihe geschaffen. In Folge dessen diente die Jugendweihe, als die Erfassung aller Jugendlichen pro Schuljahr und als Verpflichtungen auf das Reich und den Führer. Zielsetzung dieser Richtlinien ist das gänzliche Verbot oder die Ablösung anderer Feiern, auch der Konfirmation und der Firmung.(Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 352)

So war es erstmal in der Geschichte der Jugendweihe, dass diese „als staatliches Ersatzritual für die Konfirmation gestaltet und zentral geplant worden ist“. ( Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 353)

Jugendweihe in der DDR

Die Jugendweihe in der DDR war das erfolgreichste sozialistische Fest, sie war weitgehend an den freireligiösen und proletarischen Vorgängen orientiert. Vor allem sollte sie dazu beitragen, dass die sozialistische (atheistische) Weltanschauung die Lebensauffassung der Bürger (der Kirche) zurückdrängt und ersetzt. (Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 12)

1955 fanden die ersten staatlich unterstützten Jugendweihen statt. Sie wurde im Gegensatz zu der bisherigen Tradition zu einer staatlich ausgerichteten und staatsbefürwortenden Organisation. Das Ritual der Jugendweihe wurde stark von der Schule und dem Staat unterstützt. Sie fand nach dem 1. Jahr der Mitgliedschaft in der FDJ statt (nach der 8. Klasse).
(Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 354); (Vgl. Niehuss, M.: „Zwischen Seifenkiste und Playmobil- Illustrierte Kindheitsgeschichte des 20. Jahrhunderts“, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, S. 142); (Vgl. „Jugend in der DDR- zu Jugendalltag& Jugendproblemen im Sozialismus“, Bonn- Bad- Godesberg: Friedrich- Ebert- Stiftung 1988, S.19)

Der vorbereitende Jugendunterricht wurde von der FDJ aktiv vorbereitet und durchgeführt. Diese Jugendstunden fanden im Klassenverband statt und oftmals auch direkt in den eigenen Klassenräumen. Themen dieser 10 Unterrichtsstunden waren unter anderem „Sozialismus- unser Heute und Morgen“, „Was heißt revolutionär zu sein?“ Diese Stunden waren aber nicht nur mit Theorie belegt, sondern auch viel mit Praxis versehen. So erfolgte die Vermittlung eines jungen, dynamischen und lebendigen Sozialismus, beispielsweise durch Exkursionen an geschichtlich bedeutende Orte. (Vgl. Kuschuba, W./ Scholze, T./Scholze- Irrlitz, L.: „Alltagskultur im Umbruch“, Weimar/ Köln/ Wien: Böhlau Verlag 1996, S. 205); (Vgl. Hallberg, Bo: „Die Jugendweihe- Zur deutschen Jugendweihetradition“, Göttingen: Vandenhoeck& Rupprechr 1979, S. 116); (Vgl. Niehuss, M.: „Zwischen Seifenkiste und Playmobil- Illustrierte Kindheitsgeschichte des 20. Jahrhunderts“, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, S. 144)

Der festliche Ablauf der Jugendweihe befand sich im selben Rahmen wie der heutige. Doch das Kernstück stellte die Festrede, meist eines Stadtpolitikers oder Funktionärs, mit anschließendem Gelöbnis dar. So bestätigten die Jugendlichen, dass sie die humanistischen Werte pflegen, achten und fortführen, dass sie Tradition der Arbeiterklasse mit ihren Zielsetzungen erhalten und zur Fortführung beitragen. (Vgl. Hallberg, Bo: „Die Jugendweihe- Zur deutschen Jugendweihetradition“, Göttingen: Vandenhoeck& Rupprechr 1979, S. 120); (Vgl. Niehuss, M.: „Zwischen Seifenkiste und Playmobil- Illustrierte Kindheitsgeschichte des 20. Jahrhunderts“, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007, S. 146)

Es gab nur wenige Jugendliche, die nicht an der Jugendweihe teilnahmen, denn dies hätte schlechte Folgen für ihre Zukunft und ihre Familie gehabt. Grund dafür ist, dass die Jugendweihe im sozialistischen Sinne ausgerichtet war und dementsprechend nach den Idealen der DDR strebte und durchgeführt wurde. Jeder der diese damit verbundene Bekennung zur DDR und dem Sozialismus verweigerte, musste mit starken Sanktionen rechnen. (Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 11)

Erst ab 1978 wurde es möglich neben der Jugendweihe auch an der Konfirmation teilzunehmen, da die katholische und protestantische Kirche eingesehen haben, dass sie die Jugendweihe nicht unterbinden können. Außerdem nahm die Anzahl der Konfirmationsteilnehmer in den Jahren davor rapide ab. So versprachen sich die Kirchen wieder einen größeren Zulauf an Konfirmanden. In Folge dessen nahmen viele an der „christlichen Weihung“ der Konfirmation, und an der „weltlichen Weihung“, der Jugendweihe teil. (Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 11)


Jugendweihe nach der Wende und Gegenwärtig

Mit dem Mauerfall im Herbst 1989 und dem neuen Gesellschaftssystem durchlief die Jugendweihe eine schwere Krise.
Die vorbereitenden Jugendstunden und das Gelöbnis wurden verboten, denn das Bekenntnis zur sozialistischen DDR war nicht mehr aktuell. Die bedeutenden und wichtigen Strukturen der Jugendweihe lösten sich nicht einfach auf. Sie veränderten sich 1990 zu Landesverbänden und bildeten die „Interessenvereinigungen Jugendweihe e.V.“ Die Interessenvereinigungen legen ab diesem Zeitpunkt Wert auf die Vermittlung humanistischer- ethischer Lebensvorstellungen, wie „das Recht auf Selbstbestimmung des Einzelnen, die Achtung der Würde der Anderen, Toleranz im menschlichen Miteinander, Gleichberechtigung und Gedankenfreiheit.“ ( „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 12)

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht eine offene Jugendarbeit, Ausflüge, Freizeitangebote und die Feierstunde selbst.
(Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 355- 356)

Jedoch konnte die Jugendweihe nach der DDR nur durch inhaltliche Erneuerungen und neue demokratische Strukturen überleben. Die momentane Jugendweihe und ihr Programm basieren auf den Traditionen des Freidenkertums. Primär richtet sie sich an konfessionslose Elternhäuser, diese sehen die Jugendweihe als anerkannte Alternative zur Konfirmation. Das Ziel der Jugendweihe ist es den Jugendlichen zu helfen „ihren Platz im Kreis der Erwachsenen zu finden, sie zu humanistischen, politisch denkenden und aktiv handelnden Menschen zu erziehen“(„Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 12) und sie auf dem Weg dahin mit Rat und Tat zu begleiten. Abgerundet wird dies mit einem Gedenkbuch zur Feierstunde. Das aktuellste ist mit dem Titel „Der große Jugendweihe Almanach“ versehen und ist ein Lexikon.

Die Jugendweihe als gemeinschaftlicher Übertritt von der Kindheit zum Erwachsenenleben ermöglicht den jungen Erwachsenen eine Identifikation, Auseinandersetzung und ein Erlebnis mit den gesellschaftlich angesehnen Normen und Werten und diese sollen sie sich ein Leben lang beibehalten. (Vgl. „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: Jugendweihe Deutschland e.V., 2003, S. 12); (Vgl. Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001, S. 357)



Belege, Literatur

  • Döhnert, Albrecht: „Die Jugendweihe“ in: Francois,Etienne/ Schulze, Hagen (Hsg.): „Deutsche Erinnerungsorte III“, München: Verlag C.H.Beck, 2001
  • Friedrich- Ebert- Stiftung (Hsg.): „Jugend in der DDR- zu Jugendalltag& Jugendproblemen im Sozialismus“, Bonn- Bad- Godesberg: 1988
  • Hallberg, Bo: „Die Jugendweihe- Zur deutschen Jugendweihetradition“, Göttingen: Vandenhoeck& Rupprechr 1979
  • Jugendweihe Deutschland e.V.(Hsg.): „Der große Jugendweihe Almanach mit Tipps für die aktive Freizeit“, München: 2003
  • Kuschuba, Wolfgang/ Scholze, Thomas /Scholze- Irrlitz, Leonore (Hsg.): „Alltagskultur im Umbruch“, Weimar/ Köln/ Wien: Böhlau Verlag 1996
  • Niehuss, Merith: „Zwischen Seifenkiste und Playmobil- Illustrierte Kindheitsgeschichte des 20. Jahrhunderts“, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2007

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Diese Seite wurde zuletzt am 19. Februar 2013 um 15:18 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 7.405-mal abgerufen (to Cache).