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Die Beschneidung im Islam

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Eines der wichtigsten Bräuche im Kindes- und Jugendalter ist zweifellos die Beschneidung des männlichen Geschlechts. Dieser Brauch ist in der muslimischen Gemeinschaft tief verwurzelt. Sie wird streng nahezu von jedem Moslem streng eingehalten und zählt zu den bedeutendsten Bräuchen im Islam.

Ablauf

1. Das Alter des Kindes bei der Beschneidung

Das Alter des Kindes bei der Beschneidung ist in den verschiedenen islamischen Ländern unterschiedlich. Es gibt keinen fest vorgeschriebenen Zeitpunkt, denn sie obliegt der Entscheidung der Eltern. Sie liegt in der Regel zwischen sieben Tagen nach der Geburt und dem 14. Lebensalter. Die zeitnahe Durchführung der Beschneidung ist sehr bedeutsam für einen muslimischen Jungen. Meistens wird der Junge kurz vor oder nach seiner Einschulung beschnitten. Genauso wird aber eine Beschneidung des männlichen Säuglings bevorzugt, damit das Kind weniger Schmerzen empfindet und später sich psychisch nicht darauf vorbereiten muss. Denn auch wenn der Koran diese Tradition nicht nennt, ist sie ein fest verankert im Islam. Der Brauch stellt sozusagen eine gesellschaftliche Ordnung dar. Deswegen legen muslimische Eltern großen Wert drauf, dass ihr Junge beschnitten wird. Eine verspätete Durchführung löst Ablehnung und Intoleranz in der muslimischen Gesellschaft aus.

2. Die Vorbereitungen auf die Beschneidung

2.1 Die Sünnet-Patenschaft

Diese Patenschaft ist gut zu vergleichen mit dem Paten bei der Taufe eines Kindes. Der Sünnet-Pate sollte immer eine männliche Person sein. Denn es wäre nicht angebracht und unangenehm für das Kind, wenn eine Frau einem Jungen bei dieser geschlechtsspezifischen Angelegenheit zur Seite stehen würde. Bei der Auswahl des Paten ist außerdem zu achten, dass zwischen dem Kind und dem Paten eine vertrauliche Beziehung besteht. Der Pate wird auch „Kirve“ oder „Kirva“ genannt. Dieser kann der Onkel des Kindes sein, aber auch ein enger Freund der Eltern. Die Aufgabe des Kirves besteht darin, die Eltern bei der psychischen Vorbereitung des Kindes zu helfen. Dabei versuchen sie gemeinsam dem Kind die Angst vor dem operativen Eingriff zu nehmen und ihn auch nach der Beschneidung weiterhin zu unterstützen. Auch kommt es vor, dass der Kirve sich an den Kosten für das anschließende Beschneidungsfest beteiligt. Durch die Übernahme der Patenschaft entsteht nicht nur zwischen Kind und Kirve eine engere Verbindung, sondern auch der Kontakt mit den Eltern wird intensiviert.

2.2 Das Sünnet-Kostüm

Das Kostüm, das die Kinder nach der Beschneidung und während der Beschneidungsfeier tragen, ist ein wichtiger Bestandteil des Brauchs. Heutzutage gibt es sehr viele verschiedene Modelle in unterschiedlichen Ausführungen, Farben und Stoffen. Entweder man kauft schon vorgefertigte Kostüme oder lässt ein Individuelles anfertigen. Die Kostüme haben meistens die Farbe weiß und sind mit Mustern bestickt. Dies hat den Grund, weil weiß die Farbe der Reinheit symbolisiert und Reinheit im Islam oberstes Gebot ist. Das Kostüm ist meistens mehrteilig, bestehend aus einer feinen Stoffhose, einem Hemd, einer bestickten Weste und Krawatte, einem Umhang, der mit Federn bestückt ist und einer schick geschmückter Kopfbedeckung, ähnlich einer Krone und einem Stock. In dem aufwändigen Kostüm ähnelt sich das Kind einem König oder Prinzen. Denn durch die Beschneidung erhält das Kind seine Männlichkeit, das durch das Kostüm symbolhaft dargestellt werden soll. Ein wichtiges Accessoire ist ein Band mit der Aufschrift „maschallah“, das um die Schulter gehangen wird. Der Begriff „maschallah“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Gott soll dich beschützen“.

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2.3 Das Schmücken des Kinderzimmers

Kurz vor der Beschneidung wird das Zimmer des Jungen aufwendig geschmückt. Mit Girlanden mit der Aufschrift „Maschallah“, bunten Luftballons und Konfettis wird das Zimmer dekoriert. Auch wird meistens ein Tüll über das Bett aufgehängt. Das schöne Gestalten des Kinderzimmers soll dazu dienen, wenn dass Kind nach der Beschneidung nach Hause kommt sich erstens wohlfühlen soll und zweitens die Bedeutung dieses besonderen Ereignisses gezeigt wird.

3. Sünnet - Die Beschneidung

3.1 Vor der Beschneidung

Die Beschneidung findet in der heutigen Zeit unter operativem Eingriff in einem Krankenhaus statt. Die Eltern vereinbaren einen Termin in einem Krankenhaus ihrer Wahl. Vor der Operation spricht der behandelnde Arzt mit den Eltern und dem Kind und weist auf Risiken hin. Die Erziehungsberechtigten müssen eine Einverständniserklärung unterschreiben. Das Kind kommt vorbereitet am Tag der Beschneidung mit seinen Eltern und Kirve ins Krankenhaus.

Früher war vor allem in muslimischen Ländern oft der Fall gewesen, dass das Kind auf einem Pferd durch das ganze Dorf kutschiert und feierlich von einem ausgebildeten Beschneider – dem sogenannten „Sünnetci“ in seiner Praxis beschnitten wurde

3.2 Die Beschneidung

Während der Beschneidung sitzt das Kind auf dem Schoß seines Kirves. Entweder durch lokale Betäubung oder Vollnarkose wird dann die Beschneidung durchgeführt. Dabei wird nur die Vorhaut des Geschlechtteils entfernt. Währenddessen wird der Spruch „Allahu Ekber“ – „in Allahs Namen“ und nach der Entfernung der Spruch „es ist vollendet mashallah“ gesagt, um das Kind zu beruhigen.

3.3 Nach der Beschneidung – Das Beschneidungsfest

Da die Beschneidung als ein Wendepunkt im Leben eines muslimischen Jungen gesehen wird, ist es unerlässlich dieses Geschehen auch zu feiern. Damit die Zeremonie auch gelingt, wird wie üblich bei großen Festen zeitlich im Voraus geplant. Die Größe der Feier hängt von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern ab. Meistens übernehmen auch der Patenonkel oder die Großeltern einen Teil der Kosten. Es gibt zwei Arten von Feierlichkeiten. Einmal das Beschneidungsfest in der Moschee. Es ist die Pflicht der Eltern nach der Beschneidung ihres Sohnes eine Feier in religiösen Räumen durchzuführen. Hier werden vor allem Gebete aus dem Koran durch den Hodscha vorgetragen und es wird zusammen gebetet. Das Kind befindet sich während der Gebete bei seinem Vater in der Moschee. Das beschnittene Kind hat seine Beschneidungstracht angezogen. Die Familienmitglieder sind anwesend und schick gekleidet, aber den religiösen Regeln entsprechend. Es werden Freunde, Bekannte, Verwandte, sowie die Freunde des Kindes eingeladen. Neben der Feier in der Moschee gibt es noch die Möglichkeit der Feier in einem Festsaal oder in einem Restaurant. In der Regel organisieren die Eltern eine große Zeremonie. Je nach Freundeskreis und Bekanntheitsgrad werden 200 bis sogar 800 oder mehr Gäste eingeladen. Man kann das Beschneidungsfest mit der Größe einer traditionellen türkischen Hochzeit vergleichen. Es wird für Spaß, Musik und Unterhaltung gesorgt. Als Köstlichkeiten kann Verschiedenes angeboten werden. Üblich sind bei Feierlichkeiten, sowohl in der Mosche als auch in einem Festsaal Reis mit geschnetzeltem Fleisch oder auch Hackfleischpizza. Natürlich kann das Menü individuell variieren. Die Familienmitglieder und enge Verwandte des Jungen haben schicke Abendgarderobe an. Der Saal wird festlich geschmückt. Als Anerkennung und Dank für die tapfere Tat, wird der beschnittene Junge von den Eltern, Großeltern, den engsten Verwandten, sowie von all den Gästen reichlich beschenkt. Hohe Geldsummen, Gold, Spielzeuge und vieles mehr gehört zu den Geschenken.

3.4 Die Einladungskarten

Die Einladungskarten für die Feier können beliebig gestaltet werden. Es gibt eine riesige Vielfalt an Kartenmotiven. Die beliebteste Kartengestaltung ist das Bild des „blauen Auges“, das vor bösem Blick und Unglück schützen soll. Genauso der Spruch „Maschallah“ ist auf jeder Einladung zu finden. Unterschiedliche Sprüche, die meistens religiöse Inhalte beinhalten, sind der Kern der Einladung. Unter anderem sind die Namen der Großeltern väterlicher Seite und die Namen der Eltern als Gastgeber aufgeführt. Auch der Name des beschnittenen Jungen ist aufgedruckt.

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3.5 Gastgeschenke

Gäste, die an der Beschneidungszeremonie teilnehmen und die Freude der Familie teilen, bekommen als Erinnerung an das Fest kleine Gastgeschenke. Typisch sind kleine Päckchen, die zudem mit kindlichen Motiven bedruckt und mit Henna befüllt sind. Beliebt sind auch kleine Kronen oder dekorative Elemente, die mit ein paar Zuckermandeln befüllt sind. Auch sind meistens Magnete angebracht. Dadurch können diese Gastgeschenke an Schränken oder Fenster als Erinnerungsstück befestigt werden.

Hintergrund-Infos

Jeder Moslem muss sich laut islamischen Glaubensbekenntnisses einer Beschneidung seines männlichen Geschlechts unterziehen. Hierbei wird die Vorhaut des männlichen Geschlechts abgetrennt. Die Beschneidung ist der erste symbolische Schritt eines Jungen auf dem Weg zur Männlichkeit. Warum schreibt aber der Islam denn die Bescheidung vor? Die Beschneidung wird nicht explizit im Koran erwähnt. Auch wenn im Koran die Beschneidung nicht ausdrücklich befohlen wird, gilt jedoch neben dem Koran auch die Hadith. In der Hadith sind die Worte und Handlungen der Propheten aufgeführt. Die Propheten gelten als Allahs Gesandte. Der Brauch der Beschneidung beruht auf den letzten Propheten Abraham zurück. Nach Überlieferungen zufolge hat Abraham als erster Mensch im Alter von 80 Jahren sich selbst beschnitten. Auch einer Überlieferung zufolge kamen viele Propheten beschnitten auf die Welt. Hierzu gehören unter anderem die Propheten Mohammed, Moses und Adam.

Der Begriff „Sünnet“ oder „Sunna“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet „belebter oder betriebsamer Weg“. Im Islam bedeutet Sunna im übertragenen Sinne die Befolgung und Nachahmung des Propheten Mohammed, sozusagen der ideale und wahre Weg, den ein gläubiger Moslem gehen sollte. In seiner weiteren Bedeutung ist unter „Sunna“ auch das gute und schlechte Verhalten eines Menschen zu verstehen, das er im Laufe seiner alltäglichen Lebensweise aufzeigt.

Siehe auch

Das_Beschneidungsfest:_"Sünnet"

Belege, Literatur

  • Primärquellen:

Schwikart, Georg: Dem Islam begegnen; Ideen für Familie, Kindergarten und Grundschule. Kevelaer, Lahn-Verlag, 2009.

Heidarpur-Ghazwini, A.: Kulturkonflikt und Sexualentwicklung; Sexualentwicklung islamischer Heranwachsender in der BRD. Frankfurt am Main, Auflage 1986.

  • Internetquellen:

http://www.die-religionen.net/islamistische-braeuche.html

http://www.enfal.de/hitan.html

http://www.artalaturka.de/kultur/sunnet-von-beschneidung

http://www.turkinfo.at/index.php?id=956

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