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Der Wasservogel in Hegnenbach

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Der Wasservogel in Hegnenbach

Der Wasservogel ist ein Heischebrauch. Jedes Jahr an Pfingstmontag treffen sich die MinistrantInnen aus Hegnenbach, um sich einkleiden zu lassen und den Baum zu schmücken, um dann den Wasservogel durch den Ort zu begleiten.

Termin

Dieser Brauch ist am 25.05.2015.

Teilnehmende

Diesen Brauch zu erhalten ist seit mehr als einem Jahrzehnt Aufgabe der MinistrantInnen aus Hegnenbach. Der Vater einer ehemaligen Ministrantin hat sich vor ca. 10 Jahren bereit erklärt, Bäume und Zweige so lange zu organisieren, wie ausschließlich MinistrantInnen diesen Brauch weitertragen. Daher ist in diesem Haus nahezu die ganze Familie jedes Jahr an Pfingstmontag beschäftigt, sei es, das Ereignis auf Bildern festzuhalten (Mutter), die Bäume mit auszusuchen und Bäume und Zweige herbeizuschaffen, oder die Kinder einzukleiden. (Vater und Tochter).

Die Ministrantenleitung kümmert sich um weitere notwendige Dinge wie einen Korb, Sonnencreme, ausreichende Getränke und eine Stärkung in der Mittagspause.

Die MinistrantInnen selbst schließlich führen den Brauch aus und lernen dazu im Voraus bereits das Sprüchle auswendig. Der Gemeindepfarrer entsendet den Wasservogel dann während des Pfingstmontagsgottesdienstes. Wenn der Wasservogel eingekleidet und der Baum geschmückt ist, macht sich die Gruppe auf den Weg, um von Haus zu Haus zu ziehen und Segen in jedes Haus zu bringen.

Wer welche Aufgabe übernimmt, wird bereits kurz nach Ostern ausdiskutiert. Die einfachste Frage ist dabei noch, wer den Baum trägt. Da i.d.R. nur wenige Jungs unter den Ministranten zu finden sind, werden diese auf die Gruppen aufgeteilt, um dann jeweils den Baum zu tragen. Der Wasservogel wird oft auf die jüngsten Mitglieder abgewälzt, weil dieser Posten nicht sehr beliebt ist. In Zweige eingewickelt zu sein und später mit Wasser übergossen zu werden, ist generell nicht besonders angenehm. Außerdem sollte sich der Wasservogel danach nach Zecken absuchen lassen, da es durch die Zweige durchaus zum Kontakt mit unerwünschen Parasiten kommen kann.

Material

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Um den Wasservogel einzukleiden, werden ausschließlich
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Buchenblätter verwendet. Ursprünglich hatte dies wahrscheinlich einen rein pragmatischen Zweck: Die Buche war einer der wenigen Bäume, die zu dieser Zeit bereits ausreichendes Blattwerk entwickelt hatte.
Um diese Zweige an der Person, die Wasservogel werden soll, zu befestigen, wird in Hegnenbach der Tragegurt einer Motorsense verwendet. Dieser wird relativ eng angelegt. Dann werden die Zweige nach und nach unter die Gurte geklemmt. Sind genügend Zweige fixiert, ist der Wasservogel nicht mehr erkennbar. Dann hält auch die Konstruktion in sich, die Zweige müssen nicht zusätzlich befestigt werden und gehen beim Laufen auch nicht verloren.

Für den Baum werden grundsätzlich junge Birken verwendet. Auch hier ist der Grund wohl ähnlich wie beim Blätterwerk des Wasservogels: Die Birke ist der erste Baum, der Ende April bereits Blätter trägt. Ein weiterer Grund, der mit dem ersten einhergeht: Birke ist das erste Frühlingsgrün, die erste Pracht, die man sich nach dem Winter ersehnt. Es macht den Menschen immer wieder Freude, wenn das neue Grün kommt. Vermutlich wurden deswegen Birken- und Buchenblätter gewählt, um den Wasservogel einzukleiden und seine Gruppe auszustatten.

Eine weitere mögliche Erklärung für die Verwendung dieser Baumarten findet man unter Ursprung des Wasservogels in Hegnenbach: Je prächtiger der Wasservogel geschmückt war, desto besser sollte die Ernte im Herbst werden, da der Wasservogel Segen über die Felder bringen sollte. Daher war es wohl wichtig, dass besonders grüne und kräftige Zweige verwendet wurden, um den Wasservogel einzukleiden.
Auch die Bänder, mit denen die Bäume geschmückt werden, werden bereits am Vortag hergerichtet. Dafür kann entweder buntes Krepppapier verwendet werden, das allerdings nur einmal zu gebrauchen ist. Ein weiterer Nachteil wird deutlich, wenn das Kreppband nass wird, sei es durch Regen oder Wassereimer, die an der Haustüre eigentlich den Wasservogel treffen sollten. Durch das Wasser verläuft die Farbe, mit dem das Kreppband colorisiert wurde. Dadurch werden die Hände des Baumträgers bunt. Diese Farben sind bei nur einem Bad nicht vollständig zu beseitigen. Alternativ werden in Hegnenbach inzwischen bunte Stoffstreifen verwendet. Aus alten T-shirts oder anderen Kleidungsstücken wurden lange Streifen geschnitten, die am Baum befestigt werden können. Dies hat zum einen den Vorteil, dass die Streifen wiederverwendet werden können. Zum anderen färben die Stoffstreifen nicht ab, wenn sie nass werden. Wenn man will, könnte man sagen, ein Nachteil ist es, dass man die Stoffstreifen danach aufräumen muss, aber diese Arbeit gehört in Hegnenbach schlicht zum ganzen Brauch dazu. Wenn die ganze Gruppe zusammenhilft, ist der Baum am Ende auch ziemlich schnell wieder abdekoriert.

Ablauf

Die Vorbereitungen beginnen bereits spätestens am Pfingstsonntag. Vater und Tochter oder die Baumträger gehen in den eigenen Wald und suchen eine oder zwei (je nach Anzahl der Gruppen) passende kleine Birken, die sich durch das Dorf tragen lassen. Es wird darauf geachtet, dass die Bäume gleichmäßig gewachsen sind, einen möglichst geraden Stamm haben und die Krone rundum eine schöne Form aufweist. Dies zu beurteilen ist nicht immer einfach, da die Bäume oft von anderen verdeckt werden. Um sich dennoch ein Bild davon machen zu können, ohne den Baum von vornherein fällen zu müssen, sind manchmal körperliche Anstrengungen notwendig. So muss ein Weg direkt an den Baumstamm geschlagen werden, um diesen zur Seite drücken zu können, damit die verdeckte Seite sichtbar werden kann. Dieser Weg zum Baum kann auch ab und zu durch dichtes (Distel-)Gestrüpp führen. Daher ist es von Vorteil, groß zu sein und entsprechnde Kleidung zu tragen, wenn es heißt Wer geht mit, den Baum aussuchen?.

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Am Pfingstmontag selbst werden dann morgens um 7 Uhr die Bäume und nach derenAbliefern genügend Buchenzweige, um einen oder zwei Wasservögel einzukleiden, aus dem Wald geholt. Spätestens um 08.00 Uhr kommen die werdenden Wasservögel und lassen sich einkleiden. Hierzu wird das Geschirr einer Motorsense angelegt, in das dann die Buchenzweige hineingesteckt werden. Dies geschieht so lange - wie oben schon beschrieben, bis die/der MinistrantIn darunter nicht mehr erkennbar ist. Auch die Arme werden bedeckt. Einzig das Gesicht wird am Ende wieder etwas freigeschnitten, damit der Wasservogel sieht, wo er hinläuft.

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Während die Wasservögel eingekleidet werden, treffen auch die anderen Gruppenmitglieder ein, u.a. die BaumträgerInnen. Diese kümmern sich,nachdem die Baumstämme passend auf die Tragenden gekürzt wurden, darum, dass die Birken geschmückt werden. Bunt soll alles sein.Dazu werden bunte Stoffstreifen an die Zweige geknotet. Ganz zum Schluss wird noch eine Schelle an einem der unteren Äste befestigt.Dadurch wird der Wasservogel nicht nur gesehen, sondern auch von Weitem schon gehört.

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Wenn alle geschmückt sind und sichergestellt ist, dass alle das Sprüchle aufsagen können, wird ein Abschlussfoto gemacht.
Dann ziehen die Gruppen los, um von Haus zu Haus zu gehen. An einer Haustüre angekommen, wird geklingelt und gewartet, bis die BewohnerInnen öffnen. Dann wird der Spruch aufgesagt, um Segen in das Haus zu bringen. Dann dürfen die BewohnerInnen den Wasservogel nass machen. Hierfür kann beispielsweise ein Eimer voll Wasser dienen oder gar der Gartenschlauch. Bevor die Gruppe wieder geht, erhalten sie noch Gaben der HausbewohnerInnen als Dank, den Segen ins Haus gebracht zu haben. Früher wurden Nahrungsmittel gesammelt, vor allem - wie der Spruch sagt Eier und Schmalz. Heute erhalten die Kinder vor allem Geld und Süßigkeiten. Die Süßigkeiten werden direkt nach dem Laufen unter den Beteiligten aufgeteilt. Das Geld geht entweder gesammelt in die Ministrantenkasse, um den nächsten Ministrantenurlaub zu finanzieren oder wird ebenfalls unter den Beteiligten gerecht verteilt.

Wenn der Wasservogel im ganzen Dorf unterwegs war und - wie es sich gehört - klatschnass zurückkommt, wird er wieder ausgebunden. Auch die bunten Bänder an der Birke werden wieder entfernt. Gemeinsam kümmert sich die Gruppe darum, dass alles wieder aufgeräumt wird, damit im nächsten Jahr wieder alles zur Hand ist.

Wirkung

Im ganzen Dorf freut man sich, wenn es wieder heißt Pfingstmontag ist gekommen. Ältere DorfbewohnerInnen freuen sich, dass der Wasservogel mit kleinen Unterbrechungen bis heute erhalten ist und weiterhin organisiert wird. Manche Einwohner erzählen begeistert jedes Jahr wieder aus ihrer Jugend, als sie selbst noch durch das Dorf liefen. Sie freuen sich, dass auch heute noch Jugendliche da sind, die sich engagieren und alte Traditionen aufrecht erhalten.

Personen, die aus anderen Gegenden hierher gezogen sind, sind zuerst ganz erstaunt und wollen wissen, was das überhaupt ist. Die meisten sind jedoch schnell ebenfalls sehr begeistert und freuen sich, wenn der Wasservogel im nächsten Jahr wieder vor der Türe steht. Dann kennen sie den Brauch und die meisten leben ihn wie Alteingesessene mit.

Auch für die direkt Beteiligten ist es immer wieder ein schöner Tag. Dieser Tag ist zwar mit Arbeit und Aufwand verbunden, manchmal auch anstrengend, wenn die Sonne zu stark vom Himmel brennt. Aber insgesamt freut man sich doch immer wieder, zu sehen, was man leistet. Sei es, wieder eine schöne Birke gefunden und schöne Wasservögel gebunden zu haben, oder für die MinistrantInnen wieder einen tollen Ausflug im Sommer finanzieren zu können.

Sprüchle

Pfingstmontag ist gekommen,
Da freuen sich die Alten und die Jungen.
Da geht der Herr ins Oberschloss,
Da reiten die Buben das schönste Ross.
Mit was soll mers ziere?
Mit lauter goldne Schnüre.
Mit was soll mers stecke?
Mit lauter Seel und Wecke.
Buabele, Buabele, jetzt isch gnua!
Jetzt dreh mer alle s Wasser zua.
Eier, Schmalz und Geld
regiert die ganze Welt!

Ein weiteres Sprüchle, das allerdings in Eppisburg gängig ist:

Jetzt kommen wir Buaba mi´m Wasservogel
und wissen nicht woher geflogen.
Wir kommen geflogen von Ricc zu Riad,
und macht´s des Wasser net gar zu triab, net gar zu triab.
Wenn er Baur will a Fülle kaufa,
muaß er an Beidl voll Taler mitbrenga.
A Beidl voll Taler isch no et gnua,
A Schüssl voll Eier gkehrt au drzua.
A Schüssl voll Eier isch no et gnua,
A Hofa voll Schmalz gkehrt au drzua.
A Hofa voll Schmalz isch no et gnua,
a Fässle Bier gkehrt au drzua.
A Fässle Bier isch no et gnua,
´s halbe Himmelreich gkehrt au drzua.
´S halbe Himmelreich isch no et gnua,
des ganze Himmelreich gkehrt au drzua.
Aber jetzt isch gnua,
jetzt gand wir Buaba mi´m Wasservogel zua.
Eier, Butter und Geld regiert die ganze Welt.
Wir danken dir, Herr Jesus Christ,
dass du für uns gestorben bist.


Es fällt auf, dass in beiden Sprüchen am Ende um Eier, Schmalz und Geld gebeten wird. Dies waren die typischen Gaben, die jeder Haushalt zur Verfügung hatte. So gab man beispielsweise ein Ei oder einen Löffel Schmalz und/oder etwas Geld. Heute werden diese Naturalien nicht mehr gesammelt. Stattdessen werden Geld und Süßigkeiten gegeben.

Das Sprüchle aus Altenmünster:

Jetzt kommt die Feuerwehr mit dem Wasservogel,
sie wissen nicht woher geflogen,
sie kamen geflogen wohl über das Meer
und machten den Fischern das Wasser so trüb,
so trüb bis auf den Boden,
da meinten die Bauern wir sollten sie loben,
wir lobten sie nur ein wenig klein,
ein wenig klein ist nicht genug,
ein Geldbeutel voll Geld gehört auch dazu.

Die Feuerwehr lässt danken
und ihren Maien schwanken.

Ursprung des Wasservogels

Die Tradition des Wasservogels besteht in Hegnenbach seit mindestens achtzig Jahren. Nicht immer haben ausschließlich MinistrantInnen diese Tradition gepflegt. Zu Beginn der Tradition war es die ganze Dorfjugend, die sich um den Brauch gekümmert hat. Allerdings durften anfangs nur Buben durch das Dorf laufen und den Wasservogel begleiten. Erst seit auch Mädchen ministrieren dürfen und die MinistrantInnen aus Hegnenbach das Fortführen des Brauchs übernommen haben, dürfen auch Mädchen den Wasservogel begleiten oder selbst Wasservogel sein oder auch den Baum tragen.
Auf die Frage, ob der Brauch auch während des Krieges fortgeführt wurde, erhielt ich eine bejahende Antwort. Obwohl die Menschen selbst kaum genug zum Leben hatten, gaben sie einen Teil dessen, was sie besaßen, um den Brauch aufrecht zu erhalten. Die Gaben durften die Kinder behalten, die durch das Dorf liefen.

Woher der Brauch des Wasservogels kommt, ist nicht ganz sicher. Eine hartnäckige Vermutung ist jedoch, dass der Wasservogel als Fruchtbarkeitssymbol gesehen wurde, der eine gute Ernte bringen sollte. Ursprünglich war der Wasservogel jedoch wohl kein eigenständiger Brauch. Üblich war mancherorts der alljährliche Pfingstritt. Zu Pferde wurden die Grenzen der Ortschaften abgeritten. Dabei wurde Segen über die Felder gebracht, um eine gute Ernte zu erbitten. Dieser Pfingstritt wurde stellenweise vom Wasservogel begleitet. So grün und prachtvoll, wie dieser eingebunden war, so ertragreich sollte im Herbst auch die Ernte sein. Nach und nach verselbstständigte sich der Brauch des Wasservogels, der Pfingstritt geriet in den Hintergrund. In Hegnenbach selbst gab es den Pfingstritt gar nicht. Daher ist davon auszugehen, dass der bereits verselbstständigte Wasservogel aus anderen Orten lediglich übernommen wurde.

Weitere Hintergrundinformationen und Erfahrungen

Obwohl es unbeliebt ist, den Wasservogel zu machen, hat diese Aufgabe nicht nur Nachteile. Je nach Wetterlage kann es auch sehr angenehm sein, komplett in Laub eingekleidet zu sein. Wenn die Sonne am Pfingstmontag ununterbrochen vom Himmel brennt und die anderen Gruppenmitglieder in ihrem Schweiß baden, profitiert der Wasservogel von der isolierenden Schicht der Blätter. Auch ohne nass zu werden, ist es unter den Blättern relativ kühl. Daher ist es bei sehr sonnigem Wetter fast angenehmer, Wasservogel zu sein als eine der anderen Aufgaben zu erfüllen.
Doch egal, ob es regnet oder die Sonne scheint, es ist ratsam, als Wasservogel einen Regenponcho unter den Zweigen zu tragen. Selbst bei sehr sonnigem Wetter kann es sonst zu einer Erkältung kommen. Das kalte Wasser, das man teilweise übergeschüttet bekommt, kann nicht immer vollständig ablaufen, die Nässe sammelt sich und kühlt den Körper aus.

Unterschiede in anderen Ortschaften

In Hegnenbach besteht eine Gruppe seit es den Brauch gibt aus vier bis fünf Personen (zweitweise waren es sogar nur zwei bis drei Personen), je nachdem, wie viele sich bereit erklären, mitzumachen. Wer welche Aufgabe übernimmt, wird seit es den Brauch in Hegnenbach gibt, ausdiskutiert.
Im Nachbarort Zusamzell sind es grundsätzlich fünf Personen, die eine Gruppe bilden. Wer welche Aufgabe übernimmt wurde hier lange Zeit ausgerannt. Jedes Jahr war dieselbe Strecke zu rennen. Von einem bestimmten Startpunkt bis zu einem bestimmten Endpunkt mussten alle Gruppenmitglieder rennen. Wer am schnellsten war, durfte den Baum tragen. Der schnellste durfte diesen Baum dann auch aussuchen. Es galt aber die Regel, dass der Baum schöner als der vom letzten Jahr sein musste. Wer am langsamsten war, musste sich als Wasservogel einkleiden lassen. Die restlichen drei dazwischen teilten sich das Geldkörbchen, den Eierkorb und den Schmalztopf. Diesen Wettlauf nahm der Bürgermeister ab, damit die Verteilung der Aufgaben auch gerecht und amtlich war.

In Hegnenbach ist es üblich, dass die MinistrantInnen diesen Brauch weitertragen. In anderen Orten, beispielsweise Altenmünster, macht dies die Feuerwehr. Dort sind die Gruppen größer, die Teilnehmenden älter und es wird an nahezu jedem Haus ein Stamperl genossen.

Gewährspersonen

Die Informationen zu diesem Brauch habe ich größtenteils aus eigener Erfahrung, da ich acht Jahre lang selbst ministriert habe und somit oft Wasservogel oder Baumträgerin war. Inzwischen habe ich die Vorbereitungsarbeiten übernommen und kleide die aktuellen MinistrantInnen jedes Jahr mit ein.

Des Weiteren habe ich Herrn Johann Koppmair befragt, der seit rund 80 Jahren in Hegnenbach lebt und die Traditionen, die dort gängig sind, alle kennt. Auch seine Kinder haben an den verschiedenen Traditionen teilgenommen, waren unter anderem auch Wasservogel oder Baumträger.

Die Ortschaft Hegnenbach

Hegnenbach ist ein kleiner, idyllisch gelegener Ort westlich von Ausgburg. Es liegt am Rande der Westlichen Wälder und grenzt an den Landkreis Dillingen. Der Ort selbst hat ca. 400 EinwohnerInnen und gehört zur Gemeinde Altenmünster.

In Hegnenbach werden außer dem Wasservogel noch weitere Bräuche aufrecht erhalten. Am Faschingsdienstag laufen die jüngsten im Ort von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten und Geld, um den Faschingsball am Nachmittag zu finanzieren. Jeden Karsamstag ziehen die MinistrantInnen mit einer Rätsche durch das Dorf. An Ostern selbst gibt es jedes Jahr das Ostereierschießen, das vom Schützenverein organisiert wird. In der Mainacht wird weiterhin jedes Jahr der Maibaum nur mit Manneskraft aufgestellt. Auch das Skapulierfest wird in Hegnenbach jedes Jahr am dritten Wochenende im Juli groß gefeiert. Im Advent trifft sich die ganze Dorfgemeinschaft zur weihnachtlichen Feier. Zuerst gibt es ein Konzert, danach einen kleinen Christkindlesmarkt der ortsansässigen Händler und Firmen. Auch für Speis und Trank ist hier gesorgt. Wenn dann der Nikolaus mit Knecht Ruprecht kommt, ist der Höhepunkt des Abends erreicht.
Viele weitere übliche (katholische) Bräuche wie beispielsweise das Marientragen im Mai, der Palmesel an Palmsonntag, der Volkstrauertag im November, der Blasiussegen an Lichtmess, das Dreikönigsfest, das Erntedankfest, Fronleichnam usw. werden in Hegnenbach mit großer Teilnahme gepflegt.
Viele dieser Bräuche werden vor allem von den Vereinen aus Hegnenbach organisiert. Hier sind beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr (Faschingsball, Maibaumstellen, Weihnachtsfeier), die Ganghofer Schützen (Ostereierschießen, Weinfest), der Krieger- und Soldatenverein (v.a. Wallfahrten) und die Jagdgenossenschaft (Jagdessen, Jagdausflug) zu nennen.

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Diese Seite wurde zuletzt am 2. Februar 2015 um 12:31 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 8.979-mal abgerufen (to Cache).