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Das Scheibenfeuer in Krumbach (Schwaben)

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Termin

Dieser Brauch ist am 14.03.2015.

1. Einstiegsinformationen

== Die Stadt Krumbach Schwaben
Krumbach.JPG

Die Stadt Krumbach: Das in Bayern gelegene Krumbach gehört dem Regierungsbezirk Schwaben an. Liebevoll wird Krumbach auch als „Herz Mittelschwabens bezeichnet. Dies ist natürlich auf die geographische Lage des Städtchens zurück zu führen. Zentral gelegen, am Schnittpunkt der Bundesstraßen 16 und 300 und der Bahnlinie Günzburg - Mindelheim. Von Wäldern und Hügeln umgeben und dennoch weniger als 25 Minuten von den Autobahnen A7, A8 oder A96 entfernt. Dieser Lage verdankt die Stadt Krumbach ihren besonderen Reiz. Schön zum wohnen und arbeiten und dennoch in kürzester Zeit in Augsburg, Ulm oder in den Bergen des Allgäus. Die zum Landkreis Günzburg dazugehörige Stadt Krumbach ist nicht weit vom „Legoland Deutschland“ entfernt. So erfreut sich das „Herz Mittelschwabens“ immer mehr am Tourismus der bekannten Freizeitattraktion. Neben den klassischen Säulen der Stadtentwicklung wie Handel und Gewerbe, gibt es in Krumbach eine Vielzahl an Behörden und weiterführenden Schulen. Von der Kleinkinderbetreuung bis zur Hochschulreife stehen qualitativ hochwertige Bildungsangebote zur Verfügung. Einige der ca. 12.0000 Einwohner Krumbachs tragen nach guter bayerischer Tradition natürlich auch zum Erhalt diverser Bräuche bei, wie zum Beispiel der Durchführung des sogenannten Scheibenfeuers.

Kurzcharakterisierung des Scheibenfeuerbrauches

Scheibenfeuer.JPG
Das Scheiben oder (in manchen Regionen auch) Funkenfeuer genannt, ist ein Alemannischer Brauch. Hierbei wird ein großes Feuer entzündet, welches den Winter aus der Stadt treiben soll. Die Veranstaltung ist eine heiße Sache für die ,große und kleine Leute, schnell Feuer und Flamme sind. Das Scheibenfeuer besitzt heutzutage einen großen Unterhaltungs- und Erlebniswert.

Symbolisch wird dabei alles Böse verbrannt, ein Gedanke, der weit in die Vorzeit zurückreicht. Das Scheibenfeuer wehrt nicht nur das Böse ab, sondern es sichert auch nach altem Volksglauben Fruchtbarkeit, Glück und Heil. So wird aus dem Scheibenfeuer an der Wende vom Winter zum Frühling ein großes Event dessen Ursprünge auf alte mythische Glaubensvorstellungen zurückreichen. Die Kälte und Finsternis werden durch das wärmende, strahlende Feuer überwunden und der Stadt werden gute Wünsche entgegengebracht.

So heißt es 1947 im „Schrunsner Funkenlied“, welches nach der Singweise „Dr. Liribuab“ gesungen wird:

D´ Funkazit ischt wedr do,
Dia wen miar g´hörig halta.
Do müaßn ger all zemmaschtoht,
Wia an stolza Hanna
Und net öber und öber goht,
Bruchts a guati Tann.
Schiter müaßen o noch si
A tolli wackri Biega,
Am liebsten luter glatti dri,
Denn ka der Bau schö stiega.
Gretza, schwärtling, Hobelspöh,Buschla, langi Schäta,
Des füllt da Funka wunderschöh
Und brennt wia dörri Häta.
Obna drof of jeda Fall
Ondre Bipfelböscha
,Noch a Häx, im Kopf an Schnall
I wüßt nüt Schöners z´ wüscha.
Der Langsa kunt,
er ischt scho dra,
Der Winter muaß abzaggla.
Drom zündan miar da Funka a
Und schwingn üsri Fackla.

(Vgl. Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches: Der Funken- und Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol, Südtirol und dem Trentino. Selbstverlag des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Wien 2000 (Seite 278))

Terminierung, Turnus

Das Scheibenfeuer findet wie jedes Jahr am ersten Samstag nach der Faschingswoche statt. In diesem Jahr verlief sich der Termin auf den 08. März 2014.

2. Ablauf

Vorbereitungen

In einem Interview erzählt uns Gerlinde Hußlein, die Leiterin der Wölflingsgruppe der Pfadfinder in Krumbach, folgendes:

Schon nach dem Heilig Drei Königsfest treffen die fleißigen Pfadfinder ihre ersten Vorbereitungen für das Scheibenfeuer. In Krumbach ist bekannt, dass die abgeschmückten Christbäume des Weihnachtsfestes von den Pfadfindern eingesammelt werden um diese für das Feuer zu verwenden. Anwohner in ganz Krumbach können freiwillig ihren Weihnachtsbaum an den Straßenrand legen um ihn abholen zu lassen. Die ansässige Firma Hofmeister stellt hierfür Fahrzeuge bereit um die Christbäume zu transportieren. Anschließend werden diese hinter dem St. Michaelshaus in der Mühlstraße zwischen gelagert.

Viele weitere Vorbereitungen stehen an. Diese werden gerecht auf die verschiedenen Pfadfinderstufen aufgeteilt.
Hexe.jpg

Da wäre zum Beispiel das herstellen der Hexe. Beim Scheibenfeuer werden nämlich nicht nur alte Christbäume verbrannt…

sondern auch eine wilde Hexe. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um einen echten Menschen. Die Wölflingsstufe unter der Leitung von Frau Gerlinde Hußlein fertigt diese Hexe selbst an. Sie wird als Mahnmal an ein Kreuz gehängt welches die Spitze des Scheibenfeuerturms bildet. Während ihrer wöchentlichen Gruppenstunde helfen alle Wölflinge zusammen und ihre alten Socken und Schürzen für die Herstellung der Hexe. Ein wenig Stroh so wie Nadel und Faden tun ihr übriges um die Hexe zusammen zu halten.

Stroh, Stroh, sind mir froh,
Stengel, Stengel, sind mir Bengel,
Schiter, Schiter, komm mir witer,
Lumpa, Lumpa, zu ´ner Hex.

Warum aber wird gerade eine Hexe beim Scheibenfeuer verbrannt? Gerlinde Hußlein erzählt mir, dass die Hexe ein Symbol des Bösen sei, und ebenfalls den Winter austreiben soll.

BrennendesSonnenrad.JPG
Scheibenschießen.JPG
Die Jupi -, und die Pfadistufe der Pfadfinder bereiten im Vorfeld das Sonnenrad vor. Das Rad besteht aus Holz und wird mit gut brennbaren Ästen umrandet. Anschließend wird das Rad an einer langen, stabilen Holzstange befestigt. Diese dient dazu das Rad gut packen zu können. Schließlich soll das Rad am Tag des Scheibenfeuers in Richtung der Stadt Krumbach gerollt werden.

Warum soll das Rad aber zur Stadt hin gerollt werden? Das Sonnenrad ist nämlich das Sinnbild der Sonne. Durch das rollen in Richtung Stadt werden gute Wünsche frei gesetzt die der Stadt quasi zu kullern.

Als Highlight des Scheibenfeuers gilt das sogenannte Scheiben schießen. Für diese Aktion müssen Holzscheiben und längere Stöcke hergestellt werden. Ebenso benötigt man dazu eine Holzrampe, welche auch von den Pfadfindern gebaut wird. In diesem Jahr wurden die Holzscheiben von einem heimischen Betrieb gesponsert, die Stecken müssten selbst von den Teilnehmern mitgebracht werden.

Für was benötigt man nun eigentlich die Rampe und die Holzscheiben? Die Holzscheiben werden nach dem Scheibenfeuer in die Glut gesteckt. Nach einiger Zeit werden diese dann wieder herausgeholt und auf einen passenden Stecken aufgespießt. Die Holzscheibe wird nun auf der Rampe wild herumgerollt und dann mit einem kräftigen Ruck Richtung Stadt abgeschossen. Hierbei kann man das Geschoß schon einmal mit einem kleinen Kometen verwechseln.

Des Weiteren muss die Feuerwehr über den Verlauf des Scheibenfeuers informiert werden. Dies übernahm Herr Armir Arbab, der Leiter der Roverstufe der Pfadfinder. Die Freiwillige Feuerwehr Krumbach begleitet das gesamte Spektakel mit Einsatzwagen und Helfern. So wird für die nötige Sicherheit des brandgefährlichen Feuers gesorgt.

Die genaue Route

Der Treffpunkt aller Beteiligten ist vor dem Gasthof Munding in der Augburger Straße in Krumbach.
Von dort aus wird zu Fuß die B 300 überquert und über den Badberg der Demeterberg erklimmt.

Demeterberg.jpg

Zeitlicher Ablauf am Tag des Scheibenfeuers

Vorbereitung2.jpg
Scheibenfeuerunangezündet.jpg
FackelzugmitSonnenrad.JPG
9.00 Uhr: Es treffen sich alle Helfer des Scheibenfeuers am St. Michaelshaus wo auch die Bäume deponiert sind. Mit Traktoren wird das Brenngut verladen und Richtung Demeterberg, am Rande Krumbachs, transportiert.

Dort angekommen werden sie auf einen großen Haufen gestapelt. Hier helfen viele starke Männer wie Papas oder Verwandte der Pfadfindermitglieder. Übrigens befindet sich der Demeterberg am Ortsausgang Richtung Thannhausen. Von dort aus hat man einen wunderschönen, weiten Blick über die ganze Stadt.

10.00 Uhr: Mit einem Erdbohrer wird per Hand ein Erdloch gebohrt um das Holzkreuz für die Hexe zu befestigen.

11.00 Uhr: Die Strohhexe wird am Holzkreuz befestigt und mit Hilfe des Erdlochs, inmitten der Christbäume, aufgestellt.

11.30 Uhr: Die Rampe für das Scheiben schießen wird fachgerecht auf dem Wiesenboden angebracht.

12.00 Uhr: Nun gibt es eine verdiente Trink-, und Essenspause für alle fleißigen Helfer.

18.30 Uhr: Die freiwillige Feuerwehr Krumbach und die verantwortlichen der Pfadfinder versammeln sich vor dem Gasthof Munding.

19.00 Uhr, Beginn des offiziellen Teiles: Ab jetzt startet der Fackelverkauf der Padfinder. Die Fackeln wurden von der Krumbacher Kerzenfabrik Steinhart gespendet und können nun von den Teilnehmern für einen kleinen Preis von 1,50 erworben werden.

19.15 Uhr: Nun ist es endlich soweit! Die Fackeln werden entzündet und in einem feierlichen Fackelzug ziehen die Menschen nun Richtung Demeterberg. Allen voran fährt ein Feuerwehrfahrzeug das dem Menschenzug einen Weg bahnt. An zweiter Stelle laufen dich Jupis und die Pfadis, welche das Sonnenrad in den Händen tragen. An dritter Stelle folgen dann die Teilnehmer mit ihren Fackeln.

19.30 Uhr: Auf dem Demeterberg angekommen erwartet die Teilnehmer ein kleiner Stand mit leckerem Punsch. Nach einer kurzen Ansprache der Pfadfinder Leitungen Gerlinde Hußlein und Armir Arbab über den Sinn und Zweck des Brauches sowie über den Ablauf des Abends, wird durch ein Megaphon verkündet: Das Scheibenfeuer kann nun entzündet werden.

19.45 Uhr: Das Sonnenrad wird entzündet und in Richtung Stadt hinunter gerollt.

20.00 Uhr: Die Holzscheiben werden in die Glut des Feuers gesteckt.

20.10 Uhr: Mit einer Mistgabel werden die Scheiben wieder aus dem Feuer geholt und auf mitgebrachte Stecken aufgespießt. Jetzt können die Scheiben über die Rampe in die Nacht geschossen werden. Warum werden die Scheiben geschossen? Sie dienen als Abwehr gegen das Böse. Sie können aber auch dafür verwendet werden um sich Glück in der Liebe zu wünschen. So soll der Scheibenschießer feuern und dabei rufen:

Scheib aus, Scheib ein, Scheib übern Rain
Die Scheib, die Schein
Soll meiner allerliebsten (Name der Freundin) sein!

... wer noch Lust hat ist herzlich zum stimmungsvollen Ausklang des Abends in den Gasthof Munding eingeladen. Bei Speiß und Trank wid hier nochmal Revue über den gelungenen Abend passiert.

Besondere Vorkommnisse

Bei der Anwendung des Sonnenrades kann es für die Helfer schon mal ziemlich heiß werden :) - und es ging hierbei schon die ein oder andere Augenbraue in Flammen auf. Etwas wirklich Gefährliches ist beim Scheibenfeuer in Krumbach bis jetzt aber noch nie vorgefallen.

Im Jahr 2009 wurde eine Sonderaktion gestartet. Dabei wurde eine spezielle Stapeltechnik zum anhäufen der Bäume verwendet. Ein ca. 10 Meter hohes Holzgerüst diente hierbei als Grundlage für die Konstruktion. Das aufwendig hergestellte Bauwerk war ein gelungenes Experiment welches letztendlich noch besser denn je brannte – und somit den Winter austrieb.

Besonderheiten im Jahr 2014:

Dieses Jahr hat das Wetter den Pfadfindern einen kleinen Streich gespielt. Bei milden 15 Grad und Sonnenschein schien die Winteraustreibung nicht besonders dringlich zu sein. So wurde das Scheibenfeuer dazu entzündet, dass der Winter für dieses Jahr gar nicht erst wieder kommen soll. Die guten Wünsche für die Stadt waren natürlich trotzdem erwünscht.

Nachbereitungsphase

Nachdem das Scheibenfeuer abgebrannt ist und sich alle bei einem kleinen Umtrunk im Gasthof Munding gestärkt haben, beginnt die sogenannte Feuerwache. Freiwillige Helfer sehen nochmals nach der Brandstelle und vergewissern sich, dass alles in Ordnung ist. Am darauffolgenden Tag sind die Pfadfinder natürlich wieder hungrig und mittags werden ein paar Würstchen gegrillt. Dazu reicht es, die Wurst auf einen Stecken zu spießen und über die immer noch heiße Glut des Scheibenfeuers zu halten. Ein wirklich leckeres, selbst zubereitetes Mahl.

Nach einigen Tagen, wenn die Glut des Feuers wirklich vollständig erloschen ist, müssen die letzten Rückstände beseitigt werden. Die Reste des Feuers kann man aber nicht einfach in den Hausmüll werfen. Sie müssen fachgerecht in der Pyrolyse entsorgt werden. Das nächstgelegene Unternehmen befindet sich in Burgau.

Küchle für den Tag des Scheibenfeuers

Flack us, flack us
Ueber Spitz und Berg us!
Küchle in der Pfanne,
Roggen in der Wanne -
Juhe und kreuzweis darüberher!

Hierbei handelt es sich um kleine, süße Küchle, die in heißem Fett herausgebackenen werden. Oft wird das Küchle in den einzelnen Familien nur für diesen einen Tag zubereitet - und sie werden auch ausschließlich nur an diesem Tag gegessen. Punsch oder Glühwein schmecken dazu hervorragend.

Meine Oma verwendet dafür folgendes Rezept...

Zutaten:

1/8 l Milch
500 g Mehl
40 g Hefe
80 g Zucker
70 g Butter
2 Eier
1 Prise Salz

ein wenig Zucker oder Zimtzucker zum Bestreuen der fertigen Küchle.

Zubereitung:

Hefe in lauwarme Milch geben. Mehl mit Zucker, Hefe und Milch vermischen.
Teig ca 30 Minuten stehen lassen.Dann Butter, Eier und restliche Milch, sowie Salz daz geben.Gut verkneten. Nochmals 1 h stehen lassen.
Teig in ovale Stücke schneiden - mit Mehl besteuben - nochmals ca 30 Min. stehen lassen.Küchle formen (Teig von dre Mitte nach Außen drehen).Küchle sofort in schwimmendem Fett heraus backen.
Mit Zucker oder Zimtzucker bestreuen.

Lecker! Guten Appetit :)!

Akteure

Wer ist nun eigentlich am Scheibenfeuer beteiligt? Wie bereits schon ersichtlich wurde, sich die St. Georgs Pfadfinder Krumbach die Hauptakteure des Scheibenfeuers. Sie richten die Veranstaltung aus und laden die restliche Bevölkerung zum Feuerspektakel ein.
Die Pfadfinder teilen sich in folgende Gruppierungen auf:

1. Die Wölflinge (Kinder von 7 bis 11 Jahren):
Leiterin: Gerlinde Hußlein

2. Jupfis/Jungpfadfinder (Jugendliche von 11 bis 13 Jahren):
Leiter: Evelyn Lorenz

3. Pfadfinder (Jugendliche von 13 bis 16 Jahren):
Leiter: Harald Klein

4. Rover (Junge Erwachsene von 16 bis 25 Jahren):
Leiter: Amir Arbab und Melanie Schebesta

Erscheinungsbild:

Die Mitglieder der DPSG tragen nach internationalen Vereinbarungen eine Kluft. Somit ist es erwünscht, dass die Pfadfinder ihre Kluft beim Scheibenfeuer tragen.
Hierzu gehört:

  • Halstuch in der Stufenfarbe mit Knoten
  • Pfadfindergürtel
  • Pfadfinderhut
  • Pfadfinderhemd:

Über der linken Brusttasche wird das Nationalitäten-Abzeichen angebracht.

Auf den linken Ärmel wird das Stammesabzeichen (Cityscouts) aufgenäht. Evt. kann darunter auch noch das Bezirksabzeichen aufgenäht werden.
Auf der Klappe der linken Brusttasche wird nach dem Ablegen des Versprechens das Versprechensabzeichen getragen. Für die Wölflinge ist das der Wolfskopf, für Jungpfadfinder, Pfadfinder, Rover und Leiter die Tuchlilie in der entsprechenden Farbe (blau, grün, rot oder gelb).
Über der rechten Brusttasche wird das Abzeichen der Internationalen Konferenz des katholischen Pfadfindertums (ICCS) angebracht.
Der aktuelle Jahresaktionsaufnäher ist seitlich auf dem rechten Oberarm zu platzieren.
Auf die Klappe der rechten Brusttasche das Weltbundabzeichen (Weiße Lilie, violetter Grund) angebracht.
Auf die rechte Brusttasche kann ein aktueller Aktions- oder Lageraufnäher angebracht werden

Die Teilnehmer:

Besucht wird das Scheibenfeuer hauptsächlich von Familien mit Kindern aus Krumbach. Auch Altpfadfinder und Bekannte und Freunde ist herrlich willkommen. Je nach Wetterverhältnissen wird die Veranstaltung von 100 bis 150 Leuten, verschiedenen Alters und Geschlechts, aufgesucht.

Organisation

Offizieller Veranstalter des Brauchs sind die Pfadfinder. Diese müssen aber im Vorfeld eine Anfrage bei der Stadt Krumbach stellen ob das Scheibenfeuer genehmigt wird.

Eine Vorankündigung der Veranstaltung findet sich jedes Jahr in der regionalen Zeitung. So werden immer wieder neue Leute auf das Scheibenfeuer aufmerksam und der Brauch gerät nicht in Vergessenheit.

Finanziert wird die Aktion ausschließlich durch Spenden. Viele ortsnahe Firmen tragen dazu bei, den Brauch aufrecht zu erhalten. Wie oben schon kurz erwähnt, stellt die Firma Steinhart zum Beispiel Fackeln zur Verfügung.
Ebenso nehmen die Pfadfinder jährlich an einer Nikolausaktion teil, mit der sie Geld für das Scheibenfeuer erwirtschaften.

3. Historische Genese

Entwicklungsgeschichte des Scheibenfeuers

„Liegt im Februar die Katz im Freien,
wird sie im März vor Kälte schreien.“


Es ist relativ schwierig etwas über den Ursprung des Scheibenfeuerbrauches in Erfahrung zu bringen. Konkrete Belege gibt es nicht. Jedoch vermutet man, dass es sich um Überreste eines heidnisch-germanischen Brauches zur Vertreibung des Winters handelt. Diese Deutung ist etwa bei dem Landeshistoriker und Priester Josef Thaler zu finden, der in einem Gedicht mit dem Titel „Lertha“ aus dem Jahre 1798 die Funkenfeuer im christlichen Sinne interpretierte.

1946 findet sich folgendes Zitat von Richard Beitl: „ Da gibt der abseitige Beobachter allen Vorbehalt auf und in tiefer Ergriffenheit bekennt er sich, daß damals wie heute, alle seine Worte zu schwach sind, um die urtümlich reine Schönheit und die Tiefe seelische Kraft dieser Kundgebung des eigenen Sinnens einer Talgemeinschaft auszudrücken. Heute denkt keiner Böses. Alle, die ums Feuer stehen, bindet ein fester Ring. Und viele Ringe ketten sich. Die Feuer überall bedeuten es. Die bedeuten die Gemeinschaft, das Tal, die Montafon. Die Heimat bedeuten sie…“
Hier beschreibt Beitl die Stimmung der allgemeinen Alpenbevölkerung. Denn trotz des damaligen Brennstoffmangels brannten überall im Land zahllose Feuer mit dem Motto:“ Möchte doch auch mit der Funkenhexe all der Hass, die Machtgier und der Weltstreit durch das Feuer wahrer Nächstenliebe mit verbrannt und mit vernichtet werden.“ So diente das Scheibenfeuer hier dazu, das Volk zu vereinen und ohne Hass zu seiner schönen Heimat zu stehen. Natürlich gab es auch Krisenmomente in der Entwicklung des Brauches. Wiederholt musste die Frage nach dem eigentlichen Sinn des Brauches erklärt werden. Schließlich stand aus feministischer Perspektive die Verbrennung der Hexe im Mittelpunkt. Diese wurde nämlich fälschlicherweise mit der historischen Hexenverfolgung in Verbindung gebracht. Wie kann man den Brauch also rechtfertigen? Man beruft sich ganz schlicht auf die Tradition. Das Scheiben-, oder Funkenfeuer gab es schon zu uralten Zeiten und schon unsere Vorfahren haben dieses Brauchtum gepflegt.

(Vgl. Judith Kumpfmüller: das bayerische Brauchtumsjahr: Lebendige Folklore zwischen Frankenwald und Watzmann. Heyne Ludwig Verlag, 2005 (Seite 35))

Verbreitung des Scheibenfeuers

Der Feuerbrauch ist heutzutage besonders im schwäbisch-alemannischen Raum verbreitet. Dazu zählt zum Beispiel die Region Schwaben, Allgäu, Schwarzwald oder auch die Schweiz. Nach weiterer Recherche findet der Brauch ebenso in Aachen anklang.

Weblinks:

http://www.pfadfinder-krumbach.de/index.php?article_id=23

http://www.augsburger-allgemeine.de/krumbach/Dunkelheit-und-Kaelte-werden-verbrannt-id14176586.html

http://www.augsburger-allgemeine.de/krumbach/Pfadfinder-veranstalten-Scheibenfeuer-id24062061.html

Quellenangaben, Literartur:

Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches: Der Funken- und Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol, Südtirol und dem Trentino. Selbstverlag des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, Wien 2000

Judith Kumpfmüller: das bayerische Brauchtumsjahr: Lebendige Folklore zwischen Frankenwald und Watzmann. Heyne Ludwig Verlag, 2005

Manfred Tschaikner: Damit das Böse ausgerottet werde: Hexenverfolgungen in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert, Vorarlberger Autoren Ges. 1992

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Diese Seite wurde zuletzt am 9. Februar 2015 um 15:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 14.989-mal abgerufen (to Cache).