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Das Ostereiertrudeln im Havelland

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Das Ostereiertrudeln ist ein Brauch, der in vielen Teilen Brandenburgs am Ostersonntag ausgeführt wird. Bekannter ist es aber unter dem Namen Eiertrudeln (seltener auch Eierrollen oder Eierkullern). Die Familien der Umgebung treffen sich auf einem Hügel, wo die Kinder in einer Art sportlichen Wettkampf mit ihren Ostereiern gegeneinander antreten. Dabei gibt es verschiedenste Spielregeln, die von Ort zu Ort unterschiedlich sein können. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf die Ausübung des Osterbrauches im Havelland.

Termin

Dieser Brauch ist am 16.04.2017.

Ablauf

Vorbereitungx

Zur Vorbereitung des Eiertrudelns werden, wie zu Ostern üblich, die Eier am Karsamstag hartgekocht und gemeinschaftlich mit der Familie gefärbt, beklebt und möglichst individuell gestaltet. Diese werden dann von den Eltern in die Körbe gelegt und versteckt. Am Morgen des Ostersonntags machen sich die Kinder auf die Suche nach den prallgefüllten Osterkörben.

Ein geeigneter Hügel

Nun beginnt das eigentliche Ostereiertrudeln: Am Vormittag des Ostersonntags ziehen die Kinder mit ihren Körben, den Eltern und meist auch Großeltern zum Dorfberg bzw. -hügel. Somit hat man das Eiertrudeln gleich mit dem Osterspaziergang verbunden. Allerdings ist es relativ schwierig, einen geeigneten Hügel im Havelland zu finden, da die Landschaft sehr flach ist. Deshalb schließen sich meist mehrere Gemeinden zusammen, um das Familienspektakel an einem zweckmäßigen Ort stattfinden zu lassen. Beliebte Ziele sind z.B. der Zierholter Berg in Buchow-Karpzow, der Mühlenberg in Falkenrehde oder sogar der Brauhausberg in Potsdam.

Eiertrudeln

Die Familien treffen nun nacheinander am Hügel ein. Zuerst präsentieren die Kinder stolz ihre verzierten Eier, denn schließlich ist es wichtig, dass diese individuell sind, damit es später nicht zu Verwechslungen kommt. Wenn nun genug Personen eingetroffen sind, steigen die teilnehmenden Kinder mit ihren Eiern auf den Hügel. Die aktiven Kinder sind meist zwischen drei bis zwölf Jahren alt. Die restlichen Familienmitglieder sind nun Zuschauer und feuern ihr Kind tatkräftig an. Auf dem Hügel bilden sich eigentlich zwei Reihen mit Kindern, welche paarweise gegeneinander antreten. Meistens aber wollen natürlich mehrere Kinder gleichzeitig ihre Eier den Berg heruntertrudeln lassen, um es noch spannender zu gestalten.

Es stehen also mindestens zwei Kinder nebeneinander am Abhang. Auf Zuruf geht es dann endlich los. Die Kinder rollen ihre Kampfeier nun mit Schwung den Hügel hinab. Das Ei, welches am weitesten getrudelt ist und auch noch unversehrt ist, hat gewonnen. Der Sieger bekommt dann alle Eier, aber die kaputten müssen sofort gegessen werden. Oft spielen die Kinder auch um ihre Süßigkeiten, was dann eher zu Streit führt.

Eier crashen

Noch lustiger ist aber der Eierzusammenprall, den man auch zum Eiertrudeln zählt. Die Kinder nennen es heute Eier crashen. Hierbei benötigt jedes Kind mindestens zwei Eier. Das erste Osterei wird wie beim normalen Eiertrudeln einfach den Abhang heruntergerollt. Dann versucht man mit dem zweiten Ei, das Ei des Gegners abzuwerfen. Übersichtlicher ist es, wenn man es auch hier nur zweit spielt. Der Spaßfaktor ist für die Kinder jedoch größer, wenn sie gegen mehrere Kinder und mit mehr Eiern antreten dürfen. Der Gewinner ist natürlich das Kind, welches die meisten Eier zerstört hat und dessen Ei möglichst ganz ist. Der Sieger bekommt auch hier alle Eier, da diese aber alle kaputt sind und nach der Eiertrudel-Regel sofort gegessen werden müssen, werden die Eier meistens aufgeteilt und keiner geht mit leeren Händen nach Hause.

Zum Schluss

Nachdem jedes Kind getrudelt hat, finden häufig noch andere Spiele statt und die Kinder toben sich auf der Wiese aus. Manchmal verstecken die Eltern in der Zwischenzeit noch weitere Osterkörbe, die die Kinder dann nochmals suchen dürfen. Auf jeden Fall gibt es oft auch noch ein kleines Osterbuffet, daran haben auch die Erwachsenen Freude. Mittags verbringt dann jede Familie für sich beim Osteressen zu Hause. Am Nachmittag findet man jedoch wieder einige Kinder am Hügel, welche dann lustig weitertrudeln.

Varianten

Das Eiertrudeln im Havelland ist nicht der einzige Osterwettkampf. Auch in anderen Regionen und Ländern gibt es ähnliche Spiele. Dazu gehören das Ostereierschieben in Bautzen, Oarscheibn in Bayern, das Kibben in Winningen an der Mosel, das Tütschen in Bern, das Oierhiartn aus der Oberpfalz, welches auch in Lettland bekannt ist und das Schibbeln aus dem Westerwald.

Hintergrund-Infos

Die Herkunft des Eiertrudelns ist nicht eindeutig geklärt. Zum einen weiß man, dass das Eierrollen schon im 16. Jahrhundert erwähnt wurde und vermutlich aus dem Bereich des Spreewaldes stammt. Allerdings vermutet man zum anderen, dass der Ursprung ein heidnischer Brauch ist und somit schon früher auf einer ähnlichen Weise praktiziert worden ist. Denn das Ei ist ein Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und Glück. Als die Tage im Frühling wieder länger wurden und man wieder eine lebendige Natur vorfand, feierte man heidnische Frühlingsfeste. Slawische Stämme führten diese Feste hier ein, welche dann im Laufe der Zeit mit Ostern in Verbindung gebracht wurden. Dass es solche Bräuche z.B. auch in Polen, Tschechien und Russland gibt, könnte ein Hinweis darauf sein.

Siehe auch

Osterbräuche in Bulgarien

Weblinks

http://www.mybrandenburg.net/node/276

http://www.rp-online.de/reise/news/Osterbraeuche-So-feiert-man-weltweit_aid_82644.html

http://nak-kw.de/index.php?kw=32&beitrag=86

Belege, Literatur

Eder, Elisabeth u.a.: Ostereier schön gestalten. Frech, 2009.

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Diese Seite wurde zuletzt am 6. März 2017 um 10:51 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 12.408-mal abgerufen (to Cache).
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