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Das Göttinger Gänseliesel

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GoettingenGaenseliesel.jpg
Das Gänseliesel in Göttingen gilt als meistgeküsste Frau der Welt. Sie steht seit 1901 auf dem alten Marktplatz vor dem historischen Göttinger Rathaus. Nach altem Brauch muss jeder frisch promovierte Doktor, der Georg-August-Universität, die Brunnenfigur auf dem Marktbrunnen küssen. Obwohl die Stadt 1926 ein Kussverbort erließ, wurde es bis zu seiner offiziellen Aufhebnung am 7. Juni 2011, anlässlich des 100. Gänseliesel-Jubiläums, nicht ernsthaft befolgt. Dies verhalf dem Gänseliesel zum Ruf des meistgeküssten Mädchens der Welt und Wahrzeichen Göttingens.

Ablauf

Ursprünglich wurde es zum Brauch, unter den Neuimmatrikulierten der Universität Göttingen, das Gänseliesel zu küssen. Da nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Studenten stark zunahm und sich die Polizei überfordert fühlte, die Ordnung auf dem Marktplatz zu erhalten, erließ die Stadt am 31. März 1926 eine Verordnung, die das Klettern auf den Marktbrunnen – und damit das Küssen des Gänseliesels – unter Strafe stellte. Die Studenten wollten sich ihren Brauch jedoch nicht nehmen lassen und so kam es zum Göttinger Kußprozess.

Die Doktoren

Heute besteigen frisch gebackene Doktoranden den Gänseliesel-Brunnen. Die Zeremonie, bei der das Gänseliesel nicht nur geküsst wird, sondern auch einen Blumenstrauß erhält, ist für Besucher aus aller Welt zu einer Attraktion geworden. Nachdem die Doktoranten ja eigentlich die offizielle Anerkennung der Fähigkeit zum rational-wissenschaftlichen Arbeiten in Form der Verleihung ihres Doktortitels erhalten, folgt daraufhin dieser amüsante Brauch. Mit den Jahren hat es sich immer weiter zu einer richtigen Zeremonie entwickelt, die ganz unterschiedlich ausgeführt wird. Einige Doktoranten lassen sich im Bollerwagen ziehen und tragen phantasievolle Doktorhüte, die es eigentlich gar nicht gibt, aber deren spezielle Ausgestaltung etwas über die Themengebiete der Doktorarbeit aussagen soll. Andere verkleiden sich und machen eine Arte Karneval daraus, mit Bonbons werfen und neuerdings auch mit Wasserschlachten. Die folgenden youtube Videos zeigen den Brauch in lebendiger Form. Hier kann man sehr gut die geschmückten Hüte sehen und das der Brauch auch im Jahr 2012 eine ungebrochene Tradition darstellt.


Einige Absolventinnen haben auch schon mal andere Zielobjekte der Stadt Göttingen anvisiert, s. "Der Versuch den Brauch zu ändern"

Göttinger Kußprozess - Das Kuss Verbot

Was den Göttinger Marktbrunnen vor anderen auszeichnet ist ein Gerichtsverfahren, das auch als "Göttinger Kußprozess" bekannt ist. Anlaß zu diesem Rechtsstreit zwischen der Stadt Göttingen und einem Jurastudenten aus der Familie Graf Henckel von Donnersmarck war eine Polizeiverordnung vom 31.März 1926, die den Verkehr auf dem Rathaus- und Marktplatz regelte.

Der Student wurde in flagranti dabei ertappt, wie er über den Brunnenrand zur Bronzefigur aufstieg und deshalb Strafe zahlen sollte. Weil er sich weigerte, kam es zum „Göttinger Kussprozess“. In seinem Plädoyer argumentierte der Student: „Die gesamte Alma mater Georgia Augusta steht einmütig auf dem Standpunkt der Volksmeinung, dass Küssen keine Sünd‘ ist.“ Er forderte daher: „Geben Sie Kussfreiheit!“ Die Geldstrafe von zehn Reichsmark musste er dennoch zahlen.

Die Polizei damals argumentierte wie folgt:

"Es ist in letzter Zeit allgemein üblich geworden, dass von Studierenden nachts der auf dem Marktplatz stehende Gänselieselbrunnen und zwar der Brunnenrand und auch der innere Denkmalsteil erklettert wird. Nachdem das Amtsgericht in einer Sache einen Strafbefehl wegen groben Unfugs aufgehoben hat, ist hieraus geradezu eine Art Sport geworden. Die Studenten besteigen nachts den Brunnen und berufen sich gegenüber den Polizeibeamten auf das freisprechende Gerichtsurteil. Es ist uns unverständlich, wie diese Handlungsweise vom Gericht nicht als grober Unfug bezeichnet werden kann. Wir haben in dieser Angelegenheit nochmals eine gerichtliche Entscheidung herbeigeführt, doch hat das Amtsgericht mit Urteil vom 9.10.1925 den betr. Angeklagten ebenfalls freigesprochen. Es hat das Besteigen des Brunnens in in weitvorgerückter nächtlicher Stunde als auf Grund studentischer Sitte erfolgt angesehen, die indes nicht geeignet sei, die öffentliche Ordnung zu zerstören."

Von nun an sollte jeder bestraft werden, der weiterhin den Brauch des Kusses an der Bronzestatue vollzieht, bestraft werden. Doch "der Gepflogenheit "nur des nachts" das Gänseliesel zu küssen, folgten schon aus Bequemlichkeit nicht alle Studenten"4

Gänselieselfest und die Wahl zum Gänseliesel

Am 22.September 1996 lud die Stadt zum ersten Göttinger Gänseliesel-Fest, anlässig des 95. Geburtstag des Göttinger Wahrzeichens, rund um das alte Rathaus, ein. Es kamen rund 60.000 Besucher . Die Werbegemeinschaft der Stadt, der Einzelhandelsverband, die Kreishandwerkerschaft, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, der Fremdenverkehrsverein und die Stadt Göttingen wollen mit dem Fest auf die Attraktivität der Innenstadt aufmerksam machen. Der Tag wird zusätzlich als verkaufsoffener Sonntag genutzt.

Die Wahl zum Gänselisel gehört ebenfalls dazu. Das lebendes Gänseliesel darf die Stadt Göttingen ein Jahr lang bei besonderen Anlässen representieren. Einen kleinen Einblick in die Wahl 2011 gibt folgendes Video:

Das Gänseliesel 1996 heißt Carola Zastrow.Das Gänseliesel 2001 heißt Julia Mührer. Das Gänseliesel 2002 heißt Daniela Neutze.Das Gänseliesel 2007 heißt Elena Ahlborn.Das Gänseliesel 2008 heißt Naima Madlen Diesner.
Das Gänseliesel 2009 heißt Sarah Ossenberg.
Das Gänseliesel 2010 heißt Jennifer Naaß.
Das Gänseliesel 2011 heißt Merle Nowak.
Das Gänseliesel 2012 heißt Sophie Heinemann.

Hintergrund-Infos

Als belie
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btes Postkartenmotiv ist das bronzene Mädchen in vielen Ländern bekannt geworden und darf sich als bekanntestes und beliebtestes Göttinger Denkmal zählen. Sie ziert den im Herzen der Stadt am Markt zur gleichen Zeit aufgestellten Brunnen seit über 100 Jahren. Brunnen und Denkmal waren das Ergebnis eines 1898 vom Magistrat ausgeschriebenen Wettbewerbs, den der Architekt Heinrich Stöckhardt und der Bildhauer Paul Nisse, beide aus Berlin, nach einigen Diskussionen schließlich für sich entscheiden konnten. Ihr Entwurf "Gänsemädel" erhielt 1900 den Zuschlag, 1901 wurde der Brunnen mit der Gänseliesel-Figur der Bevölkerung ohne Einweihungsfeier übergeben.

Die Figur aus Bronze ist barfuß und trägt einfaches Kleid. "Es handelt sich um ein armes, namentlich unbekanntes Mädchen. Das Gänseliesel trägt Gänse zum Verkauf auf den Markt. Göttingen war berühmt für seine Gänse, die zu Weihnachten auf dem Markt als "Chöttinger Mastchänse" verkauft wurden. Somit versinnbildlicht die Skulptur Mädchenarbeit." 1

Die Geschichte des Göttinger Marktbrunnens

Vom Löwenbrunnen zum GänselieselDer Löwenbrunnen wurde im Jahr 1568 auf dem Marktplatz für 140. Rthl., durch den Meister Leonhard Hügel angelegt. Auf dessen Pfeiler stand ein nach dem Rathaus hinsehender gekrönter Löwe, der das Stadt-Wappen in den Klauen hält, vermutlich eine Anspielung darauf, dass die Nachfahren Heinrichs des Löwen Göttingen das Stadtrecht verliehen hatten. 1800 wurde die Brunnenfigur abgetragen und durch eine einfach Fontäne mit Gitterzaun ersetzt.2 Etwa 140 Jahre später entstand die Idee, erneut einen Löwenbrunnen zu entwerfen, was jedoch durch die Bevölkerung abgelehnt wurde. So kam es im Februar 1898 zum Wettbewerb des Entwurf eines neuen Marktbrunnens zu Göttingen. Von 46 eingegangenen Entwürfen blieben nach einer Vorauswahl nur 12 weitere im Wettbewerb. Das "Gänsemädel" belegte den zweiten Preis und wurde mit 400 Mark ausgezeichnet. Die Stadt Göttingen ließ daraufhin die ersten 3 Plätze der Marktbrunnen-Modelle von der Bevölkerung, im Saal der "Union", dem heutigen Jungen Theater, besichtigen und diese konnten in Leserbriefen ihr Urteil abgeben.
Es entwickelten sich heftige Diskussionen, die zum Teil in der "Göttinger Zeitung" dokumentiert sind. Am 16. Juli 1898 setzte sich z.B. jemand unter dem Pseudonym "- i -" mit folgender Argumentation für das Gänseliesel ein: "Wir haben in Göttingen ein Bürger-Denkmal, ein Wöhler-Denkmal, wir erhalten binnen kurzem ein Gauß-Weber-Denkmal, alle auf professörliche Anregung gesetzt, gute plastische Werke, bedeutenden Leuten zur Erinnerung, aber der Mehrzahl unserer Mitbürger mit Grund herzlich gleichgültig ... gerade auf den Markt sollte nur ein Werk zu stehen kommen, daß zu J e d e r m a n n [Herv. im Text] spricht, und wer vermag das besser, als eine Figur von so volksthümlicher Poesie, wie das 'Gänsemädel'."3Der Entwurf des "Gänsemädel" müsste sich laut Jury mehr an die Architektur des benachbarten Rathauses anpassen hieß es zuvor, doch durch zureden anderer Instanzen ging am Ende der Zuschlag dennoch an die Architekten Heinrich Stöckhardt und den Bildhauer Paul Nisse. Die Materielien: Bronze für das Figürchen, Schmiedeeisen für den Baldachin und Sandstein für den Brunnen. 1901 hat sich die „neue Mitbürgerin […] auf dem Marktbrunnen häuslich niedergelassen“, wie das Göttinger Tageblatt am 8. Juni berichtete. Nach Behebung einiger Mängel, wurde der fertige Brunnen jedoch erst im November der Stadt ohne Feierlichkeiten übergeben.Seitdem ist das zierliche Lies'l jedoch nicht vor Vandalismus geschützt. Es zieht bis heute spielende Schulkinder, übermütige Studenten und trinkfeste, sowie weniger trinkfeste Personen an. Und natürlich auch frisch Promovierte. 1801 wurde der baufällig gewordene Löwe entfernt.

Das "falsche" Gänseliesel

Am 25. Juli 1990 kehrte das Gänseliesel nach einer halbjährigen Restaurierungsphase in Bayern, in der auch ein Bronzeabguß gefertigt wurde, nach Göttingen zurück. Ob sich nun Original oder Kopie auf dem Sockel befindet, blieb damals ein Geheimnis. Heute wissen wir, das Gänseliesel auf dem Brunnen ist eine Kopie und das Original im städtischen Museum zu finden ist.

Das Gänseliesel- ein besonderer Ort

Das Gänseliesel ist nicht nur für den Brauch der Studenten ein besonderer Ort. Nach dem verheerenden Terroranschlag auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington (USA) im September 2001 bildeten über 100 Personen, vorwiegend Schülerinnen und Schüler, am Gänseliesel eine Menschenkette.

Der Versuch den Brauch zu ändern

Am 13. Juli 1989 vpflanzt der frischgebackene Doktor der Agrarwissenschaft Thomas Schwedersky im neuen Botanischen Garten am Faßberg einen Zierapfelbaum, anstelle des traditionellen Gänseliesel-Kusses, in Erinnerung an den Erwerb des akademischen Grades und in der Hoffnung, dass diese Alternative Nachahmung findet. Dieser Brauch setzte sich allerdings nicht durch.

Die Internetseite www.goest.de schlägt eine weitere Alternative dazu vor: Den Lichtenberg zu küssen, was dann aber eine kleine feministische Diskussion ausgelöst hat über die Frauenverhältnisse von Lichti.! Die Lichtenbergfigur steht nur 30 Meter entfernt - eigentlich könnte er auch statt des Gänseliesels auf den Sockel. Der hat viel Vernünftiges über die Wissenschaft gesagt, das sich alle hinter die Doktoren-Ohren schreiben könnten.

Weblinks

Der Brauch:

http://www.youtube.com/watch?v=-krRXHkD4-8


http://www.youtube.com/watch?v=T1BkXrDcrtk


Viele nützliche, aber auch etwas satirische Informationen rund um das Gänseliesel http://www.goest.de/gaenseliesel.htm

Auf der Seite findet man Webcams von Göttingen und eine hat auch das Gänseliesel fest im Blick http://www.goecam.de

Belege, Literatur

- 1Antje Koolman und Sünne Jutrcenka, Geschichtswerkstatt Göttingen e.V., goecam.de, Abgerufen am 07. August 2013

- 2Zeit- und Geschicht- Beschreibung der Stadt Göttingen ..., II. Buch VII. Cap., Göttingen 1734: Von den Brunnen... S.63f.

- 3Göttinger Zeitung, 16.7.1898

-4 Zitata Dr. Helga-Maria Kühn

- Kühn, Dr. Helga-Maria: Vom Löwenbrunnen zum Gänseliesel. Die Geschichte des Göttinger Marktbrunnens. Hg. v. Stadt Göttingen und Fremdenverkehrsverein Göttingen e.V., Göttingen 1994

- Meinhardt, G.: Die geschichte des Göttinger Gänseliesels, in: Göttinger Jahrbuch 15, 1967, S.151-161

- Nissen, Walter: Göttinger Denkmäler, Gedenksteine und Brunnen, Göttingen 1978, S. 38f.

- Stadtarchiv Göttingen

---StadtA Gö: Pol.Dir. VI B F 41 Nr. 14: 11.3.1926 Kußprozess - Alexander Hüsing: Göttinger Gänseliesel: "Geben Sie Kussfreiheit", Spiegel Online 6. Juni 2001 Abgerufen am 07. August 2013

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