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Chanukka - Das Lichterfest in München

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Termin

Dieser Brauch ist vom 12.12.2017 bis zum 20.12.2017.

Einstiegsinformationen

Chanukka in München

Alljährlich findet am Abend des 25. Kislews im jüdischen Kalender das Lichterfest Chanukka statt. Auch in München wird dieser Brauch seit 2010 öffentlich gefeiert. Dieses Jahr fiel der 25. Kislew auf den 27. November 2013. In München wurde nun passend zum 1. Advent, des Christenfests Weihnachten, das 5. Chanukka-Licht am 01.12.2013 auf dem St. Jakobsplatz entzündet.

Chanukka existiert in der Welt mit verschiedenen Schreibweisen. Hanukka, Hanukkah oder auch Chanukkah. Ein bekannter Neologismus ist zudem das Weihnukka. Eine Wortneuschöpfung aus Weihnachten und Chanukka, da es sich bei beiden Festen um Lichterfeste handelt, sie fast zeitgleich stattfinden und die Kinder bekommen Geschenke.[1]

Kurzcharakterisierung

Chanukka, auch Lichterfest genannt, ist ein wichtiges historisches, achtätiges Ereignis der Juden und ein wichtiges Fest des Judentums. Zu diesem Fest gedenkt die jüdische Kirche der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 165 v. Chr. durch Juda, den Makkabäer. Es erinnert an den damaligen Kampf der Juden für religiöse Unabhängigkeit und gegen die Unterdrückung sowie gegen den griechischen Götzenkult. Zudem soll das Wunder, dass der Leuchter mit nur einem kleinen Rest Öl acht Tage brannte und es somit nie erlosch, symbolisiert werden.[2]

Zu diesem Fest, werden die acht Arme des Leuchters, der Chanukkia, angezündet. Man sitzt zusammen mit der Familie und erinnert sich an das damalige Wunder. Es wird zusammen gekocht und Lieder werden gesungen.

Terminierung / Turnus

Die Entzündung der ersten Kerze und somit der Beginn des Chanukka-Festes findet alljährlich am Abend des 25. Kislews statt. Dieser Tag lässt sich vom jüdischen Kalender jedes Jahr genau auf einen Tag Ende November / Anfang Dezember umrechnen. Im Jahr 2013 fiel dieser erste Abend auf den 24. November. Im Anschluss wird acht Tage hintereinander jeden Tag ein weiteres Licht angezündet.

Im Jahr 2014 wird Chanukka vom 17. Dezember bis 24. Dezember 2014 gefeiert. Somit fällt der letzte Tag Chanukkas auf das christliche Weihnachtsfest.

Empirische Dokumentation

Die folgende Dokumentation bezieht sich auf die Beobachtung am Sonntag, den 01.12.2013, auf dem St. Jakobsplatz in München. Es war ein sonniger und kühler Tag, der in einem kalten und himmelsklaren Abend bei ca. 2 Grad endete.

Ablauf

Das Chanukka-Fest in München, und somit die Entzündung des 5. Lichtes, findet seit drei Jahren auf dem St. Jakobsplatz statt. Die Entzündung findet immer nur nach Sonnenuntergang statt, somit begann das Fest in München um 18:00 Uhr. Eine Stunde zuvor wurde auf einer Leinwand ein ca. 7-minütiger Film über Chanukka in der Welt gezeigt. Wo es überall gefeiert wird und welche verschiedenen Leuchter und Feste es gibt. Bekannte Persönlichkeiten, wie beispielsweise der damalige US-Präsident George W. Bush, Gouverneur Arnold Schwarzenegger oder auch russische Staatsmänner und Oberbürgermeister von verschiedenen Städten äußerten sich über die Wichtigkeit und Besonderheit dieses Festes. Dieses Video endete als das Fest, und somit die erste Rede, begann.

Zu Beginn wurde von einer Mitarbeiterin des Festes erwähnt, dass alle Kinder, die gerne zur Entzündung des Lichtes mit der Feuerwehr hinauf fahren möchten, ihren Namen noch in eine Losbox schreiben sollen.

Die Präsidentin der Jüdischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Frau Charlotte Knobloch, eröffnete nun den Abend mit der ersten Rede. Nach einer Begrüßung des anwesenden Publikums erwähnte sie die heutigen Gäste und Redner. Es wurden neben Christian Ude, dem Oberbürgermeister von München, Vertreter des Bayrischen Staatsministeriums, Regionalbischöfin Breit-Keßler und Generalkonsulenten sowie Stadträte eingeladen. Der Bayerische Rundfunk wurde als medialer Vertreter angegeben.

Im Anschluss trat Oberbürgermeister Christian Ude hervor und bezog sich in seiner Rede hauptsächlich auf den Aufbau des St. Jakobsplatzes bzw. der Jüdischen Gemeinde und des Museums. Er charakterisierte das Judentum als [...] in München im Herzen der Stadt angekommen.

Foto Brauch Leuchter.jpg

Vor dem Entzünden der Kerzen war Rabbiner Diskin der letzte Redner. Nach einer Begrüßung und einer Kurzcharakterisierung des Festes, loste er ein Kind aus, welches mit auf die Feuerwehrleiter zum Anzünden der Kerzen hinauffahren darf. Mittlerweile war es 18:40 Uhr und Rabbiner Diskin, Oberbürgermeister Ude sowie das ausgeloste Kind, zusammen mit seinem Bruder, und ein Feuerwehrmann fuhren mit der Feuerwehrleiter nach oben zu den Kerzen. Vor der Entzündung des ersten Lichtes mit einer Fakel, wurden die jüdisches Gebetszeilen gesungen und das Publikum antwortete jeweils mit Amen. Bei der Entzündung der weiteren Lichter sang eine Liveband auf der Bühne ein jüdisches Lied.

Die Zeremonie endete um 18:50 Uhr. Es gab keine Abschlussworte, jedoch kostenlosen Glühwein und Krapfen für jeden Besucher des Festes. Die Krapfen stehen für das typische Essen, welches an Chanukka zubereitet wird. Durch das Essen und Trinken blieben die Besucher noch eine Weile auf dem St. Jakobsplatz um sich miteinander zu unterhalten. Es gab zudem die Möglichkeit sich mit den eingeladenen Gästen zu unterhalten.

hebräische Gebete des Rabbiners und Entzünden der ersten Kerze

Akteure

An der Brauchausübung sind zwei Personenkreise beteiligt. Zum einen die Hauptakteure, bestehend aus den einzelnen Redner bzw. Gästen, und zum anderen das Publikum, welches sich durch mitsingen und auch durch die Auslosung eines Kindes beteiligten. Als Nebenakteure im Hintergrund sind die Mitarbeiter der Feuerwehr und der Polizei, welche für einen reibungslosen und sicheren Ablauf der Veranstaltung sorgten, sowie die Veranstalter selbst zu erwähnen.

Hauptakteure



Präsidentin der jüdischen Kirchengemeinde
Sie ist die Präsidentin der Israelitischen Kultursgemeinde München und Oberbayern. Sie war elegant gekleidet und ist ca. 80 Jahre alt. Sie sprach als offizielle Vertreterin der jüdischen Gemeinde und eröffnete sowie erkärte den Ablauf der Veranstaltung

Oberbürgermeister der Stadt München
Der Bürgermeister war eine zentrale Person der Veranstaltung. Man kann ihn als einen Ehrengast bezeichnen. Er trug einen Anzug mit einer dicken Winterjacke. Zudem trug er die typische Kopfbedeckung der Juden - die Kippa.

Rabbiner
Der Rabbiner trug schwarze Kleidung, hat einen dunklen Vollbart und trägt ebenfalls eine Kippa. Er ist ca. 60 Jahre alt.

Zuschauer & kleines Kind

Auf der Veranstaltung fanden sich ca. 500 Leute auf dem St. Jakobsplatz zusammen. Hierunter war jede Altersgruppe vertreten. Am meisten jedoch kleine Kinder und ältere Leute. Bezüglich der Geschlechterverteilung ist der Anteil an Frauen und Männern gleich hoch gewesen, da fast ausschließlich Paare und Familien anwesend waren. Da die Feier abends bei kalten Temperaturen stattfand, trugen die Leute alle dicke Wintermäntel und Mützen. Wenige Leute trugen eine Kippa.

Das kleine Kind war ein ca. 6 Jahre altes Mädchen. Sie wollte nur mit ihrem größeren Bruder (ca. 2-3 Jahre älter) auf die Feuerwehrleiter hochfahren, sodass zwei Kinder beim Anzünden der Lichter mitwirkten. Viele Kinder trugen vor Ort gekaufte Brillen. Diese waren mit Leuchtstäbchen umrandet und sollen einen Leuchter in der Form eines Dreidels darstellen. (Weiteres hierzu in Kapitel 4)

Nebenakteure



Feuerwehr & Polizei
Ein Feuerwehrauto stand direkt hinter dem Leuchter mit einer großen Feuerwehrleiter. Am Ende dieser Leiter war ein kleiner Wagen befestigt, auf dem die betroffenen Personen hinauffuhren, um die Lichter zu entzünden. Vor Ort waren vier Polizeiwägen mit jeweils zwei Polizisten in Uniform. Sie trugen nicht zur direkten Brauchausübung (wie beispielsweise die Feuerwehr) bei, sondern sorgten nur für Sicherheit.

Veranstalter

Ein kleines Team von ca. 4-5 Leuten sorgten im Hintergrund dafür, dass der Ton beim Mikrofon funktionierte, die Beleuchtung in Takt war und die Musik richtig abgespielt wurde. Diese Veranstalter wurden von der jüdichen Gemeinde für diese Veranstaltung beauftragt. Die Stadt München beauftragte den Bayerischen Rundfunk zur Übertragung bzw. Reportage dieser Veranstaltung.

Foto Bühne.JPG

Performanzraum, Kulissen, Requisiten

Das Ausüben des Brauches findet auf dem St. Jakobsplatz in der Münchner Innenstadt statt. Dieser liegt südlich vom Marienplatz und ist ein zentraler Ort für die jüdische Gemeinde. Durch diese Positionierung der Gemeinde soll dargestellt werden, wie eng die Beziehung zur Stadt ist. Der Platz wurden den Juden in den 1990er Jahren geschenkt. 2007 schließlich nahm der Platz Gestaltung an und ist das, was er heute ist: Ein Ort der Begegnung.

Dieser ist ca. 1,1 Hektar groß. Nebem dem jüdischen Museum befindet sich dort auch das jüdische Gemeindezentrum. Der Platz selbst ist rechtwinklig zu diesem Zentrum gepflastert. 100 Meter lange, gleichmäßige Pflasterreihen. Es wurden zudem Bänke und Bäume angeordnet sowie einen Spielplatz mit Wippe und Hüpfplatten. Darüber hinaus wurde ein Brunnen gefertigt, mit 30 unterschiedlich hohen Wasserfontänen.

Für die Zeit des Chanukka-Festes wurde ein großer Leuchter in der Mitte des Platzes aufgestellt. Für die Brauchausübung am 01.12.13 selbst, wurde rechts dieses Leuchters eine kleine Bühne mit Ton und Technik errichtet. Darüber hinaus wurde eine Leinwand aufgestellt und für die entsprechenden Lichtverhältnisse gesorgt.[3]

Foto St.Jakosplatz.png

Brauch- und Rollenverständnis

Der Brauch Chanukka wird weltweit als das Lichterfest der Juden verstanden. Es wird dem geschichtlichen Ereignis des Wiederaufbaus des Tempel Davids gedacht. In christlichen Ländern ist dieser Brauch u.a. deshalb so beliebt, da er an das Adventsfest und die Vorweihnachtszeit erinnert.

Der Rabbiner wird hierbei als ein Vertreter der jüdischen Kirche verstanden, welcher das Anzünden der Lichter betreut und die Gebete spricht bzw. singt. Ein kleines Kind wird deshalb auserwählt, da Kinder beim Chanukka-Fest eine wesentliche Rolle spielen. Es geht darum die Kinder zu beschenken und sie zu erfreuen.

Organisation der Brauchveranstaltung

Die Brauchveranstaltung wurde von der jüdischen Gemeinde in Auftrag gegeben. Diese beauftragten ein Unternehmen, welches für die Bereitstellung der benötigten Technik und Bühne verantwortlich waren. Zudem publizierten sie mit Hilfe der Stadt München diese Veranstaltung auf der eigenen Homepage sowie auf der Homepage der Stadt, um dafür zu werben.

Bekanntmachung Chanukka in München 2013

Dadurch, dass diese Brauchveranstaltung schon mehrmals stattfand, kam der Oberbürgermeister, wie er selbst sagte, aus Tradition und Ehre wieder.

Polizei und Feuerwehr wurden von der Stadt beauftragt zu kommen, da es sich um ein öffentliches Fest mit einer großen Ansammlung von Menschen handelte. Die Polizei musste für die Sicherheit während der Veranstaltung sorgen und die Feuerwehr für einen reibungsfreien Ablauf der Entzündung der Leuchter.

Chanukka-Bräuche

Das Chanukka-Fest ist mit den verschiedensten Bräuchen verbunden. Auf die wichtigsten Gegenstände, sowie aber auch auf das Essen, die Gebete und das Kinderspielzeug Dreidel wird im Nachfolgenden eingegangen.

Leuchter

Foto Leuchter.jpg
verschiedenste Leuchter

Der Chanukka-Leuchter ist der zentrale Gegenstand des Chanukka-Festes. Er steht im Mittelpunkt und ist der wichtigste Faktor.

Dieser Leuchter, auch Chanukkia genannt, wird zu diesem Fest angezündet. Dieses Licht hat eine besondere Bedeutung auf das Lichterfest Chanukka. Zur Erinnerung an den Sieg werden acht Tage lang die Lichter nacheinander entzündet. In diesem Kontext verkörpert die Chanukkia den Überlebenswillen des jüdischen Volkes und gedenkt vor allem an das Wunder, dass das damals zur Verfügung stehende Öl acht Tage lang ausreichte. Somit konnte das Licht so lange brennten, bis neues Öl produziert war. Die Produktion dauerte acht Tage, da die Juden stets nur koscheres Öl verwenden. Heute gibt es diese Leuchter in den verschiedensten Farben und Größen. Jede jüdische Familie stellt ihren Leuchter während der Chanukka-Zeit ins Fenster, sodass jeder ihn sehen kann.

Dieser Chanukka-Leuchter ist nicht mit der Menora zu verwechseln (im Bild ganz links). Dieser Leuchter hat sieben Arme und ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

Die Reihenfolge des Anzündens der Chanukkia ist wichtig. Man fängt stets von rechts an. Es gibt jedoch auch neun-armige Leuchter. Der neunte Arm in der Mitte ist dann in diesem Fall der sogenannte Schammes (Diener). Er wird zuerst angezündet und dient als Quelle des Lichtes für die anderen Kerzen.[1], [4]

Gebete

Während des Anzündens der Kerze werden von dem Rabbiner Gebete gesprochen. Drei Gebete sind es vor dem Anzünden der ersten Kerze. Bei allen weiteren Kerzen wird der dritte Gebetsspruch weggelassen.

Die Gebete werden natürlich auf hebräisch gesprochen:

  1. Baruch Ata Ado-naj Elohejnu Melech Haolam Ascher Kideschanu Bemizwotaw, Weziwanu Ledhadlik Ner Chanukka.
  2. Baruch Ata Ado-naj Elohejnu Melech Haolam Scheasa Nissim Lawotenu Bajamim Hahem Bisman Hase.
  3. Baruch Ata Ado-naj Elohejnu Melech Haolam Schehechejanu Wekijemanu Wehigianu Lisman Hase.

Übersetzt heißt dies:

  1. Gesegnet seist du, Gott, unser Gott, König des Universums, der uns durch seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, das Chanukkalicht zu zünden.
  2. Gesegnet seist du, Gott, unser Gott, König des Universums, der Wunder für unsere Vorväter getan hat, in jenen Tag und in unserer Zeit.
  3. Gesegnet seist du, Gott, unser Gott, König des Universums, der uns Leben und Bestand gegeben und uns diese Zeit hat erreichen lassen.

Dreidel

Um den Dreidel gibt eine Legende, die zur damaligen Zeit entstanden sein soll.

Die damalige Unterdrückung der Juden verbat selbigen die heilige Tora zu lesen und zu studieren. Kinder sollten aus dieser nicht lernen. Wenn die Kinder jedoch im Wald saßen und spielten, spielten sie stets mit dem Dreidel. Es handelt sich hierbei um eine Art Kreisel jedoch mit vier Seiten. Man dreht den Kreisel und er fällt auf eine bestimmte Seite. Jede Seite dieses Dreidels in mit einem hebräischen Buchstaben versehen. N, G, H und S. Diese stehen für Nes gadol haja scham, was so viel heißt wie Ein großes Wunder ist dort geschehen. Wenn die Aufseher die Kindern beim spielen erwischten, sahen sie jedoch nur diesen Kreisel mit Zeichen darauf. Sie ahnten nichts und liesen die Kinder weiter spielen. So konnten die Kinder ihren Glauben dennoch ein Stück weit beibehalten.

Foto Dreidel.jpg
Eine Auswahl von Dreideln

In der heutigen Zeit spielen Kinder zu Chanukka immer noch mit diesem Dreidel. Es werden Rosinen, Schokolade oder Ähnliches in die Mitte gelegt. Die Kinder drehen nacheinander und je nach dem welcher Buchstabe oben liegt, erfolgt eine Tätigkeit:

N bedeutet man gewinnt nichts, verliert aber auch nichts.

G bedeutet man gewinnt alles.

H bedeutet man gewinnt die Hälfte des Inhaltes.

S bedeutet, dass man etwas in die Mitte legen muss.

Chanukka-Geld

Während des Chanukka-Festes werden Kinder im Besonderen beschenkt. Es ist ein Familien- und Kinderfest und die Kinder bekommen viele Geschenke. Es gibt auch sogenannte Chanukka-Kalender, welche dem christlichen Adventskalender gleich kommen, jedoch nur mit entsprechend acht Türchen. Das Wichtigste ist jedoch das Chanukka-Geld. Dies wird den Kindern geschenkt. Es soll die Kinder zum spenden erziehen. Indem sie dieses Chanukka-Geld erhalten, sollen sie lernen, regelmäßig auch von sich aus eine kleine Spende zu geben.

Speisen

Da Chanukka an das damalige Wunder bezüglich des Öles erinnert, sind die Speisen zu Chanukka auch sehr ölig. Bekannt sind Latkes (ähnlich Kartoffelpuffern) und Sufganijot (Pfannkuchen bzw. Krapfen). Zudem wird zum Chanukka-Fest viel Alkohol getrunken. Man sagt, je mehr Alkohol auf jüdischen Festen getrunken wird, desto wichtiger ist das Fest. Somit gibt es zu Chanukka stets viel Wein zu trinken.[5]

Historische Genese, Verbreitung und Forschungsstand

Entwicklungsgeschichte von Chanukka

Chanukka heißt wörtlich übersetzt Einweihung. Es ist ein achttägiges Tempelweihfest, welches an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die Herrschaft der Griechen erinnert. Die Wiedereinweihnung des Tempels in Jerusalem war 164 v. Chr.

200 v. Chr. begannen die Seleukiden, die syrisch-griechischen Nachfolger Alexander des Großen, über Palästina zu herrschen. Israel war zwischen den Großmächten Syrien und Ägypten gefangen. Eine besonders radikale Politik betrieb 168 v. Chr. Antiochos IV. Er wollte die örtliche und religiöse Autonomie unterdrücken und installierte einen Götzenkult. Er stellte in Jerusalem eine Zeusstatue auf und die Juden sollten sich vor dieser verneigen und sich gegen ihre eigene Religion stellen. Darüber hinaus wurde der Tempel der Juden entweiht und geschändet. Dies löste damals den Makkabäeraufstand aus. Judas, der Sohn einer Priesterfamilie, begann im Untergrund einen Krieg zu führen. Es gelang ihm schließlich im Jahr 164 v. Chr. Jerusalem zurück zu erobern und den Tempel neu einzuweihen. Nach dieser Befreiung musste im Tempel direkt wieder das heilige Licht angezündet werden. Es war aber nur noch ein Krug Olivenöl vorhanden, welches von den Syrern nicht entweiht wurde. Diese Menge an Öl hätte somit nur für einen Tag Licht gereicht. Wie durch ein Wunder jedoch brannte das Licht acht Tage. In diesen acht Tagen konnte geweihtes, koschers Öl hergestellt werden und das Licht erlosch somit nie mehr. Durch dieses Ereignis hat der Leuchter heute acht Arme.[1], [2]

Allgemeine Verbreitung

Dieser Brauch hat sich in Richtung Europa, den Osten und auch Richtung Nordamerika sehr schnell verbreitet. Er wurde zu einem beliebten Brauch, da auch die zeitliche Nähe und die Ähnlichkeit der Festabfolge an das christliche Weihnachtsfest erinnert. Dies hat dazu geführt, dass Chanukka zu einem Familienfest mit Bescherung geworden ist.

Somit hat sich auch der Ablauf der Zeremonie ein wenig geändert. Im Generellen kann man diesen heutzutage folgendermaßen beschreiben: Am ersten Tag des Festes wird nach Anbruch der Dunkelheit das erste Licht angezündet. Am zweiten Tag zwei Lichter, bis dann am achten Tag alle Lichter des Leuchters brennen. Diese Kerzen brennen jeweils mindestens 30 Minuten pro Abend. Während dieser Zeit soll sämtliche Arbeit unterbrochen werden und sich lediglich auf den Leuchter und dem damit verbundene Wunder gedacht werden. Da Chanukka kein biblisches Fest ist, sondern auf ein historisches Ereignis zurück zu führen ist, darf tagsüber weiterhin gearbeitet werden.[6]

Nachfolgend ein kleiner Überblick wie in bestimmten Ländern Chanukka gefeiert wird:

Israel

In Israel selbst wird dieses Fest als sehr groß gefeiert. 164 v. Chr. war das erste Mal, dass sich Israel gegen kulturelle Unterdrückung und religiöse Vernichtung wehren konnte. Endlich hatte das jüdische Volks eine große Widerstandkraft. Chanukka wird sehr aufwendig, mit der ganzen Familie, vielem Essen und auch viel Alkohol gefeiert. In den Straßen selbst fahren die Juden mit ihren Autos, spielen laute Musik und haben einen großen Leuchter auf dem Auto. Sie tragen somit nach außen, dass sie damals Widerstand geleistet haben und es wird dem Wunder gedacht, dass das Öl acht Tage ausreichte.

Griechenland

Wenn man die Geschichte des Festes Chanukka betrachtet und die Feste in aller Welt vergleicht, ist es interessant zu betrachten, wie und ob die jüdischen Griechen selbst dieses Fest feiern. Wie empfinden die Griechen dieses Fest? Man feiert schließlich einen Sieg über die griechischen Besatzer. Man kann feststellen, dass in Griechenland Chanukka zwar noch gefeiert wird, aber eher im Stillen. Es sind keine Leuchter in den Fenster zu finden, so wie es für dieses Fest üblich ist. Zudem ist im Moment, zu Zeiten der rechtsextremen Partei, gefährlich sich als Jude zu bekennen. Interviews zu Folge gibt es jedoch viele die dieses Fest gerne feiern, da es ihnen nicht darum geht den Sieg über die Seleukiden zu feiern, sondern es geht um das Fest des Lichts. Das Bürgerrecht der Religionsfreiheit hat hierbei gesiegt.[7]

Nordamerika

Speziell die Amerikaner feiern Chanukka sehr groß. Vor allem im Jahr 2013 war Chanukka ein großes Ereignis für die Amerikaner, da Chanukka und Thanksgiving auf den gleichen Tag fielen. In diesem Ereignis sahen speziell die Unternehmen eine große Einnahmequelle. Es wurden T-Shirts gedruckt, das Dreidel-Spiel wurde mit den Regel von Poker vermischt gespielt, es gab Krapfen mit Truthahnfüllung und noch vieles mehr.

Generell wird Chanukka mehr und mehr zu Marketingzwecken umgesetzt. Merchandising-Artikel boomen und Chanukka wird unter anderem zu einem Fest des Geldkonsums.

Foto Marketing.jpg

Konsum an Chanukka

Forschungsstand allgemein

Zum Forschungstand über das Chanukka-Fest diskutiert die Fachliteratur über die genaue Herkunft des Festes bzw. die Art und Weise wie es zu feiern ist:

Im Makkabäerbuch lassen sich Aufschlüsse über das Fest ziehen. Im Ersten Makkabäerbuch steht unter anderem geschrieben: Und es bestimmten Juda und seine Brüder und die ganze Gemeinde Israels, daß die Tage der Einweihnung des Heiligtums zu eben demselben Zeitpunkt Jahr für Jahr acht Tage lang zu feiern sein, und zwar vom 25. des Monatas Kislew mit Frohsinn und Freuden.

Im Zweiten Buch ist anschließend eine genauere Darstellung der Abfolge dieses Festes zu erfahren, wenn es heißt Und mit Freude feierten sie acht Tage lang [...] und [...] brachten demjenigen Hymnen dar, der für die Reinigung Seines Ortes den Weg bereitet hatte [...].

Eine genaue Analyse der Makkabäerbücher über die genaue Aussage, wie dieses Fest und mit welchen Riten es gefeiert werden soll, würde jedoch über den Rahmen dieses Artikels hinaus gehen.[4]

Literaturangaben

Gewährspersonen

Dieser Artikel entstand neben Literaturrecherche durch Interviews mit Religionswissenschaftlern des jüdischen Museums. Sie gaben mir Auskunft über den Brauch, dessen Gestaltung und Ausführung. Zudem ermöglichten sie mir die Teilnahme am Chanukka-Fest am 01.12.2013 in München am Jakobsplatz.

Der Artikel ist Teil des Seminars Brauch und Migration des Lehrstuhls für Ethnologie und Volkskunde an der Universität Augsburg.

Belege

Althaus (2011): Deutsche Wörter jidischer Herkunft - Ein Lexikon. e-Book

Epstein (1970): All about Jewish Holidays and Customs. Seite 39 ff

Galley (2003): Das jüdische Jahr - Feste, Gedenk- und Feiertage. C. H. Beck oHG. München

Joannes (2012): Das Judentum - Geistlicher Inhalt, Geschichte, Religiöses Leben. 3. überarbeitete Auflage. Amalthea Signum Verlag GmbH. Wien

Landesmann (2012): Die Juden und ihr Glaube - Geschichte, Gegenwart und Erkenntnis. Seite 176 ff.

Lohrbächer, Ruppel, Schmidt (Hrsg.) (2006): Was Christen über das Judentum lernen können - Anstöße, Materialien, Entwürfe. W. Kohlhammer GmbH. Stuttgart

Waste (2003): Jüdische Identität im Zeichen von Bildlichkeit und Erinnerung. Königshausen & Neumann GmbH. Würzburg. Seite 205

Weblinks

  • Webseite der jüdischen Geschichte und Kultur

http://www.judentum-projekt.de/religion/feste/chanukka/, Stand 16.11.13

  • Webseite der Stadt München, Informationen über den Jakobsplatz

http://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/baureferat/projekte/jakobsplatz.html, Stand 23.12.13

  • Webseite der Jüdischen Allgemeinen Zeitung

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/17707, Stand 12.01.14

Fußnoten

[1] Galley (2003): Das jüdische Jahr - Feste, Gedenk- und Feiertage

[2] Althaus (2011): Deutsche Wörter jidischer Herkundt

[3] Webseite der Stadt München, Informationen über den Jakobsplatz

[4] Landesmann (2012): Die Juden und ihr Glaube

[5] Epstein (1970): All about Jewish Holidays and Customs

[6] Lohrbächer, Ruppel, Schmidt (2006): Was Christen über das Judentum lernen können

[7] Websteie der Jüdischen Allgemeinen Zeitung

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