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Chanukka

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Bei Chanukka, oder auch Lichterfest genannt, handelt es sich um ein wichtiges Fest des Judentums, das jedes Jahr am 25. Tag des hebräischen Monats Kislew (November/Dezember) beginnt und 8 Tage dauert.
Bei dem Fest soll der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. Chr. durch Juda den Makkabäer gedacht werden. Es erinnert an den Kampf der Juden für religiöse Unabhängigkeit und gegen die Unterdrückung durch Antiochus IV. Epiphanes und dessen Gesetze zur Hellenisierung (Übernahme des griechischen Götterkultes und der griechischen Lebensweise) des Judentums ab 175 v. Chr..
Der Name Chanukka bedeutet Weihung und der eigentliche religiöse Akt besteht aus dem Anzünden des achtarmigen Leuchters, der Menora, und wird deshalb auch Lichterfest genannt.

Termin

Dieser Brauch ist vom 28.11.2013 bis zum 05.12.2013.

Ablauf

Das Anzünden der Chanukka-Lichter auf der Menora erfolgt auf eine festgelegte Art und Weise und soll an die Wunder erinnern, die sich zur Zeit der Wiedereinweihung des Tempels ereigneten. Die erste Wundergeschichte handelt davon, dass der Vorrat an reinem, geweihtem Lampenöl, das eigentlich nur für einen Tag ausreichen sollte, ganze acht Tage brannte. Das eigentliche Wunder handelt jedoch vom Sieg der unterlegenen makkabäischen Rebellen gegen die griechisch-syrische Armee unter König Antiochus. Nach einem drei jährigen Krieg gelang es Juda und seinen Männern, den Sieg zu erringen und es schaffte das scheinbar Unmögliche: die Erhaltung des Judentums als monotheistische Religion und der Schutz vor dem Einfluss des griechischen Götzenkultes.

Die Menora

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Bei der Menora handelt es sich um den meist festlich geschmückten Chanukka-Leuchter mit acht Armen. Es besteht aus einem mittlerem Ast, der seitlich jeweils 4 Arme und damit acht Kerzenhalter hat. Der mittlere Ast trägt hierbei jedoch kein Licht. Die Kerzen des Leuchters werden mit einem weiteren Licht, dem Schamasch, angezündet, da die eigentlichen Chanukka-Lichter ausschließlich an das Chanukka-Wunder erinnern sollen. Das heißt, sie dürfen weder zur Beleuchtung noch zum Anzünden anderer Lichter verwendet werden.

Die Lichter

Die Lichter werden sowohl zu Hause als auch in der Synagoge angezündet, in beiden Fällen stellt das Entzünden eine Zeremonie dar. Gerade zuhause wird diese sehr festlich und feierlich gestaltet. Das Anzünden erfolgt am Abend, wenn es dunkel geworden ist und die ersten Sterne am Himmel zu erkennen sind. Da es sich um ein Familienfest handelt sollten alle Familienmitglieder versammelt sein. Die Lichter müssen mindestens eine halbe Stunde brennen und so bietet es sich an, das Anzünden vor dem Abendessen zu zelebrieren, damit die Kerzen während des Essens brennen können. Dann jedoch müssen die Lichter wieder gelöscht werden, da sie am nächsten Abend wieder aufs Neue entzündet werden. Wichtig ist hierbei auch, dass die übliche Beleuchtung eingeschaltet werden muss, da festgelegt ist, dass die Chanukka-Lichter nicht der Beleuchtung dienen dürfen.
Wer darf jetzt aber die Lichter anzünden? Anders wie bei anderen jüdischen Festen ist dafür nicht nur der Vater der Familie verantwortlich. Auch die Kinder dürfen die Kerzen anzünden, wenn sie in der Lage sind, die hebräischen Segenssprüche auswendig aufzusagen. Auch wenn in den acht Tagen normal der Arbeit nachgegangen wird (außer natürlich am Sabbat), unterlässt man jedoch in der Zeit, in der die Lichter brennen, die üblichen Tätigkeiten und Hausarbeiten. Sogar die Mutter der Familie ist in dieser Zeit von den Hausarbeiten befreit.

Das Anzünden der Menora

Am ersten Chanukka-Abend wird das erste Licht angezündet und jeden Abend kommt eine weitere Flamme dazu, bis am achten und letzten Abend alle acht Lichter der Menora brennen. Am zweiten Tag wird dann zuerst das neue Licht angezündet, bevor das Licht des Vorabends erneut entzündet wird. So zieht sich diese Reihenfolge bis zum Letzten Tag durch: erst das neue Licht, dann die Lichter der Vorabende.

Folgende Segenssprüche werden beim Anzünden aufgesagt:
1. „Baruch ata adonai elohenu melech haolam ascher kidschanu bemizwotaw weziwanu lehadlik ner schel chanukkah“ – „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, das Chanukkalicht anzuzünden“


2. „Baruch ata adonai elohenu melech haolam sche`assah nissim leawotenu bajamim hahem basan hase“ – „Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du Wunder erwiesen unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit“


Am ersten Chanukka-Abend wird zusätzlich noch ein dritter Segensspruch aufgesagt:
3. „Baruch ata adonai elohenu melech haolam schehechejanu wekijemenu wehigianu lasman hase“ – Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen“
(Segenssprüche zitiert aus Hannover,J.: Gelebter Glaube - Die Feste des jüdischen Jahres, S.85-87)

Auch im Gottesdienst und in den Gebeten steht in dieser Zeit Chanukka im Vordergrund. Jeden Morgen liest man beim Morgengebet oder im Tagesgebet das Hallel (Psalm 113 bis 118) und liest in der Synagoge täglich aus der Torah, nämlich die Nummeri 7,1 bis 8,4 über die acht Tage verteilt. Während der Chanukka-Tage ist jedoch das freiwillige Fasten und Trauerreden nicht erlaubt und die normalen Bußgebete werden nicht gesprochen.

Die Chanukka-Bräuche

Da die acht Chanukka-Tage an sich keine richtigen Feiertage darstellen, also nicht arbeitsfrei sind, versucht man trotzdem, die Zeit abends, während die Lichter brennen, für sich und seine Familie zu nutzen. So entstanden nach und nach verschiedene Bräuche, die für Chanukka typisch sind.

Singen

Nach dem Anzünden versammelt sich die ganze Familie, um gemeinsam zu singen. Wichtig ist das Lied „Fels der Zeiten“ und auch andere typische Chanukkalieder werden angestimmt. Dadurch wird versucht, die festliche Stimmung zu stärken, ähnlich wie es Christen an Weihnachten tun.

Das Dreidl-Spiel

In den Abendstunden wird auch gerne gemeinsam gespielt. Neben Karten- und Brettspielen gibt es ein sehr beliebtes (Glücks-)Spiel: das Spiel mit dem Dreidl.
Der Dreidl ist ein Kreisel mit vier Seiten, auf denen jeweils ein hebräischer Buchstabe steht: n, g, h und s. Diese Buchstaben stehen für das hebräische Sprichwort „Nes gadol haja scham“ –„Ein großes Wunder geschah dort“.
Das eigentliche Spiel läuft dann wie folgt ab: Es wird ein Einsatz in eine Kasse gezahlt, der besteht entweder aus Nüssen oder aber auch aus Geld. Der Dreidl wird gedreht, und je nachdem, welche Seite mit welchem Buchstaben nach oben zeigt, erfolgt eine Aktion, bei der man entweder etwas gewinnt oder verliert:
• g steht für ganz, das heißt die ganze Kasse darf genommen werden
• h steht für halb, das heißt die Hälfte der Kasse darf genommen werden
• s steht für setzten, das heißt es muss ein erneuter Einsatz gebracht werden
• n steht für nichts, das heißt, es darf nichts genommen werden, man verliert jedoch auch nichts

Chanukka-Geld

Um bei den Kindern auch festliche Stimmung aufkommen zu lassen, ließ man sich etwas Besonderes einfallen. Zum einen dürfen die Kinder in diesen acht Tagen eine Stunde eher als üblich die Torah-Stunde verlassen, um mehr Freizeit zum Spielen zu haben. Zum anderen entwickelte sich nach und nach auch der Brauch Chanukka-Geld an die Kinder zu verteilen. Dieses Geld kann entweder „richtiges“ Geld sein, oder nur Chanukka-Münzen, ähnlich wie Schokoladentaler. Damit soll den Kindern vor allem gezeigt werden, wie wichtig teilen ist.
Heutzutage gilt Chanukka immer mehr als das jüdische Weihnachten. Deshalb ist es mittlerweile auch nicht unüblich, den Kindern Geschenke zu überreichen.

Chanukka-Speisen

Wie auch bei anderen Bräuchen, gibt es an Chanukka einige typische Speisen. Eine sehr beliebte Chanukka-Delikatesse ist Latkes, eine Art Reibekuchen, der in reichlich Öl gebacken wird, um an das Wunder des Lampenöls zu erinnern. Ein einfaches Rezept für diese Spezialität lautet wie folgt:
5 große, mehlige Kartoffeln
1 große Zwiebel
4 Eier
¼ Tasse Matzen- oder Weizenmehl
Salz und Pfeffer
Öl zum Braten
Kartoffeln reiben und in einem Sieb abtropfen lassen. Zwiebeln ebenfalls reiben, mit den Kartoffeln und den Eiern gut vermischen. Anschließend Mehl und Gewürze hinzugeben und gut verrühren. Reichlich Öl in einer Pfanne erhitzen und pro Reibekuchen einen Esslöffel der Masse in die Pfanne geben und von beiden Seiten goldbraun backen. (Rezept aus:Lowenstein, S.: Jüdisches Leben - Jüdischer Brauch.S.151 f.)

Staffellauf

In Israel wird ein Staffellauf mit einer Fackel veranstaltet. Der Lauf beginnt in der Stadt Modi´in, die etwa 25km von Jerusalem entfernt liegt. In dieser Stadt begann um 175 v. Chr. der Aufstand gegen die Hellenisierung unter Antiochus und war das Zentrum der Revolte. Von dort aus wird die Fackel von Staffelläufern nach Jerusalem gebracht, wo dann eine riesige Menora vor dem Amtssitz des Präsidenten entzündet wird.

Hintergrund-Infos

Die Vorgeschichte

Im Jahr 332 v. Chr. eroberte Alexander der Große den gesamten Mittleren Osten und nach seinem Tod würde das Reich unter seinen Nachfolgern aufgeteilt. Der damalige jüdische Staat hieß Judäa und wurde zu einer Provinz des Königreiches der Seleukiden. Das Zentrum dieses Reiches lag in Syrien. In Judäa und dem Gebiet der Seleukiden lebten verschiedene Nationalitäten, es gab viele verschiedene Bräuche und Lebensweisen. Bis 175 v. Chr., als König Antiochus IV. Epiphanes den Thron bestieg, waren die griechisch-syrischen Herrscher dieser multikulturellen Gesellschaft gegenüber aufgeschlossen und jeder konnte seiner Lebensweise und Religion frei nachgehen. Antiochus wollte die griechische Kultur und den heidnische Glauben durchsetzen. Um diese sogenannte Hellenisierung voranzutreiben, erließ er Gesetze, die die griechische Kultur für alle Bewohner verbindlich machte. Viele Volksgruppen, darunter auch einige Juden (die sog. hellenistischen Juden), passten sich an, der Großteil der Juden beharrte jedoch auf seinem Glauben und den jeweiligen Bräuchen.
Antiochus begann deshalb, Gewalt anzuwenden und Verbote einzuführen Untersagt war nun zB. die Einhaltung des Sabbats sowie die Beschneidung männlicher Nachkommen. Er versuchte außerdem die Juden zum Verzehr von Schweinefleisch zu zwingen. Darüber hinaus entweihte er den großen Tempel in Jerusalem und wandelte ihn zu einer Kultstätte des griechischen Gottes Zeus um.

Der Aufstand

Gewalt und Todesstrafe waren für gläubige Juden an der Tagesordnung, ein Zustand, den niemand länger hinnehmen wollte. Ein 80-jähriger Priester namens Mattatias begann in dem Ort Modi´in schließlich den Aufstand: er wehrte sich gegen die griechisch-syrischen Soldaten, die die Menschen zu Götzenanbetung zwingen wollten, tötete sie und rief mit den Worten „Jeder, der treu zum Herren steht, schließe sich mir an!“ zur Revolte auf.
Sein Aufruf verfehlte seine Wirkung nicht. Viele versammelten sich und gründeten ein Art Untergrundarmee. Als Mattathias starb, wurde sein Sohn Juda zum Befehlshaber. Er zeichnete sich durch Mut und Geschick aus. Berühmt wurde er als tapfere und starke Führungspersönlichkeit. Deswegen bekam er den Namen der Makkabäer. Dieser Name bedeutet entweder Hammer (was auf seine Kraft schließen lässt) oder er ist die Abkürzung für „Mi kemocha ba´elim adonai“ – „Wer unter den Göttern ist wie du, o Herr!“, der Schlachtruf der Makkabäerarmee.

Die Wiedereinweihung

Nach drei harten Jahren des Krieges und nach erheblichen Verlusten gelang es den Makkabäern jedoch, die griechisch-syrischen Streitkräfte zu besiegen und Jerusalem zu erobern. Unter Juda wurde so die Stadt wieder von allen heidnischen Symbolen und Götzenbildern befreit und der Tempelbezirk wieder dem einen Gott Jahwe geweiht.
Am 25. Kislew betraten Juda und seine Männer den Tempel und wollten den Tempelleuchter wieder anzünden. Jedoch war nur noch ein Gefäß mit reinem geweihtem Öl da, das nur für einen Tag reichen sollte. Die Menora brannte jedoch für 8 Tage, solange, bis wieder frisches Öl vorbereitet war. In diesen acht Tagen wurde der Tempel wieder neu geweiht.
Zum Andenken an diese zweite Weihe des Tempels und den gewonnenen Kulturkampf gegen den Hellenismus, die neu gewonnene Autonomie und geistige Unabhängigkeit des Judentums wird Chanukka gefeiert. Es soll der kleinen und großen Wunder gedacht werden, die täglich geschehen.

Belege, Literatur

  • De Vries, S.Ph.: Jüdische Riten und Symbole. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, S.123-131
  • Petuchowski, Jakob j.: Feiertage des Herrn. Die Welt der jüdischen Feste und Bräuche. Herder, Freiburg 1984, S.107-121
  • Hannover, Joyce: Gelebter Glaube. Die Feste des Jüdischen Jahres. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1986, S.80-88
  • Lowenstein, Steven M.: Jüdisches Leben - Jüdischer Brauch. Internationale jüdische Volkstraditionen. Artemis&Winkler, Düsseldorf/Zürich 2002, S.151 f.
  • Lau, Israel M.: Wie Juden leben. Glaube-Alltag-Feste. WBG, Darmstadt 2005, S.218-224
  • Golzio, Karl-Heinz: Basiswissen Judentum. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2000, S.54 f.

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