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Cannstatter Volksfest

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Das Cannstatter Volksfest wird umgangsprachlich auch Cannstatter Wasen oder nur Wasen genannt. Es ist nach dem Münchner Oktoberfest (Wiesn) das zweitgrößte Volksfest Süddeutschland und das größte Schaustellerfest der Welt. Die Spitznamen der zwei Feste bedeuten beide Wiese. Da dies der Hauptaustragungsort der beiden Feste ist. [Hartl, S. 83]

2010 war der 165. Wasen und mehr als 3,8 Millionen Leute besuchten das schwäbische Volksfest.

Termin

Dieser Brauch ist vom 22.09.2017 bis zum 08.10.2017.

Ablauf

Das Cannstatter Volksfest beginnt normalerweise eine Woche später als das Münchner Oktoberfest und umfasst 17 Tage von Ende September bis Anfang Oktober. 2007 wurde der offizielle Beginn um einen Tag vorverlegt. Eröffnet wird es alljährlich am Freitag mit dem traditionellen Fassanstich durch den
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Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart. Danach folgt in den Festzelten ein umfangreiches Programm mit Musik, Komödianten und natürlich schwäbischer Küche. Außerhalb der Zelte laden die Schausteller zu abenteuerlichen Fahrten, Spiel und Spaß ein. Das SWR Fernsehen überträgt jedes Jahr die Eröffnungsfeier. [vgl. Basisinformation Cannstatter Volksdest, S. 1f] Ein spektakluäres Mu
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sikfeuerwerk bildet den Abschluss am letzten Festtag. Dieses wird vom mehrfachen Pyrotechnikweltmeister Joachim Berner aus Ehningen bei Stuttgart jedes Jahr ausgerichtet. Dazu hören die Gäste Musik von weltbekannten Musikern. All dies bildet nicht nur das Ende der Wasen sondern auch den Höhepunkt des ganzen Festes. [vgl. Basisinformation Cannstatter Volksdest, S. 2] Alle vier Jahre findet auf dem Wasen parallel das Landwirts
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chaftliche Hauptfest (LWH) statt. Das erste LWH wurde 1818 unter König Wilhelm I. ausgerichtet. Ausgestellt werden Altbewährtes genauso wie neue Trends der Landwirtschaft und verschiedene Tierarten. Durch dieses Fest wird hauptsächlich das Ziel verfolgt, die Wertschöpfung in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft zu verbessern. Daher steht es auch unter dem Motto Endeck´ den Bauern in dir. [vgl. Basisinformation Cannstatter Volksdest, S. 1]

Varianten

Das Gegenstück zum Cannstatter Volksfest ist das jährliche Stuttgarter Frühlingsfest, welches zwischen Mitte April und Anfang Mai (3 Wochen) statt findet. Es ist zwar kleiner als das herbstliche Volksfest, jedoch immer noch das größte Frühlingsfest Europas.

Hintergrund-Infos

Die Residenzstadt Stuttgart zählte im Jahr 1801 insgesamt 21.131 Einwohner. Die weiteren Jahre kamen viele neue Einwohner dazu und bis zum Jahr 1900 stieg die Einwohneranzahl auf 176.706 an. Württemberg wurde 1806 zum Königreich als Napoleon dem Herzog Friedrich (1754-1816) die Königswürde verlieh. [vgl. Hartl, S. 84] König Friedrich machte es sich zur Aufgabe, Stuttgart zu einer modernen Hauptstadt auszubauen. Das Volk war ihm gegenüber sehr zwiegespalten. Einerseits waren sie ihm dankbar, dass er die Stadt so stark modernisierte, andererseits unterdrückte er sein Volk und verbot z.B. Volksabstimmungen. Unter seiner absolutistischen und alleinherrschaftlichen Art litt auch sein Sohn, der spätere König Wilhelm I. (1781-1864). [vgl. Hartl, S. 85] Dieser heiratete 1816 die russische Zarentochter Katharina Pawlowna und beide übernahmen noch im gleichen Jahr die Herrschaft als König Friedrich am 30. Oktober 1816 plötzlich starb. Zu dieser Zeit war Württemberg durch Kriege und das marode Staatswesen sehr in Mitleidenschaft gezogen und die Bevölkerung sah es wie ein Befreiungschlag an, als der Kronprinz Wilhelm endlich den Thron bestiegt. König Wilhelm I. machte sich zur Aufgabe, das Land trotz aller Rückschläge sicher in die Zukunft zu führen und setzte gleich zu Beginn viele Reformen, u.a. auch in der Landwirtschaft, an. Daraus ging schließlich auch das Landwirtschaftliche Hauptfest hervor. Mit vielen Volksbelustigungen sollte es hauptsächlich der Belustigung dienen. Es stellte eine Kombination aus Volkfest und Landwirschaftsaustellung dar. Dadurch und auch durch andere Angebote, wie Preisverleihungen für Vieh, waren viele Leute bereit, auch lange Reisen auf sich zu nehmen, um nach Stuttgart zu gelangen. [Hartl, S. 84] Die Liebe des Königs zum Ort veranlasste ihn das Volksfest auf einer freien Fläche in Cannstatt zu stiften. Zudem lag Cannstatt direkt am Kreuzungspunkt wichtiger überregionaler Straßen. [vgl. Hartl, S. 87]

Das erste Fest fand am 28. September 1818 statt. In den folgenden Jahren spielten sich auf dem Wasen viele außen- und innenpolitische Ereignisse ab. Zum Beispiel besuchte Kaiser Wilhelm 1876 Stuttgart und das Cannstatter Volksfest. [Hartl, S. 87]

Das erste Cannstatter Volksfest

Als Ort wurde eine knappe 11 Hektar große Wiese in Cannstatt gewählt. Die Vorbereitung und Ausschmückung des Festplatzes unterlag dem Baumeister Nikolaus von Thouret. Die Hoftribüne wurde vom Hofbaumeister Giovanni Salucci entworfen. Der Festablauf ließ Ähnlichkeiten zum Münchner Oktoberfest erkennen, was jedoch auch auf diese Weise beabsichtigt wurde. Für das stattfindende Pferderennen wurde ein 900 Meter messendes Oval mit Tribünen am Rand aufgebaut. Innerhalb der Rennstrecke wurde das zu krönende Vieh, Ackergeräte und landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgestellt. Der Start- und Zielpunkt des Rennens bildete eine 50 Fuß hohe Säule. Diese wurde später Fruchtsäule genannt und ist heute das Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes. Viele Zuschauer waren schon früh morgens auf dem Festgelände und um 9 Uhr waren alle Plätze rund um den Rennplatz besetzt. Es sollen zwischen 25.000 und 30.000 Menschen das Fest besucht haben. Das Königspaar wurde um 11 Uhr mit der Königshymne empfangen. Danach folgte die Prämierung des Viehs und die Vorführung der landwirtschaftlichen Geräte. Die ausgezeichneten Tiere wurden auf der Rennbahn vorgeführt. Anschließend war das Pferderennen, Schifferstechen und die Königshuldigung der Cannstatter Bürgerschaft. Abgeschlossen wurde das ganze Fest mit einem großen Feuerwerk. [vgl. Hartl, S. 90ff]

Das Volksfest von 1818 bis heute

Schon 1818 wurde fest gelegt, dass das Landwirtschaftliche Fest jedes Jahr am Tag nach des Königs Wilhelm I. Geburtstag und somit am 28. September gefeiert werden soll. Auch heute noch fängt das Fest nie später an.

In den frühen Jahren des Cannstatter Volksfestes gab es nur einen Festtag, den 28. September. Zu den Hauptveranstaltungen gehörten u.a. das Pferderennen und der Viehmarkt. Das Volksfest mit den Schaustellern galt nur als Rahmenprogramm. Das Hauptaugenmerk lag auf dem Landwirtschaftlichen Hauptfest. Dies änderte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und heute ist das Gegenteil der Fall. Das Landwirtschaftliche Hauptfest gilt lediglich als Beiwerk zum Cannstatter Volksfest. Mit dieser Veränderung lockte das Fest immer noch mehr Besucher an und die Statt Cannstatt musste erste bauliche Maßnahmen ergreifen. Das erste Festzelt wurde 1837 vom Cannstatter Ochsenwirt Kübler aufgestellt. 1847 musste das Volksfest zum ersten Mal aufgrund der herrschenden Teuerung ausfallen. [vgl. Hartl, S. 93ff] König Karl (1823-1891), der Sohn von Wilhelm I., führte die Tradition des Festes weiter, fand aber immer weniger Gefallen daran und veranlasste 1882, dass das Volksfest nur noch alle zwei Jahre statt findet. Erst sein Sohn König, Wilhelm II., hob die Regelung nach dem Tode Karls wieder auf. [vgl. Hartl, S. 96] Im 19. Jahrhundert musste das Fest nur sieben Mal ausfallen. Grund dafür waren Staatskrisen, Umweltkatastrophen, Kriege oder Epedemien. [vgl. Hartl, S. 97]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden einige Erneuerungen und Attraktionen eingeführt. Grund dafür war die Eingemeindung Bad Cannstatts nach Stuttgart im Jahr 1905. Das Cannstatter Volksfest wurde somit zum offiziellen Stuttgarter Ereignis und die Hauptstadt steuerte zahlreiche Geldbeträge zur Sanierung und Verschönerung des Wasens bei. Zum Beispiel wurden erste Sanitätsstationen eingerichtet. Schon 1909 haben sich die Besucher über die jährlich ansteigenden Bierpreise auf dem Volksfest beschwert. Eine Tatsache, die sich bis heute jedes Jahr wiederholt hat (Bierpreis 1924: 0,80-1,00 Mark; Bierpreis 2010: 8,20€). Während des Ersten Weltkriegs und dessen Folgen musste das Volksfest von 1914 bis 1923 ausfallen. Mit der Abdankung von König Wilhelm II. von Württemberg im Jahr 1918 fiel plötzkich die Grundlage des Königshauses weg und es gab Überlegungen, die Tradition komplett einschlafen zu lassen. Man hat es der Stuttgarter Stadtverwaltung zu verdanken, die 1922 beschloss, das Fest weiter leben zu lassen. [vgl. Hartl, S. 100ff] In den 1930er Jahren versuchte der Nationalsozialismus das Cannstatter Volksfest für seine politischen Zwecke zu missbrauchen und es folgte der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Der Wasen fiel in seiner Geschichte noch nie so oft aus wie in den ersten 50 Jahren des 20. Jahrhunderts. Das erste von der Stadt selbst organisierte und durchgeführte Volksfest konnte wieder vom 17. September bis 2. Oktober 1949 gefeiert werden. Allerdings wurde es in diesem Jahr nur als kleineres Herbstfest gehandhabt. Die Bevölkerung war jedoch froh, dass damit ein Zeichen gesetzt wurde und es wieder Berg auf ging.1951 und 1952 wurde das komplette Wasengelände instandgesetzt und Neuanlagen gebaut. In den folgenden Jahren wurden zudem das Straßennetz, die Stromversorgug und die Gas- und Wasserrohrnetze weiter ausgebaut. Die Umsätze der Schauststeller und Wirte stieg kontinuierlich an. 1971 wurde der Erfolg des Cannstatter Volksfestes aufgrund der Rekordbesucherzahlen bestätigt. Somit war es mit dem Oktoberfest konkurrenzfähig. 1972 fielen der Wasen und die Wiesn auf den gleichen Eröffnungstag und beide Feste wurden per Funkverbindung gemeinsam eröffnet. [vgl. Hartl, S. 102 ff] 1980 gab es ein Bombenattentat auf dem Oktoberfest, welches natürlich umfassende Maßnahmen auf dem Cannstatter Volksfest veranlassen ließ. Einen Tag nach dem Anschlag wurde das Fest zwar eröffnet, aber die Feierlichkeiten waren begrenzt. Außerdem vereinbarte man eine Stunde der Stille in der weder Fahrgeschäfte fuhren, noch Musik spielte. [vgl. Hartl, S. 112] Die Stadt erkannte das Cannstatter Volksfest 1989 als bedeutenden Image- und Wirtschaftsfaktor an. Erstmals in der Geschichte gelang es 1992, den Wasen kostendeckend zu veranstalten. Bis dahin fuhr das Fest nur Verluste ein und musste jedes Jahr bezuschusst werden. [vgl. Hartl, S. 115] 1995 wurde das 150. Cannstatter Volksfest gefeiert. Aufgrund dieses Anlasses gründete sich 1994 der Cannstatter Volksfestverein e.V.. Seine Aufgabe bestand darin, am ersten Sonntag des Festes einen Volksfestumzug zu organisieren. Dieser diente unter anderem auch zu Werbezwecken. Nach dem Anschlag des 11. Septembers 2001 in den USA wurden auch auf dem Cannstatter Volksfest die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. [vgl. Hartl, S. 118]

Das Cannstatter Volksfest entwickelte sich in den letzten Jahren des 21. Jahrhunderts sehr positiv. Seinen Höhepunkt erreichte es 2007 mit 4,5 Millionen Besuchern, wobei die Besucherzahlen bis heute weiter ansteigen. [vgl. Hartl, S. 120]

Hier eine Übersicht über die Entwicklung der Dauer des Cannstatter Volksfestes.

1818 + Folgejahre: 1 Tag (28.9.)

1868 + Folgejahre: 7 Tage (von Sonntag vor bis zum Sonntag nach dem 28.9.)

Ende des 19. Jh.: 4 oder 5 Tage

1934 - 1952: 10 Tage

1953 - 1971: 12 Tage

1972 - 2006: 16 Tage

2007 - heute: 17 Tage

Die Fruchtsäule - das Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes

Die Fruchtsäule ist das Symbol des Cannstatter Volksfestes. Sie steht seit den Anfängen des Festes 1818 auf dem Gelände und wurde damals vom Baumeister Nikolaus von Thouret entworfen und gebaut. Die 50 Fuß hohe Säule war der Anhaltspunkt für alle anreisenden Besucher, weil sie aufgrund ihrere Höhe schon von weitem zu sehen war. Von Anfang an wurde die Säule mit Früchten, Gemüse und Getreide des Landes geschmückt und bekam daher Mitte des 19. Jahrhunderts auch ihren Namen. In dieser Zeit wurde sie auch zum offiziellen Symbol des Festes und zum Symbol der Landwirtschaft. Das Grundgebilde blieb bis heute unverändert. Jedoch ist der Standort heute ein anderer wie damals. Der Grund dafür waren verschiedene Umgestaltungsmaßnahmen und Ausbauten des Festgeländes. [vgl. Hartl, S. 126f]

Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Industrialisierung übernahm die Fruchtsäule mehrere zusätzliche Funktionen. Zum Beispiel wurde der Sockel zu einer Ausstellungshalle für moderne Landmaschinen. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Fruchtsäule in der Weimarer Republik stetig an Bedeutung. Sie galt als monarchistisches Überbleibsel und wurde daher schlussendlich nicht mehr aufgestellt. Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg holten die Nationalsozialisten die Säule wieder hervor und schmückten diese mit Hakenkreuzen. Diese Vorgänge zeigen, wie sehr die Fruchtsäule auch die politischen Vorgänge und den Zeitgeist wider spiegelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Säule erst 1953 wieder aufgestellt. [vgl. Hartl, S. 127]

Die Dekoration der Fruchtsäule hatte wahrscheinlich Mitte der 1980er Jahre ihren Höhenpunkt. Dabei waren die Stuttgarter Stadtgärtner über das Jahr hinweg beschäftigt, das Dekorationsmaterial anzupflanzen und zu züchten. Insgesamt waren es drei Tonnen Früchte und Gemüse, die in 700 Stunden Arbeit mühsam verarbeitet wurden. Um den Aufwand zu reduzieren, wurde 1990 beschlossen, die Spitze der Fruchtsäule nur noch mit einer einfachen Schale, die zudem weniger Obst beinhaltete, zu verzieren. Im Jahr 2000 geschah die bis heute letzte große Veränderung. Der Sockel wurde durch einen Holzpavillion ersetzt. In diesem 180 Quadratmeter großen Raum befindet sich heute ein Souvenirshop und ein Infostand für die Besucher. [vgl. Hartl, S. 127f]

Heute wird jedes Jahr die 26 Meter hohe Fruchtsäule auf den Pavillion aufgestellt. Die Säule, wie wir sie heute sehen können, stammt aus dem Jahr 1972 und wiegt etwa drei Tonnen. Von der Form, Farbe und Größe ist sie dem Modell aus dem Jahr 1818 nachempfunden. [vgl. Hartl, S. 128]

Als das Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes ist die Fruchtsäule immer dabei, egal ob das Fest in Chicago, Brooklyn oder Philadelphia gefeiert wird. Diese Tradition steht somit im Mittelpunkt.

Siehe auch

Das Oktoberfest

Weblinks

Cannstatter Volksfest

Belege, Literatur

  • Hartl, Andrea: Oktoberfest und Cannstatter Volksfest. München 2010.
  • Stroheker, Hans Otto; Willmann, Günther: Cannstatter Volksfest, Stuttgart/Aalen 1978
  • Basisinformation Cannstatter Volksdest

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Diese Seite wurde zuletzt am 12. Mai 2017 um 07:55 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 23.058-mal abgerufen (to Cache).