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Buttnmandl-Lauf in Berchtesgaden

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
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Bräuche > Bayern > Oberbayern
Bräuche > Jahreslauf > Winter
Geprüfte Artikel > Grüner Artikel


Das Buttnmandl-Laufen (butteln = rütteln, scheppern) ist ein vorweihnachtlicher Brauch im Berchtesgadener Talkessel, der meist am 5. und 6. Dezember (Hl. Nikolaus) ausgeübt wird. Vereinzelt findet der Brauch auch am 1. und 2. Adventssonntag (im Loipl, Winkl Land) oder am 24. Dezember (in Maria Gern) statt. Es ist eine besondere Form des Einkehrbrauchs des Heiligen Nikolaus: Der Heilige erscheint mit unheiligen Begleitern, den Stroh- und Fellbuttnmandln, Krampein und den Ganggerln. Die unheimlichen Gefährten tragen Fell oder Stroh und Glocken und ziehen laut scheppernd von Haus zu Haus. Der Brauch findet traditionell zu privaten Zwecken statt, das heißt z.B. auf die Bestellung von Familien hin, aber die Zahl der Zuschauer steigt. Vom Perchtenlauf unterscheidet sich der Brauch nicht nur durch den Termin.

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Termin

Dieser Brauch ist vom 05.12.2016 bis zum 06.12.2016.
Er findet jedes Jahr zu diesem Datum statt.

Ablauf

Das Buttnmandl-Laufen hat genau vorgegebene Regeln. 1934 beispielsweise wurde es den Berchtesgadenern verboten, einzeln als Buttnmandl umherzuziehen (vgl. Verfügung des Bezirksamtes Berchtesgaden in: Hallinger 2004, S. 16). Bis heute muss man in eine Basse aufgenommen sein, um mitlaufen zu dürfen. Eine Basse ist eine Gruppe, wie sie unter Buttnmandl genauer beschrieben wird. Dafür gibt es strenge Aufnahmebedingungen.

Einbinden und Beten

Die Männer einer Basse treffen sich bereits vormittags an ihrem Treffpunkt - meistens ein geräumiger Stadl. Hier werden die Strohbuttnmandl in Stroh eingebunden. Da das Einbinden jedes Buttnmandl eine Dreiviertel- bis eine ganze Stunde dauert, muss damit schon um 10 Uhr morgens angefangen werden. Die Fell-Buttnmandl können etwas später mit dem Verkleiden beginnen, da das Fell schnell angezogen ist und lediglich bei den Glocken die Hilfe der ehemaligen Mitläufer gefragt ist. Sind alle Buttnmandl mit Larve, Glocken und Ruten ausgestattet, wird der Nikolaus abgeholt. Bei der Weinfelder Bass im Markt Berchtesgaden von zwei Ganggerln. Hinter verschlossenen Türen formiert sich die Bass und man hört ein dumpfes Buttnmandl auf geht’s! durch das Stadl-Tor.

Dann darf niemand anderes als der Nikolaus selbst als erster den Stadl verlassen. Der Zug läuft zu einem benachbarten Ort zum Beten. Die Weinfelder laufen auf das Weinfeld, einen Wiesen-Hügel, hinauf. Es wird ein Vaterunser, ein Gegrüßet seist Du Maria, wie auch ein Engel des Herrn gebetet. Als Abschluss - dieses Mal für die verstorbenen Buttnmandl - folgt noch einmal ein Vaterunser. Beim Gebet müssen die Buttnmandl ihre Loavn (=Larven) abnehmen. Danach besprengt die Bäuerin jeden mithilfe eines Tannenzweigs mit Weihwasser. In einigen der Bassen erklärt jetzt der Buttnmandl-Meister die Laufroute. In diesem Moment darf sich keiner der Zuschauer auf mehr als 300 Meter der Gruppe nähern.

Lediglich ein unheimlicher schräger Klang - das Blasen des Buttnmandl-Meisters durch ein Kuh- oder Ochsenhorn - verkündet, dass sich der Zug auf seinen Weg durch die einsetzende Dämmerung macht. Und damit dürfen die Gefährten des Heiligen Nikolaus auch von ihren Ruten Gebrauch machen. Ab diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer nicht mehr sicher vor den rußig schwarzen Händen der Begleiter.

Die Einkehr

20 bis 30 Familien warten nun gespannt auf den Besuch des Nikolaus. Wenn das erste Glockengeräusch von draußen zu hören ist und das Geschrei der Buttnmandl immer lauter wird, klingt das nicht für nur die Kinder fürchterlich. In manchen Häusern wird der Nikolaus mit einem Schälchen Weihwasser und den Worten Gelobt sei Jesus Christus empfangen. Der Nikolaus antwortet darauf mit den Worten In Ewigkeit Amen. Zu dieser alten, nicht mehr geläufigen, aber ehemals sehr verbreiteten Grußformel heißt es heute, dass auf diese Weise der Teufel abgehalten werden soll, ins Haus zu gelangen (vgl. Hallinger 2004, S. 28).

In der Stubn angelangt sagt der Nikolaus sein Sprüchlein auf (Hallinger 2004, S. 318, 29, 32). Dann kommt für die Kinder der unangenehmste Teil: der Nikolaus ließt die guten oder nicht so guten Taten des vergangenen Jahres vor - gerne unterstützt von einem Furcht einflößenden Knurren und Scheppern der Buttnmandl, die mit hinein durften. Klopft der Nikolaus aber dreimal mit seinem Stab auf den Boden, sind die Buttnmandl ruhig. Man sagt, dass dies das Zeichen dafür ist, dass der Nikolaus über die bösen Geister bestimmt (vgl. Werner 1999, S. 94). Traditionsgemäß spielen nun die Kinder Lieder auf ihren Instrumenten, singen ein Lied oder sagen ein Gedicht auf. Danach bekommen sie in einem Nikolaussackerl Süßigkeiten, Äpfel und Nüsse. Am Ende der Einkehr beten Nikolaus und Familie gemeinsam ein Vaterunser, bei dem die Buttnmandl niederknien.

In manchen Häusern folgt jetzt das Stubn ausramma: Die Buttnmandl zerren dabei mit mehr oder weniger großem Widerstand die Gesellschaft aus dem Haus und reiben sie (bestenfalls) mit Schnee ein. Ist es jedoch ein schneearmer Winter, wird man mit Blättern und Moos auf der Wiese eingerieben oder kurzerhand unter den Strahl des Brunnens gehalten. Kinder und alte Leute bleiben dabei allerdings verschont. Wichtig ist, dass keiner der Rausgerissenen mit weißem Gesicht davonkommt. Dafür sorgen die rußig-schwarzen Hände der Krampein. Höhepunkt für jeden Buttnmandl ist das Buttnmandl-Busserl, das er sich bei den jungen Frauen abholt. Zwischendurch werden die Waden mit der Rute gestrichen. Zimperlich darf man nicht sein, so ist nun mal der Brauch!

Am Ende der Einkehr

Nachdem alle Frauen und Männer ihre Strafe erhalten haben, steht man noch eine Weile versöhnlich vor dem Haus, trinkt gemeinsam Glühwein, Bier oder Wasser - je nachdem, wie fortgeschritten der Abend ist und wie mitgenommen die Buttnmandl sind. Man ratscht noch a bisserl, schließlich kennt man sich ja aus der Nachbarschaft. Um dem Spektakel ein Ende zu setzen, bläst der Buttnmandl-Meister erneut in sein Horn, um die Bass zu sammeln. Dann gibt es noch mal ein gscheids Gleit mit Gschroa und der Hausherr bedankt sich mit einem freiwilligen Beitrag. Am 6. Dezember trifft man sich am Ende des Abends zur Hoagascht, man isst und trinkt zusammen. Manche Bassen, wie beispielsweise die Weinfelder, treffen sich einmal unter dem Jahr zur Hoagascht. Es wird zusammen bei Musik gegessen und getrunken. Hier darf dann auch weibliche Begleitung mitgebracht werden.

Hintergrund-Infos

Regeln

Das Buttnmandl-Laufen wird streng nach Tradition durchgeführt. Deshalb existieren viele Regeln rund um den Brauch, die mündlich weitergegeben werden. Meistens hat jede Bass zusätzlich ihre eigenen Gesetze, besonders was Aufnahmeprüfung und Einbinden anbelangt. Gerade weil die Zuschauerzahl in den letzten Jahren gestiegen ist, scheint das Regelwerk sehr wichtig, damit Ernsthaftigkeit und Tradition des Brauchs erhalten bleiben.

Zeitraum

Die Einkehr des Heiligen Nikolaus findet immer am 5. und 6. Dezember statt. Im Gegensatz zum benachbarten Österreich, wo man die gesamte Vorweihnachtszeit über die unheimlichen Gestalten beobachten kann, findet das Buttnmandl-Laufen nur an wenigen Tagen statt. Ausnahmen vom genannten Termin gibt es in kleinen Gemeinden, wie dem Loipl (erstes Adventwochenende), dem Winkel Land (zweiter Adventssonntag) und Maria Gern (Heiligabend).

Buttnmandl-Versammlung und Aufnahmebedingungen

Für das Buttnmandl-Laufen gibt es einiges im Vorfeld zu organisieren. Auf den Versammlungen an einigen Wochenenden zuvor wird der Buttnmandl-Lauf besprochen und organisiert. Dabei sind die Stammtische sehr beliebt. Die Stammtische sind ausgesprochen lustig und in der Gruppe entsteht ein starker Zusammenhalt, sagt Michael von den Guin. An einem Treffen wird der Buttnmandl-Meister des jeweiligen Jahres gewählt. Er ist Ansprechpartner und Stellvertreter der Bass. Im Laufe der Versammlungen werden die Neuzugänge vorgestellt, die letztendlich bei einer Aufnahmeprüfung sich würdig erweisen müssen, um bei der Bass mitlaufen zu dürfen. Viele Bassen setzen die Gemeinde-Zugehörigkeit des jungen Burschen voraus. Das bedeutet aber nicht, dass er Berchtesgadener sein muss, er muss lediglich aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammen. Die Aufnahmebedingungen werden von jeder Bass streng geheim gehalten. Doch soviel sei verraten: Die Trinkfestigkeit wurde in den letzten Jahren zurückgeschraubt. Heute wird der sportliche Aspekt verstärkt in den Vordergrund gestellt , sagt Christian, selber seit knapp zehn Jahren Buttnmandl bei den Winkler Krampein. Eine gewisse sportliche Kondition ist angesichts der zahlreichen großen Kuhglocken, dem Fell und Stroh und der langen Laufrouten auch nötig. Neben der körperlichen Fitness der Bewerber wird auch geprüft, was der junge Mann über den Brauch, die Bass und ihre Geschichte weiß. Mit großer Neugierde fiebern bereits kleine Jungen dem Tag entgegen, an dem sie endlich selbst mitlaufen dürfen. Sie alle müssen aber mindestens bis zu ihrem 16. Geburtstag warten - das ist ebenfalls Bedingung für die Aufnahme in eine der Bassen. Außerdem darf nur aktiv mitgelaufen werden, solange noch kein Ehering die Hand schmückt.

Unglückszahl

Es gibt eine Regel, die besagt, dass eine Bass niemals aus 13 Buttnmandl bestehen darf. Sollte es vorkommen, dass sich ein Läufer verletzt und die Zahl der Buttnmandl auf 13 Stück schrumpft, so muss ein Weiterer auf den Lauf verzichten, da die Zahl als Unglückszahl gilt. Woher diese Regel kommt, kann nicht genau belegt werden. Rudolf Kriss berichtet von einer alten Ueberlieferung, nach der sich beim Abzählen der Bass immer wieder eine 13. Person eingeschlichen haben soll - […] natürlich kein anderer als der leibhaftige Satan (Kriss 1998, S. 39). Daher gibt es auch Bassen, die nie mehr als 12 Buttnmandl mitlaufen lassen, wie etwa die Oimberger am Ettenberg. Ausgenommen sind bei der Zählung die Ganggerl.

Kirche und Weihwasser

Der christlich-religiöse Aspekt bei diesem Brauch tritt immer wieder zum Vorschein und wird von den Läufern sehr ernst genommen. So geht jeder der aktiven Mitglieder am Sonntag vor dem Buttnmandl-Lauf in die Kirche, um sich Gottes Beistand und Segen zu erbitten. Wer nicht in der Kirche war, läuft nicht, scheint ein weiteres ungeschriebenes Gesetz zu sein. Ich zum Beispiel, könnt das nicht mit meinem Gewissen vereinen - da hätte ich ein komisches Gefühl, meint ein aktiver Buttnmandl. Auch das Weihwasser, mit dem die Bäuerin den Zug nach ihrem Gebet und kurz vor dem Loslaufen besprengt, hat religiösen Hintergrund.

Material

Vor dem Lauf gibt es allerhand Material zu beschaffen. Damit muss frühzeitig begonnen werden. Der Brauch beschränkt sich also für die Aktiven keinesfalls nur auf die Adventszeit.

Stroh

Das Stroh für die Stroh-Buttnmandl wird heute im Voralpenland von den Buttnmandl selber geerntet, und das bereits einige Monate vor dem Lauf, im August und September. Die Strohverkleidung lässt darauf schließen, dass früher auch im Berchtesgadener Land einige anspruchslose Getreidesorten wuchsen (vgl. Werner und Werner 1999, S. 94). Der Getreideanbau lohnte sich aber im Laufe der Zeit für die Bergbauern nicht mehr - er wurde aufgegeben.

Loavn - Larve

Je nach Larven-Art wird die Kopfvermummung selber gebastelt oder von einem Schnitzer angefertigt. Fell-Larven werden in der Regel selbst gemacht. Holz-Larven wie sie die Fell-Krampein tragen, werden meistens von einem in Berchtesgaden ansässigen Schnitzer angefertigt. Einige der Larven tragen echte Kuhhörner, die direkt vom Schlachthof kommen.

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Berchtesgadener Krampei-Loavn

Gascht’n (Weidenzweige für die Ruten)

Die Weidenzweige für die Ruten werden vor dem ersten Frost gepflückt. Sie werden über Wochen eingelegt, damit sie zum Flechten elastisch bleiben . Meist werden die Gascht’n von den Neulingen gepflückt. Beim Ruten-Binden unterstützen die jungen Mitglieder der Bass die Neuzugänge - ein Zeichen für den hierarchisch angelegten Brauch: Je älter man wird, desto höher der Rang.

Glocken

Die Glocken sind mit das wichtigste Utensil der Buttnmandl. Schließlich verdankt dieser Brauch seinen Namen dem (Glocken-) Rütteln (vgl. Werner u. Werner 1999, S. 95). Werner gibt zweierlei Erklärungen für das Glocken-Scheppern: als Dämonenabwehr oder als Erweckungsbrauch, um das neue Jahr und das neue Leben bildhaft zu wecken (vgl. Werner u. Werner 1999, S. 95) - letztlich kann dafür aber keine verlässliche Quelle genannt werden, die das bestätigt. Die Glocken bestehen aus Bronze, Blech oder Kupfer, und werden teils auch bei Bauern geliehen (vgl. Werner u. Werner 1999, S. 93). Im Vergleich zu früher werden heute viel größere Glocken aufgebunden. Auch bei der Zahl der Glocken gilt: Je mehr Glocken, desto besser, und desto angesehener der Krampei.

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Zur Geschichte des Buttenmandl-Laufens

Ein Ursprungsjahr des Buttnmandl-Laufens ist nicht auszumachen. Zeitzeugenberichte zum Buttnmandl-Laufen sind erst aus dem 19. Jahrhundert überliefert (vgl. Hallinger 2004, S. 6). Einzelne Elemente, die zum heutigen Brauch gehören, sind freilich viel älter.

Kontroversen gibt es darüber, ob die Maskierungen und ihr Treiben schon immer rein christlich geprägt sind oder ob sich dahinter nicht doch Überlieferung aus längst vergangenen Zeiten verbirgt. Bei Nachforschungen wird das Buttenmandl-Laufen wird auch mit dem Perchtenlauf in Zusammenhang gebracht sowie die Buttenmandl mit den Perchten.

Einkehr des Heiligen Nikolaus

Der Einkehrbrauch, den Heiligen Nikolaus zu Erziehungszwecken vor Kindern auftreten zu lassen ist schon alt. Bereits aus dem 12. Jahrhundert ist bekannt, dass der Heilige Nikolaus böse und faule Schüler mit der Zuchtrute bestrafte, während er gute belohnte (vgl. Kriss 1998, S. 40). Der Nikolaus spielte bei der Glaubenserziehung und der christlichen Unterweisung der Kinder also eine große Rolle (Moser 2002, S. 38).

Dass ausgerechnet dieser Heilige mit den Schülern in Verbindung gebracht wird, geht auf eine der zahlreichen Legenden um die Gestalt des Nikolaus zurück. Der Legende nach erweckte Nikolaus von Myra drei reisende Schüler zum Leben, nachdem sie von einem geizigen Wirt ermordet worden waren. Nikolaus von Myra wurde zum Patron der Schüler (vgl. Kriss 1998, S. 40).

Kehrt der Nikolaus heute beim Buttnmandl-Lauf ein, wird er von einer guten und einer bösen Gestalt begleitet. Das Gute ist durch das Nikolausweibi oder das Engerl verkörpert. Sie verteilen Süßigkeiten an die Kinder. Die bösen Begleiter sind die Fell- und Strohbuttnmandl, Krampein und Ganggerl, die statt der Leckereien gerne Schläge mit der Rute austeilen.

Dietz-Rüdiger Moser sieht den Ursprung der Begleitgestalten des Nikolaus einzig im christlichen Glauben (vgl. Moser 2002, S. 38). Die heutigen Nikolausbräuche gehen sämtlich auf das Institut des examinierenden Bischofs zurück, das in seinen Vorformen bis in das Hochmittelalter zurückreicht (Moser 2002, S. 38). Die verschiedenen Erscheinungsformen des Brauchs mit den gespielten Rollen haben sich danach aus den Adventsspielen herausgebildet.

Verschmelzen der Bräuche verschiedener Kulturkreise?

Auch in der Forschung war immer wieder von einer vorchristlich-heidnischen oder germanischen Tradition die Rede, auf die die Maskierung der Begleiter des Nikolaus zurückgehen könne (vgl. Kriss 1998, S. 40-41). Das ist aber nur eine Theorie und aus heutiger Sicht nicht haltbar. Trotzdem wird in Brauchbüchern für jedermann heute gerne geschrieben, die Verkleidungen (Tiermasken, Stroh) hätten etwas mit vorchristlichen, germanischen Fruchtbarkeitsbeschwörungen zu tun. Das gleiche gelte für den Fruchtbarkeitsschlag mit der Lebensrute (vgl. Werner u. Werner 1999, S. 95). Die Germanen selbst haben aber nichts hinterlassen, was diese Vermutungen und Deutungen zu Tatsachen machen könnte.

Der Volksmund als auch die Bassen selbst deuten ihr Tun so, als ob der Ursprung des Brauchs sowohl dem christlichen Glauben als auch dem heidnischen Kulturkreis entspringe. Paul Werner meint, er habe mit dem Buttnmandl-Laufen eine kultische Überhöhung des christlichen Brauchs der Einkehr des heiligen Nikolaus vor sich (vgl. Werner u. Werner 1999, S. 94).
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Der Brauch im Laufe der Zeit

Der Brauch des Buttnmandl-Laufens ist heute sehr beliebt. Die Begeisterung für das Maskieren und die damit verbundenen Bräuche geht bereits aus den Ratsprotokollen des 17. Jahrhundert hervor (vgl. Hallinger 2004, S.6). Ihnen ist zu entnehmen, dass die Obrigkeit derartiges immer wieder verboten hat.

Es ist faszinierend, dass die Begeisterung für diesen Brauch nie abgerissen ist und bis heute anhält, sagt Michael, langjähriger Krampei bei den Guin: Gerade die Jugend steht hinter dem Brauch - die Jungen können es kaum erwarten, bis sie endlich selber laufen können, fügt er hinzu. Obwohl man sich schon Wochen vorher regelmäßig zu den Buttnmandl-Versammlungen trifft, ist der Lauf selbst für viele der Höhepunkt. Im Vergleich zu früher sieht man heute mehr Ganggerl in den Bassen - eine Auswirkung der zunehmenden Zuschauerzahl. Mehrere Helfer sind heute erforderlich, um die Bass zusammenzuhalten.

Das Aussehen der Buttnmandl hat sich vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten gewandelt. Noch in den 1970er Jahren waren die Männer nur mit Fell-Resten oder dürftig mit Stroh verkleidet (vgl. Hallinger 2004, S. 49). Betrachtet man die Krampein heute, sieht man flauschiges Fell, das aus den Männern unmenschliche Erscheinungen macht. Auch das Stroh ist dichter geworden. Bemerkenswert ist, dass viel mehr auf das prachtvolle Aussehen Wert gelegt wird. Vor allem sind heute die finanziellen Mittel dazu gegeben. Erst seit einigen Jahrzehnten ist es den Aktiven möglich, ca. 400 Euro oder mehr in die Ausrüstung zu investieren. Allerdings ist es üblich, dass Fell und Larven von den Ausgeschiedenen an die Jungen weitergegeben werden. Das Äußere wandelt sich, aber die Bedeutung, die der Brauch für die Ausübenden hat, die bei ihrer Tradition bleiben, bleibt gleich.

Siehe auch

Buttnmandl

Literatur

  • Hallinger, Martin: Der Nikolaus und seine Buttnmandl. Berchtesgaden 2004.
  • Kriss, Rudolf: Sitte und Brauch im Berchtesgadener Land. Berchtesgaden 1998.
  • Meisen, Karl: Nikolauskult und Nikolausbrauch im Abendland. 1931.
  • Moser, Dietz-Rüdiger: Bräuche und Feste durch das ganze Jahr. Freiburg 2002.
  • Schmeller, Johann Andreas: Bayerisches Wörterbuch, Reprint München 1996.
  • Werner, Paul/Werner, Richilde: Weihnachtsbräuche in Bayern. Kulturgeschichte des Brauchtums von Advent bis Heilig Dreikönig. Berchtesgaden 1999.
  • Bildnachweis: Amelie Thomé (alle)

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