Benutzer    Passwort
neues Benutzerkonto anlegen
Neu 
RSS

Assyrisches Theater in Augsburg

Durchstarten: Dieser Artikel ist informativ. Wir freuen uns über weitere Ergänzungen!
Assyrisches Theater in Augsburg gibt es auch an einem anderen Ort?
Ziehen Sie den roten Marker auf die Stelle
(Ort, Land oder Lng,Lat)

eingetragene Orte    Details/Wechseln    Verbreitungsgebiet    Zoom mit Mausrad
Bräuche > Bayern > Schwaben
Bräuche > Deutschland
Geprüfte Artikel > Gelber Artikel


Der Mesopotamienverein Augsburg e.V. konnte in mehreren Theateraufführungen durch die Regisseurin Ellen Stewart mit dem Meta Theater München einen Teil ihrer kulturellen Identität aufarbeiten. Dabei wurde als Hintergrund das Enuma Elisch, der einen Einblick in die sumerische Götter- und Glaubenswelt liefert.

Das Enuma Elisch

Mit Enuma Elisch besitzen wir in der akkadischen (babylonisch-assyrischen) Literatur ein kosmogonisches Lehrgedicht ersten Ranges. Benannt ist das Enuma Elisch nach den ersten beiden Worten seiner Anfangszeile: Als oben.... Das Enuma Elisch ist in sieben Tafeln eingeteilt. Es ist vermutlich im 12. Jahrhundert v.Chr. entstanden.

Ziel des Enuma Elisch war die Rechtfertigung der Rolle des Gottes Marduk als Hauptgott. Am Anfang gab es nur Apsu und Tiamat, das (männliche) Süßwasser und das
Assyrer Marduk.jpg
(weibliche) Salzmeer. Die beiden vermengten ihre Wasser. Daraus entstand das Paar Lachmu und Lachamu, die wiederum Anschar und Kischar zeugten. Von letzteren stammen dann der Himmelsgott Anu, der weise Ea (Beiname: Mudimud) und viele weitere Götter ab.

Die jungen Götter störten durch ihr Lärmen den greisenhaften Apsu, und der fasste den Plan (zunächst gegen Tiamats Einspruch), die jungen Götter zu töten. Ea kommt dem bösen Anschlag zuvor. Er schläfert Apsu mit einer Beschwörungsformel ein und tötet ihn. Mummu, APsus Wesier, setzt er gefangen. Dann erzeugt Ea Marduk, den eigentlichen Helden der Dichtung. Tiamat bereitet einen Rachefeldzug gegen die Götter vor. Sie ernennt ihren Sohn Kingu zum Herrn über die Götter und bergibt ihm die Schicksalstafeln. Weder Ea noch Anu können etwas gegen Tiamat ausrichten. Da fordert Anschar Marduk auf, gegen Tiamat zu kämpfen. Marduk macht seine Zusage davon abhängig, dass Anschar ihn in der Götterversammlung zum obersten Gott ernennt. Bei einem Bankett huldigen alle Götter Marduk.

Bewaffnet mit Pfeil und Bogen, Keule und Fangnetz, begleitet von elf Winden (gegen die elf Ungeheuer der Tiamat) zieht Marduk aus. der böse Wind fährt Tiamat in den Leib und lässt sie den Rachen aufsperren. Da schießt ihr Marduk einen Pfeil in die Gedärme. Er bindet die elf Ungeheuer, nimmt Kingu die Schicksalstafeln ab und setzt ihn fest. Er spaltet Tiamat, richtet ihre obere Hälfte als das Himmelsgewölbe auf und macht aus der unteren Hälfte die Erde.

Marduk weist allen Göttern ihren endgültigen Herrschaftsbereich und den Gestirnen ihren Lauf zu. Nachdem nun die Welt eingerichtet ist, erschafft Marduk nach dem Plan seines Vaters Ea den Menschen aus dem Blut des gefangenen Kingu. Zweck der Menschenschöpfung ist es (hier und zahlreichen anderen Mythen), dass die Götter durch eine ihnen dienstbare Menschheit ernährt und versorgt werden und selbst keiner Arbeit frönen müssen. AM Ende des Lehrgedichtes werden feierlich die fünfzig Namen Marduks verkündet.

Szenenfolge

Szenenfolge:

1. Festvorbereitung I.

Heute Abend wird gefeiert. Das Neujahrsfest. Man trifft sich, um zu besprechen, was noch zu tun ist. Wer kümmert sich um was? .... um Speis und Trank? ... um Musik, Tanz und Theater? Die Ideen sprudeln. Den letzten Wunsch haben die Kinder die sind begierig Geschichten aus der Heimat zu hören. Die älteste Geschichte überhaupt, der Schöpfungsmythos Enuma Elisch steht auf der Wunschliste ganz oben. Doch wer kann sich an ihren Verlauf erinnern? Ein altes Buch taucht auf. Dem alten Geschichtenerzähler auf die Sprünge zu helfen, lesen die Kinder ihm den Anfang des Epos vor - und: er beginnt sich zu erinnern. Aus seiner Rede formt sich die Geschichte zu bewegten Bildern und nimmt ihren dramatischen Lauf.

2. Der Streit um den Anfang

Begehrlich nacheinander vermischen Tiamat und Apsu ihre Wasser. Daraus entstehen ihre Kinder und Kindeskinder. Als nun die Heranwachsenden sich ihrer Kraft gewahr, und von daher übermütig werden, beginnt Tiamat, die Urmutter, zu wüten und zu zetern, denn sie fühlt sich durch ihr Getanze, ihr Lärmen gestört. Trotzdem handelt sie nicht. Apsu, ihr Gatte, erbarmt sich ihrer, und verkündet laut: Ich werde sie alle vernichten.

3. Apsus Tod

Die jungen Götter sind entsetzt, sind ratlos. Alle, bis auf Ea. In seiner Not besinnt er sich auf eine List. Nachdem er die anderen von seinem Plan überzeugt hat, überwältigt er Apsu im Schlaf, und tötet ihn grausam.

4. Die Klage

Daraufhin wenden sich die alten Gottheiten voll Schmerz und Klage an psus Gefährtin: Tiamat, Kampf hat stattgefunden. Räche du uns, reduziere zum Nichts. Tiamat fühlt sich herausgefordert.

5. Die allmächtige Mutter Tiamat

Die jungen Götter zu vernichten, fertigt sie grausamste Waffen und schafft entsetzliche Wesen. Ea berät mit seinem Vater Anschar, was zu tun sei. Durch diesen ermutigt, zieht er kühn in den Kampf, nun auch die Mutter zu besiegen - vergeblich. Unfähig die Hand gegen sie zu erheben, kehr er unverrichteter Dinge zurück. Vater, ich bin Tiamats Taten nicht gewachsen (...) Ihre Kraft ist zu mächtig, sie ist voller Schrecken. (...) Doch mein Vater, verliere die Hoffnung nicht. Schicke einen anderen zur ihr (...).

6. Marduks Bedingungen

Allein Eas Sohn Marduk kann Tiamats Allmacht noch brechen. Dieser ist bereit. Unter der Bedingung, dass man ihn zum König erhebt, dass man ihm alle Mächtigkeit und Entscheidungskraft zuspricht. Mein Wort, und nicht mehr das Eure, soll fortan das Schicksal bestimmen.

7. Festvorbereitungen II.

Währenddessen sind die Festvorbereitungen in vollem Gange. Essen und Getränke werden im Saal verteilt. Die Dekorationsutensilien sind auch schon eingetroffen. Man diskutier: Wo soll das angebracht werden, was fehlt noch? Hier singt eine Gruppe und übt einen Tanz. Die Kinder überlegen sich Spiele, die sie am Abend spielen können. Dort diskutiert man über Marduks kühnes Vorhaben.

8. Der Rächer Marduk

In diese Gesellschaft platzt Anschars Minister Gaga. Er informiert sie über Marduks Plan. Die Gesellschaft wird zum Götterrat, berät sich über das Gehörte und entscheidet nach langem hin und her: Marduk soll ihr Rächer sein.

9. Tiamats Tod

Ermächtigt zieht Marduk los. Als er der medusenhaften Tiamat gegenübersteht, schwinden seine Kräfte. Bekräftigt durch die anderen, ermannt er sich erneut und spricht sie an. Von da an ist er sich des Sieges gewiss, tötet Tiamat und legitimiert dadurch seine Herrschaft und sein Königtum. Zum Dank für seine Heldentat erbauen die Götter Babylon, die Häuser der großen Götter.

10. Das Göttliche Fest III.

Die Geschichte ist erzählt, die Welt hat ihren Anfang genommen und die Himmlischen sind begeistert. Höchste Zeit ist es, ihren Helden Marduk beim Neujahrsfest mit Gesang und Tanz, Nektar und Ambrosia zu feiern.

Hintergrund-Infos

Kultureller Hintergrund

Die assyrischen Christen sind in Deutschland nur den wenigsten bekannt, obgleich mittlerweile auch hier mehrere tausend von ihnen leben. Die assyrischen Christen stammen von den altorientalischen Völkerschaften der Assyrer, Chaldäer Babylonier, Sumerer und Aramäer ab. Ihre Sprache, die auf die Sprache Jesu zurückgeht, ist das Aramäische mit ausgeprägten regionalen Dialekten. Die Assyrer sind beinahe ausnahmslos Christen und gehören sechs Konfessionen an.

Geschichtliche Einordnung und Genozid:

Im Osmanischen Reich mussten die Christen nicht zum Islam übertreten, solange sie die islamische Oberhoheit akzeptieren und diese nicht bekämpften. Im Gegensatz zu den Moslems mussten sie allerdings Steuern zahlen und waren verachtete, ausgeplünderte Bürger zweiter Klasse. Als im 17. Jahrhundert der Niedergang des Osmanischen Reiches einsetzte, versuchten sich die europäischen Staaten immer mehr in die inneren Angelegenheiten einzumischen, angeblich zum Schutz der Christen. Diese Aktivitäten und das wachsende Nationalgefühl der einzelnen Völker in diesem Großreich ließen die islamischen Kräfte wachsen. Sie sahen plötzlich in den Christen keine loyalen Untertanen mehr, sondern Kollaborateure, die am Untergang des Osmanischen Reiches zu Beginn dieses Jahrhundert mit Schuld waren. Dafür mussten sie verheerende Verfolgungen und Massaker erleiden, die schließlich in dem gipfelten, was als Völkermord an den Armeniern, Assyrern und Griechen in die Geschichte eingegangen ist. 1914/15 fand der Genozid an den assyrischen Christen statt - mindestens 500.000 verloren dabei ihr Leben. Unter Berücksichtigung von Zwangsislamisierungen und Entführungen von Kindern und Frauen haben die Assyrer damals zwei Drittel ihres Volkes verloren.

Diaspora - Assyrer in Augsburg

Die assyrischen Christen ließen sich aufgrund von Verfolgungen und Bedrohung als Gastarbeiter anwerben. Sie fühlten sich in den christlichen Ländern sicherer als in ihrem islamischen Heimatland. Nachdem es nicht mehr möglich ist, als Gastarbeiter nach Europa kommen, versichern sie nun, als Asylbewerber einen Weg in die christlichen Länder zu finden. In den letzten 20 Jahren verließen nahezu 90% der Christen den Tur Abdin, ihr angestammtes Gebiet. In Augsburg wurde für das Anliegen der Assyrer 1978 der Mesopotamienverein gegründet, der bei der Gestaltung von vielen Stadtfesten seinen Platz hatte. Seit 1993 ist der assyrische Verein durch das Theaterstück Gilgamesch auf diesem Gebiet sehr aktiv geworden.

Gewährspersonen

Mesopotamienverein Augsburg e.V.

Weblinks

Belege, Literatur

  • Mesopotamienverein Augsburg e.V.: Babylon. Metat Theater Produktion. Assyrisch-Deutsches Theater enführt in die Götterwelt Mesopotamiens. Augsburg 1999.

Förderung

Dieser Artikel wurde im Rahmen des Bundesprogramms TOLERANZ FÖRDERN - KOMPETENZ STÄRKEN gefördert.

Komblogo3.JPG

Kommentare


blog comments powered by Disqus



Diese Seite wurde zuletzt am 2. Juni 2016 um 07:12 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 4.791-mal abgerufen (to Cache).