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Anklöckeln

Volle Fahrt voraus: Dieser Artikel ist sehr informativ und empfehlenswert!
Bräuche
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Das Anklöckeln ist „ein ziemlich schwieriger und zusammengesetzter Brauch, der aus der Altschicht des alpenländischen Brauchtums entspringt und in zahlreichen Variationen auftritt (nach: Wolfram 1955, S. 205f.). Der Name kommt ursprünglich auch von „klocken“ = klopfen (Wolfram 1955, S225). Je nach Region kann es, entsprechend der Gaben oder besonderer Requisiten, unterschiedliche Namen für den Brauch geben.
Das „Kletzein“ ist entsprechend auf die Gabe der Kletzen zurückzuführen.
Die Umzugsgruppen erregen durch Läuten eines Glöckchens, durch Singen oder Klopfen die Aufmerksamkeit der Hausinsassen.
Der Brauch hat vegetationskultischen Sinn und Ursprung. Es galt hier den bösen Mächten dieser Nächte ihre Kraft zu nehmen (nach: Koren 1986, S43). Später wurde er, anhand der vielen christlichen Verse sichtbar, christianisiert.
Das Anklöckeln gehört zur Gruppe der Heischebräuche, bei denen Gaben erbittet werden (nach: Rauchenecker 1985, S172).
In manchen Gegenden kehren die Anklöckler ein, in diesen Gegenden kann dann von einem Einkehrbrauch gesprochen werden, eine Sonderform der Heischbräuche.

Verbreitung

Auf alle Erscheinungsformen kann hier nicht eingegangen werden. Viele Bezeichnungen für das Anklöckeln sind auf engstem Raum beschränkt, so wird beispielsweise nur um Tittmoning „Anroin“ gegangen (vgl. George 1979, S.107).
In Österreich
Das Salzburger Land mit Ausnahme des Lungaus, wo das Anklöckeln seit alters nicht heimisch ist, kennt man den Brauch an den Donnerstagen des Advents. Unter ihnen finden wir in der Hauptsache drei Erscheinungsformen. Im nordwestlichen Flachgau und im Rupertiwinkel (heute Bayern) die „Klezi-Klezi“, im Pinzgau heute vor allem das „Herbergsuchen“ mit Josef, Maria und den Hirten, im Pongau, Tennengau und südlichen Flachgau die sogenannten „Lustigen“.
Nach Süden reicht das Anklöckeln im Advent bis Südtirol und Kärnten.
Nach ihrem Rufe: „Krupf, Krupf! I möchte an Krapfen oder Guglhupf!“ heißen sie jenseits des Hausrucks auch die „Krupf-Krupf“ (vgl Wolfram 1955, S.213ff.).
In Bayern
Der Brauch des „Klopfagehn“ war und ist zwischen Salzach und Inn mehr verbreitet als zwischen Inn und Lech. Dort ist es teilweise unbekannt. Die Flüsse wirken auf Brauchtümer durch ihre Grenzgebung ein. So stellt der Lech, von der Landnahme im fünften Jahrhundert, bis heute die Grenze zwischen zwei bayerischen Stämmen, den Alemannen und Bajuwaren, dar (vgl. Hager, Heyn 1988, S.31). Die Salzach bildet heute eine politische Grenze, doch gehörte der Rupertiwinkel bis Anfang des 19. Jahrhunderts zum Erzbistum Salzburg und hat so bei Brauchtümern noch einen großen Einfluss auf dieses Gebiet. Eine besondere Form, mit Rätselfragen, entwickelte sich dabei in Tittmoning.
In der Wasserburger Gegend durfte beim Klopfagehn auch nicht gesprochen werden.
In Schwaben heißen die Donnerstage entsprechend des Dialekts Klöpflesnächte (Wolfram 1955, S.225). Für das Spital zu Augsburg ist in einer Pfründenordnung von 1462 bis in alle Einzelheiten geregelt, dass u.a. „an den 3 Donnerstagen nechten vor wichennächten genannt die klöpflisnecht“ ein jeder einen Krapfen von ½ Pfund erhalten soll (Werner, Werner 1999, S.291) Die überlieferten Verbote, unter anderen aus München, Augsburg und Nürnberg, zeigen uns, dass Anklöcklergruppen folglich auch in Franken unterwegs waren.
Aus dem Bayrischen Wald sind ebenfalls Verse überliefert (vgl. Rattelmüller 1985, S.26).
Sonstiges Verbreitung
Eine Sonderform, das Klopfen ohne Gabenheischen, ist von links des Neckars bis nach Elsaß überliefert. Bei dieser Form werden kleine Gegenstände wie Erbsen, Steinchen usw. an die Fenster geworfen und die Bewohner somit aus dem Haus gerufen (Dieter 1966, S.18).
Da das Anklöpfeln der Altform des alpenländischen Brauchtums entspringt, liegt es nahe, dass auch in der Schweiz ein entsprechender Brauch durchgeführt wird. Hier heißt er „Bochseln“ (vgl. Wolfram 1955, S.208).

Personen

Beim Anklöckeln ist eine soziale und Altersschichtung festzustellen. Bei Tag gehen die Kinder und armen Leute, abends die Anklöckler, die es „wegen des Brauches“ tun (Wolfram 1955, S.206). Vor allem Knechte und Mägde zogen um, bei standesbewussten Bauern war es jedoch noch bis zuletzt verpönt. In Zeiten größerer Armut haben sich viele Anklöcklergruppen eine kleine Reserve für den Winter erbettelt. Dafür bietet sich als haltbares Lebensmittel gerade das Kletzenbrot an.
Auch die Salzachschiffer, die im Winter arbeitslos waren, waren besonders als Klöpfer bekannt (nach: Aiblinger 1976, S.27).
Heute sind die Anklöckler in der Regel sehr jung, etwa im Grundschulalter. Denn nur diese Kinder haben noch größere Freude an kleinen Geschenken und etwas Kleingeld.
Bei Jugendlichen überwiegt die Scham. Erwachsene kommen als Begleitung hinzu oder um den Brauch wieder zu beleben.

Erscheinung

Die Anklöckler laufen in Lumpen, regional unterschiedlich auch schwarz oder weiß verkleidet, von Haus zu Haus. Arme Leute, die den Heischebrauch ausführten, konnten nur in Lumpen auftreten. Besonders aufwändig sind die Verkleidungen bei Umzügen in Teilen Österreichs, die jedoch mit einem anderem Datum, der Dreikönigsrauhnacht, in Verbindung gebracht werden (vgl. Wolfram 1955 , S.208).
Mit Schellen, Hammer oder Stöcken –heute auch durch Leuten an der Türglocke- machen die Anklöckler auf sich aufmerksam.
Das Gesicht ist meist rußgeschwärzt, in manchen Gegenden werden sogar Masken getragen.
In ihrer Verwandlung konnten sie ursprünglich als Verkörperer von Kräfte und Mächten gelten, die ein gutes Jahr herbei bringen.
Die Maskierung, auch das Gesichtschwärzen, was als besonders einfache Art des Maskierens betrachtet wird, trägt zu einer Verwandlung bei.
Die Farbe schwarz und weiß sowie der Ruß stehen in Verbindung mit dem Totenkult (nach Wolfram 1955, S.208). Das Tun der Anklöckler ist vielfach geheimnisvoll. In der Wasserburger Gegend war es üblich, dass sie sich mit den Hausbewohnern nur nonverbal verständigten (nach Hager, Heyn 1988 S.38).
Neben dem mystischen Sinn des „Verwandeltseins“ hat die Erscheinungform der Anklöckler noch den praktischen Nutzen, verborgen zu bleiben, entweder aus Scheu oder aus Spaß.

Erwartungen der Beteiligten

Die Maskenläufer der Winterzeit verkörperten einst das Totenheer, als solche konnten sie auch das Gedeihen bringen, „denn was eingeht in die Erde hat auch Macht über das, was aus der Erde sprießt“ (Wolfram 1955, S.227).
Die Lieder und Sprüche der Anklöckler beinhalten neben dem Heischen, Segenswünsche auf sämtliche Bereiche, die den Bauern wichtig sind. Folglich hofften diese, durch den Brauch auf ein gutes Jahr.
Es gab die Annahme, dass mehr Anklöckler auch mehr Ertrag bedeuten würde. In kargen und dem Brauchtum kritisch gegenüberstehenden Zeiten sah es jedoch anders aus.
Wurde ein Hof ausgelassen waren die Hausleute gekränkt, denn was man in der Weihnachtszeit schenke, komme im nächsten Jahr doppelt herein (nach Wolfram 1955, S.229).
Das Klopfen hat nicht nur die Bedeutung des höflichen Anklopfens an eine Türe, sondern kann mit der Vertreibung von Übel verbunden werden, wie wir aus dem oft sehr starken Schlagen bei ähnlichen Bräuchen weitum erkennen können.
In der Millstätter Gegend bespritzen die eintretenden Klöckler die Hausbewohner mit Wasser aus Hollerspitzen, denn dadurch gebe der Roggen im kommenden Jahr besser aus (Wolfram 1955, S.228).
Die Klöckler können unterschiedliche Ansprüche an den Brauch stellen. Identiätsstiftend ist es für die, die den Brauch als Kulturgut erhalten wollen. Dazu gehören vor allem das alte Liedgut und die überbrachten Verse, sowie markante Umzüge in entsprechenden Gebieten.
Als Heischebrauch steht der Erhalt von Geschenken im Vordergrund. Das erklärt auch warum in der heutigen Zeit nur noch sehr junge Kinder heischen gehen.

Kletzen und Kletzenbrot

„Kletzen“ ist die Bezeichnung für Dörrbirnen in Teilen Österreichs und Bayerns. Das Wort hat seinen Ursprung im mittelhochdeutschen, „kloezen“, das „spalten“ bedeutet. Es kommt daher, da die Birnen vor dem Trocknen gespalten werden. Für die Herstellung von Kletzen braucht man spezielle Birnensorten. Die Birnen werden erst eine zeitlang gelagert, regelmäßig gewendet und nach Qualität überprüft. Durch die Lagerung erhalten die Birnen eine spezielle Süße (unbekannt, unter: www.brauchtumsseiten.de/a-z/k/kletzenbrot/home.html). In einem Dörrofen werden sie in der Nachhitze des Backofens für den Winter haltbar gemacht. Auch früher hatte nicht jeder Bauer einen entsprechenden Ofen, so dass sich mehrere für das Dörren zusammen getan haben. Unter ständiger Kontrolle der Temperatur waren die Birnen erst nach ca. eineinhalb Tagen fertig.

Das Kletzenbrot ist eines der ältesten Weihnachtsgebäcke und wird vor allem im österreich-ischen, bayerischen und schwäbischen Raum gebacken. Das Brot ist einfach herzustellen, sogar auf zusätzliches Süßen wurde aufgrund der Eigensüße der Kletzen verzichtet. Das Kletzenbrot wird sehr stark mit dem Anklöcklerbrauch verbunden. Es gilt selbst schon als Fruchtbarkeitssymbol. Neben der einfachen Laibform wurde es in Symbolen gebacken: Wenn die Bäuerin hat an rechten Reim haben wollen mit einem Viech, hat sie das Anklöcklerbrot in der Form dieses Tieres gebacken (Wolfram 1955, S.229).
Der Termin für die Herstellung des Brotes liegt um den Andreastag (30.November). Um diesen Zeitraum beginnen auch die Klöpfelnächte.
Angeschnitten und vom Hausvater verteilt wurde das Kletzenbrot erst am Heiligen Abend oder am Stephanstag (26. Dezember).
Besonders den armen Klöcklern kam die lange Haltbarkeit zugute.

Bedeutung der Donnerstage

Sehr auffällig ist es, dass die Umzüge so streng an die Donnerstage gebunden sind.
Der Donnerstag verdankt seinen Namen dem germanischen Donnergott Donar, auch Thor genannt. Das Anklöckeln geht in der Form der Neujahrswünsche wohl auch auf die vorchristliche Zeit zurück.
Bis ins 17. Jahrhundert wurde der Donnerstag heilig gehalten, die Esten stellen ihn sogar über den Sonntag (nach Wolfram 1955 S225). Im alten Glauben haben Ahnen und Geister einen hohen Stellenwert, dadurch behielt der Donnerstag sein geheimnisvolles Antlitz, besonders an den drei letzten vor der Heiligen Nacht.
Eine Stimmung voll Ungewissheit wurde auch durch den christlichen Gründonnerstag aufrecht erhalten, der als Gedächtnistag des größten Geheimnisses eingesetzt ist (vgl. Koren 1986 S42). Besonders am dritten Donnerstag schimmert eine besondere Gefährdung durch. Es heißt: „Da geht man nicht, weil der Teufel mitgeht.“ Ob am dritten Donnerstag noch gegangen werden darf, ist in manchen Regionen umstritten. Eine Regel, die jedoch nicht überall gilt, besagt, dass geklöpfelt werden darf, wenn der Donnerstag vor dem vierten Adventsonntag liegt (nach Rattelmüller 1985, S.24).

Missbrauch

Der Ruf des Anklöckeln litt unter Missbräuchen bei der Ausführung des Brauchs, der sozialen Schicht der meisten Anklöpfer und durch die Bettelei, die mit dem Heischebrauch verbunden ist.
Die Folge sind zahlreiche amtliche Verbote. Bekannte Missbräuche sind Raufereien.
„Wann zwoa Anklöcklapassn zsammkemma san, habn sie g´raft“(mündlich überliefert).
Tote, die bei solchen Raufereien offenbar auch zu beklagen waren, hatten aufgrund des Aberglaubens in Zusammenhang mit Teufel und Dämonen kein Recht, begraben zu werden (vgl. Wolfram 1955, S221).
Üblich war es bis in jüngster Zeit, dass die Anklöckler bei unfreundlichen und geizigen Hausbewohnern die Bettelsäcke aufschnitten und die wenigen Geschenke verstreuten.
Die Anköckler forderten so manchen Hofbesitzer heraus, verstreuten zudem auch Späne, Stroh und Abdreschmaterial im Hof oder Flur des Hauses (nach George 1988 S 112).
Die Verse waren mitunter sehr fordernd und mit Drohungen versehen:

Kletzn raus! Kletzn raus!
Oder mir schlagn a Loch ins Haus.
Wollt´s uns nix gebn,
Tean ma an Zaun umlegn,
D´ Henna daschlagn
Und an Glockl no verjan. (Hager ,Hayn 1988, S.36).

Im Wandel der Zeit

Aufzeichnungen über das Anklöckeln finden sich erst im 15. Jahrhundert. Eine Handschrift der Münchner Staatsbibliothek des Jahres 1454 zählt zu den ältesten Belegen des Klöpfelns: „Das Adventt pringet dir hohen mutt, das ein andere zeitt nit tutt, wann die Clöpfflinsnächt für ware pringt dir Glück und Hayl zu diesm Jahre“ (Oelwein 2006, S. 45f.) Entsprechend des Bibelzitats: „Wer anklopft, dem wird aufgetan“(Mt 7,7) nahm die Kirche den Brauch im Christentum auf (Werner, Werner 1999, S.39). Eine bis heute gültige Beschreibung des Brauchs findet sich im „Weltbuch“ des Sebastian Franck von 1534:
„Drei Dornstag vor Weihnacht klopffen die maydlin und knaben von hauß zu hauß/ Durch die statt an den thüren an/ die Zukunft der Geburt des Herren verkündigende/ und ein glückseliges jar den einwonern wünschende/ darvon entpfahen sy von den haussessigen öpfel/ birnen nusß und auch Pfennig zu Jar.“ (Werner, Werner 1999, S.291)
Für das Spital zu Augsburg ist in einer Pfründenordnung von 1462 die Spende genau vorgeschrieben. Doch durch die Reformation änderte sich die Einstellung gegenüber dem Klöckeln und es wurde in protestantischen Gebieten verboten (vgl. Werner, Werner 1999, S.291). Im katholischen Glauben hatte der Brauch weiter seinen Platz: Eine Schrift von 1593 betont: „Es soll sich ein Christ erinnern, dass die Klöpfelsnächt, die zu dieser Zeit einfallen, bedeuten, dass Gott der Herr und auch die Menschen beieinander anklopfen. Die Tür, daran Gott anklopfet, ist das Herz und klopft im Jahr nicht dreimal an, sondern ohne Unterlass..“ (Werner, Werner 1999, S.292)
Die Aufklärung fürchtete den Einfluss des Heischens und führte zum Verbot des Klöpfelns. Eine Überlieferung aus Nürnberg sorgt sich um Kinder, die durch „den durch Zeit und Gewohnheit sanctionierten, schändlichen Gebrauch“ zu verrohen drohen (vgl. Werner, Werner 1999, S.292). Das Kletzein hatte im Rupertiwinkel in dieser Zeit einen einfacheren Stand, da die Säkularisation im ländlichen Raum nicht so konsequent durchgeführt wurde.
Aus der Not heraus belebten Arbeitslose, Knechte und Mägde nach den Kriegen den Brauch in manchen Gebieten erneut, doch blieb er vielerorts unbekannt.
Gerade in Städten ist der Brauch auch an den letzten verbliebenen Orten wieder auf dem Rückzug. Das Heischen ist aufgrund des Reichtums der Bevölkerung kein Grund, um mit Liedern und Sprüchen von Haus zu Haus zu ziehen. Doch gibt es Beispiele von traditionsbewussten Einwohnern, die versuchen das „Kletzein“ aufleben zu lassen. So gingen im Jahr 2010 in Freilassing Gruppen unter Anleitung des Kulturreferenten und in Oberteisendorf der Kirchenchor. Informativ ist dabei, dass die Lokalzeitungen darüber berichteten. Wenn Erwachsene ziehen, geschieht das für einen „guten Zweck“. Gemischte Gruppen sind gerade dort wichtig, wo die Kinder den Brauch neu erlernen müssen und um ihn bei den unwissenden Hausbewohnern zu erklären.

Lieder und Texte

Kletzeilieder Sammlung:

Aus: Wolfram, Richard: Das Anklöckeln im Salzburgischen. Gegenwartsform und Brauchdeutung. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 95. Vereinsjahr 1955.

Bauer, hiaz samma halt da,
mia wünschen enk a glückselges Jahr.
Troad ganze Truchn voll,
Heu und Stroh a fei toll
Und an schön Haar (Flachs).
Mirchn (Stuten) tan a all tragn,
und an sakrischen Stier,
der was aufpaßt auf d´ Küah.

Heut is die heilige Glöcklnacht;
wer hat´s denn alla aufgebracht?
Drei alte Weiba und a Baßgeiga,
die tanzn d´ ganz Nacht
und bringan nix weida.
Wir wünschn an Herrn an golden Tisch,
auf all vier Eck an bratnan Fisch,
in da Mittn a Glaserl voll Wein,
des soll an Herrn sein Fruahstuck sein.
I hör die Schrefel scho kracha,
sie wern ma schon was bacha,
sie wern ma schon was bringa;
die Tür is verschlossn, die Fensta san zua,
i bitt um an Öpfl und an Kreuzer dazua.

Bauernleut, jetzt lasst enk sagn,
mir mechtn gern a Kletznbrot haben,
und a paar Äpfl a dazua,
dankn tat ma gnua.


Aus: Wolfram, Richard: Das Anklöckeln im Salzburgischen. Gegenwartsform und Brauchdeutung. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 95. Vereinsjahr 1955.


Anklöckler sein da,
gebts uns nua was, mir betn enk scho.
I hör a Feuer krachn,
die Bäurin tut was bachn,
i hör a Schüssel klinga,
die Bäurin tuat was bringa.
Gib ma fei an langa,
kann i´n leicht daglanga.
Gib ma fei an lindn,
dann kann i´n glei daschlindn.

Kletz, Kletz, klopf mar an,
hammar a zrißne Hosen an,
geht der Wind aus und ein,
Bäurin, schütt mar an Kübl voll Kletzn ein.

Aus: Wolfram, Richard: Das Anklöckeln im Salzburgischen. Gegenwartsform und Brauchdeutung. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 95. Vereinsjahr 1955.

Zu Weihnachten is a heilige Zeit, da is überall a Brot,
Mir ham aba hoier koa´s un tat uns recht oa´s not.
Und ´s Kletznbrot war freili guat, wir möchtn ´s ander a.
War dös amal a Wunnda, wann da amal koas war, ja war,
wanna da amal koas war.

O du mei liaber Bauer, hiatz sein mer schon mehr da;
außerschau tuat´s nit sauber, mir kemmant alli Jahr.
Mir sein ja nit wegn´s Gebn da, wegn´s Kinnda-schau gang her,
und so oft als mir halt kemmant, um oa´s wirscht allweil mehr,
ja mehr, um oa´s wirscht allweil mehr.

Und Kinner habts ös schöne und wachsn tean se toi,
se wern alle Jahr a Trum länga, am Gwandl kennt ma´s wohl,
Ferscht hamt eah dö Kittai i de Kniabög eihigschlagn,
hoier tretn´s mit d´ Fesn drauf, sein´s eingang um a Spann,
ja Spann, sein´s eingang um a Spann.

Henna hast du schöne, und legn tean se toi,
wer tuat denn da aufnemma, die Weiba brauchns wohl.
Se warnd ja sist zan singa, werscht haben selba nix z´viel,
es gebts es lieba in Männern, aft liegns viel weniga still,
ja still, aft liegns viel weniga still.

Wia stehts denn mit die Dirna? Hast du schon mehr vakehrscht?
Die schnittigan war´n wohl hoia, aba die schönan warn´s ferscht.
Die ferign hambt recht trockn tan, und gwesn sein se braun,
die hoirign lassns glei hocka, immt neamt dös nachaschaun.
Ja schaun, kimmt neamt dös nachaschaun.

Du mei liaber Bauer, oa´s müaß ma dir no sagn:
mir warn´t gern über Nacht da bliebn und traun uns gar net z´fragen.
----Mit´n Kochn da hätt´s nit viel Gscherr,
an Schnittn und an Straubn, dös kochat´s schleunig her, ja her,
dös kochat´s schleunig her.

Aus: George, Dieter (1979): Das Anrollen in der Tittmoninger Gegend. Ein vergessener Vorweihnachtsbrauch. In: Das Salzfass 13. Jahrgang (3), S. 107–112.

Überlieferte Fragen des Anrollens in Tittmoning:

Frage: Ba´sel! Sa´g ma´, wer dar Erscht in die Kircha drei is?
Antwort: Da Hall (welcher vom Schlüsselanstecken entsteht).

Älter
F: Was tatma denn iaz da: Du warst in Östareich drent und i herent und all zwe tatmar uns in da Salza zwahah und in oan Handtua atrückan?
A: A da Sunn atrückan?

F: Wann a Gans a Gans is?
A: Wanns alloanig is, sünst hoaßt s allwei: die Gäns

F: Wia kimmt die Kra üba d Salzar übari?
A: Schwarz.

Neuer (1925):
F: Was is für a Unterschied zwischn an Kirchtum und an Holzstempen?
A: Beim Turm is da Spitz nach oben, beim Stempen nach unten.

F: Was is der Unterschied zwischen enk Hausleut und uns Anroller?
A: Ihr schauts heaus- mir schaun hinein!

F: Was is der Unterschied zwischen Henastall, der Kircha und an Wald?
A: Im Henastall san Hena und Hana, in der Kircha han d´Weiba und Mana, im Wald san Feichtn und Tana.


Aus: George, Dieter (1979): Das Anrollen in der Tittmoninger Gegend. Ein vergessener Vorweihnachtsbrauch. In: Das Salzfass 13. Jahrgang (3), S. 107–112.

Anrollieder aus Tittmoning von Ferdinand Joly († 1823)

Mei Basel! du werst es wohl wissen: die
Anrollnacht is scho an uralter Brauch. Vor
Zweihundert Jahren hat´s gebn solche Narren, die die
Ganz Nacht marschirn um Klouzen und Birn.

Dö alden Brau´sollnt nimma gelten,
Schreit manicher Spreiza der aufgeklärten Welt.
Dös san ja grad Prahla;
Möcht´n ar alde Thala!
Es gebnt grad nöd gern,
Solche Neumodiherrn.

Die Zweschpen hamt heua scho g´raden;
Dös woaßt ja a sleba so guad alswia mir.
Dö Klouzen und Nussen,
Dö kannst nöt votuschn
Und Öpfin und Birn
Siagt ma haufansweis dürrn.

Dös is ja für uns a guads Zoacha.
Geh weida, mei Bäurin, und halt uns nöd auf!
Was gibt´s soviel z´schmatzen
Und z´spödlen und tratzen?
Bei uns is ´s koa Gspoas:
Hamt a viel z´weide Roas!

Nach erlangter Gabe ward gesungen:

So danken mir Aklöpfibuam dem Vettan
um die Gab! Hand´s Öpfin, Klouzen oda Ruam,
iaz hammas´ scho an Sak. Reischen hamma ga
nöd gern; tuat uns Allssant ruassi wern.
Oachin, Ruam, toant uns bessa taugn;
Künna ma s´ aussa klaubn.

Vettar und Basl alle zwoa!
Mir wünschent enk viel Glück,
Daß enk da liabe Go´d af´s Joa
Wieda was andas schickt!
Anrolln deama wieda dan,*
Jeda derf´s, wers richtig kann.*
Der Brau´ is ja scho lange Zeit,
Er is vo dö altn Leut.

Aus: Hager, Franziska; Heyn, Hans (1988): Drudenhax und Allelujawasser. Volksbrauch im Jahreslauf. 3. Aufl. Rosenheim: Rosenheimer (Rosenheimer Raritäten).

Fragen:
A immers Getrümmer, a hochs Gezimmer, a stoanane Wies- wannst a Jungfrau bist, derratst es gwiß. (Kirche mit Friedhof)
Was is in der Kircha umasunst drin? (s´ Dachl übern Prdistui, weil´s an Herrn aso net orengt)
Was geht umadum ums Holz und kon net nei? (Die Rinde)

Aus: Rattelmüller, Paul Ernst (1985): Bairisches Brauchtum im Jahreslauf. Vom Nikolo bis Kathrein. München: Süddt. Verl.

Holla, Klopfa san da!
denn heut ist eine heilige Klopfernacht.
Wir ziehen daher über Wiesen und Klee
und hüten dem Bauern sein Korn und sein Feld,
seine Rinder und Roß, seine Schaf und Schwein
Und kehrn a amoi wieder a anders Jahr ein.
Wir wünschen am Bauern an Kastn voll Korn,
dass er alle Woch ko in d´Schranna neifahrn.
Wir wünschen der Bäurin an goldenen Ring,
in der Mitt a kloans Sterndl und s´ Christkindl drin.
Wir wünschen an Roßknecht an Söchta voll Flöh,
in da Fruah, wenn er aufsteht, na hebt´sn in d´Höh.
Wir wünschen der Dirn vui tausadmoi Glück,
dass ihr im Milchsöchta d´Milli net grinnt.
Mir grüaß´n dö Bäuerin, mir grüaß´n dö Dirn,
mir grüaß´n kloa Kindl in da Wiagn drinn.
Mir kennan net allerweil dableibn,
mir müassn wieda geh,
für des, was man kriagt ham,
bedank ma uns schö.


Aus: Kiem, Pauli; Hergott, Fritz; Fanderl, Wastl; Kangerer, Anna: Kletzeilieder. Hg. v. Gauverband I. Weißbach. Internetdokument.

Grüaß enk God, Manna und Weiba,/heuntsend halt mia a wiesda da,

mia könnand heut gar net lang bleibea,/ ins geht ja die Zeit viel z´grob a.


Beim Tag derf ma nit recht pausiera,/ drum müaß ma iatz geh bei da Nacht
denn oanige teand grad studiera, / ja wia mas an Klöflan iatz macht
As send ebbas d´Leut gar so bsunna / und wolln halt das Klöpfln net habn
da roans oan ´s Ausijagn a no vogunna ,/ wo ma eh nix wia selba ´s Gscherr habn
Wegn dem toa ma deacht no grad lacha, / iatz kemmand scho d´Weihnachtn zwegn,
toans übarall Klötznbrot bacha, / de Dirn bet scho lang um an Segn.
Fürn Knecht wars hatl bessa a so da, / soid eahm koan Oschneida kriagn (Scherzl)

hat die Dirn ebba sonst koan Loda (Oschneida) / aft kunnt halt er´s Scherzl eischiabn.
An Bauan soid da Troad recht guat gradn / und Äpfi und Birn solls gebn a,
a Gras ja gar net zum dawadn, / a Kloanigkeit a alle Jahr.
Da Bäurin der tat mas vagunna, / wenn d´Henna brav legatn doi (fest),
an Winta so guat wia an Summa, / aft kochats enk Oarschmalz, woaßt wohl.
Alls Guate toand mir enk no wünschn, / no extra a guats a neus Jahr,
aft wern ma entk nimma lang schindn, / pfüat God, aft gehnt mia wieda a.

Aus “Annamirl Zuckerschnürl” von Wastl Fanderl

Wir ziehen daher in der stockfinstern Nacht,denn heut is die heilige Anklopfanacht.

Wir ziehen daher übern Bauern sei´Eck,
wir Hörn´s scho, wir sehngn´s scho, sie san scho im Bett.
Wir wünschen an Bauern an goldenen Wagn,
daß er recht gemüatlich in Himml ko fahrn.
Wir wünschen der Bäurin vieltausendmal Glück,
daß si koa Hender a Haxerl abbricht.
Wir wünschen der Hausdirn an goldenen Ring,
in da Mittn a Sterndl, liegt´s Christkindl drin.
Wir wünschen euch allen glückselige Zeit,
so lang euch der Herrgott das Leben verleiht.


Angerer Kletzeilied
Aus Adventsspiele aus dem Berchtesgadener Land
von Anna Kangler aus Anger

Kletz Kletz hant da! Kletz Kletz hant da/ geh toats uns auf dieTür! In unserm Sack die guatn Gabn,ihr wißts, die möchten mir: viel Guatln, die frisch bocha san und Nussn, die recht krocha tan und Aepfl rot und schwar.

Kletz — Kletz hant da!
Klet-z — Kletz hant da —
geh toats uns auf die Tür!
In unserm Sack die guatn Gabn,
ihr wißts, die möchtn mir:
viel Guatln, die frisch bocha san
und Nussn, die recht krocha tan
und Aepfl rot und schwar
und ZehnerIn mögn ma a.
Kletz — Kletz hant da!
Kletz — Kletz hant da —
toats wieder zua die Tür!
In unserm Sack die guatn Gabn,
mir sagn ,,Gelts Gott“ dafür.
Gott schütz die Leit, das Viech und s Haus
und alle, die gehn ein und aus
vor Krieg, vor Brand, vor Not,
vor Krankheit und vorm Tod.

Anklöpflied aus dem Brixental
Entnommen dem Heft “Wir ziehen daher, so spät in der Nacht”
herausgegeben vom Volksmusikarchiv Bezirk Oberbayern

Jetz san halt scho wieder mir Anklöpfer da mir ham a neus Liadl im heurigen Jahr.Mer kmman von Weitem zu euch da ins Haus. Wenn Weihnachten kimmt, treibts uns alle Jahr naus.
Mir wohn Euch verkünden die Ankunft des Herrn.
Er ist uns geboren, dass wir erlöst werdn.
Der Heiland ist kommen, ist bei uns allzeit!
Eröffnet die Herzen und seid voller Freud!
Mir wünschen Euch allen ein glücklich‘s neu‘s Jahr.
Gott schütz Euch vor Krankheit, vor Not und Gefahr.
In Euerem Leben viel fröhliche Stund?
Mir müaßn jetzt weiter, pfüat Gott, und bleibt‘ s gsund.

1.Jetzt ist halt schon die Klöpfelzeit, drum machen wir uns dran. Wir ziehen auf die freie Weid und klöpfeln fleißig an. Wir bleibn nicht vor der Türe stehn, wir traun uns scho ins Haus zu gehn, ins Haus zu gehn!

2. Gott grüß euch, Herr und Frau im Haus! / Wir singen euch was vor.
Es ist jetzt nicht mehr lange aus / und steht schon vor dem Tor
die liebe schöne Weihnachtszeit, /wo der Himmel und die Erd sich freut,
die Erd sich freut.
3. Das Jesukindlein wird jetzt bald / im Kripplein wieder sein.
Es friert, es ist ihm viel zu kalt: / 0 wärmt es fleißig ein!
Bringt ihm ein Herz voll Liebesglut, / damit es nicht mehr frieren tut,
nicht frieren tut.
4. Es werden bald die Engelein / das Gloria stimmen an.
Lauft all nach Bethlehem hinein, / ein jeder, was er kann!
Kniet nieder, betet an geschwind / das liebe holde Jesuskind,
das Jesuskind.
5. So zieret dann jetzt euer Haus, / ihr alle Groß und Klein,
mit vielen, guten Werken aus / damit es kehret ein,
das liebe heide Jesuskind, / das tilget aller Menschen Sünd,
der Menschen Sünd.
6. Wir danken euch mit Herz und Mund / für die gereichte Gab.
Der liebe Gott euch segnen tut / heut und auch alle Tag.
Wir wünschen, daß der gnädig Gott /bewahre euch vor aller Not,
vor aller Not.

Weblinks

Weitere Infos zur Vertonung der Liedtexte sind zu finden auf: http://www.gauverband1.de/Brauchtum/Kletzei/Kletzeilieder/kletzeilieder.html

Ein ähnlicher Artikel auf Brauchwiki: http://www.brauchwiki.de/Klopferstag

Belege und Literatur

Aiblinger, Simon (1976): Vom echten bayerischen Leben. Bräuche, Feste, Zeitvertreib. 2. Aufl. München, Bern, Wien: BLV-Verlagsgesellschaft.
Eberts, P. Gehard (1985): Feste und Bräuche im Jahreskreis. Erzählungen, Gedichte und Legenden zum Kirchenjahr. Aschaffenburg: Pattloch.
George, Dieter (1979): Das Anrollen in der Tittmoninger Gegend. Ein vergessener Vorweihnachtsbrauch. In: Das Salzfass 13. Jahrgang (3), S. 107–112.
Hager, Franziska; Heyn, Hans (1988): Drudenhax und Allelujawasser. Volksbrauch im Jahreslauf. 3. Aufl. Rosenheim: Rosenheimer (Rosenheimer Raritäten).
Kiem, Pauli; Hergott, Fritz; Fanderl, Wastl; Kangerer, Anna: Kletzeilieder. Hg. v. Gauverband I. Weißbach.
Koren, Hanns (1986): Volksbrauch im Kirchenjahr. E. Handbuch. Innsbruck: Pinguin- Verlag.
Lutz, Dieter (1966): Volksbrauch und Sprache. Benennung Volkstümlicher Phänomene in Winter- und Frühlingsbräuchen Südwestdeutschlands. Stuttgart: Silberburg-Verlag.
Oelwein, Cornelia (2006): Weihnachten im alten München. Dachau: Bayerland. Online verfügbar unter http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?id=2856706&prov=M&dok_var=1&dok_ext=htm.
Rattelmüller, Paul Ernst (1985): Bairisches Brauchtum im Jahreslauf. Vom Nikolo bis Kathrein. München: Süddt. Verl.
Werner, Paul; Werner, Richilde (1999): Weihnachtsbräuche in Bayern. Kulturgeschichte des Brauchtums von Advent bis Heilig Dreikönig. 1. Aufl. Berchtesgaden: Plenk.
Wolfram, Richard: Das Anklöckeln im Salzburgischen. Gegenwartsform und Brauchdeutung. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 95. Vereinsjahr 1955, S. 203–234.

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